Bestseller-Autorin Hegemann: Literatur-Wunderkind schrieb bei Blogger ab

Die Autorin ist erst 17 und wird als neuer Star der Literaturszene gefeiert. Jetzt kommt heraus: Helene Hegemann hat Teile ihres erfolgreichen Romandebüts "Axolotl Roadkill" abgeschrieben. Sie gibt es zu - und entschuldigt sich bei einem Berliner Blogger.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...676490,00.html
  1. #90

    .

    Zitat von Holperik Beitrag anzeigen
    Tja, wenn man schon bescheißt, soll man sich nicht dabei erwischen lassen. Das war schon Maxime beim Abkupfern der Hausarbeiten vor einigen Jahrzehnten.
    Mittlerweile scheint es aber so zu sein, dass die Generation Internet selbst zum unauffälligen Abschreiben zu blöd ist.
    Was sehr komisch ist, denn gerade durch das Internet fliegen solche "Selbstbedienungen" doch auf. Wir haben uns beim Abkupfern der Hausaufgaben jedenfalls noch die Mühe gemacht, den Satzbau umzustellen und die Wortwahl zu verändern.
    Und das nur für einen Leser, unseren Lehrer nämlich.

    ;-)
  2. #91

    Nachtleben mit 17

    Zitat von Gubanöhr Beitrag anzeigen
    Kaum hat einer Erfolg, missgönnt man es ihm/ihr.
    Shakespeare hat fast seinen kompletten Macbeth abgeschrieben, Rilke hat abgeschrieben, Bob Dylan hat....
    ...na ja, das Wissen vom Berliner Nachtleben scheint bei der alten äh jungen Spießerin nicht so weit her zu sein oder warum klaut sie sich gerade diesbezüglich die Texte zusammen ?
  3. #92

    Geniekult vs. Wunderkind

    Wer Kritikern an dieser Art von c&p-"Collagetechnik" vorwift, sie hingen einem antiquierten Geniekult aus der Goethezeit an, sollte nicht vorher selbst das Wunderkind-Prädikat aus der Mottenkiste kramen.
  4. #93

    Haltet den Dieb!

    Zitat von Spaghettimonster1 Beitrag anzeigen
    Die interessanteste Frage bei dieser ganzen Farce: Wie zur Hölle kommt Frank Maleu vom SuKuLTur-Verlag an die Amazon-Daten von Carl Hegemann?

    "Frank Maleu vom SuKuLTur-Verlag, der Airens Roman "Strobo" veröffentlicht hat, sagt jedoch, er habe einen Beleg vom 28. August 2009, wonach über den Amazon-Account von Helenes Vater Carl Hegemann das Buch bei ihm bestellt worden sei - Lieferadresse: Helene Hegemann."
    Ja genau, das ist der eigentliche Skandal und nicht etwa, dass Papi dem Töchterchen die Vorlage fürs Raubkopieren beschafft hat...
  5. #94

    Ganz nach dem Motto:

    Besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht...

    ...Man sollte sich nur nicht erwischen lassen!
  6. #95

    geistiges eigentum

    Zitat von chocochip Beitrag anzeigen
    Das Ganze hat nichts mit Sharing zu tun, sondern schlicht mit Unverfrorenheit.

    ...

    Allein kommerziell diese Texte verwerten und für die eigenen ausgeben, nur weil man eine bessere PR Maschine hat und damit Geld verdienen kann, ist das Allerletzte.
    ich glaube, dem "mädel" gings gar nicht ums geld verdienen, sondern (noch) ganz naiv um die heere sache literatur an sich.
    dass schriftsteller allerdings von ihrem schaffen auch leben wollen (müssen), kommt ihr noch nicht in den sinn.
    "originalität gibts gar nicht, nur echtheit"; sowas oder so ähnliches gab sie ja von sich - das zeigt ja, wie sie es mit dem urhebergedanken hält.
  7. #96

    geistiges eigentum

    Zitat von chocochip Beitrag anzeigen
    Das Ganze hat nichts mit Sharing zu tun, sondern schlicht mit Unverfrorenheit.

    ...

    Allein kommerziell diese Texte verwerten und für die eigenen ausgeben, nur weil man eine bessere PR Maschine hat und damit Geld verdienen kann, ist das Allerletzte.
    ich glaube, dem "mädel" gings gar nicht ums geld verdienen, sondern (noch) ganz naiv um die heere sache literatur an sich.
    dass schriftsteller allerdings von ihrem schaffen auch leben wollen (müssen), kommt ihr noch nicht in den sinn.
    "originalität gibts gar nicht, nur echtheit"; sowas oder so ähnliches gab sie ja von sich - das zeigt ja, wie sie es mit dem urhebergedanken hält.
  8. #97

    Meine Meinung

    Wenn dann aber die Risiken eines solchen, nicht mehr selbstherrlich auf Individualität und Originalität pochenden Schreibens deutlich werden, dann fängt das Gezeter an. Es scheint für viele, auch für das Feuilleton, eine große Kränkung darin zu liegen, dass die für gut befundene literarische Provokation eine genuin postmoderne, das heißt aus Versatzstücken montierte ist.

    Nein, man will den künstlerischen Affront - als solchen feiert man Frau Hegemanns Buch ja gerade - exklusiv und originell. Man will zurück zum Geniebegriff à la Goethe, weil man dann sagen kann: Ich grusele oder geile mich auf an einem Original. Da ist alles originär in dieser Textsause aus Drogen, Sex und Revolte.
  9. #98

    StudentInnenniveau

    Schwammiger Journalismus/Umgang mit dem Intertextualitätsbegrif und naiv, im 21. Jh. die wirtschaftliche Dimension kontextbezogen auszuklammern. Ich urteile selten, aber: ganz schlimm. Sie präsentieren hier Studentennivau, Zeitpunkt nach der Zwischenprüfung. Undifferenziert, wesentliche Argumente weglassen oder noch schlimmer: sich derer gar nicht bewusst seiend. Und ich bin Dekonstruktivistin (Sie reden von Postmoderne, bleiben aber in der späten Moderne stecken. So wie Sie Postmoderne verstehen, kann man gleich Habermas Moderne den Vortritt lassen, der versteht PM ebenso falsch, zieht aber aus seinem Falschverständnis richtige moralische Schlüsse). Hegemann waren ihre Quellen wohl eher egal – bis auf ihr echtes Zitat? Aus demselben Grund halte ich auch Franzobels Klau (sowohl bei mir als auch anderen) eher nicht für Intertexte. (Ich suggeriere hier eine Bachtin-Intertextualität – aber alles andere ist doch langweilig hier zu vertreten, auch wenn ich selbst hinter radikaleren Theorien stehe – vielmehr ist es doch banal, auf welche Weise Hegemann mit dem Sharing-Begriff umgeht, das wäre es auch noch, wenn sie Foucault!, Barthes! Kristeva! schreien würde.) Vielleicht interessiert Sie, was ich meine, in: Friedbert Aspetsberger (Hrsg.): Beim Fremdgehen erwischt! Zu Plagiat und "Abkupfern" in Künsten und Wissenschaften. Was sonst ist Bildung? Schriftenreihe Literatur des Instituts für Österreichkunde Band 21. Studienverlag Innsbruck 2009.

    Es ist peinlich, wie Verlag/Autorin/Feuilleton auf undifferenzierte und naive Weise von “sharing” reden. Sie tun so, als muss Hegemanns Meinung “hip” bleiben, weil sie gestern noch hochgelobt wurde. Aber gegen die Google-Books-Maschine sind doch die meisten, Sie nicht? Die Fälle sind durchaus vergleichbar. Der wirtschaftlich Schwächere wird ausgebeutet. Das ist doch kapitalistisch und kleingeistig. Das ist das Wichtige hier. Darum geht es. Das klammern Sie aus. Es geht um Kräfteverhältnisse.

    Wo geht es um die wirtschaftliche Schädigung von Airen (selbst wenn er mit einem Danke zufrieden ist – der Fall ist gesellschaftlich interessant, es ginge nicht um Airens Meinung zu Sharing)? Was sagt er zum kontextuellen Setting von Hegemanns Roman? Ist ihm das wichtig oder verstellt es? Was bedeutet ihm sein Roman? Diese Fragen sind für Hegemanns LeserInnen nur interessant, geht es um Intertextualität. Mich interessiert nun Airen als Plagiierte und als Verfechterin der Sharing-Kultur (arbeitete wissenschaftlich über den Urheberrechtsbegriff/Intertextualität in Literatur [in Aspetsberger 2009, s. o.) und user generated content [im Erscheinen]). Franzobel wurde von mir erfolgreich wg. Urheberrechtsverletzung verklagt – es war ein ähnliche Abschreibeverfahren wie Hegemanns. Schlimm war und ist, Sätze, Paraphrasen, lyrische Syntagmen bis hin zu ganzen Gedichten in einem völlig fremden und auch noch extrem befremdlichen inhaltlichen Kontext zu finden und bei einem Autor, den ich nicht leiden kann, was diese auch wusste. Es ist widerwärtig, eigene Sätze im fremden Satzphatasieuniversum zu sehen. Natürlich gehört mir nicht die Sprache. Aber - mit Foucault!!! - gibt es strukturelle, qualitative Unterschiede im Weben. Sie suggerieren hier das Textgewebe als eine vom Körper abgelöste Haut, ein Fell, das wir am besten zum Pelzmantel verarbeiten und weiterreichen. Sie agieren dualistisch, was den Text betrifft, und anachronistisch, was die Ausklammerung wirtschaftlicher Kräfteverhältnisse betrifft. Mit freundlichen Grüßen
  10. #99

    qwertz

    kopiert: wenn 1 zu 1 oder überdeutlich, ist das einfach dumm.
    collagiert: ist was anderes, es gibt vielleicht keine Lit., die nicht collagiert ist.
    gut collagiert, im betreffenden buch: weiß nicht. ist mir auch egal, ich hab andere bücher warten.
    der verlag: hat halt nicht aufgepasst, und außerdem den werbemund arg aufgerissen a la "wunderkind". publikum: durch die "enthüllungen" wird das buch sich noch besser verkaufen, wetten?
    das mädel: kommt derweil unter öffentlichen druck, und wir werden von ihr nichts mehr hören. schade vielleicht.