Ausmusterungen - Wehrgerechtigkeit ad absurdum?

Immer mehr Wehrdienstpflichtige werden derzeit aus teils unverständlichen Gründen ausgemustert. Von Wehrgerechtigkeit kann oft kaum noch gesprochen werden. Wie sind Ihre Erfahrungen?
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Immer mehr Wehrdienstpflichtige werden derzeit aus teils unverständlichen Gründen ausgemustert. Von Wehrgerechtigkeit kann oft kaum noch gesprochen werden. Wie sind Ihre Erfahrungen?
    Tja, mein Bruder wurde als T1 gemustert und am Tag meiner Vereidigung wurde er arbeitslos und blieb es für die nächsten 9 Monate (mit kleinen Unterbrechungen). Es wundert mich bis heute warum der nie eingezogen wurde, ich meine wie oft hat man schon einen T1?
  2. #2

    Politik

    Bei allem, wo Politiker ihre Dreckspfoten reinstecken, kann nur noch Dreck rauskommen.
    Warum sollte es bei der Wehrgerechtigkeit anders sein. Es gibt genügend Juristen in der Politik. Da wird man doch eine Vergewaltigung schon mal eine Wohltat nenen dürfen.
  3. #3

    Fuer maennliche Studenten, die ihr Studium vor Einfuehrung der Studiengebuehren begonnen haben und Wehrpflicht oder Ersatzdienst, also einen Dienst zum Wohle der Allgemeinheit, getaetigt haben ist die Tatsache, dass Gleichaltrige nicht zum "Bund" mussten, sprich ein Jahr laenger umsonst studieren konnten, ein Schlag ins gesicht.
  4. #4

    Da wundert sich einer?

    Es ist doch völlig logisch, dass die Bundeswehr, die ohnehin chronisch unterfinanziert ist, zusieht, dass sie sich keine vorbelasteten Halbinvaliden holt. Kann sich hier überhaupt jemand vorstellen, wie Bundeswehrärzte, Zahnärzte etc. von Wehrpflichtigen belagert werden, die noch schnell einen kostenlosen Zahnersatz brauchen? Oder von Rekruten, die sich am Wochenende beim Fußball die Knochen kaputt treten lassen und dann montags freudestrahlend im Bundeswehrkrankenhaus sitzen?

    Ich kann dieses ganze gemeckere nicht nachvollziehen. Ich wollte den Grundwehrdienst als unverbindliche Probezeit nutzen, um herauszufinden, ob ich die Offizierlaufbahn einschlagen will. Ich bin während meiner Ausbildung T1 gemustert worden, weil ich gesagt hab 'nein, nein, gegen den Heuschnupfen brauch ich keine Medikamente, so wild ist das nicht' und dann hab ich mich bis zum Ende der Ausbildung zurückstellen lassen. Mit bestandener Prüfung habe ich mich beim KWE gemeldet und konnte mir einen Ort zum Dienst und die damit verbundene Tätigkeit AUSSUCHEN! Ich bin als Informatikkaufmann mit offenen Armen empfangen worden!

    Da geblieben bin ich zwar doch nicht, aber das hatte nichts mit den Strukturen der Bundeswehr zu tun. Ich wüsste nicht worüber man sich in dieser ganzen Angelegenheit beschweren sollte.

    Ich kann ganz gut verstehen, dass die BW sich geeignete GWDL rauspickt, von denen sie profitiert und wo sie nicht nur Geld hinterherschmeißt.

    KNT
  5. #5

    Vor paar Jahren wurde ich auf T2 gemustert. Gab auch noch T7er.

    Aber was heute praktiziert wird, ist ja doof. Dann sollte man die Wehrplficht gleich abschaffen und einen sozialen Dienst für Frauen und Männern einführen.

    Die bestehende Regelung diskriminiert Männer ohnehin!
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Immer mehr Wehrdienstpflichtige werden derzeit aus teils unverständlichen Gründen ausgemustert. Von Wehrgerechtigkeit kann oft kaum noch gesprochen werden. Wie sind Ihre Erfahrungen?
    Von Gerechtigkeit zu sprechen ist wirklich absurd, ein guter Freund und ich wurden nahezu zeitgleich gemustert, wir spielten beide Fussball im Verein, ich noch Tennis, er noch im Skiverein, beide ohne Verletzung die über ne Zerrung oder mal nen Verstauchtes Handgelenk / Ausgekugelte Schulter hinausging, ich zusätzlich noch mit Brille aber mit T1 tauglich wie die Sau, er mit T5 untauglich wie der letzte Ochs vorm Berg... wenn wir darüber reden kriegen wir immer noch nen Lachkrampf, da er eigentlich im Großen und Ganzen der durchtrainiertere von uns ist.

    Aber gut, ich bin ohne Atteste hin, ohne mich bei den Sit-ups groß anzustellen, ich wollte Zivi machen und habs gemacht und bin froh über die 10 Monate, weils einfach was neues, was anderes, und vor dem Studium eine schöne Zeit war, in der man abschalten und einfach mal machen konnte, was einem Spaß macht (was nicht zuletzt auch an einer wirklich guten Zivi-Stelle lag) und zwischen Abi und den ganzen verschulten Bachelor-Studiengängen inzwischen einfach zu kurz kommt.

    In meinen Augen wärs am sinnvollsten, ein verpflichtendes soziales Jahr ähnlich dem Zivildienst für alle - Männer und Frauen - einzuführen, vor dem auch kein Kreuzbandriss 5 Jahre zuvor schützt. Wer das nicht möchte, der kann zum Wehrdienst zur Bundeswehr gehen. Bei vielen Zivi-Stellen kann man Erfahrungen machen, die einem viel fürs Leben, persönlich und auch fürs Berufsleben bringen, das sollte man nicht unterschätzen.

    In der jetzigen Form allerdings ist die Wehrpflicht einer der besten zu Papier gebrachten Verwaltungswitze Deutschlands, zumindest in seiner Umsetzung.
  7. #7

    "Tauglichkeits-Test als Rekrutenlotto"

    Das triffts meiner Erfahrung nach sehr gut. Wenn ich mir anschaue wer aus meiner alten Stufe genommen wurde und wer nicht.

    Keiner der Leistungssportler (teilweise schon auf europäischer Ebene angetreten) T1, manche gar T5.

    Ich selber wurde ohne gemustert zu werden als T5 "ausgemustert", da mein Orthopäde bestätigt hat, dass ich wegen meinem Knie bei ihm in Behandlung sei (was auch stimmt, 5x da gewesen in 3 Jahren), ohne aber irgendetwas konkretes zu attestieren (was auch gelogen wäre). Der Musterungsarzt hat mich ohne nachzuhaken nach Hause geschickt (wovon ich wirklich nicht ausgegangen bin).
  8. #8

    Also wenn ich mir die Erfahrungen der jungen Leute angucke kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

    Ich habe vor 2 Jahren meinen Zivi gemacht, angefangen hat die Sache aber so:

    Ich wollte nicht zum Bund und wollte Zivi machen wenn ich nicht ausgemustert werde. Als Kind habe ich durch Asthma und Allergien ne 40% Behinderung die ich auch vorweisen konnte. Ich dachte wenn sich andere durch mogeln wird es doch nen altes Dokument auch bringen, mein Asthma und Allergien habe ich durch eine Kur und anderer Dinge aus meinem Körper verbannt.

    Aber nix da.
    Als mich die Dame fragte was ich denn machen möchte sagte ich das ich es noch nicht wisse und mir das offen halten möchte bis mein Ergebnis kommt (Entscheidung war für mich klar wie gesagt). Sie gab sich damit nicht zufrieden und bearbeitete mich solange bis ich sagte "ich mache Zivi". Mittlerweile war ich ein guter Handballspieler geworden, Jugend trainiert für Olympia, Meister und dachte naja, hast ne Farbschwäche das wird also nichts. Nachdem ich der Dame 5 mal erklären musste das ich ihre Bilder nicht sehen kann glaubte sie mir dann endlich. Dann ab zum Doc. Hinlegen, tut das weh? Tut dies weh? Ein wenig sagte ich, unangenehm halt. Ich dachte damit wäre alles gegessen, nein war es nicht, micht hätten sie wirklich ausmustern können mit Recht. Ich kann nicht schiessen durch meine Farbschwäche wegen friendly fire und mein Rücken war nicht im Top zustand. Ich musste dann wegen meiner Allergien noch ins Bundeswehrkrankenhaus und alles nachtesten lassen. Kippt mir doch der Arzt Milch über den Arm und wartet das was passiert, ja ne ist klar. Dann bekam ich einen Brief. Sie sind T2 und diese Dinge können sie tun. Ich lese mir das durch und sehe das ich nichts tun kann ausser Schreibtischarbeit zu erledigen. Hatte das Gefühl ich bin behindert und gerade noch fähig am PC zu sitzen.

    Bei mir haben sie sich wirklich mühe gegeben mich ausgiebig zu testen anstatt einfach zu sagen: Junge du bist farbenblind und hast nen etwas schwachen Rücken, geh nach Hause und studier und tu etwas nützliches.

    Allerdings hatte die Zivi Zeit etwas gut, ich habe meine Freundin kennen gelernt und meine soziale Kompetenz (soft skills) ein wenig aufgefrischt.

    Mein Bruder wird nicht mal vorgeladen, er wurde erfasst und das war es. Man sitzt dann da und denkt, ich will studieren und die können mich wenn sie wollen einfach dort rausziehen. Einfach idiotisch, kann man als Mann nichtmal sein weiteres Leben planen weil der Bund sich einmal meldet und dann 2 Jahre nicht mehr. Abschaffen sollte man die "Bundeswehrpflicht".
  9. #9

    Ich hoffe, dass ich auch irgendwie ausgemustert werde, der sportlichste bin ich auch nicht gerade, da müsste das schon irgendwie klappen wenn ich denen einfach ganz dreist nur Mist erzähle und mich entsprechend "vorbereite".
    Aber vielleicht vergessen sie mich ja ganz (war bei mehreren Leuten die ich kenne so) bisher habe ich zwar schon zwei Briefe vom Kreiswehrersatzamt erhalten welche ich allerdings nie beantwortet habe, die haben sich nun auch schon mehrere Monate nicht gemeldet. :)