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Designer-Babys erlauben?

Um einem todgeweihten Jungen mit Stammzellen helfen, soll aus künstlich befruchteten Eizellen jene herausgesucht werden, die genetisch perfekt passt. Ein Sündenfall? Oder eine medizinische Rettung?
  1. #1

    Ich bin da zwiegespalten. Ne Stammzelle ist erstmal nur das, eine Stammzelle. Und eine in der Petrischale gezüchtete Eizelle ist für mich auch noch kein Leben.

    Die Frage ist aber, was das jetzt mit einem Designerbaby zu tun hat, wenn man versucht einen sterbenden Menschen zu retten.
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Um einem todgeweihten Jungen mit Stammzellen helfen, soll aus künstlich befruchteten Eizellen jene herausgesucht werden, die genetisch perfekt passt. Ein Sündenfall? Oder eine medizinische Rettung?
    Wieso Sündenfall? Der Artikel verweist ja auf den ersten Fall dieser Art vor vier jahren in GB. Und zudem haben die SChweden ja die gesetzliche Grundlage geschaffen, das dies möglich ist.
    Ich kann mir vorstellen, daß das Kind da mit einer Hypothek befrachtet wird. Aber da ist es ja kein Einzelfall.
    Ob das Kind die Rettung für sein Geschwister sein wird, ist ja noch ungeklärt. Hoffentlich enttäuscht es seine Familie nicht!
  3. #3

    Eine Überlegung schon wert

    Also ich bin in diesem thema auch nicht ganz sicher was ich davon halten soll.

    Grundsätzlich kann man das befürworten, da es sich bei der Eizele um keinen Menschen im allg. Sinne handelt. Auch bin ich sicher, dass der Stammzellenforschung die Zukunft gehört.

    Aber grade in diesem Fall bin ich skeptisch, weil hier werden Menschen ermuntert Kinder zu zeugen, obwohl bei ihnen eine hohe Wahrscheinlichkeit vorliegt, dass diese Kinder durch vererbung von Krankheiten stark geschädigt werden. Die Eltern sollten es lieber lassen, oder es moralisch in Kauf nehmen, dass ihre Kinder mit Defekten geboren werden.

    Die Heilung mit Stammzellen an sich ist eine gute Idee, weil sie sehr hohe Erfolgschancen hat. Aber speziell für diesen Fall finde ich es nicht sehr angebracht.
  4. #4

    Darf wirklich immer jeder?

    Eigentlich bin ich der Stammzellentherapie auf den Wege eines Geschwisterchens sehr aufgeschlossen. Das ethische Dilemma empfinde ich als viel geringer, als wenn man dem Neugeborenen eine Spender-Niere entfernte, denn einen Willen hierzu kann es ja nicht bekunden.
    Minimalinvasive Eingriffe oder Nabelschnurzellen zur Rettung eines Menschenleben duerften vollkommen gerechtfertigt sein, trotz des bitteren "Ersatzteillager"beigeschmacks fuer das Kind. Ein Designerbaby ist in meinen Augen eines, wo man das äussere Erscheinungsbild und gewisse Veranlagungen aussortiert, aber doch kein Kind, wo primaer eine toedliche Stoffwechselerkrankung vorselektiert wird.

    In diesem Fall ist es aber schon das zweite Kind dieser Eltern mit exakt der gleichen Krankheit, das gerettet werden soll. Was mit dem ersten Kind geschieht, klingt schrecklich.

    Ich hoffe, sie sind dies Risiko der Stoffwechselerkrankung beim 2. Kind nicht bewusst eingegangen, dafuer haette ich keinerlei Verstaendnis.

    Waere es eigentlich ethisch verantwortbar, das Eltern ihr lebensbedrohendes Erbgut wissentlich weiterreichen? Ich finde nicht, dass dies im Interesse der Kinder ist, gerade wenn dieses Leid mit vertretbarem Aufwand vermeidbar waere, wie jetzt in Schweden beim 3. Kind. Eine Grenze der elterlichen Entscheidungsfreiheit ist sicher ueberschritten, wenn Siechtum und extrem kurze Lebenserwartung die eindeutige Folge dieser Freiheit sind.
    Zumindest das deutsche Gesetz ist unter diesem Aspekt antiquiert und ermoeglicht ja quasi nur den Verzicht oder volles Risiko.
  5. #5

    kein "Designer"-Baby, sondern nur Prä-implantationsdiagnostik

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    schon wieder so ein reisserischer Titel.
    An dem Baby ist überhaupt nichts "designed", sondern es handelt sich schlicht und ergreifend um künstliche Befruchtung von Eiern im Reagenzglas mit anschliessender PID.
    Um einem todgeweihten Jungen mit Stammzellen helfen, soll aus künstlich befruchteten Eizellen jene herausgesucht werden, die genetisch perfekt passt.
    so. Und jetzt kommt der Haken an der Sache. Je nachdem wieviele Eizellen die Mutter des kranken Jungen zur Verfügung stellt und je nachdem welche Samenzelle diese Eizellen befruchten, steht noch nicht einmal fest, ob unter diesen Zufallskombinationen (! wieder keine "Design" !) ausgerechnet die ist, die dem kranken Bruder helfen könnte.
    Ein Sündenfall?
    nein. Präimplantationsdiagnostik - das Screenen von Embryonen, damit der künftigen Mutter keine kranken Embryonen implantiert werden - ist in Frankreich schon lange Routine.
    Oder eine medizinische Rettung?
    auch das steht noch nicht fest, denn es handelt sich um eine experimentelle Therapie mit adulten Stammzellen aus dem Nabelschnurblut des noch zu zeugenden Kindes.
    http://www.diepresse.com/home/panora...07153/index.do


    Mein Fazit:
    1.) ich habe prinzipiell keine Probleme mit Präimplantationsdiagnostik. Ich finde, alle Eltern mit Erbkrankheiten haben ein Recht darauf. Damit ihre Kinder wenigstens die CHANCE auf ein gesundes Leben haben und nicht von vorneherein die A-Karte gezogen haben.

    2.) Ich habe auch kein Problem damit, wenn Eltern, die keinen Knochenmarksspender oder Stammzellspender in den internationalen Registern finden können, zur Rettung ihres schon vorhandenen Kindes noch ein Kind bekommen.

    3.) Ich habe ein grosses Problem damit, wenn Eltern unbegründet Hoffnung gemacht wird (wie möglicherweise in diesem Fall - ich sehe nicht, wie Stammzellen bei dieser Krankheit helfen könnten)

    4.) ich habe ein noch grösseres Problem mit reisserischer, verfälschender Berichterstattung. Hier geht es nicht um "Designer-Babys", weil da wird nix "designed", sondern um primitive Präimplantationsdiagnostik.
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Um einem todgeweihten Jungen mit Stammzellen helfen, soll aus künstlich befruchteten Eizellen jene herausgesucht werden, die genetisch perfekt passt. Ein Sündenfall? Oder eine medizinische Rettung?
    Was genau ist im Rahmen einer Diskussion im Forumsstrang "Wissenschaft" ein Sündenfall? Der Begriff "Sündenfall" findet in der mir zugänglichen wissenschaftlichen Literatur keine Erwähnung. Ist SPON da etwa einem Geheimnis auf der Spur?
  7. #7

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Um einem todgeweihten Jungen mit Stammzellen helfen, soll aus künstlich befruchteten Eizellen jene herausgesucht werden, die genetisch perfekt passt. Ein Sündenfall? Oder eine medizinische Rettung?
    Was soll daran "Sünde" sein? Es geht darum ein geliebtes Menschenleben zu retten. "Sünde" wäre, es nicht zu tun.
  8. #8

    Ich wüsste nicht, warum Designer keine Babys bekommen sollten. ;)

    Da keine genetische Manipulation stattfindet, um erwünschte Eigenschaften zu förden oder unerwünschte zu beseitigen, kann man wohl kaum davon sprechen, dass das Baby "designt" wird. Und da solche Manipulationen weit ausserhalb unserer Möglichkeiten sind (die Steuerung körpereigener Proteine wäre hierzu erforderlich, und man hat gerade erst angefangen, deren Rolle bei der Entwicklung zu erkennen), wird dass noch lange kein Thema sein.
  9. #9

    Zitat von Antje Technau Beitrag anzeigen
    so. Und jetzt kommt der Haken an der Sache. Je nachdem wieviele Eizellen die Mutter des kranken Jungen zur Verfügung stellt und je nachdem welche Samenzelle diese Eizellen befruchten, steht noch nicht einmal fest, ob unter diesen Zufallskombinationen (! wieder keine "Design" !) ausgerechnet die ist, die dem kranken Bruder helfen könnte.
    Die schwedischen Informationen sprechen mit keinem Wort von "Design". Es soll lediglich sichergestellt werden, dass das Geschwisterchen nicht dieselbe Krankheit trägt.

    Die Genehmigung gilt nicht für einen Einzelfall. Sie wurde gleichzeitig drei Familien gegeben. Interessant ist, dass der zuständige Minister Göran Hägglund, der Vorsitzende der schwedischen Christdemokraten ist. Er hat seine Zweifel, denkt aber nicht daran, das Gesetz ändern zu lassen, das die Präimplantationsdiagnostik erlaubt.








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