Hochschulen - arbeiten Studenten zu wenig für ihr Studium?

Studenten sollen studieren, doch der Alltag sieht meist anders aus. Neben dem Studium räumen die Hochschüler auch Jobs sowie der Freizeit breiten Raum ein. Wie verträgt sich dies mit der Berufsausbildung? Arbeiten Studenten zu wenig für ihr Studium?
  1. #460

    Unterschiedliche Studienfächer

    Man sollte hier mal unterscheiden zwischen den Studienfächern. Die Erfahrung zeigt mir, dass bei Geisteswissenschaften und vielen ex-Magister Studiengängen wohl sehr viel Zeit zum rumlungern bleibt wenn man nicht von sich aus ambitioniert ist. Lehramt ist da ein gutes Beispiel.

    Aber wie die Leute, die vor ein paar Jahren ihren Diplom mit 4-gewinnt im Grundstudium und der Notenbildung hauptsächlich im Hauptstudium mit Seminararbeiten etc. gut abgeschlossen haben, die aktuelle Lage der Bachelor Studenten bewerten wollen ist halt wieder typisch.
    Ich habe vor kurzem mein Bauingenieur-Studium abgeschlossen und bei uns wurde, Bologna sei Dank, einfach nur die Studiendauer mit dem Wegfall eines Praxissemesters von 8 auf 7 Semester gekürzt.
    Dafür zählten bei uns dann alle Noten einschl. Grundstudium zur Abschlussnote dazu und das weggefallene Praxissemester durften wir dann während der ersten 4 Semester in den ferien nachholen. Dazu noch die allgemeine Meinung ein Bachelor wäre weit unter dem Diplom anzusiedeln. So jetzt haben wir also den Fall, dass man von Anfang an gas geben muss wegen den Noten und in den Aussiebefächern auch gute Noten schreiben muss, umso mehr, da der Bachelor ja schlechter gesehen wird und das alles in kürzerer Zeit.

    Dazu noch Studiengebühren die in unserem Fall bei 650 liegen die erstmal verdient werden müssen.

    Jetzt heisst es hier in dem Artikel die Studenten würden wenig tun für ihr Studium und mehr arbeiten gehen, das sagen dann Leute die irgendwann studiert haben als die Vorzeichen nunmal ganz anders waren und als Beleg für ihre Meinung eine Umfrage mit 121 Leuten durchführen.

    Ich für meinen teil war während meines Studiums selten vor 1-2 Uhr nachts im Bett. Und das nicht weil ich jeden Tag Party gemacht habe. Es gibt natürlich auch studentenfreundlichere Studiengänge mit Nachterminen für Klausuren, Blockunterricht mit anschließender Klausur oder erheblich gekürztem Studieninhalt, aber dass Studenten allgemein zu wenig tun ist einfach falsch. Da kann man ja schon fast eine vergleichbare Studie mit Kommentaren hier im Forum zusammenstellen, die das Gegenteil mit gleicher Aussagekraft darstellt..
  2. #461

    Der artikel geht von einer Einseitigen Perspektive aus, indem erfolgreiches Studieren mit Kriterien wirtschaftlicher Effizienz gemessen wird. Wer aber gut auf seinem Gebiet sein will, muss nicht nur eine bestimmte Stundenzahl arbeiten, sondern vor allem TIEF in die Materie dringen, lesen, denken. Wer einmal 10 Stunden am Tag an einem Thema ackert, merkt schnell, dass die Konzentration nachlässt und sich gute neue Ideen und Erkenntnisse erst bei Entspannung und Verarbeitung der Materie einstellen.
  3. #462

    Diese Frage lässt sich zwar nicht verallgemeinern aber ich bin es leid das von aussen stets negativ auf die Studentenschaft geschaut wird. Drei bis Fünf Jahre mit den niedrigsten Mitteln auszukommen ist eine Sache, die Angst dennoch beruflich nicht weit zu kommen, die andere. Der Großteil aller Studenten muss sich sein berufliches Ideal zudem mit Nebenjobs aufrechterhalten, da im Schnitt fürs leben oftmals weniger übrig bleibt als dies durch Sozialleistungen der Fall wäre.

    Zudem steigt der gesellschaftliche Druck, sodass immer weniger das Gefühl eines Feierabends kennen..und das in den wichtigen Jahren der Findungsphase und des Erwachsen werdens!

    Mir ist zwar klar dass dies eine höchst subjektive Sicht ist und auf den Erfahrungen meines Studiums beruht, dennoch wäre es schön wenn Studenten mal einfach machen lassen würde ohne stets mit erhobenen Zeigefinger daneben zu stehen. Die Cleveren kommen so oder so an ihr Ziel!
  4. #463

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Studenten sollen studieren, doch der Alltag sieht meist anders aus. Neben dem Studium räumen die Hochschüler auch Jobs sowie der Freizeit breiten Raum ein. Wie verträgt sich dies mit der Berufsausbildung? Arbeiten Studenten zu wenig für ihr Studium?
    Ich für mich selbst kann bestätigen, dass ich wenig arbeite.

    Allerdings nicht zu wenig, denn mein Notenschnitt beträgt im jetzigen Abschlusssemester 2,0, trotz 75% fehlen in Seminaren (manche Dozierende haben mich nie gesehen), trotz einem Semester "Pause, trotz 3-4 Party in der Woche.

    Und obwohl ich keine Ahnung von der Materie habe schauen die Arbeitgeber regelmäßig bei Praktikaanfragen mit Achtung auf meine Bewerbung, da sowohl meine Schule als auch meine Uni in den letzten Jahren irgendwelche bla-bla-bla-Auszeichnungen bekommen haben. Labert man dann noch schön drumherum, ist auch das trotz Nicht-Wissens kein Problem.

    Hier ein paar Tips:

    1. Prüfungsordnungen durchlesen: Dozierende versuchen oft mit gezielter Fehlinformation mehr Arbeit herauszukitzeln, in meinem Fall war das oft aus Profilierungsgründen. Den Dozierenden wurde die Hose feucht bei dem Gedanken den Studierenden so richtig einen reinzuwürgen. Wer um seine Rechte weiß, macht nur das was nötig ist.

    2. Politische Einstellung herausfinden: Bei schriftlichen Arbeiten macht sich das immer gut, im Zweifel erkennt sie der Dozierende am Schreibstil, und wenn sie dann politisch konforme Sachen positiv hervorheben, gibts meist ne bessere Note.

    3. Schon zu Beginn des Semesters starten: An meiner Hochschule gibts keine Anwesenheitspflicht, weswegen ich schon zu Beginn inhaltslose Arbeiten geschrieben hab, nicht in die Seminare ging und dann am Ende die Arbeit abgab, was in einer 1,0 mündete.

    4. Bei Klausuren abwarten: Und zwar bis zu dem Zeitpunkt, wo möglichst viele Studierende gleichzeitig schreiben. Dann wollen die Dozierenden sie loswerden, denn es hat ja niemand Lust bei hoher Durchfallquote im nächsten Semester mehrere Veranstaltungen laufen zu lassen, was Zeit / Geld kostet.

    5. Uni aussuchen: Wichtig ist hier, eine Uni auszuwählen, welche prestigegeil ist. Ist dies der Fall, hat die Unileitung ein starkes Interesse an guten Abschlüssen. Zu hohe Durchfallquoten machen sich nicht gut für die "Tradition" der Uni, sodass auch mal ganze Jahrgänge mit unter 2,0 abschließen.
  5. #464

    titel

    Zitat von Kojo T Beitrag anzeigen
    Nach meiner Erfahrung fehlen mindestens einem Viertel der Uni-Studenten kaufmännischer Studienrichtungen grundlegende Fertigkeiten, die für einen Verkäufer auf Wochenmärkten unabdingbar sind (elementares Rechnen, etwa 1kg..14€, 500g..?€, 400g kosten 6€ - Kilopreis?; Abschätzen von Größenordnungen, Vergleichen zweier Zahlen, etwa "ist 73 größer oder kleiner als 80?")
    wen wollen sie hier eigentlich veräppeln? glauben sie allen ernstes, das sie auch nur an einer halbwegs seriösen universität einen studenten eines kaufmännischen studiums finden, der ihnen nicht verraten kann, ob 73 größer oder kleiner als 80 ist?
    das nimmt ja immer wahnsinnigere züge an - die lobpreisung der vergangenheit. das niveau an universitäten ist mit sicherheit nicht großartig gesunken oder gestiegen im laufe der letzten jahre, das viele ältere semester und herrschaften das gerne behaupten steht auf einem anderen blatt.
    und überhaupt:
    hier wird über einer studie diskutiert, die primär geisteswissenschaftliche studiengänge untersucht. da ist der ausgang doch schon vorprogrammiert.
    nächstes mal bitte besser machen, danke.
  6. #465

    Zitat von NN1 Beitrag anzeigen
    hier wird über einer studie diskutiert, die primär geisteswissenschaftliche studiengänge untersucht. da ist der ausgang doch schon vorprogrammiert.
    nächstes mal bitte besser machen, danke.
    Das ist der Punkt. Erfüllen wir mit einem geisteswissenschaftlichen Studium die Grundvoraussetzungen, unsere Alltagssituationen zu meistern? Sicherlich klingt das überaus widersprüchlich, da diese Voraussetzungen schon in den Grundschulzeiten geprägt werden müssten. Jedoch konzentrieren wir uns in der heutigen Zeit auf das Optimum.

    Ein Niveau, welches so hoch ist, dass es uns die Fähigkeit raubt, einfach zu denken. Dann stehen wir vor dem Gemüsestand und registrieren, dass der Verkäufer die Grundrechenarten besser beherrscht als wir, weil er routiniert ist.

    Ich würde die Thematik nicht unter den Tisch kehren. Der typische Werdegang, zieht das Abitur und anschließend das Studium vor. Selbstverständlich!

    Wir reden ständig von der Selbstverständlichkeit, aber wie selbstverständlich kann der alltägliche Einkauf sein, wenn wir auf geisteswissenschaftlichem Niveau die Beträge unserer Einkaufsliste zusammenzählen und dafür mehr Zeit benötigen als die Verkäufer hinter der Kasse?
  7. #466

    Zitat von aquaremu Beitrag anzeigen
    Mit Freizeit: Die gehört zum Leben dazu. Partys, am PC rumgammeln wie jetzt z.b., Nicht-Fachlektüre lesen, mit Freunden was machen ect ist alleine schon als Ausgleich und Quell von Freuden vonnöten. Was für ein Abschluss jemand erreichen und wieviel jemand wissen will, muss er selbst wissen, einschließlich der Konsequenzen. Klar, man kann immer mehr machen, als man es schon aktuell tut, aber solange jemand die gesteckten Ziele erreicht, "arbeitet" er nicht zuwenig fürs Studium, sondern genau richtig. Zuviel wirds erst dann, wenn die Lebensqualität drunter leidet, alles von gerade genug bis dahin ist immernoch genau richtig.

    Sorry, dass ich des so sag, aber ich find die Frage, so wie sie dasteht, ziemlich dämlich gestellt (oder aber dies ist Absicht, um die Schreiber herauszufordern ;) )und ich sehe da auch keinen Diskussionsbedarf.
    Sorry, da kann ich anderes berichten: in den Jahren meines Studiums habe ich seinerzeit eben dieses Studieren zum Lebensinhalt erklärt, zum "Quell von Freuden", zum Maßstab für die "Lebensqualität". Die Zeiten des Herumhängens und der Partys lagen davor in der Gym-Zeit und wurden zugunsten des Studiums beendet. Das schloss ein, dass alte (Schul)freundschaften erst einmal beiseite gelegt wurden, dgl. die Kumpels ausm Sportverein. Das sind nur wenige Jahre gewesen, und sie erforderten alle Zeit und Nervenkraft, Munterkeit und Aufmerksamkeit, um die zwei Dutzend Fächer mit Prüfungen zu absolvieren. Spaß und Party gab es anschließend in besserer Qualität wieder ausreichend.
  8. #467

    Guten Tag,

    ich arbeite gerade an meiner Bachelorarbeit zum Thema Bildungsmotivation und Leistungsmotivation, was gut in diese Diskussion passt. Es würde mich freuen, wenn möglichst viele an dieser Umfrage teilnehmen würden. Sie würden mir damit sehr helfen. Ich bedanke mich schon einmal!

    Hier der Link zur Umfrage:

    https://ww3.unipark.de/uc/Bildungsmotivation/
  9. #468

    Zitat von sam00 Beitrag anzeigen
    Guten Tag,

    ich arbeite gerade an meiner Bachelorarbeit zum Thema Bildungsmotivation und Leistungsmotivation, was gut in diese Diskussion passt. Es würde mich freuen, wenn möglichst viele an dieser Umfrage teilnehmen würden. Sie würden mir damit sehr helfen. Ich bedanke mich schon einmal!

    Hier der Link zur Umfrage:

    https://ww3.unipark.de/uc/Bildungsmotivation/
    Ich habe an Ihrer Umfrage teilgenommen. Leider fehlten etwas:
    - Bildung/Ausbildung führt zu Fähigkeiten, in einem Beruf ein zuverlässiges, hochwertiges Arbeitsergebnis abliefern zu können: der Architekt ein Haus, der Arzt einen Gesundeten, der Lehrer kluge Kinder usw. Und für viele ist dieses Streben nach einem guten Ergebnis der eigenen Arbeit die wichtigste Motivation für die Ausbildung.
  10. #469

    Exakt!

    Zitat von nubler Beitrag anzeigen
    mal n paar worte zu den zeiten:
    bologna: 1800h in 45 wochen

    rechnet man die zeit für vorlesung+zeit bis schreiben der klausur sin mer großzügig bemessen bei 30 wochen, in real sins noch weniger. soviel zu 40h woche...

    und zumindest die mechatronikdaten sollten nochmal überprüft werden sollten, da diese sehr seltsam ausschaun.
    Sehe ich genauso, meine Schwester studiert und beklagt sich ständig, dass sie so viel zu tun hat (Hausarbeiten, Referate, etc.).

    Ich mache eine Ausbildung (laut Vertrag mit 39,5h pro Woche), aber wenn ich Hausaufgaben, Referate und Klausurvorbereitung, sowie das Schreiben des Berichtshefts und Überstunden dazu rechne, komme ich gut und gerne auf 45h im Schnitt pro Woche, wenn Klausurphase ist auch gerne mal auf 50h.

    Außerdem sehe ich sehr viele Studenten in der Innenstadt abhängen bzw. sie fahren um 10.00Uhr zur Vorlesung um dann um 14.00Uhr wieder nach Hause zu fahren...

    Von mir aus können bundesweit die Studiengebühren abgeschafft werden, aber dann sollten die Studenten auch mal studieren und nicht so ein Lotterleben führen.

    P.S. Ich möchte anmerken, dass ich nicht alle Stundenten meine, aber doch eine große Mehrzahl.