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Ist Burnout nur eine Modekrankheit?

Burnout in aller Munde: Offenbar zeigt sich in den verschiedenen Ausformungen und Wahrnehmungen der Erschöpfung und Depression ein Sympton unserer Zeit, die für Schwächen und Ausfälle speziell im psychischen Sektor wenig Verständnis zeigt. Immerhin gilt "Burnout" kraft des Begriffes in gewisser Weise als gehobener Defekt. Aber kann man Burnout deshalb zur Modekrankheit verkleinern?
  1. #50

    Zitat von Jörn Bünning Beitrag anzeigen
    Zwei Fehler ziehen sich durch die meisten Burnout-Diksussionen:
    1. Burnout ist (wie alle Erschöpfungsymptome) keine Krankheit, sondern die Folge einer unangemessenen Lebensführung.

    2. Insofern ist Burnout nicht zu Verwechseln mit einer Depression, einer "echten" Krankheit, auch wenn sich die Symptome ähneln.

    Burnout beruht fast immer auf einer Fehlsteuerung des eigenen Ressourcenmanagments. Denn zu den seit jeher vorhandenen und überzogenen Erwartungen der Berufswelt gesellt sich hier die Bereitschaft, diese unbedingt zu erfüllen. Ein Mensch, der seine Grenzen kennt und seine Ressourcen ökonomisch einsetzt, wird nie an Burnout erkranken. Ein Mensch, der die ständige (Reaktions-)Bereitsschaft moderner Kommunikationssysteme als Maßstab für seine Lebensgestaltung übernimmt, der also ständig "online" sein will oder glaubt, sein zu müssen, ist für Burnout prädestiniert.
    Irgendwie hört sich das an, als würden hier die alten Argumente zum Thema "Depression" aufgewärmt. Alles ist selbstverschuldet, der Einzelne hat sich gefälligst zu ändern und ansonsten ist ALLES gut.
    Selbstverständlich liegen die Hauptursachen im Freizeitverhalten und in der Internetnutzung, - wo denn auch sonst?
    Ständig zunehmender Druck im Beruf (den natürlich jeder selbstverantwortlich zurückweisen kann, ist ja klar ...), das komplizierter werdende Alltagsleben (das natürlich jeder selbstverantwortlich vereinfachen kann) und gesellschaftliche Zwänge (die natürlich auch selbstverantwortlich boykotiert werden können ...) haben keinen Einfluss ... oder besser: nur einen Einfluss, den wir bewusst zulassen.
    Hier ist Hilfestellung gefragt, Unterstützung und Solidarisierung - und nicht das Zurücklehnen in die Hängematte des Ist-jeder-selber-Schuld.
  2. #51

    Ist Burnout eine Modekrankheit?

    Zitat von Zaupel Beitrag anzeigen
    Irgendwie hört sich das an, als würden hier die alten Argumente zum Thema "Depression" aufgewärmt. Alles ist selbstverschuldet, der Einzelne hat sich gefälligst zu ändern und ansonsten ist ALLES gut.
    Selbstverständlich liegen die Hauptursachen im Freizeitverhalten und in der Internetnutzung, - wo denn auch sonst?
    Ständig zunehmender Druck im Beruf (den natürlich jeder selbstverantwortlich zurückweisen kann, ist ja klar ...), das komplizierter werdende Alltagsleben (das natürlich jeder selbstverantwortlich vereinfachen kann) und gesellschaftliche Zwänge (die natürlich auch selbstverantwortlich boykotiert werden können ...) haben keinen Einfluss ... oder besser: nur einen Einfluss, den wir bewusst zulassen.
    Hier ist Hilfestellung gefragt, Unterstützung und Solidarisierung - und nicht das Zurücklehnen in die Hängematte des Ist-jeder-selber-Schuld.
    Was sind wir doch für Gutmenschen, wir helfen abgeranzten Ländern, wir helfen unseren Faulen ein Lebenlang Hartz IV zu kassieren, wir helfen unseren Freunden, den nicht anpassungsfähigen kriminellen Großfamilien , wir helfen natürlich erfolglos Ländern, die eine demokratische Ordnung ablehnen - siehe u.a. Afghanistan und nun noch den Burnoutgeschädigten.
    Wer gerne arbeitet und da gibt es viele Mneschen - wem also die Arbeit Freude macht, der bekommt kein Burnout. Wer aber alles haben will - Feizeitvergnügen bis zum Abwinken, nachts PC und morgens mit dicken Augen zur Arbeit und natürlich immer unzufrieden mit den Chefs und frustriert, der bekommt eben Störungen. Allerdings sind die selbstverursacht.
    Weshalb sollten wir da helfen? Und wie? Die Zeiteinteilung für Arbeit und Freizeit muß jeder selbst für sich bestimmen und seine Ansprüche auch - allerdings muß er auch die Voraussetzungen schaffen, seine Ansprüche zu erfüllen.
    Gestern habe ich mit unserer Nichte ein Gespräch gehabtSie ist Lehrerin und wir haben festgestellt, dass viele Männer und Frauen , die so ab der 50ziger Jahre geboren wurden - richtige Loser sind. Ein großer Teil der Männer und Frauen sind wenig verantwortungsbewußt - jeder will sich "selbst" verwirklichen, was das Gefasel auch bedeuten soll. Eine Partnerschaft besteht eigentlich aus Geben und Nehmen - und nicht dem einseitigen Benutzen eines Partners - und es muß auch nicht immer jeder das Gleiche leisten. Wer schneller ist , schafft ebend mehr . Auch das sollte in einer Partnerschft kein Thema sein.
    Viele Menschen sind nicht belastbar. Im Nebenhaus wohnt ein 55 jhr. Freak, fett wie zum schlachten, Sohn eines Arztes, keinen Beruf, Gelegenheitstaxifahrer so 3 - 5 mal im Jahr - sonst PC und natürlcih Pirat - seine Wohngelder werden von den Eltern bezahlt, der bekommt natürlich sofort Burnout wenn er das Wort ARBEIT liest.

    Meine Mutter sagte immer:"Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!" Goethe? Nun , danach habe ich auch meine Kinder erzogen und Burnout ist für uns ein Fremdwort und bei Politikern oder anderen Unternehmern, die unendlcih viel arbeiten, gibt es diese Loserkrankheit auch nicht.
  3. #52

    Welche

    Zitat von Zaupel Beitrag anzeigen
    Irgendwie hört sich das an, als würden hier die alten Argumente zum Thema "Depression" aufgewärmt. Alles ist selbstverschuldet, der Einzelne hat sich gefälligst zu ändern und ansonsten ist ALLES gut.
    Selbstverständlich liegen die Hauptursachen im Freizeitverhalten und in der Internetnutzung, - wo denn auch sonst?
    Ständig zunehmender Druck im Beruf (den natürlich jeder selbstverantwortlich zurückweisen kann, ist ja klar ...), das komplizierter werdende Alltagsleben (das natürlich jeder selbstverantwortlich vereinfachen kann) und gesellschaftliche Zwänge (die natürlich auch selbstverantwortlich boykotiert werden können ...) haben keinen Einfluss ... oder besser: nur einen Einfluss, den wir bewusst zulassen.
    Hier ist Hilfestellung gefragt, Unterstützung und Solidarisierung - und nicht das Zurücklehnen in die Hängematte des Ist-jeder-selber-Schuld.
    Hilfestellung soll das denn sein ? Die meisten Menschen sind nicht zu dumm sondern eher charakterschwach. Denn niemand zwingt sie dazu, ständig ihr Handy auf "on" zu schalten und alles haben zu müssen, was die Werbung anbietet.

    Im Grunde sind diese Menschen Energiefresser, die mit ihren Problemen das Leben der Mitmenschen unnötig belasten, weil sie nicht erwachsen sein wollen.

    Jahrezehntelanges sich drücken vor Verantwortung und vor Entscheidungen, die nunmal im Laufe des Lebens von jedem getroffen werden müssen, führt letztendlich zu Überlastung, die dann subjektiv Krankheitswert hat.

    Solchen Menschen kann man nicht helfen und ich persönlich lasse mich von diesen auch nicht in die Empathie-Falle locken.
  4. #53

    Depressionen und Folgen

    Zitat von Florentinio Beitrag anzeigen
    Schade, dass es den Redakteuren des Spiegels nie gelingt einfachste Zusammenhänge zu verstehen, sobald es um die Psyche oder Psychiatrie geht.

    Ein Mensch kann entsprechend des DSM-IV mehrere Diagnosen haben. Dies soll helfen ein Krankheitsbild möglichst detailliert zu beschreiben. Diese Diagnosen können natürlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten von unterschiedlichen Ärzten unterschiedlich gestellt werden. Somit ist die Schlussfolgerung des Redakteurs, dass die Hälfte der Bevölkerung psychisch krank sei, weil man ja nur alle gestellten Diagnosen zusammen addieren brauch, vor allem riesen großer Blödsinn und an Dummheit kaum zu übertreffen.
  5. #54

    Depressionen und Folgen

    Zitat von Florentinio Beitrag anzeigen
    Schade, dass es den Redakteuren des Spiegels nie gelingt einfachste Zusammenhänge zu verstehen, sobald es um die Psyche oder Psychiatrie geht.

    Ein Mensch kann entsprechend des DSM-IV mehrere Diagnosen haben. Dies soll helfen ein Krankheitsbild möglichst detailliert zu beschreiben. Diese Diagnosen können natürlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten von unterschiedlichen Ärzten unterschiedlich gestellt werden. Somit ist die Schlussfolgerung des Redakteurs, dass die Hälfte der Bevölkerung psychisch krank sei, weil man ja nur alle gestellten Diagnosen zusammen addieren brauch, vor allem riesen großer Blödsinn und an Dummheit kaum zu übertreffen.
    Ich bin seit 2007 an schweren Depressionen erkrankt. Heute würde man sagen, Ursache dafür war burn out. Es ging bis zu Selbstmordversuchen. Mein Job hat mich soweit gebracht. Nur gegen Gesetze verstoßen, weil Zeit ist Geld, Platz ist Geld, etc.... Mein Job bestand nur noch aus Kunden belügen und betrügen, wo es nur ging, gegen Gesetze verstoßen (Gefahrgüter, Lenkzeiten, Pausen, alles egal), Menschenleben gefährden und noch vielem mehr. Als Frau in einer Männerdomäne. Da ich diesen Beruf nicht mehr ausüben kann, ohne Gefahr zu laufen daß ich Amok laufe, finde ich leider auch keinen anderen neuen Job mehr. Für "niedere" Tätigkeiten sei ich überqualifiziert, so viele potentielle Arbeitgeber. Was soll ich tun??? Ich hatte, auf Grund meines sehr streßigen Jobs Angst, daß ich eines Tages einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, oder ähnliches bekommen könnte, und deshalb eine BUZ Versicherung abgeschlossen. Das war vor 20 Jahren. Nun, seit 2007, kämpfe ich mit der Versicherung, Cosmos direkt, weil die meine Krankheit, schwere Depressionen, mit Angstzuständen und Panikattacken, nicht anerkennen wollen. Inzwischen liegen 3 Gutachten vor, die das bestätigen. Von der staatlichen Rente bekomme ich eine kleine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung (viel schlimmer als nur berufsunfähig!!!) Ich kann seit Jahren nicht mehr telefonieren bzw einkaufen oder aus dem Haus gehen, etc. Für diese Versicherung zahle ich bis heute, mtl 100.-€. Von wgen Modekrankheit. Ich habe bereits ein Buch darüber geschrieben (und veröffentlicht). Wenn einer, der Depressionen nicht kennt, bzw sich das nicht mal ansatzweise vorstellen kann, so ein Urteil fällt, dann wundert es mich nicht, daß sich viele lieber umbringen, als darüber zu reden.
    Genau wie meine Versicherung. Die hoffen doch nur, durch ihre permanente Zeitschinderei, daß ich mich endlich umbringe und die dann nur die mini Lebensversicherung zahlen müssen. Darauf läuft es letztendlich hinaus. Die ziehen alles so in die Länge und beauftragen korrupte Gutachter, nur damit sie nicht zahlen müssen. Klar, bei einem eh schon Selbstmordgefährdetem ein leichtes, darauf zu warten, daß er sich umbringt. Seit 5 Jahren kämpfe ich und langsam geht mir sowohl psychisch als auch finanziell die Luft aus. Hartz IV krieg ich nicht, da ich ein verschuldetes Haus habe. Müßt ich verkaufen, Rest Schulden. Egal, sagt das Amt. Das Haus ist meine einzige Altersvorsorge. Jetzt verkaufen, Schulden mitnehmen, private Insolvenz, nur weil meine private Versicherung, im Notfall, nicht zahlen will, muß dann der Steuerzahler herhalten??? Macht nur weiter so. Ich versteh jeden Amokläufer, bin selbst kurz davor. Nur nicht in Schulen oder auf Ferieninseln. Dahin, wo das Übel sitzt!!!!
  6. #55

    Burn out

    Zitat von d.decas Beitrag anzeigen
    Vor Jahren war ich selbst an "Burnout" erkrankt und meine-
    Burnout ist der Hilfeschrei unserer Seele, die quasi erstickt in unseren Anforderungen immer perfekt sein zu wollen. Die perfekte Ehefrau, Angestellte, Mutter usw. Erst wenn wir erkennen, daß weniger Perfektionismus mehr Lebensqualität bedeutet, entspannt sich unsere Seele und macht uns wieder fähig Freude zu empfinden.
    So ein Mist ist mir selten untergekommen. Ich bin seit 2007 selbst betroffen. Heute heißt es burn out, ansich ist es eine Depression. Ich spreche hier als Frau, die über 20 Jahre, in einer Männerdomäne, ihren Mann gestanden hat. Mobbing, Diskriminierung, Belästigungen, alles dabei. Als Frau mußt immer mehr leisten als Männer und bekommst nie Anerkennung oder am end den gleichen Lohn. Egal. Es interessiert keinen AG oder Kollegen, ob du grad ne Lebensqualität hast oder nicht. Entweder Job und Überleben, oder kein Job und arm. Wo ist denn da ne Lebensqualität? Freude empfinden am Arm sein? Ohne Job, ohne Aussicht auf Besserung? Das klingt grad wie ein Statement einer Hausfrau, die nebenbei mal eben bissle gejobbt hat um sich die Nägel auf eigene kosten zu finanzieren. Nicht aber von jemand, der täglich im harten Buisiness arbeiten muß, sich täglich härtesten Kunden und Unternehmensanforderungen stellen muß und sich dann, nebenbei noch mit neidischen Kollegen konfrontiert sieht.
  7. #56

    Zitat von frontmann22 Beitrag anzeigen
    ... Die meisten Menschen sind nicht zu dumm sondern eher charakterschwach. ... Im Grunde sind diese Menschen Energiefresser, die mit ihren Problemen das Leben der Mitmenschen unnötig belasten, weil sie nicht erwachsen sein wollen. ... Jahrezehntelanges sich drücken vor Verantwortung und vor Entscheidungen, die nunmal im Laufe des Lebens von jedem getroffen werden müssen, führt letztendlich zu Überlastung, die dann subjektiv Krankheitswert hat. ... Solchen Menschen kann man nicht helfen und ich persönlich lasse mich von diesen auch nicht in die Empathie-Falle locken.
    Ist es faszinierend oder gruselig, dass so viele Menschen nicht einmal ansatzweise über den eigenen Tellerrand blicken können und ihr eigenes Leben nicht nur als Maß aller Dinge, sondern auch als Produkt ihres eigenen Charakters verstehen? Glück und Zufall, schon in den Vorbedingungen (Elternhaus, Erziehung, Unterstützung, Schulverlauf, prägende Ereignisse ...), werden komplett ausgeblendet oder gar zur eigenen Leistung umgedeutet. Genauso werden die Sicherheit im eigenen Job, die Arbeitsbedingungen, der konfliktfreie Verlauf im Leben, die Lösung kleinerer Probleme und andere Bedingungen als normal oder als Beweis der eigenen Charakterstärke (Selbstdisziplin, Persönlichkeit) verstanden. - Scheuklappen auf - und durch.
    Da besteht keine Gefahr in die Fallgrube der Empathie zu purzeln, wer über den Wolken schwebt, kann am Boden nicht in Fallen gehen.
  8. #57

    Zitat von Zaupel Beitrag anzeigen
    Ist es faszinierend oder gruselig, dass so viele Menschen nicht einmal ansatzweise über den eigenen Tellerrand blicken können und ihr eigenes Leben nicht nur als Maß aller Dinge, sondern auch als Produkt ihres eigenen Charakters verstehen? Glück und Zufall, schon in den Vorbedingungen (Elternhaus, Erziehung, Unterstützung, Schulverlauf, prägende Ereignisse ...), werden komplett ausgeblendet oder gar zur eigenen Leistung umgedeutet. Genauso werden die Sicherheit im eigenen Job, die Arbeitsbedingungen, der konfliktfreie Verlauf im Leben, die Lösung kleinerer Probleme und andere Bedingungen als normal oder als Beweis der eigenen Charakterstärke (Selbstdisziplin, Persönlichkeit) verstanden. - Scheuklappen auf - und durch.
    Da besteht keine Gefahr in die Fallgrube der Empathie zu purzeln, wer über den Wolken schwebt, kann am Boden nicht in Fallen gehen.

    So eine Antwort war zu erwarten.

    Selbstverständlich haben Menschen, die ihr Leben auf die Reihe bekommen haben, bloss Glück gehabt.
    Es kann nicht sein, dass sie ihre Probleme frühzeitig in Angriff nahmen und damit Schlimmeres verhindert haben - sonst hätten Sie das doch auch gemacht, oder ?
    Selbstverständlich sind andere Menschen niemals vom graden Weg abgekommen und mussten niemals im Zickzack laufen. So eine Gefahr gab es bloss in Ihrem Leben.
    Selbstverständlich sind andere Menschen auch niemals in schlechte Gesellschaft geraten, die sie vom rechten Weg abbringen konnte.

    Das Leben ist eben reine Lotterie und die Erde ist eine Scheibe.
  9. #58

    Sie denken meines Erachtens zu kurz

    Zitat von frontmann22 Beitrag anzeigen
    Selbstverständlich haben Menschen, die ihr Leben auf die Reihe bekommen haben, bloss Glück gehabt.
    Es kann nicht sein, dass sie ihre Probleme frühzeitig in Angriff nahmen und damit Schlimmeres verhindert haben?
    Selbstverständlich sind andere Menschen niemals vom graden Weg abgekommen und mussten niemals im Zickzack laufen. So eine Gefahr gab es bloss in Ihrem Leben.
    Selbstverständlich sind andere Menschen auch niemals in schlechte Gesellschaft geraten, die sie vom rechten Weg abbringen konnte.
    Das Leben ist eben reine Lotterie und die Erde ist eine Scheibe.
    Leider machen Sie genau den Fehler, den Sie Ihren anderen hier implizit vorwerfen: Sie denken zu kurz, zu mechanistisch, zu simplizistisch. Was, wenn allein die von Ihnen (zurecht!) kritisierte Lebensweise oft bereits selbst ein kompensatorisches Verhalten gegenüber einer erblichen oder schon als Fötus erworbenen Veranlagung zu Depressionen darstellt?

    Nennen Sie das dann immer noch "Charakterschwäche"? Nun gut, dann werden Sie sicher auch alle die von Herzinfarkten oder Schlaganfällen betroffenen als "charakterschwach" titulieren, vielleicht gar weil sie weiterhin auch mal ein Ei (= "Cholesterin-Bombe") gegessen haben? Wer es sich aber so einfach macht, der muss sich schon selbst gefallen lassen, als "charakterschwach", im Sinne von willentlich verweigerter Empathie, tituliert zu werden. Ich hoffe, Sie sehen an diesem Beispiel, dass das Wort "charakterschwach" im Zusammenhang mit Krankheiten einfach deplaziert ist.

    Für die obige Kompensations-Hypothese spricht übrigens einiges. Und die alternative Kompensationsmethode wären vor allem Suchtstoffe. Wollen Sie das wirklich? Da haben Sie dann eben den Zusammenbruch des gesellschaftlichen Funktionierens noch 20 Jahre früher.

    Natürlich wären Entscheidungen zu Lebensveränderungen möglich und angebracht, nicht nur im Nachhinein, sondern auch vorbeugend. Wie man diese aber sicher verhindert, ist der erhobene Zeigefinger und Besserwisserei. Vorraussetzung für solche Entscheidungen ist sicher eine andere innere Einstellung des betroffenen. Das geht aber nur aus der Erlebens-, Wahrnehmungs- und Gefühlswelt desjenigen selbst.
    Auch in dem Punkt hat Ihr Gegenredner leider Recht: Entweder Sie verweigern diesen Schritt, oder aber - was noch schlimmer wäre - Sie wissen gar nicht, dass "Ihr eigenes Leben (d.h. Ihr persönliches Wahrnehmen, Denken und Fühlen) nicht das Maß" für das Wahrnehmen, Denken und Fühlen des Menschen schlechthin ist, und keineswegs für alle Menschen identisch ist.

    Ansonsten noch ein Hinweis:
    Bei der häufigen Überschneidung von Burn Out und Depressionen müßte man ja eigentlich noch weiter gehen. Zumindest Fibromyalgie und Tinnitus scheinen mir in der gleichen Ecke Alter+Arbeitsumfeld zu liegen. Möglicherweise könnte sogar ein Großteil der Rückenschmerzen ebenfalls weniger auf schlechter Ergonomie als auf jenem psychischen Umfeld erwachsen (Korrelation zu Tonusproblemen als Schulkind?).
    Ob in der ganzen Problematik die Suche nach stets einer URSACHE und einer WIRKUNG gerechtfertigt ist, wage ich zu bezweifeln, denke eher, dass das alles von komplexen, ineinander verschränkten Systemen über einen langen Entwicklungszeitraum hervorgebracht wird. Aber dafür müßte man ja Wissen erarbeiten. Während man sich mit "Das ist der Grund!" - "Nein, das ist der Grund!" natürlich schön fetzen kann, wofür die eigenen unterschiedlichen Ideologien völlig ausreichen.
  10. #59

    @ fpa

    sind Sie der Ansicht, Depression ist eine Stoffwechselerkrankung ?
    Zum Thema Burnout kann ich beitragen, dass mir selbst schon die Hände zitterten, weil die jahrelange Arbeitsbelastung zu hoch war.
    Ich habe dann reduziert und finanzielle Einbussen hingenommen. Das war die richtige Entscheidung.

    Meiner Ansicht nach liegt sowohl beim Burnout als auch bei Depressionen eine falsche Belastung oder zu hohe Belastung vor.
    Letztendlich leben wir alle in derselben Welt, bloss der Depressive hat sich in eine Sackgasse manövriert und bekommt zuwenig Tageslicht.


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