Nützt längeres gemeinsames Lernen den Kindern?

Internationale Studien deuten darauf hin: Unsere Schulen trennen Schüler zu früh. In Hamburg wird jetzt von den Bürgern über eine neue Schulform abgestimmt, die dies ändern soll. Doch die Meinungen sind nach wie vor geteilt: Nützt längeres gemeinsames Lernen den Kindern wirklich?
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Internationale Studien deuten darauf hin: Unsere Schulen trennen Schüler zu früh. In Hamburg wird jetzt von den Bürgern über eine neue Schulform abgestimmt, die dies ändern soll. Doch die Meinungen sind nach wie vor geteilt: Nützt längeres gemeinsames Lernen den Kindern wirklich?
    Viel aufschlussreicher als irgendwelche Studien sind die bescheidenen Resultate an deutschen Gesamtschule - bezogen auf das deutsche Publikum darf man für ein längeres gemeinsames Lernen in Deutschland den Super-GAU für die Bildung erwarten. M.E. fehlen den allermeisten deutschen Schüler jedewede mentale Voraussetzung für ein solches Schulsystem.
  2. #2

    Nein!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Internationale Studien deuten darauf hin: Unsere Schulen trennen Schüler zu früh. In Hamburg wird jetzt von den Bürgern über eine neue Schulform abgestimmt, die dies ändern soll. Doch die Meinungen sind nach wie vor geteilt: Nützt längeres gemeinsames Lernen den Kindern wirklich?
    Internationale Studien deuten lediglich darauf hin, dass man anderswo nicht so früh trennt. Wenn die internationalen Studien jenseits der "Sachkunde" bananenrepublikanischer "Experten" den Namen Studie verdienen sollten, müssten sie als Vergleichsmöglichkeit internationale Systeme zur Verfügung haben, die genau so früh trennen wie wir.
    Die derzeitige Bezeichnung "internationale Studien" sollte man also besser durch den Begriff "internationale (politisch korrekte) Vermutungen" ersetzen.
    Und: In Berlin kann man auf Antrag bereits nach dem 4.Schuljahr auf eine Gym wechseln. Die, die das in Anspruch nehmen, sind am Ende der 7. Klassen ihren gleichaltrigen Mitschülern, die nach der 6.Klasse wechselten, ein halbes Jahr voraus. Gesamtschüler "hinken" am Ende des 8 Schuljahres gleich begabten Realschülern um ein Jahr hinterher.
  3. #3

    Wenn vielleicht auch das längere gemeinsame Lernen keinen sofortigen Erfolg bringt, so schadet bestimmt das frühe Trennen. Denn wer kann nach der 4. Klasse wirklich sagen, ob der Schüler ans Gymnasium soll, oder nicht? Dann überschätzen Eltern ihre Kinder, oder haben viel zu hohe Erwartungen an sie, oder den Kindern wird der Stempel "Schlecht- also Hauptschule" aufgedrückt, eine super Motivation.
  4. #4

    Zitat von LadyBlackbird Beitrag anzeigen
    Wenn vielleicht auch das längere gemeinsame Lernen keinen sofortigen Erfolg bringt, so schadet bestimmt das frühe Trennen. Denn wer kann nach der 4. Klasse wirklich sagen, ob der Schüler ans Gymnasium soll, oder nicht? Dann überschätzen Eltern ihre Kinder, oder haben viel zu hohe Erwartungen an sie, oder den Kindern wird der Stempel "Schlecht- also Hauptschule" aufgedrückt, eine super Motivation.
    Diese angeblich "viel zu frühe Selektion" wird vollkommen überschätzt bzw. von den Befürwortern des längeren gemeinsamen Lernensd dazu benutzt, um das dreigliedrige Schulsystem zu diffamieren. Fakt ist, dass das dreigliedrige System höchst durchlässig ist: Von meinen letzten 32 Realschulabsolventen haben jetzt 20 das Abitur gemacht - selbst diejenigen, die bei mir im 5.Schuljahr mit einem 3er-, 4er-Zeugnis begannen. Über dieses "Argument" kann der praktizierende Lehrer nur mit dem Kopf schütteln...
  5. #5

    Zitat von Broko Beitrag anzeigen
    Diese angeblich "viel zu frühe Selektion" wird vollkommen überschätzt bzw. von den Befürwortern des längeren gemeinsamen Lernensd dazu benutzt, um das dreigliedrige Schulsystem zu diffamieren. Fakt ist, dass das dreigliedrige System höchst durchlässig ist: Von meinen letzten 32 Realschulabsolventen haben jetzt 20 das Abitur gemacht - selbst diejenigen, die bei mir im 5.Schuljahr mit einem 3er-, 4er-Zeugnis begannen. Über dieses "Argument" kann der praktizierende Lehrer nur mit dem Kopf schütteln...
    Ich möchte das gern bestätigen, ähnlich sind die Ergebnisse bei "meinen" Realschülern. Das Klassentreffen der vor 20 Jahren aus der Realschule entlassenen SuS meiner damaligen ersten Klasse wurde von einer promovierten Übersetzerin und einem kurz vor der Habilitation stehenden Physiker organisiert.
  6. #6

    Zitat von Flie Beitrag anzeigen
    Ich möchte das gern bestätigen, ähnlich sind die Ergebnisse bei "meinen" Realschülern. Das Klassentreffen der vor 20 Jahren aus der Realschule entlassenen SuS meiner damaligen ersten Klasse wurde von einer promovierten Übersetzerin und einem kurz vor der Habilitation stehenden Physiker organisiert.
    Kann hier ebenfalls Belege liefern. Meine "Dritte" hat auch den Weg Realschule->Gymnasium genommen und studiert jezt Mathe. Gleiches weiß ich von drei meiner Ingenieurskollegen, einer davon promoviert.
  7. #7

    .

    Auf die "internationale Studie" bin ich mal gespannt ;o)

    Wann endlich werden die Leute verstehen, dass die Systemfrage (4 oder 6 Jahre) absolut nebensächlich ist, hier werden ideologische Streitereien auf dem Rücken von Kindern ausgetragen.

    Niemand richtet soviel Schaden in der Bildung an wie die Bildungspolitiker, meist rechthaberische Lehrer, die man lieber an die Unterrichtsfront schicken sollte.

    Statt Bildungsideologie zu betreiben wäre es dringend notwendig, Reformen auf den Weg zu bringen, die bei den Kindern ankommen.
  8. #8

    Viele Bildungswege

    Zitat von Broko Beitrag anzeigen
    Diese angeblich "viel zu frühe Selektion" wird vollkommen überschätzt bzw. von den Befürwortern des längeren gemeinsamen Lernensd dazu benutzt, um das dreigliedrige Schulsystem zu diffamieren. Fakt ist, dass das dreigliedrige System höchst durchlässig ist: Von meinen letzten 32 Realschulabsolventen haben jetzt 20 das Abitur gemacht - selbst diejenigen, die bei mir im 5.Schuljahr mit einem 3er-, 4er-Zeugnis begannen. Über dieses "Argument" kann der praktizierende Lehrer nur mit dem Kopf schütteln...
    Stimmt voll und ganz. Ich bin den Weg Realschule, Fachgymnasium, Studium schon vor fast 40 Jahren gegangen. Auch der Weg Hauptschule, Berufsfachschule, Gymnasium, Studium ist möglich, wie mir ein junger Türke berichtete, der vor Kurzem sein Studium erfolgreich abschloss. Das Problem ist, dass bis heute vielen die Möglichkeiten des deutschen Bildungswesens gar nicht bekannt sind. Selbst bei Kommunalpolitkern, die im Bildungsausschuss ihrer Stadt sitzen und vehement für gemeinsames Lernen eintreten, sind diese Möglichkeiten manchmal unbekannt, wie ich feststellen musste.

    An den Gemeinschaftsschulen tritt das „Problem“ nur zeitversetzt auf. Wenn es keine Noten und kein Sitzen bleiben gibt, ist bis zur achten Klassen Friede, Freude, Eierkuchen. In der neunten Klasse beginnt dann das Jammern der Eltern, wenn das Kind die Schule mit dem Hautschulabschluss verlassen muss, weil die Noten nicht gut genug sind. Zwar machen an diesen Schulen mehr Schüler den Realschulabschluss, doch was diese Abschlüsse noch wert sind, kann man bei Ausbildungsbetrieben erfahren, die lieber nur noch Abiturienten einstellen.
  9. #9

    Wenn, dann nur als dreigliedriges Schulsystem nach 3 oder 4 Jahren Grundschule

    Keine Studie, keine Empirie, keine Theorie hat irgendeinen didaktischen, pädagogischen oder sozialen Vorteil des Langsamen Gemeinsamen Lernens darlegen können. Die Loser-Schulen der neuen Bundesländer bringen mehrfach so viele Schulabbrecher hervor wie die (noch) gegliederten Schulen im Westen.

    Wir müssen nicht den Irrweg des von Peter Petersen und Maria Montessori angeführten Systems der Gleichschaltungsschulen erneut vollziehen, die Fehler der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts müssen genügen.

    Wir wollen auch nicht die Vereinnahmung unserer Kinder durch den Staat im Stil und Sinne Margot Honeckers, der Erfindern und Fördrerin der frühkindlichen Kindertagesstätten-Gleichschaltungssysteme.

    Es gibt nichts Ungerechteres als die Gleichbehandlung Ungleicher. Das Artikel 3 unserer Verfassung zugrundeliegende Grundrecht heißt: Gleiches ist gleich zu behandeln, aber der Eigenart nach Ungleiches muß auch dementsprechend ungleich behandelt werden.

    Das ist der Fehler der sozialistischen Denkschule, komme sie nun von links oder von rechts: Sie beginnt bei der Gleichbehandlung. Humanistisch-liberale-aufgeklärte Systeme setzen beim Menschen an. Und da ist jeder ungleich.

    Wer, wie Reinhard Kahl, die Zeit Peter Petersens, des Lieblings des ersten nationalsozialistischen Rektors der Heidelberger Universität, Krieck, als "lichte Zeit" lobt, ist entweder frei von eigenem Wissen oder führt anderes im Schilde.

    Eltern, wehrt Euch gegen die Vereinnahmung Eurer Kinder durch Politiker wie Olaf Scholz, der 2008 die "Lufthoheit über den Kinderbetten" zum Parteiziel erhob.

    Und wehrt Euch gegen die Vereinnahmung unserer Schulen durch einen großen Medienkonzern, der fernab demokratischer Kontrolle durch bezahlte Studien willfähriger, abgehalfterter Pseudo-Wissenschaftler die politische Meinung zu steuern trachtet.

    Wehret den Anfängen! Und macht Euch schlau, glaubt nicht, was Ihr nicht selbst verstanden habt!