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Hygiene in Krankenhäusern - was muss geändert werden?

Jährlich sterben in Deutschland viele Menschen, weil sie sich in Krankenhäusern mit Keimen angesteckt haben. Sind die Vorschriften zur Hygiene ausreichend und werden nur nicht hinreichend angewendet? Oder besteht grundsätzlich Handlungsbedarf?
  1. #550

    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    Ein Patient, der Träger von MRSA ist, es ist nicht mal weiss, und operiert wird, wird post-operativ ein Problem bekommen.
    Ist das auch der Fall, wenn die Hygienebestimmungen eingehalten werden?
    Da, wo operiert wird, wird die Haut doch vorher desinfiziert – und wenn dem Patienten beim Verbinden nach der Handdesinfektion nicht die Hand gegeben wird o. ä. und steril verbunden wird können die Keime doch nicht in die Wunde kommen?
  2. #551

    Zitat von Softship Beitrag anzeigen
    Nur - heutzutage ist teils die Zeit zwischen Aufnahme und OP so kurz, dass die Zeit für die Kultur fehlt.
    Bei planbaren OP kann man sich vorher beim Hausarzt screenen lassen. Das muss man dann nur eventuell selbst bezahlen.
    Zitat von Softship Beitrag anzeigen
    Und leider fehlen überall die Einzelzimmer wo man die Patienten so lange isolieren kann, bis das Screeningergabnis bekannt ist.
    Das ist wohl wahr –aber die gute Nachricht ist: wenn wir so weitermachen, können bald die nachgewiesen nicht infizierten in die Einzelzimmer – irgendwann reichen die.
  3. #552

    Zitat von krankenhaushasser Beitrag anzeigen
    Ist das auch der Fall, wenn die Hygienebestimmungen eingehalten werden?
    Da, wo operiert wird, wird die Haut doch vorher desinfiziert – und wenn dem Patienten beim Verbinden nach der Handdesinfektion nicht die Hand gegeben wird o. ä. und steril verbunden wird können die Keime doch nicht in die Wunde kommen?
    Wenn ein Patient bereits mit MRSA ins Krankenhaus kommt, muss es keine Wunde sein. Die Abstriche für das Screening eines Patienten werden auch nur Nase beidseits und/oder Leiste/Perineum genommen.
    Unser Organismus ist generell ein Lebensraum für verschiedene Bakterienarten auf der Haut, im Darm, im Speichel etc. Wir sind eigentlich eine mobile Lebensgemeinschaft in der ein Gleichgewicht zwischen unserem Organismus und den Mitbewohnern (Bakterien, Pilze) herrscht.

    Wird dieses Gleichgewicht durch eine Infektion, Antibiotikagabe oder Operation gestört bzw. unser Immundsystem geschwächt, vermehren sich bestimmte Bakterien besonders gut. Staphylococcus aureus breitet sich über die Atemwege aus. Es besteht die Gefahr einer Lungenentzündung.

    Theoretisch könnte sich jeder selber auf MRSA untersuchen, um sicher zu sein. Wie viele Untersuchungen ist ein MRSA-Screening keinen Kassenleistung, wenn man sie selber verlangt. "Werden zum Beispiel in Pflegeeinrichtungen zur Verhinderung von Übertragungen von MRSA-Stämmen Abstriche durchgeführt, gelten diese nicht per se als kurativ-ambulante Leistungen. Es handelt sich um grundsätzliche Hygienemanagement-Maßnahmen, deren Umsetzung primär der Verantwortung der Einrichtung obliegt." aus MRSA: Screening-Untersuchungen sind keine Kassenleistung.

    Ich habe noch einen Artikel "MRSA-Screening und die klinische Bedeutung von Staphylococcus aureus" von Prof. Dr. med. Herbert Hof (Heidelberg) gefunden MRSA-Screening und die klinische Bedeutung von Staphylococcus aureus - labor&more. Ich weise mal explizit auf den Abschnitt "MRSA-Screening: wer und was?" hin.

    Und natürlich geht es wieder um die Notwendigkeit der Händedesinfektion bei MRSA-Patienten!
  4. #553

    Zitat von krankenhaushasser Beitrag anzeigen
    Das ist wohl wahr –aber die gute Nachricht ist: wenn wir so weitermachen, können bald die nachgewiesen nicht infizierten in die Einzelzimmer – irgendwann reichen die.
    Was erstaunlich ist: in den USA und sogar in England werden Einzelzimmer inzwischen standard. Aber nicht in D - z.B. in Hamburg gibt es das kürzlich neu gebautet UKE - da findet man kaum Einzelzimmer. Nicht mal Stationen die Transplantierte behandeln verfügen ünber Einzelzimmer.

    Hygiene ist nicht "nur" eine Frage der Handhygiene, sondern auch eine Frage der Ressourcen, um Hygiene aufrecht zu erhalten.

    Was allerdings sehr "putzig" ist - in den USA findet man viele Krankenhäuser, die auf den Fluren Tepppichböden haben... Das ist zwar vor der Geräuschentwicklung angenehm, aber wohl kaum sauber zu halten. Es sei denn, die haben auch dafür eine besondere "Behandlungsmethode".
  5. #554

    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    Unser Organismus ist generell ein Lebensraum für verschiedene Bakterienarten auf der Haut, im Darm, im Speichel etc. Wir sind eigentlich eine mobile Lebensgemeinschaft in der ein Gleichgewicht zwischen unserem Organismus und den Mitbewohnern (Bakterien, Pilze) herrscht. Wird dieses Gleichgewicht durch eine Infektion, Antibiotikagabe oder Operation gestört bzw. unser Immunsystem geschwächt, vermehren sich bestimmte Bakterien besonders gut.
    Wenn dieses Ungleichgewicht der entscheidende Faktor für die Anzahl der Infektionen im Krankenhaus wäre, müssten wesendlich mehr Fälle außerhalb von Krankenhäusern auftreten! Es ist aber nun mal so, dass der Großteil der Fälle – auch der die ins KH mitgebracht werden (hcaMRSA) – irgendwann im KH erworben wurden (haMRSA)

    90 % der MRSA-Fälle = haMRSA:

    Zitat Germap 2010 „Mit dem Auftreten von ha-MRSA und hca-MRSA sind typische Risikofaktoren assoziiert, die mit der Behandlung in Krankenhäusern und vergleichbaren Einrichtungen in Zusammenhang stehen“

    Rechnet man die Verordnungen .....
    Im ambulanten Bereich gibt es also viel mehr Patienten, die Infektionen haben und/oder AB bekommen, als im KH.
    Der Anteil an MRSA an den Staph.a. beträgt aber im ambulanten Bereich nur 13,0 % (obwohl auch hier in vielen Fällen die Patienten den Keim irgendwann im KH erworben haben) - im stationären aber 24,2 %. Und das obwohl im ambulanten Bereich bei 61,27 der gefundenen Staph.a. ein Antibiogramm erstellt wurde und in Krankenhäusern nur bei 39,5 %.
    Quelle: Die MRSA-Vertuschung.pdf

    Es wird ja inzwischen von jedem zugegeben, dass ein Drittel der Infektionen im Krankenhaus durch Einhaltung der Hygienebestimmungen vermeidbar wären – vielleicht sollte man damit mal langsam anfangen. Aber vielleicht traut man sich nicht, weil sich herausstellen könnte, dass mit dieser Maßnahme weit mehr als ein Drittel vermieden werden könnte.
  6. #555

    Zitat von krankenhaushasser Beitrag anzeigen
    90 % der MRSA-Fälle = haMRSA:

    Im ambulanten Bereich gibt es also viel mehr Patienten, die Infektionen haben und/oder AB bekommen, als im KH.
    Der Anteil an MRSA an den Staph.a. beträgt aber im ambulanten Bereich nur 13,0 % (obwohl auch hier in vielen Fällen die Patienten den Keim irgendwann im KH erworben haben) - im stationären aber 24,2 %. Und das obwohl im ambulanten Bereich bei 61,27 der gefundenen Staph.a. ein Antibiogramm erstellt wurde und in Krankenhäusern nur bei 39,5 %.
    Vielleicht muss ich meine Aussage etwas verifizieren. Die Kombination aus Operation und Antibiotikabehandlung ist entscheidend. Selbst wenn man sich in den Finger schneidet, wird der Körper mit der lokalen Produktion von Entzündungsmediatoren reagieren.

    Ein ambulanter MRSA-Patient kann eine "falsche" Antibiotikatherapie wesentlich besser vertragen. Ein stationärer Patient ist post-operativ schon so geschwächt. Die prophylaktische Gabe von Antibiotika ist kontraproduktiv. Die Fresszellen (Makrophagen) werden an ihrer Funktion gehindert.

    In den Blutkreislauf eindringende Bakterien werden nicht erkannt und können sich vermehren. Wir haben unsere "eigenen" Antibiotika, die Defensine. Sie spielen bei der Erkennung von Bakterien auch eine Rolle. Inwieweit ihre Funktion durch Antibiotika oder Operationen verändert wird, kann ich nicht sagen. Dazu müsste ich mich auch erst einmal informieren.
  7. #556

    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    Vielleicht muss ich meine Aussage etwas verifizieren. Die Kombination aus Operation und Antibiotikabehandlung ist entscheidend. Ein stationärer Patient ist post-operativ schon so geschwächt. Die prophylaktische Gabe von Antibiotika ist kontraproduktiv. Die Fresszellen (Makrophagen) werden an ihrer Funktion gehindert.
    Das wäre meine nächste Frage gewesen: Was schwächt mehr: die OP oder die prophylaktisch gegeben AB?

    Bei meinem letzten Posting ist etwas von Germap nicht mitgekommen:

    Zitat Germap 2010 „Rechnet man die Verordnungen im stationären Bereich auf die Bevölkerung hoch und vergleicht die Werte mit der Verordnungsdichte im ambulanten Bereich, ergibt sich ein Anteil von lediglich ca.15% Antibiotikaverordnungen im Krankenhausbereich am Gesamtverordnungsvolumen.
    Die EARS-Net-Daten zeigen außerdem, dass die Häufigkeit des Auftretens von MRSA in Deutschland nicht gleichmassig verteilt ist, sondern erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Krankenhäusern bestehen.“

    Ich bleibe dabei: Der Hauptgrund ist die mangelnde Hygiene!

    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    . In den Blutkreislauf eindringende Bakterien werden nicht erkannt und können sich vermehren. Wir haben unsere "eigenen" Antibiotika, die Defensine. Sie spielen bei der Erkennung von Bakterien auch eine Rolle. Inwieweit ihre Funktion durch Antibiotika oder Operationen verändert wird, kann ich nicht sagen. Dazu müsste ich mich auch erst einmal informieren.
    Oh, schon wieder ein neues Wort. Defensine habe ich noch nie gehört. Habe kurz gegoogelt – das hört sich an, als ob es weder gut ist, wenn man davon zu wenig hat, noch zu viel.
  8. #557

    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    Wie viele Untersuchungen ist ein MRSA-Screening keinen Kassenleistung, wenn man sie selber verlangt.
    Da tut sich aber etwas:

    Bald können niedergelassene Ärzte die Erkennung und Behandlung von Patienten mit Infektionen durch multiresistente Erreger abrechnen. Das ist im Rahmen des Klinikhygienegesetzes geplant.

    MRSA-Screening wird bald Aufgabe der Vertragsärzte

    „Bald“ ist aber wieder einmal recht relativ – der Artikel ist fast genau EIN JAHR alt.
  9. #558

    Seit 1.April

    Zitat von krankenhaushasser Beitrag anzeigen
    Da tut sich aber etwas:

    Bald können niedergelassene Ärzte die Erkennung und Behandlung von Patienten mit Infektionen durch multiresistente Erreger abrechnen. Das ist im Rahmen des Klinikhygienegesetzes geplant.

    MRSA-Screening wird bald Aufgabe der Vertragsärzte

    „Bald“ ist aber wieder einmal recht relativ – der Artikel ist fast genau EIN JAHR alt.
    Seit 1.April möglich!

    Honorierung - wie immer - ein Witz, aber immerhin außerhalb des Regelleistungsvolumens.

    Voraussetzungen zur Teilnahme schwierig zu erfüllen, v.a. Mitgliedschaft in einem MRSA Netzwerk, wenn es in der Region gar keines gibt!
    Guckst Du hier
  10. #559

    Zitat von mainjj67 Beitrag anzeigen
    Seit 1.April möglich!
    Kein Scherz !

    Donnerknütt, da haben die aber mal superschnell etwas auf die Reihe bekommen! Und was ist mit den anderen Keimen?








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