Mügeln eine Woche danach: Beschwichtigen, bemitleiden - und ja nichts entschuldigen

Es sollte ein Beweis der Offenheit, Fremdenfreundlichkeit, Selbstkritik sein: Eine Woche nach der Hetzjagd traf sich Mügeln zu einer Nabelschau, die sogar im Radio übertragen wurde. Doch die Debatte geriet zur Groteske. Plötzlich waren nicht mehr die Inder die Opfer, sondern die Stadt.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...502114,00.html
  1. #1

    Drei Fragen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Es sollte ein Beweis der Offenheit, Fremdenfreundlichkeit, Selbstkritik sein: Eine Woche nach der Hetzjagd traf sich Mügeln zu einer Nabelschau, die sogar im Radio übertragen wurde. Doch die Debatte geriet zur Groteske. Plötzlich waren nicht mehr die Inder die Opfer, sondern die Stadt.

    http://www.spiegel.de/politik/deutsc...502114,00.html
    1. Kann man ein Land, das immerhin zehn Millionen Ausländer aufgenommen hat, immer noch als fremdenfeindlich bezeichen?
    2. Kann man ein Volk zur Fremdenfreundlichkeit zwingen?
    3. Warum können die Inder durch ihr Nichterscheinen ihre Ruhe haben, während man die Leute in Mügeln nicht zur Ruhe kommen lässt, indem man eine ganze Stadt zur Selbstkritik und Reue zwingen will?
  2. #2

    Von Anbiederung und anderen Taten

    "Wie man die Menschen hier vorverurteilt hat, das tut mir richtig weh." Vorverurteilt ? Wovon redet der Mann ?

    Wenn 50 Menschen einer Gruppe 8 Menschen einer anderen Gruppe verfolgt, rede ich von einem Lynchmob. Dafür gibt es keine wie auch immer geartete Entschuldigung oder Ausrede.

    Und wenn dies keine rechtsradikale Gruppe war, sondern "normale" Bürger, dann ist es noch schlimmer, noch viel schlimmer.
  3. #3

    Nicht mehr nachvollziehbar.

    Guten Abend, auch wenn ich diesen Abend keineswegs gut nennen wuerde.

    Denn was ich in letzter Zeit ueber mein Heimatland hoere, ist geeignet einem unter beliebigen Umstaenden die Stimmung zu verderben. Vorweg erst einmal, ich befinde mich seit zwei Wochen in Mexiko und kann daher leider keine solch informierte Meinung abgeben wie ich es gerne tun wuerde, da ich deutsche Zeitungen derzeit nur online lese.

    Ich habe aber trotz allem seit dem ersten Tag an die Situation in Muegeln verfolgt und muss sagen, dass ich mich trotz gelegentlicher Hoffnungsschimmer immer mehr abgestossen fuehle. Auf die vorigen Ereignisse, sowie die in anderen Staedten will ich aber nicht weiter eingehen, sondern nur auf das sogenannte "selbstkritische Fest", welches am 26. in Muegeln stattfand.

    Die Idee hat mich, dass muss ich zugeben begeistert ebenso die Tatsache das sie so schnell umgesetzt wurde.
    Diese Umsetzung aber ist, um es einmal drastisch auszudruecken geradezu laecherlich gewesen.
    Die einzigen Anwesenden die es meiner Meinung nach verdienen positiv erwaehnt zu werden, sind die Mitglieder der Band "Virginia Jetzt", deren Entscheidung nur ein einziges Lied zu spielen und die Situation sowie die derzeitige Haltung in Muegeln zu kritiesieren um einiges mutiger war als die eines alten und man sollte meinen erfahrenen, Politikers wie dem Buergermeister Muegelns, Gotthard Deuse.

    Wie ein Mann in seiner Position es sich erlauben kann, sich nicht sobald er das Podium betritt bei den Opfern des meiner Meinung nach offensichtlich rechtsradikalen Uebergriffes, zu entschuldigen sondern dies wie laut der mir vorliegenden Berichterstattung, ebenso wie alle anderen Redner vollkommen uebergeht ist und bleibt fuer mich unerklaerlich.
    An dieser Stelle wuerde ich auch gerne die Presserklaerung des Buergermeisters zitieren( diese ist auf http://www.stadt-muegeln.de/ vollstaendig vorhanden) : "... (Wir) verwahren uns gegen den über die Medien vermittelten Eindruck, dass in unserer Stadt ausländischen Mitbürgern oder Gästen latente oder gar offene kollektive Fremdenfeindlichkeit entgegen gebracht werde."
    Wie Herr Deuse eine Menschenmenge von ungefaehr fuenfzig Menschen, welche acht Inder jagt, nicht als kollektiv oder fremdenfeindlich ansehen kann ist mir auch schleierhaft.

    Ich koennte das Thema hier noch weiter ausfuehren, doch ich denke reine Tatsachen sprechen leider nur zu gut fuer sich selbst.
    Man kann zusammenfassend nur sagen, dass man der Wahrheit ins Auge blicken muss und Massnahmen gegen Rechtsradikalismus in Deutschland ergreifen muss, anstatt das Problem wie die sprichwoertlichen drei Affen zu ignorieren und versuchen Waehlersympathien zu behalten.
    Und diese Massnahmen sollten moeglichst in Angriff genommen werden bevor das Problem ausser Hand geraet, wobei man durchaus argumentieren koennte, dass dies schon geschehen ist.
    Ich hoffe das an dieser Stelle auch bald nationale Politiker Deutschlands entschiedener eingreifen, denn das Image ganz Deutschlands und seiner Bewohner nimmt durch solche Vorfaelle wie dem in Muegeln schwere Schaeden, dass kann ich von hier in Mexiko aus erster Hand berichten.

    Von daher bleibt nur zu hoffen, dass so schnell wie moeglich entscheiden gehandelt wird, ansonsten geschieht dieser Imageschaden naemlich mit vollstaendiger Rechtmaessigkeit.
    Mit freundlichen Gruessen,
    Path0s
  4. #4

    Typisch

    Das ist wohl sehr typisch für eine Gemeinschaft. Die Täter werden geschützt, da sie schliesslich zur Gemeinschaft gehören und die Gemeinschaft zum Opfer erklärt.
    Schliesslich sind die wahren Opfer "Gemeinschaftsfremde".
    Dieses Verhalten wird wohl Neonazis überall dazu ermuntern gleich zu handeln, denn man kann wohl darauf Zählen, dass dies Überall, besonders aber in kleineren Orten so ablaufen wird.
    Wiedermal ein Beispiel dafür wie schnell Opfer zu Tätern deklariert werden...

    hatte das Deutschland nicht schon mal?
  5. #5

    die kollektive Verurteilung - gegenüber Ausländern völlig normal

    Danke für diesen Artikel. Die Kraft, sich kollektiv gegenüber dem Entsetzen darüber, was in Mügeln passiert ist, zu wehren, ist unübersehbar. Jetzt plötzlich rückt man wieder zusammen, um alles zu verharmlosen und ja nicht mal jeder für sich und zusammen selbstkritisch zu sein. Aber nochmals, diese unglaubliche Ausländerfeindlichkeit ist kein ostdeutsches, sondern ein deutsches Phänomen. Was Diskriminierung ist, wird in Deutschland von Deutschen definiert, von weißen, nicht fremdländisch aussehenden. Wenn die Menschen, die ganz konkret diskriminiert wurden, aufmucken, wird der Spieß einfach herumgedreht, und plötzlich sind die Diskriminierer die Opfer. Nein, in Mügeln gibt es sicher, und das wird die Masse sein, Menschen, die selbst keine Ausländer angreifen würden. Aber man tut nichts gegen die Rechten und man sagt auch nichts gegen den Nachbarn, der beim Bierchen mal wieder schimpft, dass die Ausländer uns sowieso die Arbeit wegnehmen. Man verwehrt sich gegen Fakten, man verdrängt die eigenen Probleme und ist kollektiv der Meinung, dass man hier sowieso zu viele Ausländer hat. Dann bitte schön seien die Mügelner auch kollektiv, wenn sie die Schuld und Versäumnisse annehmen und Lösungen bringen, damit so etwas nie wieder passiert. Jeder Mügelner sollte doch zwischen persönlich und kollektiv trennen. Dann hat er auch kein Problem damit, dass Mügeln jetzt am Pranger steht, man selbst aber doch ein reines Gewissen haben kann. Ich habe und will keine andere Heimat als Deutschland, ich lebe gern hier, aber ich nehme die Kritik der Ausländerfeindlichkeit als Deutsche an und schaue nach Lösungen. Dauergejammere und mit dem Finger auf andere zeigen, auf die Opfer zum Beispiel, ist keine Lösung. Dennoch werde ich als schwarze Deutsche für die nächsten Jahre nicht in den Osten gehen und alle meine Freunde auch nicht. Weil ich Angst habe. Ich schäme mich für diesen Teil von Deutschland.
  6. #6

    Eine deutsche Kleinstadt ..

    Vollkommen egal in welchem Teil deutschlands diese Stadt liegt, es wird sich nichts daran aendern.

    Es war einmal ein Führer in unserem Land und selbst nach 6 Millionen Toten gibt es heute immer noch viele Menschen mit Erinnerungslücken.

    Aber es ist schön zu sehen, dass man mal wieder aktiv wird. Gegen was auch immer. Intelligenz ist eben nicht käuflich.
  7. #7

    Wirrer Beitrag von "Akizur"

    Zitat von Akizur Beitrag anzeigen
    1. Kann man ein Land, das immerhin zehn Millionen Ausländer aufgenommen hat, immer noch als fremdenfeindlich bezeichen?
    2. Kann man ein Volk zur Fremdenfreundlichkeit zwingen?
    ????
    Was ein Unsinn.
    1. Niemand bezeichnet Deutschland insgesamt als fremdenfeindlich. Gleichwohl ist Ausländerfeindlichkeit m.E. in Deutschland durchaus verbreitet.
    2. Ein Land, das "immerhin" zehn Millionen Ausländer aufgenommen hat (lese: was für eine Leistung, mehr verkraften wir aber wirklich nicht!), kann sehr wohl trotzdem fremdenfeindlich sein. Wieso auch nicht? Die NPD würde sagen, erst recht deshalb dürfe und müsse man in Deutschland ausländerfeindlich sein - weil wir ja "so viele" Ausländer haben. Sie haben aber insofern Recht, als der Fremdenhass seltsamerweise oft gerade da am meisten grassiert, wo am wenigsten Ausländer sind. Ein Großteil Ostdeutschlands ist ja quasi nahezu ausländerfreie Zone.
    3. Viele der Ausländer sind in unser Land geholt worden, weil wir sie brauchten, nicht aus menschenfreundlichen Motiven, so wie Sie offenbar glauben. Auch jetzt besteht in einigen Branchen und Regionen wieder ein erheblicher Mangel an Fachkräften, der nicht durch deutsche Kräfte ersetzt werden kann, was zu wirtschaftlichen Einbußen führen wird, wenn nichts passiert. Also müssen höchstwahrscheinlich wiederum ausländische Fachkräfte angeworben werden. Diese haben aber - wenn sie denn extra kommen und sich für Deutschland entscheiden - ein Recht darauf, auch später in Deutschland bleiben zu dürfen. Und sie haben ein Recht darauf, dass ihnen später nicht indirekt oder direkt vorgeworfen wird, sie seien zu viele.
    4. "Kann man ein Volk zur Fremdenfreundlichkeit zwingen?" Leider weiß ich nicht, worauf Sie mit dieser Frage hinauswollen. Es geht nicht um Fremdenfreundlichkeit, sondern um Fremdenfeindlichkeit, um Fremdenhass. Letzteres ist schädlich und muss bekämpft werden.
  8. #8

    nichts verstanden

    Zitat von Akizur Beitrag anzeigen
    1. Kann man ein Land, das immerhin zehn Millionen Ausländer aufgenommen hat, immer noch als fremdenfeindlich bezeichen?
    2. Kann man ein Volk zur Fremdenfreundlichkeit ....
    nur zu punkt 3: sie haben wohl vergessen wer ins krankenhaus geschlagen wurde?
    ihr posting spricht für sich!
    die mügelner scheinen nichts, aber auch gar nichts verstanden zu haben!!!
  9. #9

    Beamtisches Fremdschämen mit der Brieftasche

    Eine Topband als kollektiv-erlebnsipädagogische Massnahme und Motivation für das braune Lokalvolk, an der Feierlichkeit teilzunehmen?!
    Hatten wir nicht gerade erst eine Party in Mügeln? Irgendwie ist der "Freizeitindustrie Ost" wohl restendgültig der Gaul durchgegangen.

    Kein Wunder, daß eine von Behördenhand Solizuschlag-finanzierte Veranstaltung bei so viel Wein&Bier von der Bevölkerung überhaupt nicht als Anregung zum Denken verstanden wird.
    Erkenntnis kann nur sein, daß es tatsächlich kein bedauerlicher Unfall einiger weniger Verirrter war. Die braune Gesinnung IST in den Köpfen einer schweigenden Mehrheit.

    Braundumpfe Intelligenzverweigerung lässt ich nicht durch ein Stadtfest mit Staraufgebot erkaufen. Das hat die Band dann wohl auch schnell erkannt und sehr mutig ausgesprochen
    Was bleibt, ist ein weiteres weltweit bekanntes ostdeutsches Nazidorf, daß die Welt nicht versteht.
    Da wird der Ministerpräsident noch einige Subventionsmillionen draufpacken müssen, um ausländische Investoren noch in den braunen Sumpf locken zu können.