Internet: "Mir bleibt nur der Rückzug"

Der deutsche WikiLeaks-Sprecher Daniel Schmitt, 32, über sein Zerwürfnis mit Julian Assange, dem Gründer der Enthüllungsplattform, seinen Ausstieg aus der Organisation - und seinen richtigen Namen

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,719604,00.html
  1. #1

    Große Sache

    Nicht dass es mich freuen würde, ganz im Gegenteil, wenn solch gute Projekte ins Wanken geraten. Aber es bestätigt die These, der ich huldige: es gibt keinen Altruismus. Wenn etwas nicht wenigstens das persönliche Wohlbefinden erhöht, wird es freiwillig nicht getan. Und wie man hier sieht, ist die Große Sache nicht groß genug, um sie über persönliche Belange, welche im Einzelnen auch immer das sind, zu stellen. Deshalb ist jedem Erfolgreichen zu misstrauen, von Mutter Theresa bis Adolf Hitler. Natürlich kann man von niemandem verlangen, sich wie ein Kamikaze ins Verderben zu stürzen. Aber davon ist hier ja noch lange nicht die Rede.
  2. #2

    dezentral

    Er hat schon recht, Websites müssen sich bei stürmischem Wachstum professionalisieren, sonst gehen sie am eigenen Erfolg zugrunde. Und es darf nichts von Einzelpersonen abhängig sein, sondern muß dezentral -aber nach klaren Zielen und Grundsätzen- organisiert werden. Auch Wikipedia ist erst seit der Emanzipation vom Gründer Jimmy Wales eine wirklich "freie" Enzyklopädie.
  3. #3

    Ein provoziertes Zerwürfnis ?

    Schmitt und Assange haben ihr gegenseitiges Vertrauen verloren. Beide sollten sich einmal fragen, ob dies ausschliesslich während persönlicher Auseinandersetzungen geschehen ist, oder ob jeder von ihnen auch noch durch Zuträger oder "in den Weg gelegt" mit "Informationen" über den jeweils anderen "versorgt" worden ist. Es könnte auch sein, dass ihr Verhältnis durch geheimdienstliche Aktivitäten zielstrebig zersetzt worden ist: Solche Zersetzungen lassen sich nur vermeiden, wenn beide Parteien sich gegenseitig absolut offen Rechenschaft darüber ablegen, was sie voneinander denken und welche Informationen von dritter Seite dabei eine Rolle spielen. Diese Quellen und zusätzliche von aussen empfangenen Vorbehalte werden bei Auseinandersetzungen gern verschwiegen. Das ist ein Fehler, weil damit eine kritische Prüfung und mögliche Gegenbeweise gar nicht erst vorgenommen werden. Statt dessen gibt es Vorwürfe, die für den jeweils anderen schwer nachvollziehbar sind, mit dem Ergebnis eines Zerwürfnisses. Die Bemerkung: "Ankläger, Richter und Henker in einer Person" spricht dafür, dass hier einiges sehr emotionalisert abgehandelt und im Unklaren geblieben ist. Und die Ursachen dafür sollten unbedingt geprüft werden.
  4. #4

    Genauso...

    Zitat von specchio Beitrag anzeigen
    Aber es bestätigt die These, der ich huldige: es gibt keinen Altruismus. Wenn etwas nicht wenigstens das persönliche Wohlbefinden erhöht, wird es freiwillig nicht getan.
    ... ist es. Deswegen sollte man dafür sorgen, dass sich Mitarbeiter, aber auch ehrenamtlich tätige Menschen wohl fühlen. Dann bekommt man viel mehr, als wenn man sie bezahlen würde... Das kapiert nur in Deutschland kaum einer.
  5. #5

    naja

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der deutsche WikiLeaks-Sprecher Daniel Schmitt, 32, über sein Zerwürfnis mit Julian Assange, dem Gründer der Enthüllungsplattform, seinen Ausstieg aus der Organisation - und seinen richtigen Namen

    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,719604,00.html
    Ich hab den Daniel persönlich getroffen...bei netzwerk im NDR...netter Junge aber auch etwas überlastet...schon vor 1 Jahr, als es noch nicht so heiss herging...wenn meine Quelle so unsicher ist, dass ich sie nicht schützen kann, veröffentliche ich das Material nicht unbedingt! Aber solche Ethik ist im Journalismus schon lange verloren gegangen!
  6. #6

    Lieb zu den USA sein?

    So so: "Aber diese eindimensionale Konfrontation mit den USA ist nicht das, wofür wir angetreten sind. Es ging uns immer darum, Korruption und Missbrauch von Macht aufzudecken, wo auch immer sie stattfinden, im Kleinen wie im Großen, auf der ganzen Welt."
    Na klar, Schweinerein des Bürgermeisters von Unter-Kötschenbroda sind so wichtig wie Pentagon Papers. Da haben die Repressionsspezialisten aus Washington wohl einen Erfolg einfahren können.
  7. #7

    Der ganz normale Wahnsinn

    Zitat von ELIASS Beitrag anzeigen
    (..)Solche Zersetzungen lassen sich nur vermeiden, wenn beide Parteien sich gegenseitig absolut offen Rechenschaft darüber ablegen, was sie voneinander denken und welche Informationen von dritter Seite.....
    Und siehe: Staaten und deren Regierungen machen es sich da viel einfacher und erlassen "per Dekret" Bschlüsse um die Leichen im Keller "im Interesse der nationalen Sicherheit" geheim zu halten. Ich möchte nicht wissen wieviel nackte Angst und Paranoia in den Herrschaftsetagen herrscht die allein aus solch Verwicklungen um "Tabuthemen" herum entsteht. Kein Wunder also, dass solch staatlich verkungelte "Institutionsmonster" wie ein waidwundes Tier reagieren wenn man Salz in die Wunde gibt. Genau DAS ist Teil "der Verschwörung" für die man gar keine dunklen Puppenmeister zum Fädenziehen braucht.
    Otto-N kann sich wahrscheinlich nicht mal ansatzweise vorstellen was es bedeutet sich z.B. mit den USA oder irgendeinem anderen Staat auf diese Weise anzulegen - wenn nicht einmal die Presse/Medien dies nachhaltig zu tun bereit sind.
  8. #8

    ...

    Zitat von Kassander Beitrag anzeigen
    Na klar, Schweinerein des Bürgermeisters von Unter-Kötschenbroda sind so wichtig wie Pentagon Papers. Da haben die Repressionsspezialisten aus Washington wohl einen Erfolg einfahren können.
    Da überinterpretieren Sie wohl ein wenig. Kern der Aussage war doch schlichtweg, dass WikiLeaks ursprünglich ein neutrales, nicht politisch oder sonst wie gewichtendes Projekt mit dem beschriebenen Ziel darstellen soll. Weshalb eine übermässige Fokussierung auf einzelne medienwirksame Scoops und die öffentliche Reduzierung auf eine Anti-USA-Plattform halt in der Tat kontraproduktiv sind. Womit ich keineswegs sagen will, dass die Veröffentlichung der entsprechenden Dokumente nicht richtig und wichtig war. Aber es gälte halt in der Tat nicht deswegen die Leitsätze über Bord zu werfen, weshalb man Schmitt da wohl zustimmen muss. Zumal dieser wohl mehr Einblick in die Situation hat als Aussenstehende. Im übrigen ist auch der Sarkasmus an der Stelle eigentlich unbegründet, erstens muss es ja nicht "Unter-Kötschenbroda" sein, es gibt immerhin noch einiges zwischen Weltmacht und Kuhkaff, und zweitens - auch wenn das ja viele immer ungern hören - hat halt wirklich so gut wie jede andere Regierung auch reichlich Dreck am Stecken, ob im Grossen oder Kleinen. Und das gehört nicht unter den Teppich gekehrt nur weil jemand irgendwo noch mit grösserer Kelle anrichtet..
  9. #9

    Wirkung total unterschätzt

    Zitat von Kassander Beitrag anzeigen
    So so: "Aber diese eindimensionale Konfrontation mit den USA ist nicht das, wofür wir angetreten sind. Es ging uns immer darum, Korruption und Missbrauch von Macht aufzudecken, wo auch immer sie stattfinden, im Kleinen wie im Großen, auf der ganzen Welt."
    Na klar, Schweinerein des Bürgermeisters von Unter-Kötschenbroda sind so wichtig wie Pentagon Papers. Da haben die Repressionsspezialisten aus Washington wohl einen Erfolg einfahren können.
    Ich finde Sie machen einen großen Denkfehler in Ihrer Argumentation: Sie vergessen, dass die Skandale im Pentagon einerseits qualitativ genau gleich ekelhaft sind, wie die Schweinereien des Bürgermeisters von Unter-Kötschenbroda und zugleich ein Resultat vieler Schweinereien, die in vielen Unter-Kötschenbrodas stattgefunden haben und im Pentagon mindestens einen der Akteure dazu zwingen, zu korrumpieren und seine Macht zu Missbrauchen.
    Ich finde daher, dass Daniel Schmitt recht hat. Es bringt nichts, die Symptome zu bekämpfen, man muss auch die Ursachen aufdecken.