Werben für Deutschland: Forscher, kommt heim

Dave McHaleMit Werbeveranstaltungen versucht der Bund, deutsche Wissenschaftler aus den USA zurück zu holen. Doch die fürchten die schlechten Karrierechancen diesseits des Atlantiks - und scheuen die miese Bezahlung.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...-a-920683.html
  1. #1

    Zum Lachen wenn es nicht so traurig wäre

    Willkommen zurück in Deutschland!
    Marode Gebäude und Infrastruktur, keine Grundmittel, keine TAs und schon gar keine Postdocs, Bürokratie und Papierkrieg ohne Ende, Wartezeiten bis zu einem Jahr und mehr bei Tierversuchsanträgen, wenig bis keine Drittmittelmöglichkeiten, finanzielle Förderungen mit lächerlich kurzer Dauer (1 Jahr) und hohen Erwartungen (Publikationen, Patente ...), Lehre, Lehre, Lehre und nochmal Lehre, befristete Arbeitsverträge en masse. Willkommen in der Kaste der akademischen Wanderarbeiter!
  2. #2

    Grundgesetzlich garantierte freie Meinung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mit Werbeveranstaltungen versucht der Bund, deutsche Wissenschaftler aus den USA zurück zu holen. Doch die fürchten die schlechten Karrierechancen diesseits des Atlantiks - und scheuen die miese Bezahlung.

    Gain: Bund wirbt um deutsche Forscher in den USA - SPIEGEL ONLINE
    Wer einen Akademiker-Job im Ausland hat und nach Deutschland zurückkommt, der muss gehörig einen an der Waffel haben. Der neueste Coup der Bundesregierung: das Bundesbildungsministerium BMBF zahlt längst zugesagte Forschungsgelder nicht aus, um die Hilfen für die Flutopfer zu finanzieren. Kein Witz! Dadurch konnten bereits eine beträchtliche Anzahl Lehr- und Forschungspersonal nicht eingestellt werden. Schließlich sind die Flutopfer ja wichtige Wähler und deutlich medienwirksamer. Ja, das ist unsere Merkel-Regierung.
  3. #3

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mit Werbeveranstaltungen versucht der Bund, deutsche Wissenschaftler aus den USA zurück zu holen. Doch die fürchten die schlechten Karrierechancen diesseits des Atlantiks - und scheuen die miese Bezahlung.

    Gain: Bund wirbt um deutsche Forscher in den USA - SPIEGEL ONLINE
    Wer nach seiner Promotion eine (in der Regel auf 3 Jahre) befristete Stelle als Juniorprofessor annimmt, bei der er gerade mal 20% mehr als ein wissenschaftlicher Mitarbeiter verdient, hat meinen Respekt verdient. Ich werde es nicht tun!
  4. #4

    Kaiser-Wilhelm 2.0

    Unser System lebt doch noch im alten Jahrtausend. Reine Gläubigkeit an beamtete Professoren-Alleskönner herrscht von Seiten der Politik immer noch vor, und Sich-Aufs-Paper-Draufschreiben-Lassen auch wenn man nichts Relevantes beigetragen hat wird immer noch in der Praxis zelebriert und akzeptiert. Absolut abstoßend. Bachelor und Master ja, aber Angleichung der Lehrkörperstrukturen, der Vorlesungszeiten, der Prüfungszeiten: natürlich nicht. So wird das nichts.
  5. #5

    Jawohl weiter so!

    Wieso sollte man sich auch um die Forscher in Deutschland kümmern? Bzw. Nachwuchsforscher - die werden weiterhin mit Halbtagsstellen in denen sie voll arbeiten sollen abgespeist und die erfoflgreichen in den USA die möchte wieder zurück haben?? Bravo Deutschland du hast's drauf!
  6. #6

    Better think twice...

    Nach 7 Jahren California habe ich (MINT-Bereich, promoviert, erfolgreich) mit meiner Familie auch den Schritt zurück nach D gewagt - leider.
    Kann jedem nur davon abraten, denn das Land und die Gesellschaft rutschen immer weiter ab.

    All das was D mal früher stark gemacht hat verfällt zusehends.
    Was bleibt ist ein trauriger Rest aus Neid, Gier, Hass und Bitterkeit - DDR-Stimmung macht sich breit.
    Nach 5 Jahren in einem mir fremd gewordenen Heimatland kann ich nicht mehr empfehlen hierher zurückzukommen.
  7. #7

    Welches Deutschland meint dieser Artikel?

    Wir sind ein Akademikerpaar, das vor anderthalb Jahren ins Ausland gegangen ist, weil mein Mann - promovierter Physiker - anderthalb Jahre vergeblich eine Stelle gesucht hat. Was bietet Deutschland? Wenn ueberhaupt, dann befristete Stellen (Fachkräftemangel? Ha ha!), keinerlei Vereinbarkeit von Familie und Beruf, keine Möglichkeiten fuer Männer, sich von der Rolle als Brötchenverdiener hin zum Familienmitglied zu emanzipieren, nichts als Vorwuerfe an Frauen, die berufstätig sein wollen, keine Kinderbetreuung. Wer wundert sich denn da, dass Dl. fuer gut ausgebildete Menschen nicht attraktiv ist?
  8. #8

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mit Werbeveranstaltungen versucht der Bund, deutsche Wissenschaftler aus den USA zurück zu holen. Doch die fürchten die schlechten Karrierechancen diesseits des Atlantiks - und scheuen die miese Bezahlung.

    Gain: Bund wirbt um deutsche Forscher in den USA - SPIEGEL ONLINE
    Als jemand, der das gemacht hat, von den USA nach D zurück zu kommen (allerdings anfangs in der Industrie, später mangels Perspektiven zurück an die Uni gewechselt, wo sich in D eben angesichts der dortigen Probleme nur die rumtreiben, die es in der Industrie nicht schaffen), kann ich nur abraten. Wie lähmend und weltfremd die Bürokratie und Sachbindung für Forschungsgelder an den Unis ist, kann man sich nach Jahren in den USA selbst mit größter Fantasie nicht mehr annähernd vorstellen ("vergoldete" Rechner werden gerne gefördert, dringend nötige Softwarelizenzen oder Ersatz für die kaputte Grafikkarte am Arbeitsplatz eines Informatik-Doktoranden nicht, weshalb dessen Computer wochenlang nicht nutzbar ist; teure Dienstreisen ok, aber Doktorarbeit-Fertigschreiben geht nur mit ALG-"Stipendium", usw. usf). Und fast alles, was sonst hier noch so vollmundig versprochen wird (z.B. Kita-Plätze, Dual Career) funktioniert in der Praxis nicht: Nach zwei Jahren erfolgloser Wartezeit auf den Kitaplatz kam bei uns dann der Umzug in eine andere Stadt; Dual Career funktioniert (wenn überhaupt?) nur bei trivialer Tätigkeit des Ehepartners, aber nicht, wenn er/sie auch akademisch-spezialisierten Hintergrund hat.

    Und wenn irgendwas schief geht, so dass man anschließend eine neue Tätigkeit suchen muss (bei uns in der Industrie schlug kurz nach unserer Rückkehr die Wirtschaftskrise voll zu, alle neu Eingestellten wurden unabhängig von ihrer Leistung sofort wieder nach draußen befördert), darf man dann fröhlich mit zuschauen, wie allseits potentielle Rückkehrer aus dem Ausland hofiert werden, während an den freigesetzten "Losern" im Inland kein Interesse besteht... (Und dann hat man doppelt verloren, weil diejenigen, die nie im Ausland waren, dafür dann das Vitamin B im Inland haben, mit denen sie an die Honigpötte kommen...)
  9. #9

    Leute, bleibt bloss wo ihr seid!

    Ich bin vor geraumer Zeit aus England zurück nach D gekommen, angelockt von den hiesigen Super-Forschungsstipendien. 11 Jahre später sind alle befristeten Stellen ausgelaufen, inklusive einer zeitlich befristeten Professur (dank der Exzellenzinitiative ist auch so etwas möglich). So, jetzt heisst es Wissenschaft ade, aber wer will einen noch in der Industrie mit 45 Jahren? Fazit: nicht zurücklocken lassen ausser auf eine unbefristete Stelle!