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Ist Burnout nur eine Modekrankheit?

Burnout in aller Munde: Offenbar zeigt sich in den verschiedenen Ausformungen und Wahrnehmungen der Erschöpfung und Depression ein Sympton unserer Zeit, die für Schwächen und Ausfälle speziell im psychischen Sektor wenig Verständnis zeigt. Immerhin gilt "Burnout" kraft des Begriffes in gewisser Weise als gehobener Defekt. Aber kann man Burnout deshalb zur Modekrankheit verkleinern?
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Burnout in aller Munde: Offenbar zeigt sich in den verschiedenen Ausformungen und Wahrnehmungen der Erschöpfung und Depression ein Sympton unserer Zeit, die für Schwächen und Ausfälle speziell im psychischen Sektor wenig Verständnis zeigt. Immerhin gilt "Burnout" kraft des Begriffes in gewisser Weise als gehobener Defekt. Aber kann man Burnout deshalb zur Modekrankheit verkleinern?
    Kommt auf das Verständnis des Begriffs "Modekrankheit" an.
    Immerhin ist es Mode, dass alles schneller laufen muss als vorher. Als Beispiel seien Virtuosen in der Musik genannt.
    Das Herz arbeitet optimal bei 60-140 bpm. Das ist physiologisch so und kann nicht verändert werden.
    Also eine Krankheit aufgrund einer Mode? Wahrscheinlich.
  2. #2

    Ist Burnout eine Modekrankheit?

    Kurze Frage, kurze Antwort: nein. Es ist nur eine Modediagnose. Früher nannte man das Depression, heute nennt man es Burnout. Die Wortwahl ändert an der Tatsache nichts. Der eine darf sich hip mit "Burnout" schmücken, der andere, der ehrlich ist und sich eine Depression eingesteht, findet sich damit in der zweiten Reihe wieder. Gegen so schicke Krankheiten wie "Burnout" kommt man einfach nicht an.

    Kann man an der Cocktailbar auch immer locker fallenlassen: "Du, ich hab Burnout. Außerdem hab ich Malaria, hab ich mir mal in Südindien eingefangen."

    "Ach was, ist nicht wahr!"

    Man vergleiche das mit: "Du, ich habe eine Depression. Wir rätseln noch, ob sie organisch bedingt ist."

    "Ich muß jetzt weiter, da drüben wartet mein Mann auf mich."
  3. #3

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Burnout in aller Munde: Offenbar zeigt sich in den verschiedenen Ausformungen und Wahrnehmungen der Erschöpfung und Depression ein Sympton unserer Zeit, die für Schwächen und Ausfälle speziell im psychischen Sektor wenig Verständnis zeigt. Immerhin gilt "Burnout" kraft des Begriffes in gewisser Weise als gehobener Defekt. Aber kann man Burnout deshalb zur Modekrankheit verkleinern?
    Vor Jahren war ich selbst an "Burnout" erkrankt und meine-
    Burnout ist der Hilfeschrei unserer Seele, die quasi erstickt in unseren Anforderungen immer perfekt sein zu wollen. Die perfekte Ehefrau, Angestellte, Mutter usw. Erst wenn wir erkennen, daß weniger Perfektionismus mehr Lebensqualität bedeutet, entspannt sich unsere Seele und macht uns wieder fähig Freude zu empfinden.
  4. #4

    Zitat von d.decas Beitrag anzeigen
    Vor Jahren war ich selbst an "Burnout" erkrankt und meine-
    Burnout ist der Hilfeschrei unserer Seele
    Das interessiert mich jetzt aber doch: Hatten Sie einen Burnout oder eine Depression? Und was soll mir überhaupt dieser grammatisch falsche Satz sagen?
  5. #5

    Burnout - Depression

    Zitat von Ty Coon Beitrag anzeigen
    Das interessiert mich jetzt aber doch: Hatten Sie einen Burnout oder eine Depression? Und was soll mir überhaupt dieser grammatisch falsche Satz sagen?
    Die Foristin hat wohl einfach statt des Kommas einen Bindestrich geschrieben ("und [ich] meine, Burnout ist ..), ansonsten ist der Satz doch ganz klar verständlich.

    Was soll eigentlich dieser seltsame Streit um die Begriffe? "Depression" ist ja eigentlich auch nur ein von den Psychologen gebildetes Konstrukt, um teilweise sehr verschiedene Krankheitssymptome mit verschiedenen Ursachen als eine bestimmte Krankheit zu kategorisieren und eine Diagnose stellen zu können.
    Man könnte ja einfach "Burnout" als eine Unterkategorie der Depression einordnen, die durch Überforderung verursacht wird und mit allgemeiner Erschöpfung einhergeht.
  6. #6

    Sprachmissbrauch

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Burnout in aller Munde: Offenbar zeigt sich in den verschiedenen Ausformungen und Wahrnehmungen der Erschöpfung und Depression ein Sympton unserer Zeit, die für Schwächen und Ausfälle speziell im psychischen Sektor wenig Verständnis zeigt. Immerhin gilt "Burnout" kraft des Begriffes in gewisser Weise als gehobener Defekt. Aber kann man Burnout deshalb zur Modekrankheit verkleinern?
    Wie schon oft sucht sich die Sprachgemeinschaft
    eine Mode-Vokabel aus,
    um ein Phänomen zu beschreiben,
    das durchaus in der Wirklichkeit existiert.

    Auch Alzheimer existiert seit Menschengedenken,
    und drückt die Banalität eines Altwerden-Phänomens aus:
    Gedächtnisversagen.
    Heute löst der Begriff Ängste aus
    - warum eigentlich, gehörte es doch immer zum Altwerden!

    "Burnout"? Auch Banalität!
    Ähnliche wie die des Altwerdens.
    Hier allerdings haben wir mit einer anderen zu tun:
    die des Versagens durch Überfordertsein!

    Auch das ist banal:
    Gäbe es nur Supermen, ein Burnout gäbe es nicht.
    Es gibt aber außer den Hartgesottenen
    auch die "Zartbeseiteten"
    - vielleicht ist es sogar gut so,
    denn sonst wüssten wir nicht,
    was ein Hartgesottener zu leisten vermag.

    Nennen wir die Dinge beim Namen.
    Dann verlieren sie ihre Schleier, ihre "Gefährlichkeit",
    ihren Auslegungs- und Missbrauchscharakter.
    Dann können wir sie auch richtig angehen
    und vielleicht lindern.
  7. #7

    Schade

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Burnout in aller Munde: Offenbar zeigt sich in den verschiedenen Ausformungen und Wahrnehmungen der Erschöpfung und Depression ein Sympton unserer Zeit, die für Schwächen und Ausfälle speziell im psychischen Sektor wenig Verständnis zeigt. Immerhin gilt "Burnout" kraft des Begriffes in gewisser Weise als gehobener Defekt. Aber kann man Burnout deshalb zur Modekrankheit verkleinern?
    Schade, dass es den Redakteuren des Spiegels nie gelingt einfachste Zusammenhänge zu verstehen, sobald es um die Psyche oder Psychiatrie geht.

    Ein Mensch kann entsprechend des DSM-IV mehrere Diagnosen haben. Dies soll helfen ein Krankheitsbild möglichst detailliert zu beschreiben. Diese Diagnosen können natürlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten von unterschiedlichen Ärzten unterschiedlich gestellt werden. Somit ist die Schlussfolgerung des Redakteurs, dass die Hälfte der Bevölkerung psychisch krank sei, weil man ja nur alle gestellten Diagnosen zusammen addieren brauch, vor allem riesen großer Blödsinn und an Dummheit kaum zu übertreffen.
  8. #8

    Zwei Kardinalfehler

    Zitat von Ty Coon Beitrag anzeigen
    Ist Burnout eine Modekrankheit?

    Kurze Frage, kurze Antwort: nein. Es ist nur eine Modediagnose. Früher nannte man das Depression, heute nennt man es Burnout. Die Wortwahl ändert an der Tatsache nichts. Der eine darf sich hip mit "Burnout" schmücken, der andere, der ehrlich ist und sich eine Depression eingesteht, findet sich damit in der zweiten Reihe wieder. Gegen so schicke Krankheiten wie "Burnout" kommt man einfach nicht an.[...]
    Nichts gegen anregende Gesprächsthemen an der Cocktailbar, aber dennoch glaube ich nicht, dass diese für einen "Begriffs-Hype" ursächlich sind, dazu sind sie statistisch einfach zu selten. ;)

    Zwei Fehler ziehen sich durch die meisten Burnout-Diksussionen:
    1. Burnout ist (wie alle Erschöpfungsymptome) keine Krankheit, sondern die Folge einer unangemessenen Lebensführung.

    2. Insofern ist Burnout nicht zu Verwechseln mit einer Depression, einer "echten" Krankheit, auch wenn sich die Symptome ähneln.

    Burnout beruht fast immer auf einer Fehlsteuerung des eigenen Ressourcenmanagments. Denn zu den seit jeher vorhandenen und überzogenen Erwartungen der Berufswelt gesellt sich hier die Bereitschaft, diese unbedingt zu erfüllen. Ein Mensch, der seine Grenzen kennt und seine Ressourcen ökonomisch einsetzt, wird nie an Burnout erkranken. Ein Mensch, der die ständige (Reaktions-)Bereitsschaft moderner Kommunikationssysteme als Maßstab für seine Lebensgestaltung übernimmt, der also ständig "online" sein will oder glaubt, sein zu müssen, ist für Burnout prädestiniert.

    Die Fähigkeit, die eigenen Ressourcen realistisch einzuschätzen, kommt dem modernen Menschen zunehmend abhanden, wie auch die Bereitschaft, sie zu akzeptieren. Dauerleistung ist ein Gebot, dem nahezu widerstandslos gefolgt wird und die Kenntnis der eigenen Möglichkeiten und Grenzen schwindet. Der Homo informaticus weiß zwar alles über die Welt, aber kaum noch etwas über sich selbst.
  9. #9

    Der einzige Defekt...

    den die Menschen „unserer Zeit“ in den westlichen Wohlstandsnationen entwickelt haben, ist der Mangel an eigenverantwortlichem Umgang mit sich selbst. Sie haben „verlernt bekommen“, auf sich selbst zu hören, der inneren Stimmer zu folgen und gegebenenfalls „die Reißleine zu ziehen“. Insofern ist "burnout" tatsächlich eine Modeerscheinung.

    Würde jeder - konsequent auch einen unbequemen, aber für ihn selbst authentischen Weg wählen, stellte sich die Titelfrage gar nicht.

    Allerdings wird jeder selbstverantwortliche, selbständige Schritt gerne von gesellschaftlichen und familiären „Besserwissern“, teuren Beratern, Medizinern, Psychologen und nicht zuletzt Politikern als „sozial nicht adäquat“ bezeichnet, als „traumtänzerisch“ belächelt „so-was-macht-man-nicht“ oder „unsozial“ verschrieen.

    Das muss man durch... das ist aber auch das Einzige....


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