Wie wichtig ist der Export für Deutschland?

China hat Deutschland als Exportweltmeister abgelöst. Ist das ein Nachteil für die heimische Wirtschaft? Oder ist die Bundesrepublik ohnehin zu abhängig von ihren Ausfuhren - sollte stattdessen die Binnennachfrage gestärkt werden?
  1. #1330

    Exportüberschüsse

    Zitat von bammy Beitrag anzeigen
    Was machen Sie ohne Exportüberschüsse? Wie kaufen Sie die Rohstoffe ein, die es in Deutschland nun mal nicht in rauen Mengen gibt.
    Ich denke, hier liegt ein Missverständnis vor. Von den Überschüssen wird nichts eingekauft, deshalb sind es ja Überschüsse. Die Rohstoffe und alles andere, das man hier im Inland nicht hat und importieren muss, werden durch die Exporte bezahlt. Aber es wird eben weniger importiert als exportiert - daher bleibt am Ende der Exportüberschuss.
  2. #1331

    Zitat von Halley Beitrag anzeigen
    Ich denke, hier liegt ein Missverständnis vor. Von den Überschüssen wird nichts eingekauft, deshalb sind es ja Überschüsse. Die Rohstoffe und alles andere, das man hier im Inland nicht hat und importieren muss, werden durch die Exporte bezahlt. Aber es wird eben weniger importiert als exportiert - daher bleibt am Ende der Exportüberschuss.
    Das ist schon klar. Überschüsse sind zum Einen Anreiz zu INvestitionen. Zum Anderen. Wie will man steuern, das man nur knapp im Überschussbereich liegt? Um Überschüsse zu erwirtschaften, muß man auch die Strukturen dafür haben. Wie will man die drosseln, wenn man merkt, das man "zu weit ins Plus" kommt?
    Aber ich kann mir nicht vorstellen, das auch nur ein Investor sowas gutheisst.
  3. #1332

    Zitat von bammy Beitrag anzeigen
    Das ist schon klar. Überschüsse sind zum Einen Anreiz zu INvestitionen. Zum Anderen. Wie will man steuern, das man nur knapp im Überschussbereich liegt? Um Überschüsse zu erwirtschaften, muß man auch die Strukturen dafür haben. Wie will man die drosseln, wenn man merkt, das man "zu weit ins Plus" kommt?
    Aber ich kann mir nicht vorstellen, das auch nur ein Investor sowas gutheisst.
    An sich wäre es die Aufgabe einer verantwortungsbewussten Wirtschaftspolitik, den Zustand der Ausgeglichenheit anzustreben. Es muss ja nicht jedes Jahr sein, aber im langjährigen Mittel. Aber das will man ja nicht einmal.

    Ich glaube Sie sehen das noch zu betriebswirtschaftlich. Diese Überschüsse sind nicht gleichzusetzen mit den Gewinnen, die die exportierende Firmen machen. Der Überschuss an sich ist daher auch kein Anreiz für Investitionen. Wenn, dann müsste man Exportüberschüsse als volkswirtschaftliche Gewinne ansehen. Da stellt sich nur die Frage, was man als Volkswirtschaft davon hat, wenn man immer mehr davon anhäuft, aber nicht einmal plant, sie irgendwann mal in Anspruch zu nehmen. Man wartet wohl lieber ab bis sich diese ganzen Forderungen per Inflation, geplatzte Kredite, Euro-Rettungen, im schlimmsten Fall Währungsreform, in nichts aufgelöst haben.
  4. #1333

    Zitat von bammy Beitrag anzeigen
    Das ist schon klar. Überschüsse sind zum Einen Anreiz zu INvestitionen. Zum Anderen. Wie will man steuern, das man nur knapp im Überschussbereich liegt? Um Überschüsse zu erwirtschaften, muß man auch die Strukturen dafür haben. Wie will man die drosseln, wenn man merkt, das man "zu weit ins Plus" kommt?
    Aber ich kann mir nicht vorstellen, das auch nur ein Investor sowas gutheisst.
    Die einzig richtige und wirkungsvollste Steuerung ist und bleibt: anständige Löhne, damit die Menschen konsumieren können. Zugleich ein riesiges Investitionsprogramm für die Unternehmen und ein sprudelnde Steuerquelle für den Staat. Aber e sist halt wie immer: Gier zerfrisst das Hirn und macht aus Menschen Drecksäcke.
  5. #1334

    Deutschlands einseitige Exportorientierung ist eine Ursache der Eurokrise!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    China hat Deutschland als Exportweltmeister abgelöst. Ist das ein Nachteil für die heimische Wirtschaft? Oder ist die Bundesrepublik ohnehin zu abhängig von ihren Ausfuhren - sollte stattdessen die Binnennachfrage gestärkt werden?
    Ja!

    „Deutschlands“ Anspruch darauf, bis in alle Ewigkeit (Waren-)Exportweltmeister sein zu wollen, kann nur funktionieren, in dem andere Staaten sich verschulden.

    Die Kehrseite ist jetzt, dass die deutschen Kapitalvertreter (die Bevölkerungsmehrheit vertreten sie ja schon lange nicht mehr) das Eigentum der Steuerzahler verbrennen und verbürgen müssen, damit die Kapitalimportüberschüsse der Exportwirtschaft nicht gefährdet werden.
  6. #1335

    Bei Lichte besehen

    Zitat von Tolotos Beitrag anzeigen
    Ja!

    „Deutschlands“ Anspruch darauf, bis in alle Ewigkeit (Waren-)Exportweltmeister sein zu wollen, kann nur funktionieren, in dem andere Staaten sich verschulden.

    Die Kehrseite ist jetzt, dass die deutschen Kapitalvertreter (die Bevölkerungsmehrheit vertreten sie ja schon lange nicht mehr) das Eigentum der Steuerzahler verbrennen und verbürgen müssen, damit die Kapitalimportüberschüsse der Exportwirtschaft nicht gefährdet werden.
    Wer die Addition beherrscht kommt sehr schnell zu dem Ergebnis, dass wir die Exporte unserer Industrie in manche Länder im Nachhinein selbst finanziert haben und finanzieren. Auch das IFO kommt zu diesem Ergebnis.
    Jetzt, wo die Binnenkonjunktur immer wichtiger wird rächen sich Lohndrückerei und die 0- und Minusrunden hierzulande.
  7. #1336

    Zitat von robins2 Beitrag anzeigen
    Wer die Addition beherrscht kommt sehr schnell zu dem Ergebnis, dass wir die Exporte unserer Industrie in manche Länder im Nachhinein selbst finanziert haben und finanzieren. Auch das IFO kommt zu diesem Ergebnis.
    Jetzt, wo die Binnenkonjunktur immer wichtiger wird rächen sich Lohndrückerei und die 0- und Minusrunden hierzulande.
    Wielange wird das noch gut gehen?

    Selbst die Politik weiss, dass sich etwas ändern muss. Im Endeffekt müssen Schutzzölle erhoben werden auf ausländische Waren. Sprich Made in China müsste wesentlich teurer sein, als es ist. Nur so können Arbeitsplätze in Deutschland gesichert werden.

    Für die Industrie ist das natürlich unschön, denn dann können sie den Maximalgewinn nicht mehr rausziehen:

    Rohstoffe aus Russland und Afrika, verarbeitet in China oder Indien und verkauft in Europa und den USA. Sowas funktioniert eben nicht lange. China hat keinen Bock auf die Europäer, die wollen selbst die Kohle scheffeln und das tun sie auch. Wenn wir da nicht einschreiten, wird unser Wohlstand immer mehr in Richtung China und Indien abwandern.
  8. #1337

    Das hängt davon ab was wichtig sein soll?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    China hat Deutschland als Exportweltmeister abgelöst. Ist das ein Nachteil für die heimische Wirtschaft? Oder ist die Bundesrepublik ohnehin zu abhängig von ihren Ausfuhren - sollte stattdessen die Binnennachfrage gestärkt werden?
    Sicherlich ist es so, dass die Anteilseigner der exportierenden Unternehmen den Export als wichtig betrachten würden. Aber in aller Konsequenz der letzten 10 Jahre bleibt für den Durchschnittsbürger festzhalten - unabhängig davon was die Medien kolpotieren - dass der Export nicht zum Wohlstand beigetragen hat. Ganz im gegenteil, die zunehmende globale Ausrichtung der deutschen Unternehmen hat den Menschen hier in Deutschland viel Wohlstand gekostet, ausgenommen die Unternehmensanteilseigner natürlich. Was zur Folge hat, dass die Reichen reicher werden und die arbeitende Bevölkerung ärmer.

    Wenn die Hauptaufgabe einer Ökonomie die ist, die ersten 10 Prozent der Bevölkerung auf Gedeih und Verderb reicher zu machen, ja dann kann man davon ausgehen, dass der Export in der Tat wichtig für Deutschland ist.
  9. #1338

    ttt

    Zitat von wahrsager23 Beitrag anzeigen
    Wielange wird das noch gut gehen?

    Selbst die Politik weiss, dass sich etwas ändern muss. Im Endeffekt müssen Schutzzölle erhoben werden auf ausländische Waren. Sprich Made in China müsste wesentlich teurer sein, als es ist. Nur so können Arbeitsplätze in Deutschland gesichert werden.

    Für die Industrie ist das natürlich unschön, denn dann können sie den Maximalgewinn nicht mehr rausziehen:

    Rohstoffe aus Russland und Afrika, verarbeitet in China oder Indien und verkauft in Europa und den USA. Sowas funktioniert eben nicht lange. China hat keinen Bock auf die Europäer, die wollen selbst die Kohle scheffeln und das tun sie auch. Wenn wir da nicht einschreiten, wird unser Wohlstand immer mehr in Richtung China und Indien abwandern.
    Im Gegenteil, die Schutzzölle sollen wenn überhaupt auf deutsche Exportgüter erhoben werden damit es nicht mehr zu solchen Verwerfungen kommt, die in Europa zu sehen sind, und die Politik sich gezwungen sieht, Binnenkonjunktur anzukurbeln. Die Exportoffensive hat ihren Rubikon zumindest in Europa erreicht, und die ersten, die es zu spüren bekommen, sind diejenigen die vom Weltmarkt ausgeschlossen sind GM-Sparplan: Bochumer Opel-Werk droht das Aus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft die anderen dürfen noch eine Weile hoffen...
  10. #1339

    Exportüberschuss um jeden Preis ist ungesund!!

    Zitat von kryptiker51 Beitrag anzeigen
    Neue Perspektiven ergeben sich, wenn gewußt wird, dass es hier um einen ungesunden andauernden überhöhten Export-Überschuss zu Lasten der Binnenwirtschaft (dort sind 80% aller Arbeitsplätze) geht.
    Lesen Sie Artikel 109 Absatz 2 GG und das dazu erlassene Stabilitätsgesetz, das seit Jahren von Regierung, Parlament und Wirtschaft missachtetet wird.
    Das Gesetz ist von Schiller und Strauß aus 1967, damals macht man noch Gesetze, die nicht zeitnah vom BVerfG kassiert wurden.
    Stabilitätsgesetz - Wirtschaftslexikon
    Export ist schon wichtig, da beißt die Maus keinen Faden ab, sonst gäbe es ja keinen Welthandel. Ungesund ist nur der hohe Exportüberschuss. Export um jeden Preis zu Lasten der Löhne, Binnenkaufkraft und Arbeitsplätze schadet mehr als er nützt.

    Wenn dann noch die Bruttolöhne durch artfremde Abgaben und Steuern, wie Rente,Krankheit, Arbeitslosigkeit um mehr als 100% gegenüber anderen Ländern aufgebläht sind, kann man gut verstehen, warum zunehmend deutsche Produkte im Ausland gefertigt werden. Abhilfe schafft hier nur das MWPOT-Konzept.