Geht das geplante belgische Burka-Verbot zu weit?

Fahrverbote in Bus und Bahn, Geld- und sogar Haftstrafen: Belgien will das öffentliche Tragen des Ganzkörperschleiers mit harschen Methoden einschränken. Muslime protestieren und warnen vor Stigmatisierung. Geht das geplante Verbot zu weit?
  1. #1250

    Zitat von Epistemiker Beitrag anzeigen
    Eine Vergewaltigung des Ehepartners ist in Deutschland auch erst sein 1997 als Sexualdelikt strafbar. Vorher konnte sie nur als Körperverletzungsdelikt und/oder Nötigung geahndet werden.
    Es herrschte also bis 1997 immer noch die überkommene Rechtsvorstellung, dass die sog. ehelichen Pflichten auch physisch erzwungenen Geschlechtsverkehr einschließen würden.
    Tolle Leitkultur!
    Warum wollen Sie uns unbedingt auf unsere vergangenen Fehler festlegen? Jetzt haben wir eine humanere Regelung, das ist doch das wichtige daran.

    Ich bin immer dafür, den westlichen Kreuzzüglern unsere barbarische Vergangenheit vorzuhalten, um ihre naive Überzeugung, das wir wesensbedingt was besseres wären, zu unterminieren. Aber diese Vergangenheit sollte nicht den Blick auf die Errungenschaften verstellen, die (aus dieser Vergangenheit heraus) entwickelt wurden. Der amerikanische Präsident hat das mal sehr schön in einer Rede gesagt, die den Titel trug 'Perfecting the union'. Die Menschenrechte zu entwickeln war ein langwieriger Prozess. Er ist auch noch nicht abgeschlossen (s. zB Homosexuellenheirat). Aber das Ergebnis ist wertvoll, auch in den Zwischenstufen. Und es ist auch etwas, worauf man stolz sein kann.
  2. #1251

    Zitat von Epistemiker Beitrag anzeigen
    Inwiefern stellt es eine Privilegierung [mit "e" nach dem "l"] der islamischen Kultur gegenüber Andersgläubigen dar, wenn in einem Gesetz über ein allgemeines Verbot der Vermummung in der Öffentlichkeit eine Ausnahme für Burkas und Niqabs vorgesehen wird? Jeder andere religiöse Kult könnte dasselbe Recht für sich in Anspruch nehmen.
    Na, dann ist es eben eine Privilegierung gegenüber den Atheisten:-) Aber im Ernst, warum um alles in der Welt wollen Sie denn hier eine Ausnahmegenehmigung herbeireden?

    Zitat von Epistemiker Beitrag anzeigen
    Das bloße Tragen eine Burka aus religiösen Gründen tritt nichts mit Füßen. Es ist auch keine bestrafenswerte Tat.
    Es tritt die Menschenwürde mit Füßen, das gilt auch bei Freiwilligkeit. Wenn sich jemand freiwillig ein Bein absäbelt (ja, auch das gibt es), dann ist es trotzdem eine (strafbare) Körperverletzung.
  3. #1252

    ...

    Ich habe jetzt diese Diskussion durchgelesen und bin empört über die "Gleichgültigkeit" und die "Respektlosigkeit" dieser burkatragenden Frauen gegenüber.

    Für alle, die solch ein Gesetz befürworten:
    Habt ihr euch eigentlich schon mal überlegt, dass es Frauen gibt, die das GERNE machen? Die schon von klein auf durch Familie und Traditionen in das Tragen der Burka hinein erzogen worden sind? Die es gar nicht anders kennen? Für die vielleicht grade das Tragen der Burka in einem Morgenland das bestmögliche Freiheitsgefühl ist? Habt ihr alle schon mal daran gedacht, was für eine Erniedrigung es für eine Frau sein muss, aus ihrer gewohnten "Umgebung" und Lebensweise herausgerissen zu werden (evtl. gegen ihren Willen)? Wie schlimm, wie nackt sich eine Frau fühlen muss, wenn sie nicht mehr den Schutz ihrer Burka hat. Wie muss sich eine Frau fühlen, welche die Nachbarn, der Verkäufer um die Ecke, der tägliche Busfahrer, der Lehrer ihrer Kinder auf einmal komplett verändert und für sie nackt sieht? Ja, sie fühlt sich nackt. Für uns vielleicht paradox, weil wir unter Nacktheit was anderes verstehen, aber so ist es. Mit diesem Gesetz wird den Frauen die Freiheit genommen ruhigen Gewissens auf die Straße zu gehen, ohne dass sie sich schämen müssen.
    Selbst wenn so ein Verbot in Kraft treten sollte, führt dies eher zu Isolation der Frauen, die dann (auch Seitens der Ehemänner oder Familien) "gezwungen" werden zuhause zu sitzen. Ich denke, dieses Gesetz führt eher dazu, dass die Frauen weiter unterdrückt werden als ihnen die Freiheit zu geben. Das Problem sind nicht die Frauen selber, sondern das "unschöne" Bild Belgiens, des europäischen Belgiens, die durch diese Frauen getrübt werden. Denn wer will schon "sowas" auf der Straße sehen, mitten im Herzen Europas?
    So, ich bin keine Befürworterin der Burka, denn selbst im Islam selber heißt es nicht, man soll sich so extrem verschleiern. Genau genommen heißt es "man soll mit einem Tuch die Haare und das Dekolleté
    bedecken und nicht körperbetonte Kleidung tragen" und es gibt genug moderne Muslime, die dies auch so praktizieren und sich anzupassen wissen.
    Auch gebe ich zu, dass es gewiss Frauen gibt, die dazu gezwungen werden. Denn wie oben schon erwähnt; So ein Verbot stärkt nur die Familien darin, dann die Frauen so selten wie möglich auf die Straße zu lassen.
    Man kann keine Integration durch Verbote erzwingen. Und wie viel Prozent Burkaträgerinnen gibt es überhaupt? Und wer über solch ein Verbot in DE nachdenkt geht entweder nicht auf die Straße oder ist blind. Ich wohne in Köln und mir sind hier in meinem ganzen Leben vielleicht nur 10 solcher Frauen begegnet. Man sollte wirklich aufhören gegen Windmühlen zu kämpfen und sich größeren Problemen widmen...

    Gute Nacht