Wer ist für die Kluft zwischen Arm und Reich verantwortlich?

Den Deutschen geht es im internationalen Vergleich gut, aber nicht allen gleich gut. Der Mittelstand leidet seit vielen Jahren unter Schwund, die Kluft zwischen oben und unten wird größer, eine Tendenz, die die Politik mit Sorge erfüllt. Wie kommt es zu dieser Entwicklung? Und wie kann man ihr effizient entgegenwirken?
  1. #350

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    Stimmt alles. Paul Krugman hat gemeint, er wartet schon seit Jahrzehnten auf den Effekt der Trickle-Down-Theorie, aber er will und will nicht eintreten.

    Ich bin nach wie vor Keynesianer, der aber keine Berührungsängste mit dem demokratischen Sozialismus hat und ein Nachdenken über Wege zum Kommunismus löst bei mir keine Verkrampfungen aus. Aber ich wäre schon sehr zufrieden, wenn das Rezept der Bonner Republik wieder zum Tragen käme: Ordoliberalismus mit einem kräftigen Schuss katholischer Soziallehre!

    Aber um das Steuer herumzureißen, müsste sich der deutsche Michel aus seiner Duldungsstarre lösen – vielleicht sollte man ihm sein Auto wegnehmen, dann würde er sicher hinterm warmen Ofen hervorkommen.
    In #337 habe ich ein paar konkrete Fragen gestellt, was wohl Wege zum Kommunismus oder demokratischer Sozialismus bedeuten könnten. Vielleicht würden Sie das bitte, ganz ohne Berührungsängste, mal kommentieren.
  2. #351

    Hiirn

    Zitat von Manukun Beitrag anzeigen
    Niemand m u s s für mich arbeiten. Komischerweise wollen aber alle die Kohle. Und wer gute Arbeit leistet, bekommt sie auch.

    Ansonsten sind Ihre Fähigkeiten der Ferndiagnose hinsichtlich des Wertes meiner Arbeit wirklich beeindruckend.

    Ihre Positivliste von Berufen, die wirklich gebraucht werden, lässt auf mikroskopische Weltsicht schließen. Wir leben heutzutage in einer etwas komplexeren Welt, die mit einem Spatzenhirn leider nicht mehr vollständig erfasst werden kann.
    Wenn Sie mit Spatzenhirn all jene Hochleistungsträger aus Wirtschaft, Politik und Banken meinen, die die Weltwirtschaft von einer Krise in die nächste treiben, könnten Sie ausnahmsweise mal recht haben.
    MFG
    jolip
  3. #352

    arm und reich

    Zitat von eigentlicher_Schwan Beitrag anzeigen
    Von Franzosen höre ich manchmal, wie sie unsere "Effizienz" fürchten. Und es stimmt, darin waren wir öfters "gut".
    Die Effizienz der Armutsbekämpfung war es denn auch, die zur Armenbekämpfung pervertierte. Neue Behörden wurden geschaffen, um die als faul Verdächtigten zu schickanieren. Dazu wurde sogar die Beweisumkehr praktiziert und vieles mehr.
    Es stellt sich aber die Frage nach dem Ziel. Ist die Wirtschaft für die Menschen da, oder ist es umgekehrt? In wessen Interesse muss die Politik letztendlich handeln? Doch dem der Wähler?
    Vermutlich trägt fast jeder Wähler und Gewählte mehr Verantwortung, als er sich zunächst eingestehen will.
    die Politik handelt nur für sich,weil Macht und Geldgier bei allen Politiker an erster Stelle steht,Politiker stehen nie hinter den Bürgerwillen,siehe Wulff der konnte sich auch andem Ehrensold bereichern ,als Steuergelder,obwohl es ihm niemals zugestanden hat.Auch wenn das Bundespräsidialamt anders regauert und immer darauf pocht,das Wulff aus politischen Gründen sein Amt ausgegeben hat,stimmt nicht war aus persönlichen Gründen.So und wer sich bereichert sind Politiker und Millionäre wer sonst hat die Gelder ????
  4. #353

    Linken

    Zitat von querulant_99 Beitrag anzeigen
    Wer ist für die Kluft zwischen Arm und Reich verantwortlich?

    Eigentlich fühlt sich niemand dafür verantwortlich.
    Jedenfalls ist dieses Problem für alle Parteien (mit Ausnahme der Linken) keine Herzensangelegenheit mehr. Somit hat auch der Wähler kaum Einflussmöglichkeiten.
    also die Parteien die Linkenhaben wohl manchmal gute Vorschläge,aber die machen sie,weil sie genau wissen,dafür bekommen sie keine Stimmen der anderen Parteien,die Linken machen sich dadurch auch unglaubwürdig,warum wollen sie nicht mit regieren ? Hatten doch die Gelegenheit vor Jahren.
  5. #354

    Solar, solidarisch, sozialistisch

    Zitat von Berg Beitrag anzeigen
    Natürlich sollte man Fehler nicht wiederholen. Aber welche Fehler wurden denn in dem "System" gemacht, die nicht wiederholt werden sollten, um die heutige Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern? Das ist doch die Schlüsselfrage. Enteigungen? Verstaatlichungen? Ganztagsbildung? Datensammlungen? Besteuerungen aller Art? Bankenkontrollen? Börsenaufsichten?
    Ich nehme Ihre Anregung auf.

    Der Slogan der Titelzeile stammt von Elmar Altvater und trifft bis auf den letzten Punkt ziemlich genau meine Vorstellungen, als Drittes würde mir „keynesianisch“ zurzeit noch besser gefallen.

    Ich bin nicht der große Zampano, der auf alles eine Antwort weiß, aber nach meiner Meinung sollte der Mensch nicht länger Mittel zum Zweck der Kapitalverwertung sein, sondern umgekehrt muss die Ökonomie wieder Mittel für die menschliche Selbstentfaltung, für die individuelle und kollektive Emanzipation sein.

    Es geht weder um Unterordnung der Ökonomie unter das Kommando des Staates, noch um die Beschneidung und Lähmung der Privatinitiative. Es geht vielmehr darum, das Wirtschaftshandeln wieder gesamtgesellschaftlichen, sozialen, ökologischen und ethischen Zwecken dienstbar zu machen. Kurz gesagt: Die Ökonomie muss wieder dem Menschen dienen statt umgekehrt.

    Das war jetzt sehr allgemein, darum noch etwas Konkretes. Die folgenden Punkte betrachte ich aber nicht in Stein gemeißelt und sie sind nur ein kleiner Auszug:

    Vergesellschaftung (Unternehmen wird von der Belegschaft verwaltet), öffentlich-rechtlicher Bankensektor bzw. wirksame Regulierung des Finanzmarktes, Erhöhung des Spitzensteuersatzes, Vermögenssteuer wieder einführen, Rekommunalisierung sämtlicher Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge, Mindestlohn, aktive Arbeitsmarktpolitik, Bekämpfung der Armut, nicht der Armen usw.
  6. #355

    Zitat von Petra Raab Beitrag anzeigen
    und
    erzählen sie hier nicht, dass sie mehr gearbeitet haben als
    eine Putzfrau, eine Krankenschwester, ein Busfahrer, ein
    Polizist, ein Altenpfleger, eine Verkäuferin, also in den Berufen,
    welche noch wirklich gebraucht werden.
    Doch. Jemand, der vom Schrubben eines 2 Quadratmeter Balkons Rückenschmerzen bekommt, kann das vielleicht nicht nachvollziehen.

    Zitat von Petra Raab Beitrag anzeigen
    Selbst ein Künstler, der ein Gemälde für 1 Mio. Euro verkauft, kann
    nicht sagen, dass er dabei anständig ist, denn im Vergleich dessen,
    was er dort für Arbeitszeit hineingesteckt hat, müssen andere
    dafür ein Leben lang 40 Stunden die Woche, 40 Jahre lang arbeiten.
    So einen Preis für so ein Gemälde konnte er also nur deshalb erzielen,
    weil Menschen, welche ihre Mitmenschen vorher durch asoziale
    Systeme ausgebeutet haben, jetzt dadurch das Geld haben, ihm
    so viel für sein Gemälde zu bezahlen. Also partizipiert er an so
    einem asozialen System, genau wie sie.
    Woher kommt Ihre Obsession mit der Zahl 40?
    Diese Zahl und ihre Vielfache sind übrigens die häufigst auftretende Zahlen in der Bibel. Nicht gerade eine Empfehlung als Ratgeber für moderne Zeiten.
  7. #356

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    Das war jetzt sehr allgemein, darum noch etwas Konkretes. Die folgenden Punkte betrachte ich aber nicht in Stein gemeißelt und sie sind nur ein kleiner Auszug:

    Vergesellschaftung (Unternehmen wird von der Belegschaft verwaltet), öffentlich-rechtlicher Bankensektor bzw. wirksame Regulierung des Finanzmarktes, Erhöhung des Spitzensteuersatzes, Vermögenssteuer wieder einführen, Rekommunalisierung sämtlicher Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge, Mindestlohn, aktive Arbeitsmarktpolitik, Bekämpfung der Armut, nicht der Armen usw.
    Mit dem ersten Punkt kommen Sie aber in engste Nähe zum damaligen Volkseigenen Betrieb. In diesen waren neben der Produktion insbesondere die sozialen, kulturellen Belange der Belegschaft von Interesse: Arbeitsplatzgarantie, Weiterbildung, Kindergärten, Haushalttag, Frauenförderung, Theater/Tanzgruppen, Sportgemeinschaften, Betriebspolikliniken, Wohnungsbau usw. Damit geriet man quasi systembedingt gegenüber hocheffektiven Privatbetrieben ins Hintertreffen und wurde letztlich auskonkurriert. Wie sollen wohl die Besten unter der Belegschaft den heutigen Konkurrenzkampf führen? "Verwalten" - ganz gut und schön, aber bitte doch effektiv.
  8. #357

    Zitat von varesino Beitrag anzeigen
    Antwort.

    Abgesehen von DINKs haben die meisten Leute nicht die Moeglichkeit nennenswerte Ruecklagen zu bilden.
    Ja, das ist wohl so. Aber mit welcher Berechtigung machen diese die Wohlhabenderen, die Gesellschaft oder das System für das eigene Unvermögen verantwortlich? Insbesondere in D sind immer die anderen Schuld.
  9. #358

    Zitat von angela_nrw Beitrag anzeigen
    also die Parteien die Linkenhaben wohl manchmal gute Vorschläge,aber die machen sie,weil sie genau wissen,dafür bekommen sie keine Stimmen der anderen Parteien,die Linken machen sich dadurch auch unglaubwürdig,warum wollen sie nicht mit regieren ? Hatten doch die Gelegenheit vor Jahren.
    Sie haben wohl den Kern meiner Aussage nicht erfasst!
    Damit überhaupt Bewegung in die Sache kommt, müsste mindestens eine der führenden Parteien (CDU,SPD, evtl. Grüne) erkennen, dass hier Handlungsbedarf besteht. Es reicht nicht, wenn sich die (kleine) Linkspartei darum kümmert, zumal dieser Partei immer noch der der Ruf anhaftet, eine DDR 2.0 errichten zu wollen. Traditionell war früher mal die SDP für den sozialen Ausgleich zuständig, aber davon ist seit BK Schröder nicht mehr viel übrig geblieben.
  10. #359

    Zitat von angela_nrw Beitrag anzeigen
    also die Parteien die Linkenhaben wohl manchmal gute Vorschläge,aber die machen sie,weil sie genau wissen,dafür bekommen sie keine Stimmen der anderen Parteien,die Linken machen sich dadurch auch unglaubwürdig,warum wollen sie nicht mit regieren ? Hatten doch die Gelegenheit vor Jahren.
    Abgesehen davon, das die Partei DIE LINKE in Landesregierungen und Kommunen durchaus mitregieren, gibt es auf Ihre Frage nach der Bundesregierung eine einfache Antwort: die Linken im weitesten Sinnen haben einmal 40 Jahre lang einen ganzen deutschen Staat regiert. Und der war so radikal anders geraten, dass er nicht mehr beherrschbar war und wieder aufgelöst wurde. Gegen alle ähnlichen Regierungsversuche gibt es also berechtigte Aversionen.