Finanzkrise: Warum Amerikas Grippe so ansteckend ist

Die Deutsche Bank leidet, in England plündern Kunden ihre Konten, und sogar Kasachstan spürt Auswirkungen: Die US-Kreditkrise belastet Volkswirtschaften weltweit. Warum sich die Schockwelle so rasch ausbreiten konnte - und ob die jüngste Zinssenkung ausreicht, erklärt der Ökonom Willi Semmler.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,507469,00.html
  1. #1

    Gute Erklärung gefunden!

    Minsky's Erklärung ist nicht schlecht, aber die Friedman'schen Zinstheorien lassen auch diese durchdringenden Wirkungen falscher Geldmarktpolitik sichtbar werden, man muss nur die neuen Finanzprodukte mit einbeziehen (und die Psychologie der Gier) und man kann die inflationären Blasen besser identifizieren. Ich denke, man hat sie auch schon lange gesehen, durfte aber nicht stärker auf die Bremse treten (obwohl Greenspan wohl zugegeben hat, vor 2 Jahren noch nichts von der Überhitzung auf dem Immobilienmarkt wahregenommen zu haben !?). So hat man die Stotterbremse bei den Zinsen gefahren und jedesmal meinten alle, das es ja gar nicht so schlimm sei. Man hätte vielleicht mal den Marktteilnehmern rechtzeitig eine "Zins"-Ohrfeige geben sollen (oder alte Männer an der Spitze der Notenbanken austauschen).
  2. #2

    Schwach

    Ein intellektuell sehr schwacher Artikel, der vor zwei Monaten noch einen gewissen Neuigkeitswert gehabt hätte.

    Aberwitzig, die Behauptung der "robusten Konjunktur" im Rest der Welt, ohne zu bemerken, dass die kreditfinanzierte Nachfrage aus den USA zwangsläufig ganz erheblich absacken muss - für die EU gilt bezüglich UK proportional das gleiche - aber keine Volkswirtschaft in Sicht ist, die gewillt ist, die wegbrechende Nachfrage zu ersetzen. Damit ist die Rückwirkung auf die Leistungsbilanz-Überschuss "fahrenden" Ökonomien Deutschlands, Japans und Chinas kaum zu vermeiden, denn mit einem Politikwechsel aus Einsicht ist hier wohl als allerletztes zu rechnen.

    Außerdem scheint dem Ökonomie-Professor entgangen zu sein, dass die PE- und Hedgefonds-Welle auf genauso tönernen Füßen steht, wie der Privatkredit-getriebene Nachfrageboom und noch höhere Volumina im Spiel sind: Lassen sich deren Beteiligungen nur noch mit Verlust in Liquidität verwandeln, bricht auch dieses Kartenhaus zusammen. Denn auch für diesen "Sondermüll" an ausgeschlachteten Unternehmen werden sich keine Käufer finden, gleichzeitig verringern sich die Möglichkeiten der Unternehmen in der Rezession die laufende Zinslast für ihre jeweils eigenen Übernahmen noch zu erwirtschaften.
  3. #3

    Historie

    21. Juli: Die Sachverhalte schon mal grob umrissen, in der Mitte aber das unbrauchbare Fazit "Ob weitere Kettenreaktionen folgen, ist im Moment nur vage zu beantworten."

    Willi Semmler: Wie die Hedgefonds-Blase entstand - und platzte

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,495508,00.html

    Sonst nichts verwertbares zum Thema:

    http://service.spiegel.de/digas/serv...=11&Senden.y=7
  4. #4

    Finanzkrise, Warum Amerikas Grippe.....

    Ich verstehe nicht, wie Finanzexperten so wenig aufgepasst haben. Auch jetzt stellt man sich dumm. Wie konnte nur.... Wir Nichtexperten lesen seit mehr als einem Jahr von der Immobilienblase und der Masche der amerikanischen Banken, den Leuten einzureden, die Anlage in Wohnhaeusern sei ein gutes Geschaeft sowie von den Haushalts und Aussenhandelsdefiziten der USA, den 2 Billionen Dollar Reserven in Asien, die nach Anlagen suchen und jetzt natuerlich den Euro hochtreiben. Als die Schweiz einen aehnlichen Run auf ihr Geld vor wenigen Jahrzehnten erlebte, erhob das Land 10% Negativzinsen auf Neueinlagen pro quartal, also kumulativ 40 % pro Jahr. Damit war das Problem geloest. Wir dagegen tragen jetzt die unvermeidbare sich beschleunigende Entwertung des Dollars mit, dadurch verursacht dass die aussenstehende Geldmenge den Bargeld umlauf der USA um das Mehrfache ubersteigt und den taeglich faelligen Bankeinlagen in etwa entspricht. Sie koennen ja selbst einmal vergleichen. Helmut Schmidt, sonst sehr tuechtig ber damals noch unerfahren, stuetzte damals den fallenden Dollar, bis er nach einem Netto-Aufwand von 50 Milliarden dann merkte, dass man ihn und die deutsche Wirtschaft ueber den Tisch zog, nachdem wir ja bereits - im Gegensatz zu de Gaulle - keine Anstalten gemacht hatten, um die Bretton Woods Verpflichtungen der USA einzufordern, naemlich etwa 2 Milliarden Unzen zu damals 35 US$. Dass jetzt so genannte Wirtschaftsweise die EZB auffordern, Dollars zu kaufen um den Euro nicht zu hoch zu boxen, und dass andere, die es besser wissen muessten, sich in dieser seit langem bekannten Situation dumm stellen, zeigt nur dass sie sich nie richtig informiert hatten oder dass es heute wie stets opportun ist, die Dinge zu beschoenigen,
    Die Dinge waren vorauszusehen und zu erwarten. Man sollte jetzt richtig reagieren und die eigenen Interessen wahrnehmen, so wie es uns vorgemacht wird. Lesen Sie hierzu Milton Friedman.
  5. #5

    Lungenentzündung ?

    Wenn die USA die Grippe hat, dann bekommt die EU eine Lungenentzündung ?

    Dieser Zusammenhang stimmt m.E.n. nicht im Kontext mit dem EU-Währungsraum. Diese Floskel wurde im Verhältnis Deutschland : USA verwendet. In Ableitung der Bemerkung: Wenn es General Motors schlecht geht, dann geht es auch den USA schlecht.

    Grippe übersetze ich mit Anlageverhalten der Banken. Die Banken auf der Renditejagd haben erhebliche Federn lassen müssen. Eine Lungenentzündung dürfte aber weder Deutsche Bank noch die Commerzbank haben.

    ALLERDINGS DENKE ICH AUCH MANCHMAL AN ARGENTINIEN. Ich habe noch die Bilder im Kopf, als ein Run auf die Konten in Buenes Aires einsetzte. Deshalb hatte ich das Thema Anlagensicherung in der BRD / EU hier im Forum angerissen. War aber nicht auf besondere Resonanz gestoßen. Deshalb kannn es wohl noch nicht so schlimm sein mit den physischen Verfassung der Anleger / Kontoinhaber.
  6. #6

    Zitat von Horst Ziegler Beitrag anzeigen
    ALLERDINGS DENKE ICH AUCH MANCHMAL AN ARGENTINIEN. Ich habe noch die Bilder im Kopf, als ein Run auf die Konten in Buenes Aires einsetzte. Deshalb hatte ich das Thema Anlagensicherung in der BRD / EU hier im Forum angerissen. War aber nicht auf besondere Resonanz gestoßen. Deshalb kannn es wohl noch nicht so schlimm sein mit den physischen Verfassung der Anleger / Kontoinhaber.
    Huiuiui, mit Anlagensicherung im Sinne von reinem Werterhalt bzw. Wertsicherung werden Sie es hier sehr schwer haben. Hier im Forum zählt nur Anlage, Rendite, Geld arbeiten lassen, Zins, Kurssteigerung, Kohle machen ohne zu arbeiten usw. Das systemische Risiko ist landläufig ausgeblendet. Aber das war in Argentinien genau so. Vor dem Crash blindes Vertrauen in die Banken.

    Für alle, die die Bilder von Argentinien nicht mehr im Kopf haben, hier sind sie nochmal:

    http://www.youtube.com/user/highwired77
  7. #7

    Einige sahen das ja schon eine weile......

    Wenn die Welt anstatt staendeig ihre Produkte in die USA zu schaufeln etwas weniger Gierig und vorrausschauend gewesen waehre dann waehre ein wegfallen des US Marktes weniger dramatisch als er sich jetzt abzeichnet.

    Die Frage die sich jeder stellen sollte ist ob China und Russland einen Markt haben der gross genug ist um wenigstens zum Teil die Gueter / Waren aufzufangen die wohl bald nicht mehr in der USA verkauft werden koennen, und ich denkemal das ist nicht so warscheinlich.

    Wie jemand mal vor drei Jahren in einem Artikel schrieb (den ich grad nicht mehr finden kann): "China hat nach der Rezession wenigstens noch die Fabriken, in den USA hingegen hat man ja Systematisch ueber die vergangenen 20 Jahre alles verkauft was nicht niet und nagelfest war."
  8. #8

    Zitat von mkalus Beitrag anzeigen
    Wenn die Welt anstatt staendeig ihre Produkte in die USA zu schaufeln etwas weniger Gierig und vorrausschauend gewesen waehre dann waehre ein wegfallen des US Marktes weniger dramatisch als er sich jetzt abzeichnet.

    Die Frage die sich jeder stellen sollte ist ob China und Russland einen Markt haben der gross genug ist um wenigstens zum Teil die Gueter / Waren aufzufangen die wohl bald nicht mehr in der USA verkauft werden koennen, und ich denkemal das ist nicht so warscheinlich.

    Wie jemand mal vor drei Jahren in einem Artikel schrieb (den ich grad nicht mehr finden kann): "China hat nach der Rezession wenigstens noch die Fabriken, in den USA hingegen hat man ja Systematisch ueber die vergangenen 20 Jahre alles verkauft was nicht niet und nagelfest war."
    Das ließ sich in der Dokumentation auf ARTE letzte Woche ganz anders an – chinesische Produkte überschwemmen den Markt, weil sie so billig sind. Warum sollte sich dies ändern? Wird das Geld knapper, werden erst recht Produkte aus Fernost gekauft, auch wenn sie wegen der Abwertung des Dollars teurer werden sollten. Schwierigkeiten dürften eher die Nationen bekommen, die in die USA hochwertige Produkte exportieren.
  9. #9

    Mehr Gewinne bringen mehr Lohn

    Ich bin mit sicher, dass die Marktteilnehmer sich der Risiken sehr genau bewusst waren.

    Aber in den Finanzinstituten gibt es Bonuszahlungen und Karriere nicht für die Mitarbeiter, der auf Risiken aufmerksam machen und vorsichtig agieren, sondern für die, die dicke Gewinne einfahren. Und dazu muss riskant investiert werden.

    Und wenn der Markt alle zehn Jahre mal kippt, ist man vielleicht den Job los, aber als die Sonne noch gescheint hat, hat man genug verdient um das zu verkraften.

    Das ist derselbe Mechanismus, der auch in Grossunternehmen wirkt: Wer dieses Jahr die Gewinnmargen hochfährt, kriegt seinen Bonus und wird auf eine neue Stelle befördert. Zurück bleibt dann die kaputtgesparte Abteilung.