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Wie kann die Gesellschaft ein würdevolles Sterben ermöglichen?

Zwischen ärztlicher Ethik und selbstbestimmten Leben und Sterben oszilliert eine heikle Debatte um Sterbehilfe. Viele Menschen möchten Vorsorge treffen, am Ende ihres Lebens nicht der Automatik lebenserhaltender Maßnahmen ausgeliefert zu sein, die aus Sicht vieler nur die Qualen verlängern. Wie kann eine Gesellschaft würdevolles Sterben ermöglichen?
  1. #20

    Ganz einfach

    Zitat von Jörn Bünning Beitrag anzeigen
    Die "unmittelbar Betroffenen" sind die Sterbenden. Die werden hier auch nicht mehr mitdiskutieren. Warum versuchen Sie hier über "Betroffenheit" eine Teilnehmerauslese?

    Und welches sind die "Fakten", deren Kenntnis zur Teilnahme qualifiziert?
    Wer, wie ich, jetzt zum 2. Mal in ein würdeloses Sterben involviert ist, erst Mutter nun Schwiegermutter, nur der kann beurteilen wie wichtig es ist, dass Sterbenden unnötiges Leiden und somit würdevolles Sterben ermöglicht werden muss.
    Das sind Fakten.
    Ist Ihre Frage beantwortet?
  2. #21

    Nachgefragt

    Zitat von saarländerin1 Beitrag anzeigen
    Wer, wie ich, jetzt zum 2. Mal in ein würdeloses Sterben involviert ist, erst Mutter nun Schwiegermutter, nur der kann beurteilen wie wichtig es ist, dass Sterbenden unnötiges Leiden und somit würdevolles Sterben ermöglicht werden muss.
    Das sind Fakten.
    Ist Ihre Frage beantwortet?
    Keineswegs!

    Ich wiederhole nochmals die Fragen:

    Was ist für Sie würdevolles Sterben (, was ist es nicht) und warum? Wodurch wird es ermöglicht?
    Was genau heißt unmittelbar "betroffen" oder auch "involviert"?
    Wodurch ist jemand zu einem Urteil über würdevolles Sterben qualifiziert?
  3. #22

    Thema

    Zitat von barbaradobrick Beitrag anzeigen
    Wie und wo wir uns zum Sterben legen können, hängt nicht zuletzt von unseren psychischen Prägungen ab. Richtig: „Gutes“ Sterben ist vorbereitetes und professionell begleitetes Sterben. Das jedoch setzt die Fähigkeit voraus, das bevorstehende Ende nicht auszublenden und sich anderen anvertrauen zu können. Das ist aber längst nicht allen gegeben. Wer den nahenden Tod verleugnen muss, kann nicht in ein Hospiz ziehen, will oft nicht einmal palliative Hilfe in Anspruch nehmen. Die Angehörigen bleiben dann zurück mit dem Gefühl versagt zu haben. Sie sollten wissen, dass die psychische Struktur Todkranker entscheidend dafür ist, ob gute Rahmenbedingungen geschaffen werden konnten.
    Barbara Dobrick,
    Autorin des Buches „Vom Lieben und Sterben.
    Konflikte, Nöte und Hoffnungen Angehöriger“
    Der Tod wird verdrängt. Nicht nur vom Leben, sondern auch aus den Köpfen. Das ist eine "Binsenwahrheit", die sich bereits im Titel des Forumthemas bestätigt.

    Nicht "die Gesellschaft" ist gefragt, wenn es um würdevolles Sterben geht, sondern die begleitenden Menschen.
  4. #23

    Jeder stirbt für sich allein

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Zwischen ärztlicher Ethik und selbstbestimmten Leben und Sterben oszilliert eine heikle Debatte um Sterbehilfe. Viele Menschen möchten Vorsorge treffen, am Ende ihres Lebens nicht der Automatik lebenserhaltender Maßnahmen ausgeliefert zu sein, die aus Sicht vieler nur die Qualen verlängern. Wie kann eine Gesellschaft würdevolles Sterben ermöglichen?

    Nicht die Gesellschaft soll die Regeln für ein würdevolles Sterben aufstellen, sondern jedes Individuum muss sich selbst darüber reflektiert auseinandersetzen. Genauso wie in der medizinischen Versorgung hat sich die Abgabe von Eigenverantwortung etabliert, womit das Denken gefördert wird: "Ich habe einen Anspruch auf eine hochwertige medizinische Versorgung, und auf ein würdevolles Sterben." Das ist Grundfalsch, weil sich die Präferenzen bei den Begriffen Gesundheit, Organspende/-transplantationsmedizin, Sterben verschieben von der humanistischen Philosophie zum materialistischen Konsum!
    Solange wie die Medizin heute an ihren erklärten Irrtümern von morgen festhält, und den Hirntod als substantielle Prämisse für den Tod überhaupt und zur Organentnahme propagiert, kann es gesellschaftlich keinen Konsens in dieser Thematik geben! Daher ist es ungemein wichtig, dass sich ein Jeder darüber Gedanken macht, und sich auf diesem Weg eine Sterbeethik durchsetzt, die einer Kulturgesellschaft würdig ist.
  5. #24

    Zitat von saarländerin1 Beitrag anzeigen
    sehen das alle unmitttelbar Betroffenen. Über dieses Thema sollten im Grunde nur mit dem Thema konfrontierte Menschen diskutieren, denn sie kennen die Fakten.
    Was meinen Sie damit? Morgen kann mich der Schlag treffen. Dann bin ich betroffen! Die Patientenverfügung ist für Leute, die noch selbst entscheiden können. Irgendwann ist es zu spät.
  6. #25

    Rechtzeitig

    Zitat von keinhandy Beitrag anzeigen
    Was meinen Sie damit? Morgen kann mich der Schlag treffen. Dann bin ich betroffen! Die Patientenverfügung ist für Leute, die noch selbst entscheiden können. Irgendwann ist es zu spät.
    Das ist etwas missverständlich formuliert, denn die PV soll für die Fälle Vorkehrungen treffen, in denen ein Betroffener seinen Behandlungswillen nicht mehr kundtun kann.
    BGB - § 1901a Patientenverfügung

    Zum Zeitpunkt der Abfassung einer Patientenverfügung muss er nicht nur äußerungsfähig, sondern auch rechtsmündig sein. Irgendwann ist es dafür zu spät.

    Das gleiche gilt für die Vorsorgevollmacht. Tritt der Fall ein, dass der Betreffende aufgrund eines eingeschränkten Gesundheitszustands nicht mehr in der Lage ist, seine Rechte selbst zu vertreten, wird ihm bei fehlender Vollmacht von Amts wegen ein kostenpflichtiger Betreuer zur Seite gestellt, der diese Aufgaben, u.a. auch die Entscheidungen über seine Weiterbehandlungen übernimmt. Familienangehörige sind nicht automatisch die Betreuer!
  7. #26

    Zitat von Jörn Bünning Beitrag anzeigen
    Das ist etwas missverständlich formuliert, denn die PV soll für die Fälle Vorkehrungen treffen, in denen ein Betroffener seinen Behandlungswillen nicht mehr kundtun kann.
    BGB - § 1901a Patientenverfügung
    Sie haben Recht, ich habe mich nicht klar ausgedrückt. Ich meinte, dass man zu Zeiten, da man noch gesund ist, eine PV verfasst. Man ist zwar noch nicht betroffen, könnte es aber sehr bald sein. Das ist ja Sinn der Sache. Im Übrigen betrifft meine PV ja nur mich selbst, insofern verstehe ich nicht, was mir die Foristin sagen wollte. Ich will ja nicht für andere entscheiden. Man kann auch angeben, dass man mit allen Mitteln am Leben erhalten werden will, damit z.B. die Angehörigen nicht den Stecker ziehen lassen.
  8. #27

    Zitat von keinhandy Beitrag anzeigen
    Sie haben Recht, ich habe mich nicht klar ausgedrückt. Ich meinte, dass man zu Zeiten, da man noch gesund ist, eine PV verfasst. Man ist zwar noch nicht betroffen, könnte es aber sehr bald sein. Das ist ja Sinn der Sache. Im Übrigen betrifft meine PV ja nur mich selbst, insofern verstehe ich nicht, was mir die Foristin sagen wollte. Ich will ja nicht für andere entscheiden. Man kann auch angeben, dass man mit allen Mitteln am Leben erhalten werden will, damit z.B. die Angehörigen nicht den Stecker ziehen lassen.
    Verstehe auch das Problem nicht. PV gibts seit Jahren, wenn man sie nicht nutzt ist man schlicht und einfach selbst Schuld. Nichts weiter. DAS ist Fakt. Dazu brauchen wir keine Diskussion. Ich bin keine 25 und habe so etwas, da ich keine Lust habe das meine Familie über so etwas wie lebenserhaltende Maßnahmen entscheiden muss wenn mir irgendetwas passiert.

    Jeder hat das Recht auf solche Angebote nicht zu reagieren bis es zu spät ist, aber sich über mangelnde Möglichkeiten beschweren ist unangebracht.
  9. #28

    Wie kann die Gesellschaft ein würdevolles Sterben

    Zitat von Marshmallowmann Beitrag anzeigen
    Verstehe auch das Problem nicht. PV gibts seit Jahren, wenn man sie nicht nutzt ist man schlicht und einfach selbst Schuld. Nichts weiter. DAS ist Fakt. Dazu brauchen wir keine Diskussion. Ich bin keine 25 und habe so etwas, da ich keine Lust habe das meine Familie über so etwas wie lebenserhaltende Maßnahmen entscheiden muss wenn mir irgendetwas passiert.

    Jeder hat das Recht auf solche Angebote nicht zu reagieren bis es zu spät ist, aber sich über mangelnde Möglichkeiten beschweren ist unangebracht.
    Das liest sich aber, als ob Sie 16 Jahre alt wären. Haben Sie noch ncihts davon gehört, dass große Gesellschaftsschichten überhaupt kein Geld für eine PV - abgeschlossen vor einem Notar und bei der Notariatskommer auch hinterlegt, haben ?
    Haben Sie auch noch nichts davon gehört, dass durch einen Unfall etc. Schalganfall - man sprach - und bewegungslos sein kann und wer sollte dann dem Leid ein Ende machen?
    Ich würde mir wünschen, dass bei jedem Sterbenden ein Becher mit "Einschlafmittel für immer "auf dem Nachttisch steht, der kann sich dann bedienen, aber auch den BEwegungslosen muß eine Möglcihkeit geboten werden.
    Bisher habeich 2 mal erlebt, dass lieber noch die BEine bis zur Hüfte einem Sterbenden abgenommen werden (bringt ja Geld) statt den armen Menschen friedlich einschlafen zu lassen .Pfui , Teufel!
  10. #29

    Werturteil über das eigene Leben zulassen

    Ich denke, das grundsätzliche Problem liegt darin, dass wir zwar sagen, niemand dürfe sich ein Urteil über den Wert eines Lebens und seine Erhaltungswürdigkeit anmaßen, dass wir aber damit im allgemeinen nur negative Urteile meinen.

    In meiner PV steht unter anderem:

    So lange die Wiedererlangung einer erstrebenswerten Lebensqualität wahrscheinlich ist, erwarte ich ärztlichen und pflegerischen Beistand unter Ausschöpfung aller vernünftigen Möglichkeiten.
    Ein Leben in Abhängigkeit von ständiger Betreuung und ohne die Fähigkeit der selbständigen Haushaltsführung ist für mich ausdrücklich nicht lebenswert.

    Ich wünsche, dass lebensverlängernde Maßnahmen unterbleiben, wenn zwei Ärzte unabhängig voneinander feststellen, dass [… …] es zu einer dauerhaften Einschränkung elementarer Funktionen meines Körpers kommt, wodurch ein für mich erstrebenswertes Leben im oben genannten Sinne unmöglich wäre.


    Diese ganz persönliche Definition der Erhaltungswürdigkeit meines Lebens ist, gemessen an den Vorstellungen, die ich bei einer Mehrheit der Bevölkerung vermute, sehr „lebensfeindlich“.
    Nach heutiger Rechtslage und nach heutigen ärztlichen Verhaltensnormen hätte ich sicher keine Chance, mein Leben in dem Moment beenden zu lassen, in dem ich es für richtig halte.

    Ungeachtet dessen und in der Hoffnung auf eine Veränderung der aktuellen Situation habe ich meinen persönlichen Wertmaßstab kundgetan und schließe mit dem Satz:

    Ich möchte in Würde und Frieden nach Möglichkeit in meiner vertrauten Umgebung sterben können und bitte alle, die darauf Einfluss haben, diesen Wunsch zu respektieren, insbesondere auch dann, wenn sie auf Grund eigener ethischer oder religiöser Standpunkte die Erhaltungswürdigkeit meines Lebens anders bewerten würden.

    Ich denke, genau dieses Ziel sollten wir als Befürworter der aktiven Sterbehilfe verfolgen. Es muss Menschen erlaubt sein, das eigene Leben (und nur dieses!) zu bewerten. Daraus ergibt sich automatisch das Verbot, fremdes Leben zu bewerten – und zwar negativ wie auch positiv!


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