Studenten im Optimierungswahn: Karriere, Karriere, Knick

Studenten machen sich selbst zum passgenauen Firmenfutter. Ultra-pragmatisch perfektionieren sie ihre Lebensläufe, straff, stur, strategisch. Doch bei allem Ehrgeiz vergessen sie das Wichtigste: Manchmal sind die krummen Wege die geraden.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...675629,00.html
  1. #1

    Nachdenken

    Schöner Artikel, sollte zum nachdenken anregen.
  2. #2

    ...

    Die so gedrillt worden sind, sitzen heute schon in diversen Chefetagen und statt Imagepflege heißt deren Patentlösung Kostensenkung. Etwas böser ausgedrückt: Personalabbau. Kreativität glatte Fehlanzeige, Ichorientierung im Überfluss vorhanden.

    Ich seh´s in meinem Nachbarbüro: da sitzen wie in einer Legebatterie lauter graue kleine Wirtschaftsprüfer-Mäuslein in ihren Kostümchen und fühlen sich so wichtig, dass sie keine Zeit mehr haben, guten Morgen zu wünschen. Bei denen deutet rein gar nichts auf ein einigermaßen ausgewogenes und interessantes Privatleben hin - immer nur Trolley und saure Miene.

    Vielleicht ist es die Gnade der frühen (aber nicht zu frühen...) Geburt, dass einem selbst so etwas stromlinienförmiges erspart geblieben ist.
  3. #3

    .

    Der Aussage des Autors, das oft eher die krummen Wege zum Erfolg führen, kann ich nur bedingungslos beipflichten.

    Ich habe eine kaufmännische Ausbildung (Industriekaufmann) bei einem Energiekonzern absolviert, habe dann dort noch etwa zwei Jahre im Immobilienmanagement (eigentlich total fachfremd) gearbeitet, und bin dann, nachdem unsere Abteilung an einen lupenreinen Immo-Konzern outgesourced wurde, arbeitslos geworden.

    Die Arbeitslosigkeit wollte ich als Chance nutzen und habe mich an der FH Aachen für ein bewußt generalistisches BWL-Studium eingeschrieben. Nach drei Semestern verließ ich diese glorreiche Institution wieder (zu den Gründen habe ich mich in anderen Foren bei SpoN hinreichend geäußert). In dieser Situation bekam ich von einer Zeitarbeitsfirma das Angebot, erstmal auf befristeter Basis bei einem großen Versicherungskonzern in der Wertpapierabwicklung zu arbeiten. Ich wollte erst ablehnen, weil ich keine bank- oder versicherungsspezifische Ausbildung hatte, wurde aber von der freundlichen Mitarbeiterin der Zeitarbeitsfirma ausdrücklich dazu ermuntert.

    Langer Rede kurzer Sinn: Ich wurde in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen, für einen Job, von dem ich vor Jahren im Traum nicht daran gedacht hätte, ihn einmal zu machen.

    Natürlich ist auch dieser nicht in Stein gemeißelt, aber wenn ich noch mal arbeitslos werden sollte, dann weiß ich jetzt wie es geht: einfach mutig bewerben, offen sein für neue Herausforderungen, diese annehmen, den Verstand benutzen, das ist schon die halbe Miete, da muß man seinen Lebenslauf nicht mit Praktika bei Seehundrettern tunen...
  4. #4

    -

    Von der Kita bis nach dem Studium alles bestens durchgeplant, das wird doch von Staat und Spiegel stark gefördert. Jetzt hier ein melancholischer Artikel, nicht wirklich ehrlich.
  5. #5

    puh

    mir wird bei solchen Anna-Lena Geschichten immer körperlich richtig schlecht.
    Für mich geht das in eine Orwelsche 2984 Richtung, dieser Drang nach Stromlinienform, nur leider machen die Menschen das scheinbar freiwillig, oder halt irgendwie manipuliert von den Erwartungen ihres Umfelds.

    Und dieser Naive Traum von einem erfüllten lukrativen Bürojob????
    Ich hab diesen Job von dem die Studis träumen, nur glücklicher macht der mich sicher nicht!
  6. #6

    Schön wärs! Aber....

    ...ich weiß nicht so recht.

    Ich, m.E. überdurchschnittlich kreativ denkender Mensch mit nicht an konventionellen Erwartungen ausgerichtetem (durchaus interessantem und relativ stringentem) Lebenslauf, befinde mich selbst gerade auf Jobsuche und fühle mich auf dem völlig falschen Planeten, wenn ich mich durch die diversen Jobbörsen klicke.
    Hier werden nämlich in erster Linie "Anna Lenas" gesucht.

    Eine Bekannte von mir arbeitet als Personalverantwortliche in einem nach außen sehr modernen Unternehmen. Ich war völlig ernüchtert, als sie mir schilderte, wie stur und nach welchen engstirnigen und rückständigen Kriterien sie Bewerbungsmappen aussiebt!

    Mir scheint, ein Großteil der deutschen Arbeitgeber setzt noch immer auf Anna Lena und ihre Kommilitonen. Insofern macht sie schon alles "richtig".
  7. #7

    Firmenfutter

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Studenten machen sich selbst zum passgenauen Firmenfutter. Ultra-pragmatisch perfektionieren sie ihre Lebensläufe, straff, stur, strategisch. Doch bei allem Ehrgeiz vergessen sie das Wichtigste: Manchmal sind die krummen Wege die geraden.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/job...675629,00.html
    Nicht nur die Studenten selbst. Das Bild wird ihnen ja ständig durch die Industrie selbst sowie durch diverse Bewerbungsberater mit ihren Seminaren vorgegeben, die davon prima profitieren. Wenn ich da schon die Tipps zu Bewerbungsgesprächen auf einschlägigen Internetseiten lese, wird's mir schlecht. Marionetten, die in solch ein Schema passen und bei hahnebüchenen Bewerbungsgesprächen nicht aufstehen und gehen, würde ich niemals einstellen, geschweige denn als Kollegen haben wollen.
  8. #8

    Bildung und Ausbildung

    Zitat von Alex066 Beitrag anzeigen
    Von der Kita bis nach dem Studium alles bestens durchgeplant, das wird doch von Staat und Spiegel stark gefördert. Jetzt hier ein melancholischer Artikel, nicht wirklich ehrlich.
    Zwischen Bildung und Ausbildung muss differenziert werden, es kann nicht Aufgabe des öffentlichen Bildungssystems sein, lediglich Ausbildung zu betreiben.
    Der Zusammenhang von Sprache, Bildung und Erziehung
  9. #9

    Karriere?

    Die planen 12-jährige ihre Karriere, Turbo-Abi mit super Noten, dann fix nen tollen BA-Abschluss hinterher und mit 23 dann einen Master in der Tasche. Toll. Und dazu ein rosa Polohemd mit hochgestelltem Kragen?
    Es mag ja sein, daß diese Leute (vor allem wenn sie Jura oder BWL/VWL) studiert haben, später gutes Geld verdienen, aber ob dieser Schnelldurchlauf so wünschenswert ist?

    Ich hab mein Bachelor-Studium richtig genossen (und ja, auch länger gebraucht), aber dafür hatte ich viel Spaß, habe viele Dinge auch ausserhalb der Uni kennengelernt und konzentriere mich jetzt auf meinen Master. Aber Karrieren-Stress? Gibts bei meinem Studiengang zum Glück eh nicht, da ist man etwas lockerer.