Wer ist für die Kluft zwischen Arm und Reich verantwortlich?

Den Deutschen geht es im internationalen Vergleich gut, aber nicht allen gleich gut. Der Mittelstand leidet seit vielen Jahren unter Schwund, die Kluft zwischen oben und unten wird größer, eine Tendenz, die die Politik mit Sorge erfüllt. Wie kommt es zu dieser Entwicklung? Und wie kann man ihr effizient entgegenwirken?
  1. #550

    ...

    Zitat von wahrsager23 Beitrag anzeigen
    Es ist unser Wirtschaftssystem, welches dafür verantwortlich ist. Der Kapitalismus lässt keine andere Möglichkeit zu, insbesondere da Banken mittels "Luftbuchungen" Geld erzeugen können und nur 6% ihrer gesamten Geldmenge "real" vorhanden ist.

    Entgegen wirken kann man nur, durch eine Neuordnung (kein Reset) der Wirtschaftsordnung. Leider sind wir zu ängstlich und dumm, damit eine Neuordnung geschaffen werden kann. Es wird also ein Reset kommen, auf den sich die Amerikaner jetzt schon vorbereiten, während in der EU noch rumdebattiert wird.
    Bitte mal bei zB Wikipedia nach Basel I, II, III und IV bzw. Eigenkapitalanforderungen nachlesen. Das wäre das Mindeste. BaFin etc. könnte man dem anfügen.

    Mit Reset oder Neuordnung bekämpfen Sie nicht die Ursache, maximal kurzfristig das Symptom...
  2. #551

    ...

    Zitat von wahrsager23 Beitrag anzeigen
    Gerechtigkeit gibt es sowieso nicht, es gab sie nie und wird es auch nie geben können in unserem Finanzsystem. Unser Finanzsystem beruht darauf, dass Menschen/Unternehmen/Staaten sich verschulden. Denn nur so ensteht Geld für das Wachstum der Wirtschaft.

    Eine soziale Marktwirtschaft müsste ganz extrem gelebt werden, damit die Umverteilung von unten nach oben massiv gebremst wird. So könnte das System länger durchhalten, bis es dann sowieso zusammenbricht.
    Umverteilung von unten nach oben ? Ich hoffe Sie meinen nicht, was ich darunter verstanden habe. Können Sie derartiges mal mit Zahlen belegen? Oder konkreten Beispielen ...
    Spontan würde ich eher behaupten, es gäbe eine Umverteilung von oben nach unten. Und zwar nicht zu knapp. Investitionen, Entwicklung und Forschung sowie der signifikante Konsum geht von oben aus.
  3. #552

    Zitat von renee gelduin Beitrag anzeigen
    Mit Reset oder Neuordnung bekämpfen Sie nicht die Ursache, maximal kurzfristig das Symptom...
    Da gebe ich ihnen recht. Der Fehler liegt im Zinseszins begründet oder generell im Zins. Denn dadurch muss eine Wertsteigerung jedes Jahr erbracht werden, doch das ist in der Realität nicht möglich.

    Im Endeffekt wird durch den Zins eine Welt + 5% (Beispielzinsatz) irgendwann fällig. Mit dem Zinseszins wächst der Zusatzbetrag exponentiell an.
  4. #553

    Zitat von renee gelduin Beitrag anzeigen
    Umverteilung von unten nach oben ? Ich hoffe Sie meinen nicht, was ich darunter verstanden habe. Können Sie derartiges mal mit Zahlen belegen? Oder konkreten Beispielen ...
    Wie? Lesen sie keine Zeitungsberichte? Googeln sie mal nach der Vermögensverteilung in den USA und in D zwischen 1950 und 2012. Sie werden feststellen, dass das Gesamtvermögen sich immer mehr in den Händen weniger befindet.

    Spontan würde ich eher behaupten, es gäbe eine Umverteilung von oben nach unten. Und zwar nicht zu knapp. Investitionen, Entwicklung und Forschung sowie der signifikante Konsum geht von oben aus.
    Im Moment ist die Umverteilung von unten nach oben. Sie ist in Deutschland nur abgebremst durch die soziale Marktwirtschaft. In den USA ist die Umverteilung noch heftiger, da dort defacto kein Sozialstaat existiert.
    Massenproduktion wird von der Masse bedient. Nur sehr wenige reiche Menschen kaufen sich 100 Autos, aber 100 Menschen, die ein Auto brauchen, die würden sich eins kaufen. Insofern muss das Verhältnis rein wirtschaftlich ausgewogen sein.
  5. #554

    Leistet sich

    Zitat von renee gelduin Beitrag anzeigen
    Deutschland leistet sich einen etwas anderen Armutsbegriff, nämlich einen relativen. Arm ist hier, wer sich in Relation zur Gesamtmenge einen willkürlich gewählten Schnitt nicht leisten kann.
    ist genau das richtige Wort. Nach dieser Definition ist auch der Multimillionär Middelhoff arm, weil um seinen Wohnsitz an der Cote d'Azur herum nur Milliardäre zu wohnen scheinen, schon deren Yachten Middelhoffs Gesamtvermögen kosten würden.

    Die Frage ist: inwieweit kann man es sich leisten, in einem Land wie Deutschland (Schweden, Niederlande etc.) Menschen als arm zu bezeichnen, die weltweit gesehen zur privilegierten Oberschicht gehören? Zeigt das vielleicht einen gewissen Realitätsverlust?
  6. #555

    Vorteil?

    Zitat von Bondurant Beitrag anzeigen
    ist genau das richtige Wort. Nach dieser Definition ist auch der Multimillionär Middelhoff arm, weil um seinen Wohnsitz an der Cote d'Azur herum nur Milliardäre zu wohnen scheinen, schon deren Yachten Middelhoffs Gesamtvermögen kosten würden.

    Die Frage ist: inwieweit kann man es sich leisten, in einem Land wie Deutschland (Schweden, Niederlande etc.) Menschen als arm zu bezeichnen, die weltweit gesehen zur privilegierten Oberschicht gehören? Zeigt das vielleicht einen gewissen Realitätsverlust?
    Was haben Menschen davon, dass sie weltweit zur privilegierten Oberschicht gehören, wenn in Deutschland allerdings als Prekariat bezeichnet werden?
  7. #556

    Zitat von Bondurant Beitrag anzeigen
    Die Frage ist: inwieweit kann man es sich leisten, in einem Land wie Deutschland (Schweden, Niederlande etc.) Menschen als arm zu bezeichnen, die weltweit gesehen zur privilegierten Oberschicht gehören? Zeigt das vielleicht einen gewissen Realitätsverlust?
    Nein! Sie vergleichen nur Äpfel mit Birnen.
    Was nützt es denn einer hier in D lebenden Person, dass man z.B. in Bangladesh für das Geld, das man hierzulande für einen durchschnittlichen Friseurbesuch bezahlen muss, dort Lebensmittel für einen ganzen Monat einkaufen kann?
    Sollen denn jetzt die weniger Begüterten nach Bangladesh reisen und dort ihren Proviant einkaufen und sich gleich die Haare schneiden lassen, wenn sie schon mal vor Ort sind?
  8. #557

    ...

    Zitat von wahrsager23 Beitrag anzeigen
    Der Fehler liegt im Zinseszins begründet oder generell im Zins.
    Im Endeffekt wird durch den Zins eine Welt + 5% (Beispielzinsatz) irgendwann fällig.
    Der Zins besteht im Groben aus drei Bestandteilen:
    1.) Risikoprämie. Angenommen der Kreditausfall liegt bei 10%, dann wird die Risikoprämie bei ca. 11,11% liegen müssen um nach 100 krediten weder Gewinn noch verlust gemacht zu haben.
    2.) Inflationsausgleich / Basiszins. Geld das nicht investiert wird verliert an Wert durch Inflation (*). Geld das als Kredit verliehen wird, muss ergo auch hier diese Inflation mindestens ausgleichen.
    3.) Gewinnmarge. Erklärt sich von selbst. Wird so hoch gewählt wie Kreditnehmer bereit sind zu zahlen, und so niedrig dass noch Gewinn abfällt.

    (*) Mal vom allgemeinen Verständnis für Zinses abgesehen, wird auch häufig der Fehler begangen Vermögenden zu unterstellen sie würden das Geld ruhen lassen/ aus dem verkehr ziehen, etc.
    Das könnten diese zwar, aber das Geld würde fortwährend entwertet, eben weil es nicht genutzt wird. Deshalb macht Inflation und Zins ja durchaus Sinn. Wenn jemand "reich" wird durch eigene Arbeit und zB Kapital, dann wird er sein Geld nicht brachliegen lassen, sondern investieren. Geld ist umso besser investiert, je besser die Ertragsaussichten sind. Das ist auch ein gewisser Autoeffekt, denn nur so erhalten vor allem aussichtsreiche Produkte, Entwicklungen, etc. Geldmittel zur Umsetzung !
    Zur Geldverteilung noch was wichtiges:
    Würden Sie Ihr Auto jemandem überlassen, der nicht fahren kann?
    Würden Sie sich von jemandem operieren lassen, der keinerlei medizinische Kenntnisse hat?
    Warum sollte man Geld den Leuten wegnehmen die damit umgehen können um es Leuten zu geben, die das nicht können ?
    Das entbehrt jeder Logik und ist sogar massiv kontraproduktiv.
    Mir ist natürlich klar, dass es Ausnahmen gibt. Aber wir sprechen hier nicht von Einzelfällen...

    Leute die mit Geld umgehen können, investieren so, dass ein Mehrwert entsteht.
    Leute, die nicht mit Geld umgehen können, investieren gar nicht, sondern konsumieren nur oder investieren schlecht.
    Es ist also eine logische Folge, dass sich da eine Schere bildet die auch durchaus überproportional auftut.

    Sie kennen doch sicher die Werbung: Erfolg ist die Summe richtiger Entscheidungen ;c).
  9. #558

    Sie kapieren nicht

    Zitat von querulant_99 Beitrag anzeigen
    Nein! Sie vergleichen nur Äpfel mit Birnen.
    Was nützt es denn einer hier in D lebenden Person, dass man z.B. in Bangladesh für das Geld, das man hierzulande für einen durchschnittlichen Friseurbesuch bezahlen muss, dort Lebensmittel für einen ganzen Monat einkaufen kann?
    Sollen denn jetzt die weniger Begüterten nach Bangladesh reisen und dort ihren Proviant einkaufen und sich gleich die Haare schneiden lassen, wenn sie schon mal vor Ort sind?
    dass hier alle zur herrschenden Klasse gehören, weltweit gesehen. Und dass die Revolution keinen Unterschied machen wird, ob Sie innerhalb der herrschenden Klasse etwas weiter oben oder unten stehen.
  10. #559

    ... (2)

    Der Zins hat auch eine Schutzfunktion. Nämlich die Spreu vom Weizen zu trennen. Wenn ich eine Produktionsidee habe, dann muss diese Idee nicht nur umsetzbar sein, sondern auch soviel erwirtschaften dass ich den Zins und Zinseszins zahlen kann. Zinseszins ist übrigens nur ein Preis, der sinnvollerweise zumeist nicht sofort fällig wird, aber keine lebenslange Strafe.

    Angenommen Sie sind Schmied und ich Bäcker... Ich habe eine Idee die mir dazu verhilft ein Brot im Monat mehr zu erwirtschaften. Ich wende mich an Sie, weil Sie die "Technologie" erschaffen müssen. Bei einem Brot am Tag werden Sie mir eher noch abraten, weil Aufwand und Nutzen nicht passen. Ein paar Wochen später stehe ich wieder auf der Matte und offeriere 10 Brote am Tag... da wären wir uns handelseinig. Kurzzeiteffekt: Sie haben es mir ermöglicht meine Idee umzusetzen und verdienen daran einmalig! Langzeiteffekt: Brot wird es etwas billiger geben, der Bäcker hat mehr Zeit für dieselbe Menge und kann sich in Zukunft etwas mehr leisten aufgrund seiner Innovation. Effekt für den rest des Dorfes: brot ist etwas billiger geworden und der Bäcker, teilweise auch Schmied, haben mehr Vermögen um mehr andere Sachen zu konsumieren...

    Wo ist jetzt der unfaire Part daran?
    Wo ist dann unten und wo oben?
    Und wer "von unten" wird jetzt benachteiligt, damit jemand "von oben" bevorteilt wird ?

    Da gab es keine Umverteilung von unten nach oben. Bäcker udn Schmied sind nicht reich, weil alle anderen arm sind...