Slomkas Gabriel-Interview: Das ZDF und der kritische Journalismus

ZDFIst Marietta Slomka nach ihrem Interview mit Sigmar Gabriel jetzt die Heldin der Öffentlich-Rechtlichen Freiheit? Nein. Nicht jede unkundig-freche Frage ist kritischer Journalismus, und nicht jede patzige Antwort ein Zeichen für politische Unabhängigkeit.

Jakob Augstein über das Interview von Gabriel und Slomka - SPIEGEL ONLINE
  1. #550

    Zitat von MutzurLücke Beitrag anzeigen
    Inwieweit entwertet das die Einwände? Die Logik zählt, nicht wer sie äußert und was er daraus am Ende schließt. Ich halte die Abstimmung im Ergebnis auch nicht für verfassungswidrig. Aber mehr als ein schnoddriges "Quatsch" verdienen die Überlegungen schon, dass auf den Abgeordneten mit so einem Entscheid nochmals ein besonderes Gewicht lastet, sich im Konfliktfall nicht nach dem eigenen Gewissen sondern nach der Vorgabe der Partei zu richten.
    Dann schauen Sie sich das "Interview" bei Gelegenheit an. oder lesen Sie Augstein seinen Artikel. Es war nicht nur ein schnoddriges "Quatsch". Die Abgeordneten wählen keine Koalition, ist denn das so schwer zu begreifen?

    Die eigentlich fragwürdige Prozedur liegt doch in dem von Merkel gewünschten Vertrag selber. Dieser soll haarklein das Abstimmungsverhalten der SPD-Abgeordneten für 4 Jahre festschreiben.
  2. #551

    Der Hase

    liegtda im Pfeffer: Der Abgeordnete der SPD ist frei, wird aber durch das Votum gebunden.
  3. #552

    Zitat von luckycruiser Beitrag anzeigen
    Wenn umgedreht Merkelova das gemacht hätte und die uns gut bekannte Dame der ARD-Tagesthemen ( Verständige wissen, wer gemeint ist ) sie so gefragt hätte, hätte Augstein nicht den Mut gehabt, dies so niederzulegen. Warum liest sich bei jeder Zeile seiner Kolumnen seine politische Gesinnung so heraus. Lieber Augstein, lies' diesen Artikel mal nach dem Luftholen eine Woche später...was denkst Du dann? Dies schadet seiner Glaubwürdigkeit.
    Wie auch immer, was hier Recht ist ist letztendlich ergebnisoffen; die Art und Weise wie arrogant Gabriel aber agiert hat und provoziert hat, mein Gott, vielleicht sollten wir nochmals wählen.
    Weil Augsteins Beiträge immer Kommentare sind. Er äußert dort nicht nur die rechtlichen Grundlagen, sondern seine persönliche Meinung zu den Akteuren, was Sie belieben mit Gesinnung zu umschreiben. Slomka hat mit penetranter Mißachtung der Antworten von Gabriel dessen (sehr ruhige) Reaktion provoziert. Wenn geistige Inkontinenz nur mit Quatsch bezeichnet wird, ist das doch sehr zurückhaltend.
  4. #553

    Zitat von bts2011 Beitrag anzeigen
    Es ging und geht doch gar nicht darum, daß Frau Slomka (und nicht nur sie) meint, die Entscheidung in der Union durch den Vorstand sei besser.
    Nur, um sicher zu gehen: Das hat auch nie jemand behauptet. Herr Gabriel hat behauptet, dass dies schlimmer wäre, und Frau Slomka ist nicht darauf eingegangen, weil es ja ihre "Argumentation" gestört hätte ...

    Zitat von bts2011 Beitrag anzeigen
    Es geht darum, daß das Wahlvolk insgesamt sich am 22.9. für eine große Koalition entschieden hat und dies nun durch die SPD-Mitglieder (zu denen übrigens auch Nicht-Deutsche und damit Nicht-Wahlberechtigte gehören) abgesegnet oder torpediert werden soll. Damit haben Mitglieder der SPD mehr Stimmrecht als alle anderen Wähler - egal ob Mitglied einer anderen Partei oder nicht.
    Allen Ernstes? SPD-Mitglieder können also das Wahlergebnis der letzten Bundestagswahl mit ihrem Mitgliederentscheid ändern? Ich kann mich auch noch relativ genau an die Wahl erinnern, auf MEINEM Stimmzettel konnte man nirgends "Große Koalition" ankreuzen ... und ich glaube auch, dass sich die Zahl der Leute, die Erststimme Schwarz, Zweitstimme Rot (oder umgekehrt) gewählt haben sich in recht überschaubaren Grenzen hält.

    Und natürlich hat niemand die große Koalition gewählt: Das Wahlvolk hat sich nämlich eigentlich für eine Rot-Rot-Grüne Koalition entschieden. Formal gehören eigentlich die ins gleiche Lager und sind nicht - wie Schwarz und Rot - geschworene Wahlkampffeinde.

    Die Mitglieder der SPD entscheiden jetzt also darüber, ob sie ganz den offiziellen Zielen ihrer Partei widersprechen wollen oder nur ein bisschen, indem sie die Opposition wählen. Klingt das für Sie immer noch nach einer roten Machtergreifung?
  5. #554

    @kosiak #563

    Denken Sie mal nach.....das ist bei einem Parteigremienbeschluss natürlich völlig anders. Der CDU-Abgeordnete hat Merkel und ihre Entscheidungen zu wählen...denn offensichtlich hat er sein Gewissen an der Garderobe abgeben müssen. Ebenso dürften Linke und grüne Abgeordnete niemals einer Regierungsentscheidung zustimmen - es gibt zwischen den entsprechenden Parteien ja schließlich keinen Koalitionsvertrag, nicht wahr?.....Lachen Sie, oder wundern Sie sich nicht zu sehr: Das ist GENAU DAS, wie es abläuft bisher. Von wegen Gewissen; das hat bisher noch KEINE Partei interessiert (Staatsrechtler übrigens auch nicht), aber bei einer Basisabstimmung der SPD ist's auf einmal evident...lächerlich!
  6. #555

    Man darf auch selbst nachdenken...

    ...und das Grundgesetz, sowie das deutsche Rechtssystem kritisieren und auslegen. Dafuer gibt es bspw. Gerichte. Ihrem Urteil würde ich mich nicht anschliessen, denn ihre Logik ist ungenau.

    Alle wählen, SPD und CDU verhandeln eine Koalition. diese wird nun einigen Parteimitgliedern zur erneuten Entscheidung vorgesetzt. Damit können diese das letztendliche Wahlergebniss entscheidend beeinflussen und erhalten ggü. den restlichen Wählern eine privilegierte Position.

    Natuerlich ist es besser, wenn 100.000 als nur 10 an der Koalitionsbildung beteiligt sind. Aber wenn, dann doch bitte richtig! Das heisst: alle nochmal abstimmen lassen ueber die konkreten Koalitionsverträge. mMn sowieso die bessere Alternative zu einer Wahl von Parteien, von denen ich vorher nicht weiss, mit wem die ins Bett hüpfen.

    Augen auf, statt Blatt im Wind.
  7. #556

    Solidarisierung pro GroKo

    Zitat von rococo7033 Beitrag anzeigen
    Vor dem Slomka Interview war ich ganz gegen diese Große Koalition. Nun sieht es so aus als ob Gabriel und seine SPD vielleicht doch die mehr intelligente und demokratische Option zur ZDF/Bild Verblödung sind. Frau Slomka und ihr Arbeitgeber wirbeln einfach etwas Staub auf um ihre politischen Einbettung zu verteidigen. Slomkas spitzer und dazu auch noch gerahmter Mund ist nur peinlich wenn es um die bedeutenden Themen für uns andere Menschen geht. Hätte es nie gedacht, aber Gabriel kommt nun viel sympathischer durch.
    Was die Überzeugungskraft von Gabriel, Nahles et al. nicht zu Stande brachte, Frau Slomka hat es geschafft: eine Solidarisierung der bisherigen Gegner und Skeptiker einer GroKo zugunsten des designierten Vizekanzlers Gabriel und damit im Endeffekt zugunsten der GroKo unter der designierten Kanzlerin Merkel.
    So treibt die gemeinsame Gegnerschaft gegenüber dem ZDF erstaunliche Blüten und hilft indirekt der bis dato ungeliebten Kanzlerin. Wenn sogar ein "harter Hund" wie Augstein jun. umschwenkt pro Gabriel&Merkel und sogar anfängt, Horst Seehofer zu loben, dann dürfte das "Ding" Merkel-GroKo in trockenen Tüchern sein.
    Hypothese: Marietta Slomka hat in allerhöchstem Auftrag die Kohlen für die CDSUPD aus dem Feuer geholt. Dass sie dabei den Vizekanzler in spe sympathischer aussehen ließ, gehörte mit zur Inszenierung.
  8. #557

    Zitat von klaus47112 Beitrag anzeigen
    ... der Abgeordneten, insbesondere derer die über ein Listenmandat aufgestellt wurden, ist das insistieren in Richtung imperatives Mandat durchaus gerechtfertigt. Slomka hatte den Finger in die Wunde gelegt, ob sie das besonders geschickt gemacht hat darüber lässt sich trefflich streiten!

    Ob sich Abgeordnete die um die Wiederaufstellung bangen (müssen) wirklich ohne Rücksicht auf Parteibeschlüsse nur nach ihrem Gewissen entscheiden? Pofallas gibt es in allen Parteien!
    Das Problem wäre aber dann der von Merkel gewünschten Koalitionsvertrages an sich und nicht die Mitgliederbefragung zu pro oder contra.
    Deswegen war es eigentlich die merkelsche Wunde und nicht etwa die eines basisdemokratischen Mitgliedervotums.
    Die Abgeordneten entscheiden nicht über eine Regierungskoalition, so schwer zu begreifen? Sie wählen den Kanzler, das geht auch ohne Vertrag.
    Selbst wenn die SPD den Vertrag ablehnt, kann Merkel zum Kanzler gewählt werden. Das lehnt ja die Alternativlose vehement ab.
  9. #558

    Nichts Neues

    Bei Shakespeare hieß es: Much ado about nothing! (Viel
    Lärm um nichts!)
  10. #559

    Zitat von thunderstorm305 Beitrag anzeigen
    Herr Augstein hat es wieder einmal geschafft seiner SPD-Mitgliedschaft alle Ehre zu machen. Oder ist er kein Mitglied? Dann wird es aber Zeit. M.E. aber in der Zwischenzeit haben verschiedenste Verfassungsrechtler die Zweifel und das Unbehagen an dem jetzigen Verfahren geäußert. Da kann man nicht mehr davon sprechen, dass Herr Gabriel einen Gemeinschaftskundeunterricht erteilt hat. Darin sind bestimmt keine Mitgliederbefragungen vorgekommen. Ich bin trotzdem erstaunt, dass Herr Augstein nicht einmal in der Lage ist über die derzeitige Politik der SPD zu reflektieren und anscheinend alles gut findet, was Herr Gabriel macht und von sich gibt. Schade.
    Sie sollten sich mal von dem Müll der Desinformation befreien und Ihr Wissen updaten. Kein Verfassungsrechtler behauptet einen verfassungswidrigen Vorgang in der Abstimmung. Nicht einmal Degenhart hat das im Handelsblatt behauptet.