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Hygiene in Krankenhäusern - was muss geändert werden?

Jährlich sterben in Deutschland viele Menschen, weil sie sich in Krankenhäusern mit Keimen angesteckt haben. Sind die Vorschriften zur Hygiene ausreichend und werden nur nicht hinreichend angewendet? Oder besteht grundsätzlich Handlungsbedarf?
  1. #390

    Und die Geier kreisen und kreisen...

    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    S Die Ironie liegt darin, dass die Mediziner, die die eine Verbesserung der Krankenhaushygiene beschließen könnten, an den Behandlungskosten für MRSA-Patienten und Patienten mit Sepsis mitverdienen.
    Klasse Beitrag, besser kann man dieses perverse System gar nicht beschreiben! Und wenn der gute Doc dann genug verdient hat, dann überlässt er den Patienten einfach dem nächsten Aasgeier, in der Wertschöpfungskette. Der hockt schon auf der Friedhofsmauer und wartet bzw. sitzt im Bestattungsinstitut um die Ecke.
  2. #391

    Zitat von exmachina Beitrag anzeigen
    Klasse Beitrag ...
    Danke für die Lorbeeren! Aber ich bin auch diplomatisch.

    Ich sehe auch die Leistung der Assistenz- und Fachärzte, die in diesem System arbeiten müssen. Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz sind in vielen Kliniken die Regel. Aber dies muss hingenommen werden, weil es dies schon immer gab.

    Wir leben zwar in einer Demokratie, aber dennoch kann man den Eindruck haben, dass eine Chefärzte wie "Sonnenkönige" auf ihrem Posten sitzen und jede Form von Reform ablehnen. Veränderungen beanspruchen Arbeit und Zeit. Aber schließlich geht es um Leben!

    Mehr Personal kostet zwar Geld. Aber so mancher Chefarzt, der nach altem Tarifvertrag vergütet wird, verdient in zwei bis drei Wochen das Jahresbruttogehalt einer/s Fachkrankenschwester/pflegers.
  3. #392

    Giftschrank

    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    Wie die Zahlen zustandekommen, kann ich Ihnen auch nicht erklären. Bei dieser Thematik konkurriert die "Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene e.V." (DGKH; seit 1990 mit Sitz in Berlin) mit der "Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie" (DGHM; seit 1906 mit Sitz in Münster, u.a. Robert-Koch-Institut).
    Ich würde gerne nochmal auf die Zahlen eingehen, also die Infektions- und Sterbestatistiken der Gesundheitsämter, denn dorthin muss gemeldet werden, im Falle einer Positiv-Testierung eines Patienten.
    Dabei geht es mir nicht „nur“ um die MRSA-Fälle, sondern um Krankenhausinfektionen im allgemeinen.

    Auf der DGKH Website fand ich folgenden (verschämten) Hinweis:

    „Immer wieder wird behauptet, dass 20 bis 30% der Krankenhausinfektionen vermeidbar seien. Tatsächlich stützen sich diese Angaben überwiegend auf alte Untersuchungen: /…/ (sic).
    Quelle: Deutsche Gesellschaft fr Krankenhaushygiene e.V.

    Alte Untersuchungen! Aktuelle (Opfer) Zahlen existieren also nicht?
    Die Zahlen gibt es sehr wohl, werden aber offensichtlich – da nichts zu finden ist - der Öffentlichkeit (systematisch) vorenthalten/verheimlicht. Ich schrieb hier (# 217) bereits vor einiger Zeit, dass die Infektions- und Todesstatistiken akribisch von den Gesundheitsämtern geführt werden, aber nirgends zu finden sind. Wohin verschwinden diese Statistiken? In den „Giftschrank“ des zuständigen Ministeriums? Offensichtlich, da diese Zahlen/Statistiken (der Gesundheitsämter) da nicht zu finden sind, wo die eigentlich sein sollten (z.B.): Im Bundesamt für Statistik -(Todesursachenstatistik): https://www.destatis.de

    Haben wir es hier möglicherweise mit einem Massengrab der Zahlen zu tun, das Jahr für Jahr größer wird?
    Unbemerkt von der Öffentlichkeit?

    Vielleicht sollte man hier einen offenen Brief an den zuständigen Bundesminister schreiben, unter dem Titel: „Rückt die Zahlen raus! Aber dalli!“
    (Ich weiß, dass wäre sehr undiplomatisch formuliert…)
  4. #393

    Zitat von exmachina Beitrag anzeigen
    Offensichtlich, da diese Zahlen/Statistiken (der Gesundheitsämter) da nicht zu finden sind, wo die eigentlich sein sollten (z.B.): Im Bundesamt für Statistik -(Todesursachenstatistik): https://www.destatis.de
    Ich glaube, dass das Bundesamt für Statistik ist die falsche Adresse, um solche Daten in Erfahrung zu bringen. Hinter "Bestimmte infektiösen und parasitäre Krankheiten", "Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe sowie bestimmte Störungen mit Beteiligung des Immunsystems", "Krankheiten des Nervensystems", "Krankheiten des Kreislaufsystems", "Krankheiten des Atmungssystems", "Krankheiten des Verdauungssystems", "Krankheiten des Urogenitalsystems", "Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett" oder "Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen" kann aber muss nicht unbedingt eine bakterielle Infektion die Ursache sein.

    Da verweise ich doch lieber auf die Deutsche Sepsis Gesellschaft e.V., auch wenn sie vornehmlich von Medizinern organisiert ist: Deutsche Sepsis-Gesellschaft e.V.. In Deutschland wird man an den Arbeiten von Prof. Dr. med. Frank Brunkhorst (Anästhesist, Universitätsklinikum Jena) nicht vorbeikommen. Dazu ein kleine Link: Infektionen und Infektionskrankheiten in der täglichen Praxis. In Jena wird vom Bund eine neue Forschergruppe zur "Klinischen Infektiologie" gefördert.

    Auf der Homepage des Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung kann man sich auch mal umschauen: Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung - Home.
  5. #394

    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    Die Ironie liegt darin, dass die Mediziner, die die eine Verbesserung der Krankenhaushygiene beschließen könnten, an den Behandlungskosten für MRSA-Patienten und Patienten mit Sepsis mitverdienen.
    Welcher Klinikarzt verdient schon an MRSA und/oder Sepsis? Vielleicht der Chef, aber die meisten Klinikärzte haben nur mehr Arbeit, aber nicht mehr Geld, davon.
    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    Ich sehe auch die Leistung der Assistenz- und Fachärzte, die in diesem System arbeiten müssen. Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz sind in vielen Kliniken die Regel. Aber dies muss hingenommen werden, weil es dies schon immer gab.
    Leider richtig.
    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    Wir leben zwar in einer Demokratie, aber dennoch kann man den Eindruck haben, dass eine Chefärzte wie "Sonnenkönige" auf ihrem Posten sitzen und jede Form von Reform ablehnen. Veränderungen beanspruchen Arbeit und Zeit. Aber schließlich geht es um Leben!
    Veränderungen können auch Leben kosten. Wollen Sie derjenige sein der "daran glauben muss", weil schlechte, aber dennoch stabile Strukturen ins Wanken gebracht werden?
    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    Mehr Personal kostet zwar Geld. Aber so mancher Chefarzt, der nach altem Tarifvertrag vergütet wird, verdient in zwei bis drei Wochen das Jahresbruttogehalt einer/s Fachkrankenschwester/pflegers.
    Meine Güte – "mancher Chefarzt, der nach altem Tarifvertrag vergütet wird" – Sie werden sicherlich wissen, dass die Spezies ausstirbt. Prozentual gesehen sind es vielleicht noch 15% - Tendenz fallend. Darüber muss man in Zusammenhang mit Krankenhaushygiene nicht mehr diskutieren.
  6. #395

    Besser als Schäfchen zählen!

    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    Ich glaube, dass das Bundesamt für Statistik ist die falsche Adresse, um solche Daten in Erfahrung zu bringen.[/url].
    Besten Dank für Ihr Feeback und die Linksammlung. Habe auch schon angefangen mich da reinzuwühlen…Eines kann ich aber jetzt schon sagen, da ist ja eine beeindruckende Ansammlung an akademischen Superhirnen interdisziplinär am werkeln, grundlagend-forschend, empirisch-erhebend, projektierend, diagnostizierend, veranstaltend, publizierend, rezitierend, researchend, frameworkend, gähn, tschuldigung, conceptionierend, risikoabschätzend, graduierend, vortragend…

    Gute Nacht. Melde mich wieder, wenn ich was erweckendes gefunden habe.
  7. #396

    Der Medizin Skandal aus dem LKHF

    Ein unglaublicher Medizin Skandal der sich am LKHF ereignet hat.
  8. #397

    Personal und Kompetenz

    Zitat von Softship Beitrag anzeigen
    Meine Güte – "mancher Chefarzt, der nach altem Tarifvertrag vergütet wird" – Sie werden sicherlich wissen, dass die Spezies ausstirbt.
    So manchen zukünftigen Klinikschef ist selbst die Höhe des Ehrensoldes Bundespräsidenten nicht erstrebenswert gut. Aber mehr Personal für die Verbesserung der Krankenhaushygiene will man nicht einstellen. Und anscheinend werden an manchen Kliniken die Mitarbeiter dazu aufgefordert, den Verbrauch für Artikel unter 1 Euro besser einzusparen.

    Zuem wird das überforderte Pflegepersonal, das letztendlich dem Klinikchef "Geld und Ruhm" einbringt", nicht entlastet. Maßnahmen für die Verbesserung der Krankenhaushygiene können daher seltenst umgesetzt werden. Es gibt nicht wenige Intensivmediziner, die mittlerweile ins Ausland gehen, weil einfach die Arbeitsbedingungen besser sind.

    Bekanntlich spart man nicht nur beim Personal ein, sondern auch bei den präventiven Maßnahmen, um höhere Behandlungskosten zu vermeiden. "Die Kosten für ein Screening liegen bis zu 1000-fach niedriger als Folgekosten, die durch Infektionen entstehen", sagt (PD Dr. med. Alexander) Friedrich aus Mehr auf Hygiene achten - MRSA-Keime - Gefahr fr schwerkranke Patienten Das Institut für Hygiene des Universitätsklinikum Münster wird im übrigen von einem Naturwissenschaftler geleitet: Prof. Dr. rer. nat. Dr. h. c. Helge Karch. An diesem Institut arbeiten Naturwissenschaftler und Mediziner zusammen - also ein Beispiel für interdisziplinäre Zusammenarbeit.

    Prof. Dr. med. Alexander Friedrich ist mittlerweile Leiter der Abteilung für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Groningen. Er arbeitet am MRSA-net Projekt MRSA-net - Euregioprojekt. Er gibt u.a. Fortbildungkurse für die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie.

    Dr. med. Klaus-Dieter Zastrow von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene plädieren für die Einführung von Fachärzten für Hygiene an Krankenhäusern, da sie Natuwissenschaftler für ungeeignet ansehen. Der Link zum Interview im ARD Morgenmagazin vom 1. März 2012 ist nicht mehr aktuell. Meiner Meinung nach ist es mal wieder ein Beispiel für Lobbyismus, der keine Verbesserung in der Krankenhaushygiene bringen wird.

    Um mal wieder auf Kosten zurückzukommen. Bei Medizinern fängt in NRW das Grundgehalt bei 4032.05 Euro brutto pro Monat an. Ein Naturwissenschaftler beginnt mit meinem Bruttonmonatsgehalt von 3183,61 Euro. Manchmal bekommt man auch TV-L 14 als Einstieg (3456,14 Euro Bruttomonatsgehalt). Nebenbei versteht der Naturwissenschaftler die Grundlagen der Resistenzentstehung wesentlich besser.
  9. #398

    Versagen von Behörden in Zusammenarbeit mit den Krankenkasse

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Jährlich sterben in Deutschland viele Menschen, weil sie sich in Krankenhäusern mit Keimen angesteckt haben. Sind die Vorschriften zur Hygiene ausreichend und werden nur nicht hinreichend angewendet? Oder besteht grundsätzlich Handlungsbedarf?
    Es handelt sich um ein systematisches Behördenversagen, da wir gerade in Deutschland unzählige Vorschriften und Kontrollen haben, aber eben nicht in den Krankenhäusern ! Zusätzlich haben wir Krankenkassen, die keinerlei Kosten für konsequente Hygiene zahlen möchten. Die Vorgaben für Hygiene sind in Deutschland und den Niederlanden fast gleich, aber dort werden diese eben umgesetzt und beratend - nicht die deutsche Behördenkeule wenns mal wieder zu spät ist - kontrolliert.
    Auch im angelsäschischen Raum sind einfach eine eigene ! Abteilung oder die Krankenhausapotheke für Kontrollen verantwortlich zuständig, auch mal dem Chefarzt den OP zu sperren, in Deutschland sollte dies wohl der abhängige beauftrage Assistenzarzt gegen seinen Chef durchsetzen, wie blöde ist dieses Land eigentlich geworden ?
    Leider kommen auch immer wieder dann inkompente unumsetzbare Vorschriften von Bürokraten, anstatt praxisnaher umsetzbarer Ansätze. Aber klar, solange das QMS im Aktendeckel stimmt, ist für die Behörde und die Politik ja alles toll.
  10. #399

    Heureka?

    Zitat von TLR9 Beitrag anzeigen
    Die Schätzung einer Zahl erkläre ich mir dadurch, dass man nicht bei jedem Todesfall infolge einer Infektion die Suche nach dem "Erreger" unternommen wird. Die "zwölf bis 20 Euro" spart man postmortem ein. Bei einer Pneumonie oder Meningitis scheint zudem die Ursache klar zu sein. Und erst wenn man danach sucht, wird man auch etwas finden.
    NOROVIRUS
    „Für 91% aller übermittelten Ausbrüche lagen Angaben zum Ort oder Umfeld des Ausbruchsgeschehens vor. Von diesen betraf ein Großteil Krankenhäuser (49%), Pflege- und Altenheime (31%), private Haushalte sowie Kindergärten und Kindertagesstätten (je 8%).“

    Quelle: „Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2008 bis 2010. Robert Koch Institut, Berlin, S. 167; (Datenstand 1. März 2011) RKI - Jahrbücher

    2008 bis 2010 wurden somit 531.443 Ausbrüche gemeldet, davon infizierten sich 260.407 Menschen im Krankenhaus und 164.747 Menschen in Pflege- und Altenheimen.

    ROTAVIRUS
    „Es ereigneten sich 47% dieser Ausbrüche in Kindergärten, 28% in Pflege- und Altenheimen, 17% in Krankenhäusern, 6% in Haushalten.“
    S. 176, Infektionsepidemiologisches Jahrbuch RKI 2010

    2008 bis 2010 wurden somit 193.767 Rotavirus-Ausbrüche gemeldet, davon infizierten sich 32.940 Menschen im Krankenhaus und 54.254 in Pflege- und Altenheimen;

    Mithin erkrankten in den Jahren 2008 bis 2010 - in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen - 512 348 Menschen an Noro- und Rotavirusinfektionen;

    Somit müssten, wenn man das zivilrechtlich verfolgen würde, über eine halbe Million Zivilrechtsklagen gegen die o.g. Einrichtungen geführt werden, wg. (grob) fahrlässiger Körperverletzung u.a. (mit Todesfolge).

    Bei solchen Infektionszahlen müsste sicher auch strafrechtlich ermittelt werden, steht für mich jedenfalls außer Frage. Hier kommt m.E sogar der „Eventualvorsatz“ ins Spiel. Was dann schon eher in Richtung Totschlag gehen würde.

    Und was wäre mit allen anderen nosokomialen Infektionen, die sich Menschen in diesen Einrichtungen Tag für Tag zuziehen?

    Ob solch eine (Riesen) Klagewelle den Haftpflichtversicherungslobbyisten in Berlin den Angstschweiß auf die Stirn treiben würde?

    Vermutlich würden diesen eifrigen Adlaten der Versicherungsmafia nicht nur die Stirn nass werden, hätten wir ein (Erfolgs-) Vergütungssystem für Rechtsanwälte, wie in den USA.


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