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Das kreative Gedächtnis - manipulierte Erinnerungen?

Erinnerungen sind kein Logbuch unseres Lebens, sagen Forscher. An immer neuen Beispielen zeigen sie, wie unser Gehirn verzerrt, manipuliert, gar falsche Erinnerungen erzeugt. Können wir unserem Gedächtnis vertrauen?
  1. #210

    Zitat von nonamebrand Beitrag anzeigen
    Wie kreative das Gehirn ist zeigt sich bereits in der Fabrikation von Träumen. Wäre es möglich das Teile dieser Träume als Erinnerung abgespeichert werden? Manche meiner Träume sind so real dass ich eigentlich nur beim aufwachen merke dass ich geträumt habe. Ich glaube es war C.G Jung der die Ansicht vertrat dass das Unterbewusstsein in schweren Konfliktsituationen Lösungen in Form von Träumen anbietet.
    Das Gehirn muss nicht mal träumen, um falsche "Erinnerungen" zu speichern. In manchen Lehrgängen und Trainingseinheiten müssen die Teilnehmer sich aktiv vorstellen, wie sie auf bestimmte Situationen in allen Einzelheiten reagieren sollen. Kommt es zum Ernstfall, hat das Gehirn eine bereits erprobte Reaktionsweise parat.
    Das Gehirn ist hier nicht in der Lage zwischen Erlebtem und Phantasiertem zu unterscheiden.

    Genauso kann das Gehirn bereits Erlebtes im Nachhinein stückweise ausblenden, oder dazudichten, um z.B. das eigene Verhalten vor sich selber zu rechtfertigen.
  2. #211

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Erinnerungen sind kein Logbuch unseres Lebens, sagen Forscher. An immer neuen Beispielen zeigen sie, wie unser Gehirn verzerrt, manipuliert, gar falsche Erinnerungen erzeugt. Können wir unserem Gedächtnis vertrauen?
    Problem bei der Betrachtung ist, dass "Gedächtnis" bereits eine "üble" Teilfunktionalität des Phänomens Mensch ist.

    Ich würde mich nicht wundern, wenn es bereits jetzt oder später Studien gäbe, die "belegen", dass der Einfluss des bewussten Versuchs, etwas zu erinnern, so groß ist, dass alleine das das "Erinnerte" verändern kann.

    Letztlich ist unser Körper/Wesen/Gehirn (wasuchimmer) schon ein Logbuch, nur eben keines, auf das wir einfachen Zugriff haben, oder dessen Sprache wir immer verstehen - daher kann man sich nicht generell darauf verlassen.
    Ansonsten denke ich schon, dass man vom Prinzip her an alle möglichen und möglichen Informationen aus dem eigenen Leben herankommen können müsste, wie genau weiss ich aber nicht.

    Das ist meine Meinung.
  3. #212

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Erinnerungen sind kein Logbuch unseres Lebens, sagen Forscher. An immer neuen Beispielen zeigen sie, wie unser Gehirn verzerrt, manipuliert, gar falsche Erinnerungen erzeugt. Können wir unserem Gedächtnis vertrauen?
    Und wie sehr seh kann man dann Zeugen oder Zeitzeugen glauben?
  4. #213

    Zitat von delta058 Beitrag anzeigen
    Und wie sehr seh kann man dann Zeugen oder Zeitzeugen glauben?
    In meinem Leben las ich schon einige Bücher, oder Artikel die ich nicht "Verstand". Die erste Seite des Zarathustra "verstand" ich erst das zwölte mal. Das war aber schon lange her. Damit ergab sich jedoch zwangsweise die Frage - wann verstehen wir den etwas? Vielleicht sollte ich sagen - wann glaube ich was zu verstehen?
    Wenn ich C.G. Jung richtig interpretiere, ist "verstehen"
    ein Prozess in dem These und Antithese zu einer Synthese sich formen. Der Widerspruch existiert nicht mehr.Ich glaube jedoch auch, dieser "verstehen" Zustand könnte erreicht werden , indem die Antithese ganz einfach verdrängt wird.
    In dem Zusammenhang mit dem Forums Thema. Wenn ein Zeitzeuge ein Ereigniss nicht wahrhaben will und sich immmer ein anderes Szenario durch den Kopf gehen lässt, wird er wohl mit der Zeit nur mehr sein Konstrukt des Ereignisses im Kopf haben und das wirkliche Ereigniss ganz einfach ins Unterbewusstsein verdrängt haben. Er "glaubt" es sei wahr, so wie wir "glauben" etwas zu verstehen. So wie ich ja auch nur glaube etwas über das menschliche Denken zu verstehen. Mangels einer mir bekannten Antithese.
  5. #214

    Zitat von fantalupi Beitrag anzeigen
    ... In der kindlichen Entwicklung kann man die enge Relation zwischen physischer, emotionaler und geistiger Entwicklung sehr gut nachvollziehen. Mit zunehmender Reife nimmt die Fähigkeit des Kindes zu, sich und seine Umgebung wahrzunehmen und zu erinnern (und zu kontrollieren).
    ...
    Es würde mich nicht wundern, wenn unsere Wissenschaft den Aspekt des "mehr oder weniger" Wahrnehmens irgendwann auch über Bord gehen lässt.
    Das Ganze im im Sinne von "mehr Kategorien" (da im Sinne von neuen Begriffen und Abstraktionen gelernt), ist denkbar aber nicht unbedingt selbstverständlich.
    Nehmen Kinder weniger wahr, nur weil sie nicht wissen, wie was von anderen kategorisiert wird?
    Oder nehmen Menschen grundsätzlich hauptsächlich Kategorie-gefiltert wahr, gemessen eben an dem, was ihnen wichtig ist?
    Kann man sich der Kategorien enthalten (sei es temporär oder partiell), und wenn ja, können Kinder das nicht auch schon?
    Gibt es einen wirklichen qualitativen Unterschied zwischen Menschen verschiedenen Alters, was das betrifft?
  6. #215

    Zitat von nonamebrand Beitrag anzeigen
    In dem Zusammenhang mit dem Forums Thema. Wenn ein Zeitzeuge ein Ereigniss nicht wahrhaben will und sich immmer ein anderes Szenario durch den Kopf gehen lässt, wird er wohl mit der Zeit nur mehr sein Konstrukt des Ereignisses im Kopf haben und das wirkliche Ereigniss ganz einfach ins Unterbewusstsein verdrängt haben. Er "glaubt" es sei wahr, so wie wir "glauben" etwas zu verstehen. So wie ich ja auch nur glaube etwas über das menschliche Denken zu verstehen. Mangels einer mir bekannten Antithese.
    Noch schlimmer wird es wenn sich daraus ein Masengeschichtsverklärung entwickelt. Irgendeiner behauptet etwas, meistens eine Halbwahrheit oder einer Lüge die sich Vorurteilen bedient oder eine zunächst schlüssige These, ein paar Leute glauben es erzählen weiter, erzählen noch "ihre" Geschichte/these dazu und ehe man es sich versieht steht es als Tatsache in den Geschichtsbüchern und wehe man untersucht die Schwachstellen.
    Bestes Bsp ist der derzeitige Irak: Alle reden über die Bösen Usaner und ihre Massaker, und wehe dem der mal anmerkt, das es unter Saddam weitaus schlimmer war und auch jetzt die allermeisten Iraker durch Iraker gequält und getötet werden. Mit Isreal ist es analog.
  7. #216

    Zitat von problematix Beitrag anzeigen
    Es würde mich nicht wundern, wenn unsere Wissenschaft den Aspekt des "mehr oder weniger" Wahrnehmens irgendwann auch über Bord gehen lässt.
    Das Ganze im im Sinne von "mehr Kategorien" (da im Sinne von neuen Begriffen und Abstraktionen gelernt), ist denkbar aber nicht unbedingt selbstverständlich.
    Nehmen Kinder weniger wahr, nur weil sie nicht wissen, wie was von anderen kategorisiert wird?
    Oder nehmen Menschen grundsätzlich hauptsächlich Kategorie-gefiltert wahr, gemessen eben an dem, was ihnen wichtig ist?
    Kann man sich der Kategorien enthalten (sei es temporär oder partiell), und wenn ja, können Kinder das nicht auch schon?
    Gibt es einen wirklichen qualitativen Unterschied zwischen Menschen verschiedenen Alters, was das betrifft?
    Ich glaube man muß hier zwischen bewußter und unterbewußter Wahrnehmung unterscheiden. Wobei ich zweifle dass es eine reine bewußte Wahrnehmung überhaupt gibt. Zuerst mal wird alles "unterbewußt" wahrgenommen und selektiv an das Bewußtsein weitergegeben.
    Kinder können wahrscheinlich erst mit zunehmenden Alter Kategorien bilden und Wahrnehmungen in Kategorien einordnen. Sich also bewußt daran erinnern.
    Unterbewußt wahrgenommen wird jedoch alles was über unsere Sinne in das Gehirn kommt. Wie es abgehandelt wird ist eine andere Geschichte.
    Z.B, meines Wissens nach filtert das Gehirn immer wiederkehrende gleiche oder ähnliche Geräusche aus - um Rechenleistung zu sparen. Deshalb können wir auch bei immer wiederkehrenden gleichen Geräuschen (auch sehr lauten) einschlafen. Das Geräusch wird muß nicht bewußt wahrgenommen werden, also kann das Bewußtsein abgeschalten werden und wir schlafen. Das Unterbewußtsein schläft jedoch nicht und verarbeitet weiter eingehende Informationen. Sollte sich dieses Geräusch plötzlich ändern wird das Bewußtsein sofort aktiviert und wir erwachen. Mit zunehmenden Alter, bei einer immer gleichbleibenden Monotonie eines Leben, glaube ich ist es schon möglich dass es zu einer Reduzierung der Wahrnehmung kommt. Immer wiederkehrende Erfahrungen werden vom Unterbewußtsein als nicht bedrohlich wahrgenommen und sie werden ganz einfach nicht an das Bewußtsein weitergeleitet. Das ist jedoch nur eine Theorie.
  8. #217

    Mal ein aktueller Bericht aus der FR:

    Nachts mistet das Gehirn aus

    Egal ob Sexphantasie oder Prophezeiung, Menschen messen ihren Träumen viel Bedeutung zu. Doch Traumforscher entzaubern: Unsere nächtlichen Visionen seien nichts als „kognitiver Trash“.
    http://www.fr-online.de/wissenschaft...2/-/index.html
  9. #218

    Keine Festplatte

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Erinnerungen sind kein Logbuch unseres Lebens, sagen Forscher. An immer neuen Beispielen zeigen sie, wie unser Gehirn verzerrt, manipuliert, gar falsche Erinnerungen erzeugt. Können wir unserem Gedächtnis vertrauen?
    Man weiß, dass die Vorgänge im Gehirn auf physikalischen und chemischen Prozessen beruhen, also Stoffwechselvorgängen, die hochlabil und manipulierbar sind, z. B. durch die Ernährung, Stressoren, Krankheit. Ebenso ist gut erforscht, dass bei Erkrankungen des Gehirns massiv diese Stoffwechselvorgänge gestört sein können, in die dann mit entsprechenden Medikamenten eingegriffen wird. Daher ist es nur offensichtlich, dass sich Erinnerungen im Laufe der Zeit verändern.
  10. #219

    Puh

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Erinnerungen sind kein Logbuch unseres Lebens, sagen Forscher. An immer neuen Beispielen zeigen sie, wie unser Gehirn verzerrt, manipuliert, gar falsche Erinnerungen erzeugt. Können wir unserem Gedächtnis vertrauen?
    Wenn man über das Gedächtnis so nachdenkt, wird es einem unheimlich.
    Es wäre durchaus denkbar, dass jeder von uns erst seit 5Minuten existiert.
    Wir verlassen uns auf das Gedächtnis.
    Was wir seither erlebt haben kommt uns absolut real vor.
    Unsere Familie, unser heutiges Mittagessen, mit wem wir gerade gesprochen haben, was wir getan haben, die eigene Persönlichkeit, ...
    Dabei gibt's uns erst ein paar Minuten!
    Unsere Erinnerungen sind der größte Schatz.
    Eigentlich sind unsere Erinnerungen das ganze Leben.
    Hoffentlich bekomme ich kein Alzheimer.
    Obwohl, wenn man wüsste wie das ist.
    Also, ob es lebenswert ist oder nicht.
    Ich befürchte nur, bis ich mal ein unbeholfener alter Mann bin, ist die Welt noch viel durchgeknallter.
    Wenn man darüber nachdenkt, dann wird's einem schwindelig.


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