Plagiatsvorwürfe gegen Star-Autor: Dobelli soll Taleb kopiert haben

DPADer gute Ruf ist in Gefahr: "Black Swan"-Autor Nassim Taleb wirft dem Schweizer Schriftsteller Rolf Dobelli vor, von ihm abgeschrieben zu haben. Dobellis Verlag Hanser will die Vorwürfe prüfen.

Plagiatsvorwürfe: Rolf Dobelli soll Nassim Taleb kopiert haben - SPIEGEL ONLINE
  1. #1

    Das kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen. Schließlich hat Taleb doch eine, wenn man so sagen will, neue akdemische Denke eingeführt. Dobelli fasst in seinen Kolumnen interessante wissenschaftliche Erkenntnisse anderer zusammen.

    Wissenschaftler vs. Journalist
  2. #2

    Wenn man Taleb gelesen hat, kann man auf Dobelli gut verzichten. Die "Kunst des klaren Denkens" fand ich eine extrem langweilige und nichts neues bringende Lektüre. Für jemanden, der sich mit solchen Dingen noch nie beschäftigt hat, mag Dobelli ein netter "Teaser" sein.

    Taleb hat viel, viel mehr Substanz, aber Dobelli nennt Taleb ja auch als Quelle und Inspiration. Ich würde eher sagen uninteressanter Aufguss statt Plagiat.
  3. #3

    Taleb? Kahneman!

    Ich hatte eher den Eindruck, dass Dobelli sich bei Kahneman (und Tversky) bedient hat. Jedenfalls gehen die meisten der in 'Die Kunst des klaren Denkens' dargestellten Biases und Heuristiken auf Kahneman zurück und die Quellen werden nicht erwähnt. Im Vergleich dazu ist Taleb sicher Pinatz!
  4. #4

    Unabhängig von dieser Diskussion sollte einmal festgestellt werden, dass es vier Jahre vor Nassim Talebs Schwarzen Schwänen bereits die "Wildcards" des Ehepaars Steinmüller gab, siehe http://www.amazon.de/Ungezähmte-Zukunft-Cards-Grenzen-Berechenbarkeit/dp/3932425537
  5. #5

    An Dreistigkeit kaum zu überbieten

    Ich konnte es zunächst kaum glauben, aber bin schockiert, wie dreist Dobelli abgeschrieben hat. Dies ist längst kein Fall zwischen Taleb und Dobelli mehr. Dobelli hat von verschiedenen Autoren (neben Taleb auch Chabris , Schultz, Kahneman und Tversky) bis hin zu den Anektdoten praktisch wortwörtlich abgeschrieben, bis hin zu Beispielen und Anektdoten. Von Taleb bekam er ein unveröffentlichtes Manuskript von "Antifragile" aus welchem er ohne zu zögern für seine Kolumne abschrieb. Dies ist kein Plagiat, sondern Diebstahl.
  6. #6

    oje

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der gute Ruf ist in Gefahr: "Black Swan"-Autor Nassim Taleb wirft dem Schweizer Schriftsteller Rolf Dobelli vor, von ihm abgeschrieben zu haben. Dobellis Verlag Hanser will die Vorwürfe prüfen.

    Plagiatsvorwürfe: Rolf Dobelli soll Nassim Taleb kopiert haben - SPIEGEL ONLINE
    Ich habe zunächst Taleb und dann Dobelli gelesen. Ich dachte immer, dass er das mit Zustimmung Talebs abgeschrieben hat. Ich meine er bedankt sich in irgendeinem von den Büchern bei Taleb.

    Dann hat er aber tatsächlich auch von Kahnemann und Tversky abgeschrieben, da sie auch sehr ähnlich geschrieben haben...
  7. #7

    Tversky/Kahneman

    Zitat von max hollister Beitrag anzeigen
    Ich hatte eher den Eindruck, dass Dobelli sich bei Kahneman (und Tversky) bedient hat. Jedenfalls gehen die meisten der in 'Die Kunst des klaren Denkens' dargestellten Biases und Heuristiken auf Kahneman zurück und die Quellen werden nicht erwähnt. Im Vergleich dazu ist Taleb sicher Pinatz!
    Taleb bezieht sich (u.a.) explizit auf Tversky u. Kahneman, weißt sie auch in der (umfangreichen) Bibliografie aus (im engl. Original, die dt. Fassung kenne ich nicht ...)
  8. #8

    Die Aufregung nicht wert

    Der Streit ist die Aufregung nicht wert und hätte privat, nicht öffentlich ausgetragen werden sollen. Entscheidend ist, dass Dobelli Taleb, Kahnemann und all die andern am laufenden Band zitiert, Taleb insgesamt rund 30 mal. Ihm zum Vorwurf zu machen, er hätte weitere Nennungen absichtlich unterlassen, ist lächerlich. Wenn einer wirklich plagiieren will, dann vermeidet er den Namen des Plagiierten tunlichst, und zwar überall. Taleb weiss das natürlich auch. Wenn es ihm nur um Korrektkheit ginge, hätte er seinen "Freund" Dobelli auf die fraglichen Stellen hingewiesen, und sie wären in der nächsten Auflage korrigiert worden. Werden sie jetzt auch, allerdings mit einigem Kollateralschaden. Was sich Taleb davon erhofft, weiss nur er selbst. Vielleicht Aufmerksamkeit für sein neues, im November erscheinendes "Kleines Handbuch für den Umgang mit Unwissen", das sich originellerweise mit "Denkfehlern" befasst und vom Verlag Knaus als "Anleitung in der Kunst des klaren Denkens" angepriesen wird. Interessant, wie sich der Kreis schliesst.
  9. #9

    Nicht so einfach, Herr Stoifberg

    Das Problem ist vielleicht kein rechtliches, aber sicher ein moralisches. Dobelli macht es sich zu einfach, wenn er sein dreistes Abkupfern einfach als "Fehler" betitelt. Er schuldet es denjenigen die für sein Buch bezahlt haben, darzulegen, wie es dazu kommen konnte, dass er ganze Absätze wortwörtlich abgeschrieben hat, nicht nur von Taleb sondern auch von Anderen (vgl. Kommentare oben). Ob er das im Anhang zitiert oder nicht ist nur rechtlich von Belang, jedoch nicht künstlerisch. Wenn ich Kahnemann lesen will, lese ich Kahnemann. Wenn ich eine Interpretation von Kahnemann mit entsprechender Kontextsetzung lesen will, so habe ich bisher vielleicht Dobelli glesen. Nun muss ich aber feststellen, dass Dobelli Kahnemann nicht intepretiert, sondern einfach von ihm abschreibt. In diesem Sinn hat er mein Geld verschwendet, denn dann lese ich lieber das Original. Mit Taleb alleine hat das längst nichts mehr zu tun, allerdings muss Herr Dobelli auch zum Hauptvorwurf von Taleb Stellung beziehen, der darin besteht, dass er aus dessen im zur Begutachtung überlassenen Manuskript von "Antifragile" kopiert hat. Die Affäre ist meines Erachtens überhaupt noch nicht ausgestanden. Dobelli hat grosse Schuld auf sich geladen und muss sich weit darüber hinaus darlegen, wie er dies bisher getan hat.