Forum


 

Chrirurgische Eingriffe - reine Elternsache?

Die Mutter meint, es sei zum Wohle ihres Kindes.
Vorsitzende von Behindertenvereinigungen sehen es als Missachtung der Menschenrechte eines behinderten Menschen. Dürfen Eltern über solch einen Eingriff entscheiden, der medizinisch nicht notwendig ist? Was meinen Sie?
Der Artikel zum Thema:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...510049,00.html
  1. #10

    Also, ehrlich gesagt finde ich es etwas fragwürdig, wenn als Grund für die Operation angegeben wird, dass dem Mädchen Schmerz und Leid erspart werden soll. Eine Gebärmutterentfernung ist schließlich nicht gerade ein kleiner Eingriff. Der verursacht gewiss auch einiges an Schmerzen und ob das Mädchen diese in der Zeit nach der OP so klar äußern kann, dass sie auch adäquat behandelt werden, weiß ich nicht. Außerdem wurde in dem Artikel auch gesagt, dass eine Menstruation das Mädchen sehr verwirren würde, weil sie nicht weiß, was mit ihrem Körper versteht. Aber versteht sie denn, warum sie ins Krankenhaus kommt und operiert wird? So gesehen finde ich, dass die Gründe, die pro OP aufgezählt werden, genau so gut auch gegen die OP sprechen.
    Außerdem hat so eine Operation auch einige Risiken (Blutverlust, Infektion,...), die man gründlich abwägen sollte, bevor man zum Beispiel die Pille wegen des Thromboserisikos ablehnt.
  2. #11

    Das darf keine Elternsache sein !

    Und warum nicht ? Weil es bessere Lösungen gibt, als zu schnippeln. Das ist nämlich kein einfacher Eingriff. Thrombosegefahr ? Dass ich nicht lache.. es gibt nämlich auch Vorbeugungsmöglichkeiten. Da gibt es spezielle Bewegungstrainer.. und Physiotherapie.
    Ich bin selber behindert, also im Rollstuhl. Und es ist eine sehr bedenkliche Entwicklung. Gibt man diesen Eltern nach, kommen andere Eltern auch noch auf solche Ideen, was zu Zuständen wie vor 60 Jahren führt..
    Und : Es gibt dann auch wieder Druck auf Behinderte.. dass sie sich doch bitte sterilisieren lassen sollen.
    Dagegen muss sofort etwas unternommen werden. Es ist ein klarer Eingriff in Katies Menschenrechte. Behinderte haben ein klares Recht auf körperliche Unversehrtheit - das gilt auch für urteilsunfähige.
    Wozu verdammt nochmal gibt es die Pille, Implanon oder andere Mittel ?
    Und : Wieviel Katie versteht weiss man nicht. Aber : Wenn Katie es versteht, und sich nicht äussern kann, dann tut man ihr einiges an.. bloss aus Bequemlichkeit. Und aus Angst.
    Ich hasse diese Leute, die aus lauter Bequemlichkeit und Angst auf solche Ideen kommen. Was Katies Mutter anführt, sind in meinen Augen nichts anderes als Ausreden.
    Diese soll mir und anderen Behinderten ins Gesicht schauen, und es klar erläutern.
    Darüber sollten meiner Meinung nach keine Nichtbehinderten entscheiden, sondern ein Gremium, bestehend aus Behinderten. Denn Behinderte wissen sehr gut, was der Alltag ist. Und wie es ist, so abhängig zu sein . Wir wissen recht gut, wie es ist, wenn einem am Körper berührt wird. An Behinderten darf wohl jeder fummeln !? Es darf wohl jeder darüber bestimmen ?! Und : eine Hysterektomie, wie geplant wird, hat schon etliche Nebenwirkungen..
    Das gibt Komplikationen.. auch Frauen, die nichtbehindert sind, haben damit so ihre Probleme. Das ist eine folgenreiche Op. Und wie bei Ashley bin ich auch dagegen.
    Ich finde, Katies Mutter sollte das Sorgerecht direkt entzogen werden - wer so etwas plant, dem gehört wirklich das Kind entzogen. Da muss man nicht lang diskutieren.
  3. #12

    Unklarheiten

    Was mir noch nicht klar ist, ist, warum die Menstruation als so großes Übel dargestellt wird. Ist die Krampfanfälligkeit bei dieser Form der Behinderung erhöht? Es gibt genügend Frauen, die keine Schmerzen oder Unannehmlichkeiten während der Menstruation empfinden. Sollte man nicht vielleicht erst einmal abwarten, ob die Menstruation für die junge Frau überhaupt ein Problem darstellt?

    Und was die Stimmungsschwankungen betrifft, die die Mutter erwähnt. Sind diese nicht hormonabhängig? Dann müßte man also auch die Eierstöcke entfernen...
  4. #13

    ich finde die entscheidung für eine op auch sehr nachvollziehbar. wer hier mit der ethikkeule schwingt, heuchelt sich m.E. was vor!
  5. #14

    Sterilisation als Mittel zur Verdrängung der Sexualität

    Ich weise in dem Zusammenhang darauf hin, daß es in Deutschland seit der Reform des Betreuungsrechts gar nicht mehr einfach so möglich ist, einen behindertes Menschen sterilisieren zu lassen. Dafür braucht es in der Regel sehr gute Gründe. Ich arbeite seit 17 Jahren mit geistig-, lernbehinderten Menschen. In der ganzen Zeit wurde mir nur eine Frau persönlich bekannt, die sterilisiert wurde, das aus eigenem Antrieb. Auch sie wurde vorher von einem Richter befragt, um zu gewährleisten, daß sie dies nicht auf Druck von außen tut.
    Ich habe aber mehrere Eltern kennengelernt, die schnell mit einer Sterilisation bei der Hand gewesen wären, wenn es keine rechtlichen Hemmnisse gegeben hätten. Und zwar nicht aus Sorge um eine mögliche schmerzhafte Periode, sondern, um sich nicht damit auseinandersetzen zu müssen, daß ihre Kinder auch sexuelle Gefühle entwickeln und diesen nachgehen könnten. Ist ein behinderter Mensch erstmal sterilisiert, ist es viel leichter, diesen Aspekt des Erwachsenenlebens - auf den jeder ein Recht hat! - ignorieren zu können. Ein Trugschluß, denn es gibt ja AIDS...
    Und immer trifft es die Frauen, die sich einer solchen OP unterziehen sollen, die Hormone bekommen, die 3-Monats-Spritze. Ich kenne keinen geistig behinderten Mann, der steilisiert ist.
  6. #15

    Zitat von perelia Beitrag anzeigen
    Also, ehrlich gesagt finde ich es etwas fragwürdig, wenn als Grund für die Operation angegeben wird, dass dem Mädchen Schmerz und Leid erspart werden soll. Eine Gebärmutterentfernung ist schließlich nicht gerade ein kleiner Eingriff. Der verursacht gewiss auch einiges an Schmerzen und ob das Mädchen diese in der Zeit nach der OP so klar äußern kann, dass sie auch adäquat behandelt werden, weiß ich nicht. Außerdem wurde in dem Artikel auch gesagt, dass eine Menstruation das Mädchen sehr verwirren würde, weil sie nicht weiß, was mit ihrem Körper versteht. Aber versteht sie denn, warum sie ins Krankenhaus kommt und operiert wird? So gesehen finde ich, dass die Gründe, die pro OP aufgezählt werden, genau so gut auch gegen die OP sprechen.
    Außerdem hat so eine Operation auch einige Risiken (Blutverlust, Infektion,...), die man gründlich abwägen sollte, bevor man zum Beispiel die Pille wegen des Thromboserisikos ablehnt.
    Nun, ja, eine Operation ist nach maximal vier Wochen Heilungsphase Geschichte, Menstruationsbeschwerden (die sehr übel sein können!) erst nach über 30 Jahren....
  7. #16

    Menschenunwürdig!

    Zitat von ecua Beitrag anzeigen
    Ich habe zuwenig Informationen zu diesem Fall, aber eine konsequente Geschlechtertrennung in den Wohngruppen kostet auch zuviel Personal. Pille, gut ein Medikament mehr oder weniger, spielt auch keine Rolle. Spirale zu kompliziert; Abtreibung? Da spielen die sozialen Betreuer i.d.R. nicht mit. Sterilisation würde ich vorziehen. Entfernung der Gebärmutter, daß hatte ich bei dieser Geschichte nicht verstanden. Kind zur Adoption freigeben oder Kind durch Pfleger großziehen? Was soll das bringen?
    Aber hallo, bitte vergesst nicht, daß wir hier von MENSCHEN reden, für die exakt die gleichen Rechte gelten, wie für Euch! Menschen, deren Leben ohnehin schon fremdbestimmter ist als das Eure. Die genauso Gefühle und oft einen Sinn für gerechte Behandlung haben, die oft genauso wie ihr den ganzen Tag in die Schufte gehen, die ein Recht auf Privatsphäre haben, die Zuneigung geben und annehmen etc...
    Das ist ja ein Kommentar, durch den diesen Menschen zum Störfall runtereduziert werden, dessen sexuellen Gefühle leider irgendwie kostengünstig behandelt werden müssen. Ganz schön unwürdig!!
    Wende das alles auf die eigene Person an und Du siehst Dich einem Horrorszenario ausgesetzt, obwohl Du einfach nur leben willst, dein Leben gestalten willst, ja, mit Freundschaften, mit Zärtlichkeit und Sex wie alle anderen Menschen auch! In einem solchen Staat würde ich nicht leben wollen.
    Und was für ein krudes Bild geistig behinderter Menschen steht dahinter - der einfachsten Handhabung halber geschlechtsspezifisch in Wohngruppen zu trennen, da die ja sonst mangels Grips eh nur rumvögeln würden? Wer geistig behinderte Menschen kennt, wird wissen, was für ein letztlich angstbesetztes Vorurteil das ist. Ich kenne einige Paare, die in der eigenen Wohnung und auch Heimen seit Jahren zusammenleben und für die eine solche Annahmen einfach eine Beleidigung darstellt.
    Im Übrigen wird bei jedem Patienten abgewägt, ob es ein Medikament braucht, nur bei behinderten Leuten soll das egal sein?
  8. #17

    Zitat von Populist Beitrag anzeigen
    Wir hatten selbst ein behindertes Kind, das mit 12 Jahren dann sterben musste.
    Ich finde es richtig, dass man alles dransetzt, dem Kind Pein zu ersparen.
    Ob Gebärmutter oder ein Zahn, das ist prinzipiell gleich.
    Mich stört es immer sehr, wenn selbsternannte Moralsisten quasi ex cathedra Urteile fällen.
    Das ist schon ein Unterschied, weil die Entfernung der Gebährmutter viel Risikoreicher als das Ziehen eines Zahns ist. Und wenn man einem Kind Schmerzen ersparen will, warum dann ein aufwändiger chirurgischer Eingriff, wenn es ein Medikament (Pille) auch tut?
  9. #18

    Absolut schwarz/weiß

    Zitat von ecua Beitrag anzeigen
    Ein Horrorszenario? Behinderter sieht perversen Sexfilm (sind ja frei alles zu sehen was sie wollen) und vergewaltigt andere Behinderte brutal mit einem Bleistift.

    Behinderte sind nicht besser oder schlechter als wir. Aber wenn es zu Schwangerschaften von Behinderten kommt und dei Sozialarbeiter vom Recht auf Mutterglück faseln meinen die nur damit nochmal 4 neue Stellen schaffen zu können, damit das schwerstpflegebedürftige Baby versorgt werden kann. Das man sich hier gleich mit Heim-ins-Reich-u.ä.-Argumenten wehren muß, war klar... Ich kenne die Behindertenunterbringung von den USA bis Feuerland und von Tansania bis Deutschland. Ein wenig weniger ist garnicht verkehrt. Es muß ja nicht so wie in Israel (kein Scherz) sein, wo die Behindertenunterkünfte mich an ganz andere Einrichtungen erinnert haben...
    Gutmenschgetue sollte auch bezahlbar sein...
    Da spricht also ein Fachmann, der festgestellt hat, daß behinderte Menschen auch nicht die besseren Menschen sind, fähig zu Gewalt und Unrecht...und daraus den Schluß zieht, alle, die ihnen dennoch Rechte 'zugestehen'(warum nicht von Haus aus haben?), seien faselnde Gutmenschen. Mag da nicht eher das skrupellose Ausleben eines Aggressionspotentials ausschlaggebend sein denn der IQ???
    Nicht alle Menschen sollten Eltern werden, richtig. Auch nicht solche ohne Übersicht, ohne Verantwortungsgefühl, welche sehr wohl unter intelligenten Menschen zu finden sind.
    Ich kenne auch geistig behinderte Menschen, die einem Kind überhaupt nicht gerecht werden könnten. Natürlich gibt es sie. Keiner kann alles haben, das betrifft auch sie.
    Aber alle über einen Kamm scheren und dann noch dankbar sein, daß sie nicht weggesperrt werden? Viele Menschen sind in der Lage, sich hier sehr wohl ein differenziertes Urteil zu bilden, ohne gleich einer ganzen Gruppe ihr Menschsein abzusprechen. Immer, wenn das Individuum nicht mehr zählt, sondern nur noch der große Stempel auf der Stirn, wird es gefährlich...nur ist mit Totschlagargumenten keinem geholfen.
  10. #19

    Zitat von Bhangla Beitrag anzeigen
    Ich habe ISB bei einer Frau gemacht, die nur ihren Kopf bewegen konnte. Diese hatte MS,.. sie war SEHR froh, dass ihre Gebärmutter entfernt worden ist.
    Wenn sie das selbst entscheiden kann, dann gibt es auch keine ethischen Bedenken gegen einen solchen Eingriff.

    Zitat von Bhangla Beitrag anzeigen
    So haben Leute mit leichtem Down-Syndrom andere Körperbehinderte manchmal über Monate "vergewaltigt" (es ist nicht eindeutig feststellbar, ob diese das wollten oder nicht,... Relativ sicher ist, dass oft eine der Beteiligten Personen nicht wusste was sie tat oder was mit ihr getan wurde.) Das ist einfach ein Faktum und eigentlich ein rießen Skandal, aber es wird tabuisiert.
    Ihr Beitrag zeigt aber auch die technokratische Denkweise, wie sie sich beim Plegepersonal in Behginderteneinrichtungen einschleicht. Die größte Sorge ist nicht, dass da eine mögliche Vergewaltigung stattfindet, sondern die Folgen für die Einrichtung, wenn durch Schwangerschaft/Geburt eines behinderten Kindes höherer Pflegeaufwand entsteht. Man kann sehr wohl feststellen, ob eine Vergewaltigung oder eine von beiden gewollte Annäherung stattfindet. Menschen mit Down-Syndrum können sich nämlich mittels Körpersprache äußern. Wenn man das nicht im Griff hat, dann muss man eben die großen Wohnheime zugunsten kleinerer Wohngruppen dichtmachen, wo einzelne Zwischenfälle nicht so leicht in der Masse untergehen.

    Zitat von Bhangla Beitrag anzeigen
    Ich find Eutanasie sehr übel, bitte nicht falsch verstehen. Gibt da nen Contergan geschädigten Weltberühmten Opernsänger und von Behinderten kann man viel lernen (gerade von den geistig behinderten!). Aber lernen tuen von den Behinderten nicht die, die sich jetzt aufregen, sondern die Eltern, Betreuer oder Pfleger.
    Zunächst mal, der contergangeschädigte Opernsänger ist kein gutes Vorbild, da er die contergangeschädigten Normalbürger völlig verdrängt und nichts mit der Peoblematik zu tun haben will. Ich bin selbst contergangeschädigt und kann sagen, dass wir aufgrund von mutmaßlicher Korruption und rechtswidriger Eingriffe durch die Politik in die Justiz um eine angemessene Entschädigung gebracht wurden und mit einer Mini-Rente abgespeist wurden. Wenn jemand im Unterhaltungsgeschäft den Durchbruch schafft und erfiolgreich wird, dann kann er nur dann ein Vorbild sein, wenn er nicht abhebt. Behinderung ist kein rein individuelles Problem, sondern auch ein gesellschaftliches. Daher sollte sich jeder Behinderte auch damit auseinandersetzen. Wer aufgrund von Erfold und Reichtum, egal ob mit oder ohne Behinderung, plötzlich abhebt und nichts mehr mit uns Normalbürgern zu tun haben will, der ist für mich kein Vorbild. Ähnliches gilt z.B. auch für Wolfgang Schäuble, der es auch ablehnt, sich z.B. mal für Querschnittgelähmte einzusetzen.


TOP



TOP