Forum: Wissenschaft
Hygiene in Krankenhäusern - was muss geändert werden?
Jährlich sterben in Deutschland viele Menschen, weil sie sich in Krankenhäusern mit Keimen angesteckt haben. Sind die Vorschriften zur Hygiene ausreichend und werden nur nicht hinreichend angewendet? Oder besteht grundsätzlich Handlungsbedarf?
- #500 04.05.2012 08:19 von
Hygiene in Krankenhäusern - was muß sich ändern?
Sie haben völlig Recht! Aber, die Krankenhäuser sind ein Spiegel der Gesellschaft und diese ist seit den 70jahren als Schmuddeldeutsche in der Budnesrepublik als Folge der 68ziger, die nun die Instanzen durchschritten, geformt worden.
Als ich anno 2004 eine Operation an der Carotis Interna hatte - mit örtlicher Betäubung - bekam das Krankenhaus genau 6 Tage Zeit - ich auch. Mir hat das nichts ausgemacht, da ich nicht so empfindlich bin, reichte die Zeit , aber bei älteren Leuten reicht das nicht. Der Hammer war , dass meine Kasse (damals die BKK) von mir erwartete, dass ich das Krankenhaus denunziere und mitteile, wie oft ich u.a. Essen erhalten hätte. Da ich nicht beim Stasi oder BND beschäftigt bin, habe ich das abgelehnt und sofort die Kasse gewechselt. - #501 04.05.2012 08:38 von
Spore auf dem Klo (Lokus) ist Kliniksalltag
20 bis 40 % der Krankenhauspatienten sind Träger von Clostridium difficile. Dieses Bakterium kann über Sporen beim Stuhlgang übertragen werden. Der Ort der Ansteckung ist also das Klo oder Lokus. Träger von Clostridium difficile treffen regelmäßige diese Sporen auf ihrem Lokus an.
"Die Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes zu Hygienmaßnahmen bei Patienten mit Durchfällen aufgrund von toxinbildenden Clostridium difficile" wären für die meisten Krankenhäuser aus Personal- und Kostengründen zu aufwendig. RKI - Informationen zu ausgewählten Erregern - Informationen zu Clostridium difficile
1848 war es ja schon einigen Ärzten zuviel, sich nach der Leichensektion wenigstens die Hände zu waschen, bevor sie in den Kreißsaal gehen. 1862 wollte Semmelweis Kollegen als Mörder verklagen, die sich nicht an seine Hygienevorschriften hielten. Seine Kollegen haben sich wohl den Tod gewünscht.
Zwei Wochen nach der Einweisung in einen Irrenanstalt (1865) starb er offiziell an einer Sepsis. Aufgrund einer Gehirnlähmung kann er aber auch von Pflegern erschlagen worden sein. Im Hauptgebäude der Anstalt ist jetzt ein Bezirksgericht untergebracht. - #502 04.05.2012 10:03 von
Über allen Tonnen ist Ruh'
Ignaz Semmelweis betrat die „Bühne“ und brüllte den weißbekittelten Doctores die Wahrheit ins blasierte Antlitz, dann riss er den Paralysierten die verstaubten Köpfe ab, gab den ausgedienten Lehrkörpertorsen noch einen kräftigen Tritt und kickte alsdann die akademischen Schrumpfköpfe aller Ignoranten mit annähernd Lichtgeschwindigkeit durch den gesamten Kosmos hinweg punktgenau in eine Biotonne für pseudo-akademisch-mikrobiologischen-Kopfsalat.
Dann trat er ab, der Semmelweis, vermutlich mit einem Lächeln, sofern man lächeln kann, während man erschlagen wird, im Irrenhaus.
Ach, der Semmelweis -
Käme er doch nur einmal noch zurück,
als guter Geist,
gäbe auch genug Köpfe,
zum kicken,
im BMG und Bundestag,
anschließend,
im RKI - #503 04.05.2012 10:10 von
Und es bleibt dabei – jemand zu wünschen, dass er sich ansteckt, gehört sich nicht.
Was Sie aber scheinbar nicht wissen, ist „Der gefährliche Keim Clostridium difficile wird nicht nur über kontaminierte Gegenstände, sondern auch über die Luft übertragen.„
Quelle: Pharmazeutische Zeitung online: Clostridien per Luft übertragbar
P.S. ich hatte ein Einzelzimmer mit Nasszelle - also ist es eher unwahrscheinlich, dass der Ort meiner Ansteckung das Klo war. - #504 04.05.2012 12:00 von
Die Infektion hatten Sie ja schon vor meinem Beitrag. Und viele hier im Forum diskutieren, wie man gerade dies vermeiden kann. Durch Nicht-Handeln erhöht man das Infektionsrisikio. In dem Denken ist man nicht weiter als zu Zeiten von Semmelweis.
Ich kann Ihnen nur eine gesunde Ernährung und Einstellung empfehlen, damit Ihre Darmbakterien die Vermehrung von Clostridium difficile eingeschränken. Es gibt Patienten, die Jahrzehnte mit Mycobacterium tuberculosis leben, ohne es zu wissen. Den Tuberkulin-Test an Grundschulen hat man aber mittlerweile wieder abgeschafft.
Haben sie schon mal einen Einblick erhalten, wie heutzutage die Putzkolonnen unter Zeitdruck in den Kliniken arbeiten müssen?
Was sauber aussieht, muss daher nicht hygienisch rein sein. Es fehlt oft an Zeit. Die Putzkräfte werden auch nicht richtig eingewiesen. Die wissen wahrscheinlich noch nicht mal, was E. coli ist. Und das Ihr Vorgänger einen Organismus hinterlassen hat, den niemand will, kann auch niemand ausschließen.
Früher hatten die Kiniken eigene Angestellte. Aber mittlerweile übernehmen dies Firmen. Putzkräfte werden schon entlassen, wenn sie wegen Krankheit zu Hause bleiben müssen. Es sind daher schon Familienangehörige eingesprungen, damit dies nicht passiert.
Krankenhäuser sind mittlerweile auch kein Ort für soziale Gerechtigkeit. Die Arbeitsbedingungen sind doch recht unterschiedlich. - #505 04.05.2012 12:13 von
Schönes Gedicht! Aber Robert Koch kann ja auch nichts dafür, dass man seinen Namen "missbraucht". Ich finde, dass das RKI schon einiges versucht, um die Hygiene der deutschen Krankenhäuser zu verbessern. Wenn die Mitarbeiter mit Personalverantwortung aber nicht dementsprechend handeln, dann ist jeder Ratschlag sinnlos.
Nach meinen Recherchen gibt es in der Schweiz eine Einrichtung wie das RKI nicht. Aber dafür soll die Personalpolitik an den Krankenhäusern besser sein. Deutsche Ärzte profitieren davon. - #506 04.05.2012 12:47 von
Zufällig habe ich
an einem Abend vor ca. 2 Wochen mal in einen TV-Bericht hineingezappt bei dem es um ein Vivantes-Klinikum in Berlin ging.
Hochgelobt wurde die dortige Qualität der Ärzte. insbesondere der Chirurgen.
Ebenfalls hochgelobt die der Gynäkologen.
Das ist sehr schön und sehr nett und sicherlich ebenso richtig.
ABER: Es wurden auch Aufnahmen während einiger OP´s gemacht und das Erste was mir dabei auffiel, - schwerwiegende Hygienemängel.
Da laufen wahrhaftig OP-Schwestern mit Armbanduhren, Ohrringen UND z.B. u.a. Perlenhalskette !!! IM OP und WÄHREND !!! einer Op herum.
Jedes mal wenn lange Szenen während der OP´S gezeigt wurden dasselbe Spiel, derselbe Anblick. Ketten, Ringe, Armbanduhren ...
Manche mochten sichtlich nicht einmal ein Häubchen tragen, - weil es der Frisur schadet ?
So viel zum Thema Verantwortung für Leben !
Mir war sofort klar in welches KH ich auf keinen Fall im Notfall eingeliefert werden möchte.
Aber aus einem anderen Berliner KH kenne ich sowohl aus eigenem Erleben als auch durch Patientenbesuche noch dollere Dinger.
"Mit einem feuchten Wischmob putzt ich das ganze Haus ..." - so oder so ähnlich kann man sich das bezüglich der Reinigungskräfte vorstellen.
Visite ohne Handschuhe, aber Zimmerweise hintereinander weg ohne Sterilliumnutzung alle Patienten anfassen ... ÄRZTE !
Verbandwechsel OHNE Handschuhe und Sterilliumnutzung zuvor.
Frisches Verbandszeug vor dem Wechsel einfach so offen auf das Bett gelegt ...
Da kann ich aufzählen ohne Ende, - es ist und bleibt grob fahrlässige Körperverletzung AUS FAULHEIT !
Gut, ich habe sofort den Zwergenaufstand geprobt, egal ob Schwester oder Chefarzt. "SIE fassen mich SO nicht an !" - war noch die mildeste Aussage.
Lieber blutig am 3. Tag post OP nach Hause und Weiterbehandlung bei meinem Facharzt. DER haftet nämlich höchstpersönlich im Zweifel und bei dem ist sichtlich Keimfreiheit so weit als möglich oberstes Gebot, inklusive seines Personals. Jedenfalls habe ich dort niemals auch nur ansatzweise ein Fehlverhalten entdecken können.
Soweit als möglich seitdem nur noch Nicht-Notfall-OP in der Privatklinik in der mein Chirurg immer an 2 Tagen in der Woche operiert.
Dort herrscht hochgradiger Hygienestandart. Kann man schon deshalb beurteilen weil man dort selbst in den OP geht und sich auf den dortigen Tisch legt. Da sieht man die Sauberkeit und die Ordnung, auch die des anwesenden OP-Personals.
Wahrscheinlich habe ich mir aufgrund meines "zickigen" Verhaltens in dem KH nichts zugezogen. Jeden Tag ein "Zwergenaufstand" nervt aber während Krankheit und Schwäche schon ganz schön. Da liegen die Nerven noch zusätzlich blank.
Sagt mal KH-Betreiber, - MUSS das sein ? Führt ihr einen Schlachhof oder Schraubenfabrik ? - #507 04.05.2012 13:26 von
Die üblichen Handschuhe, die man auf der Station verwendet, sind nicht steril - die sollen nur die Handschuhträger schützen - nicht die Patienten. Das Abziehen von Handschuhen ist tatsächlich eine Methode, Keime zu streuen.
Also die Verwendung oder nicht-Verwendung von Handschuhen durch Pflegekräfte oder Ärzte sagt rein gar nichts über Hygiene aus. Alleine das Händewaschen UND Desinfizieren ist wirksam. - #508 04.05.2012 13:45 von
Ja, und nachdem ich bereits eine Infektion hatte, haben Sie mir eine erneute gewünscht. Also diskutierten Sie da gerade nicht darüber wie man dies vermeiden kann, sondern haben mir eine neue gewünscht… So viel zur Wahrheitsfindung…
Diesbezüglich brauche ich Ihre “Empfehlungen“ bestimmt nicht. Ich lebe seit über 9 Jahren mit meiner Lungen-Tx. Das schaffen nur 25-30% der Lungentransplantierten. Also weiß ich sehr wohl wie ich mich zu ernähren habe und welche „Einstellung“ ich haben muss.
Da ich lungentransplantiert bin, können Sie davon ausgehen, dass ich ausreichend „Einblick“ erhalten habe. Aber falls Sie es genau wissen möchten – in den insgesamt über 2 Jahre, die ich in den letzten 13 Jahren stationär verbracht habe, habe ich nicht nur Einblick bekommen wie die Putzkolonnen arbeiten müssen, sondern auch wie die Ärzte und die Pflegekräfte arbeiten müssen.
Ach nee… eeeeehhhhrlich???
Doch. Denn der Patient hatte das Zimmer über Monate belegt – so wie ich auch meine Zimmer häufiger über Monate belegt habe – und er ist ohne C.diff entlassen worden (ist kontrolliert worden).
Soziale Gerechtigkeit ist eine Frage der Definition und Perspektive. - #509 04.05.2012 15:27 von
Falsche Weichenstellungen
Falsche Weichenstellungen müssen korrigiert werden können.
Das gilt grundsätzlich.
Im Falle der mangelnden Hygiene in Krankenhäusern müssen die betroffenenen Krankenhäuser benannt werden.
Dazu ist es erforderlich, daß alle Fälle gemeldet und bei gehäuftem Auftraten die Patienten informiert werden.
Dann regelt sich die Frage sehr schnell. Wer will schon in einem Krankenhaus operiert werden, wo die Hauskeime sich fröhlich verbreiten.
Die aktuellen Top-Themen

Antworten / Zitieren

