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Todesstrafe - ist der zum Tode verurteilte Mumia Abu-Jamal schuldig?

Seit seiner Verurteilung in den USA im Jahre 1982 beteuert der Journalist Mumia Abu-Jamal seine Unschuld. Sein Fall erregte weltweit Aufmerksamkeit, und er wurde zur Symbolfigur im Kampf gegen die Todesstrafe. Weiterhin sitzt er im Todestrakt - ist Mumia Abu-Jamal wirklich schuldig?
  1. #1

    Ja, er ist schuldig. Ich habe die Prozessakten gelesen.

    Er eignet sich auch nicht als Symbol gegen die Todesstrafe, da gibt es andere. Wahrscheinlich ist, dass dieser Mann, der ein ziemlicher Hallodri vor seiner Knastzeit war, ein Spinner und Gewalttäter, vielen europäischen Bübchen damals bis heute als willkommene Ikone gegen die USA dient und sich mit den Fakten keiner mehr auseinandersetzen mag, ähnlich wie die Massenmorde Che Guevaras verschwiegen werden. Den USA ist vorzuwerfen, dass sie die Strafe gegen Jamal nicht umgehend vollstreckt haben.
  2. #2

    Zitat von Parzival v. d. Dräuen Beitrag anzeigen
    Ja, er ist schuldig. Ich habe die Prozessakten gelesen.

    Er eignet sich auch nicht als Symbol gegen die Todesstrafe, da gibt es andere. Wahrscheinlich ist, dass dieser Mann, der ein ziemlicher Hallodri vor seiner Knastzeit war, ein Spinner und Gewalttäter, vielen europäischen Bübchen damals bis heute als willkommene Ikone gegen die USA dient und sich mit den Fakten keiner mehr auseinandersetzen mag, ähnlich wie die Massenmorde Che Guevaras verschwiegen werden. Den USA ist vorzuwerfen, dass sie die Strafe gegen Jamal nicht umgehend vollstreckt haben.
    Ich weiß nicht recht, Herr v. d. Dräuen, aber ging es beim Fall Abu-Jamal nicht zuletzt im wesentlichen um Fehler bzw. Unregelmäßigkeiten im Gerichtsverfahren?

    Wenn dies der Fall wäre, und ich bin mir wirlich nicht ganz sicher, wäre es doch wünschenswert, den Prozeß neu aufzurollen, um die Möglichkeit eines Fehlurteils auszuschließen.

    Immerhin geht es um Abu-Jamals Leben. Wenn er jedoch wirklich der Täter war, dann gnade ihm Gott, auch wenn der Fall aufs neue behandelt wird.
  3. #3

    Unschuldig oder nicht?

    "Parzival v. d. Dräuen" hat die Prozessakten natürlich nicht gelesen, sonst wüsste er, was Abu-Jamal vor seiner Verhaftung gemacht hat und dass er keineswegs ein Gewalttäter, sondern ein politischer Aktivist und Journalist ohne jedes Vorstrafenregister war.

    Leider wird das Thema Todesstrafe immer wieder von Leuten, die von wenig eine Ahnung, aber zu allem eine Meinung haben, genutzt, um ihre eigenen Hass- und Gewaltfantasien flottieren zu lassen.

    Vorlage dazu gibt leider auch der offenbar umfangreich recherchierte, aber extrem oberflächliche Spiegelartikel "Die Feuer der Hölle". Die schwierige Frage der Todesstrafe und die noch schwierigere der Schuld oder Unschuld Abu-Jamals wird als ein Melodram zwischen den Kohorten ignoranter Gutmenschen, die naiv an die Unschuld ihres Helden Glauben, und der leidenden Witwe des getöteten Polizeibeamten, die "für ihre Wahrheit" kämpft und dafür "allein die Feuer der Hölle" erleiden und austreten muss, dargestellt.

    Sicher, auch Abu-Jamal wird mit der Aussage zitiert, der Todestrakt sei "ein grausamer Ort". Aber zu der Frage, ob es nicht vielleicht doch ein Unterschied im Ausmaß der Qual ist, ob man in Freiheit seiner eigenen Vorstellung von der Pflege des Andenkens eines geliebten Angehörigen nachgehen kann oder ob man mehr als ein Vierteljahrhundert in Einzelhaft sitzt, den wahrscheinlichen Tod durch den Henker vor Augen - dazu findet sich in dem Artikel nichts.

    Auch die Frage, ob die Polizistenwitwe Maureen Faulkner und ihr liebevoller Mann Paul sich wirklich so allein dem hehren Werk widmen, für die Hinrichtung Abu-Jamals zu sorgen, wird auf geradezu lächerliche Art ignoriert.

    Tatsächlich betreibt der mächtige amerikanische Polizeiverband Fraternal Oder of Police (FOP) mit seinen über 300.000 Mitgliedern seit vielen Jahren eine finanziell sehr gut geölte Kampagne für die Exekution Abu-Jamals, die vom Vertrieb geschmackvoller Hemden mit Aufschriften wie "Der richtige Ort für Jamal ist keine 6-Quadratmeterzelle, er gehört 6 Fuß näher an die Hölle" bis zu Boykottkampagnen gegen sämtliche Politiker und sonstigen Personen des öffentlichen Lebens, die Abu-Jamal auch nur in geringster Form unterstützen, reicht.

    Die Autorin Cordula Meyer schreibt viel und eher Abfälliges über die Unterstützer Abu-Jamals (eine der Bildunterschriften: "Todeskandidat als globale Marke") und die Spendengelder, die die Verteidigung erreicht haben; dass die 1,7 Millionen Dollar, die seit 1992 für die Verteidigung gespendet wurden, mit jährlich 100.000 Dollar für zum Teil vielköpfige Verteidigungsteams im Vergleich zu den Mitteln, die der Staatsanwaltschaft zur Verfügung stehen, nur ein Taschengeld sind, erwähnt sie nicht.

    Aber dann würde ja auch der sowohl vom FOP als auch von Maureen Faulkner selbst gern verbreitete Mythos Phalanx des internationalen Gutmenschentums gegen einsame Witwe zu zerbröseln beginnen, dem Meyer offenbar vorbehaltlos auf den Leim gekrochen ist.
  4. #4

    Zitat von michael schiffmann Beitrag anzeigen
    "Parzival v. d. Dräuen" hat die Prozessakten natürlich nicht gelesen, sonst wüsste er, was Abu-Jamal vor seiner Verhaftung gemacht hat und dass er keineswegs ein Gewalttäter, sondern ein politischer Aktivist und Journalist ohne jedes Vorstrafenregister war.
    Als kleine Ergänzung

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mumia_Abu-Jamal
  5. #5

    Schuld oder Unschuld: Weitere Fragen

    Schlimmer noch ist, dass sie auch die Tatversion der Anklage kaum und wenn überhaupt, dann nur höchst oberflächlich hinterfragt. Nach einer Darstellung des Tathergangs, die sich nahezu eins zu eins mit der der Anklage deckt, wischt sie im Fazit etwaige Zweifel zum Her-gang mit einem Zitat des renommierten schwarzen Journalisten Chuck Stone weg: „Was den talentierten ehemaligen Journalisten überführte, war eine Fülle unwiderlegbarer Fakten.“

    Das mag Stone, der sich nach Abu-Jamals Verhaftung völlig schockiert zeigte und den „fried-fertigen“ Charakter des ihm gut bekannten Kollegen hervorhob, damals so erschienen sein.

    Mit rund 1.300 Dollar vom Gericht bewilligter Gelder für Recherchen, Gutachten und eigene Experten und aufgrund der im Artikel immerhin erwähnten Sabotage durch den Richter stand die Verteidigung den angeblichen „Beweisen“ ja auch nahezu ohnmächtig gegenüber.

    Diese als „unwiderlegbar“ zu betrachten, mag man Chuck Stone vielleicht noch nachsehen, nicht aber Frau Meyer, da sich in den dazwischen liegenden 27 Jahren ein gewaltiger Berg von Belegen dafür angehäuft hat, dass diese Beweise genau das sind, als was ich sie im vori-gen Absatz bezeichnet habe: Beweise in Anführungsstrichen.

    Um nur die gravierendsten Beispiele herauszugreifen: Meyer erwähnt, dass „zwei der Zeugen Vorstrafen“ hatten, so auch der von ihr ausgiebig zitierte Taxifahrer Robert Chobert.

    Was sie nicht erwähnt, ist die Tatsache, dass beide Zeugen, die Hauptzeugin der Anklage Cynthia White und eben jener Robert Chobert, in der Nacht in der die Schüsse fielen, gesetz-widrigen Betätigungen nachgingen. White arbeitete als Prostituierte (damals in Pennsylvania illegal), und Chobert, der eine Haftstrafe von fünf Jahren auf Bewährung verbüßte, fuhr ohne Führerschein Taxi, da ihm dieser wegen Alkohol am Steuer entzogen worden war.

    Dennoch behaupteten beide, sich in unmittelbarer Nähe des Tatorts aufgehalten zu haben, während der Polizeibeamte Faulkner den schwarzen Autofahrer mit angestelltem Blaulicht einer Fahrzeugkontrolle unterzog!

    Das ist so unglaubwürdig, dass es selbst Abu-Jamals Verteidiger hätte auffallen müssen, der es aber unterließ, diesbezügliche Fragen zu stellen.

    Dass diese beiden Zeugen die Tat beobachtet haben ist auch deswegen unglaubwürdig, weil kein einziger anderer Zeuge White in der Nähe des Tatorts gesehen hat. Choberts Taxi dage-gen wurde tatsächlich von einer Zeugin gesehen – leider nur von derjenigen, die selbst gar nicht da war: Cynthia White.
  6. #6

    Unterdrückte Wahrheiten

    Zu all dem kommt, dass inzwischen klar ist, dass die Aussagen sowohl dieser beiden Zeugen als auch des dritten Schlüsselzeugen zu den tödlichen Schüssen auf Faulkner gar nicht stimmen KÖNNEN: „Mumia habe sich über den Polizisten gestellt und aus nächster Nähe auf ihn gefeuert“ (Zitat Spiegel).

    Sowohl die Polizeifotos als auch 2006 neu aufgetauchte Fotos des Pressefotografen Pedro P. Polakoff zeigen aber glasklar, dass das nicht stimmt: Auf dem Beton und in den Eisengittern des Bürgersteigs, auf dem der von EINEM Schuss tödlich getroffene Faulkner von seinen Kollegen gefunden wurde, finden sich keinerlei weitere Einschussspuren, obwohl alle drei Zeugen übereinstimmend behaupteten, der Todesschütze habe mehrere (zwischen zwei und vier) Schüsse auf den wehrlos daliegenden Beamten abgegeben.

    Das sollte für die Gerichte eigentlich schon ausreichen, um den von Abu-Jamal und seinen Unterstützern geforderten neuen Prozess anzuordnen - eine Forderung, die im Artikel Meyers nur im Vorbeigehen erwähnt wird, obwohl sie für Abu-Jamals Anliegen, nicht nur als unschuldig zu gelten, sondern seine Unschuld auch zu demonstrieren, zentral ist.

    Und die Frage der tödlichen Schüsse stellt nur einen von zahlreichen weiteren Aspekten dar, die die Mordversion der Staatsanwaltschaft unglaubwürdig machen.

    Allein die Fotos von Polakoff zeigen 1) das das Taxi Robert Choberts nicht wie behauptet hinter Faulkners Polizeiwagen stand, 2) dass die Polizei den Tatort manipuliert hat, und 3) wie ein Polizeibeamter Abu-Jamals und Faulkners Waffe in seinen bloßen Händen hält, während er bei Abu-Jamals Verfahren unter Eid behauptete, er habe peinlichst darauf geachtet, keine Fingerabdrücke zu zerstören.

    Die Fotos Polakoffs standen ebenso wie umfangreiches weiteres Material, das oben nur angerissen werden konnte, auch der Autorin des Spiegel-Artikels zur Verfügung.

    Sie zu nutzen hätte den Artikel allerdings vermutlich etwas weniger glatt und übersichtlich gemacht und das von Meyer implizit zusammengehäkelte Klischee von der vielleicht rach-süchtigen, aber jedenfalls ehrlichen Witwe und dem vermutlich schuldigen, sicher aber unauf-richtigen und mit irgendetwas hinterm Berg haltenden Abu-Jamal samt seinem Verteidiger („Details [ ] will auch Bryan nicht schildern“) empfindlich gestört.

    An gesicherten Fakten scheint Meyer jedenfalls kein großes Interesse gehabt zu haben - sonst wären sie ja wohl in etwas größerem Maß eingeflossen. Stattdessen bekommen wir ein post-modernes Theaterstück serviert, in dem die Akteure hinter ihrem Abbild verschwinden und in dem wir selbst entscheiden dürfen, wer Held und wer Anti-Held ist.
  7. #7

    Die falsche Fragestellung

    Wie schade, dass der Spiegel genau das tut, was er der Solidaritätsbewegung vorwirft - er reduziert den hochkomplexen Fall mit dem Titel dieses Forums auf eine Glaubensfrage.
    Um die Frage nach Schuld oder Unschuld beantworten zu können, bräuchte man detaillierte Fakten zu Tathergang und Urteilsfindung - davon jedoch weit und breit keine Spur. Stattdessen Verlautbarungen und Bekenntnisse einzelner, die keinen anderen Sinn zu haben scheinen als den angeblich so verehrten Helden im Todestrakt von seinem mutmaßlichen Sockel zu zerren. Nun denn.
    Das erzeugt ungute Gefühle auf den verurteilten Mörder und Mitleid mit der Witwe, aber der Wahrheitsfindung dient es nicht.
    Wäre es einem Blatt, das sich als intellektuell begreift, nicht angemessen gewesen, die Frage nach der Todesstrafe an sich zu thematisieren? Zu fragen, ob und wenn ja, in welchen Fällen, sie vollstreckt werden sollte?
    Wäre es nicht angemessen gewesen zu erwähnen, wie viele tausend Menschen in den USA, und zwar jahrzehntelang, in Todestrakten sitzen? Dass es wichtig und richtig wäre, diese Hölle zu beenden - egal, ob die Verurteilten schuldig sind oder nicht?
    Wäre es nicht spannend gewesen, das Gefängnissystem in den Vereinigten Staaten genauer zu beschreiben und zu beleuchten und zu zeigen, wer dort auf welcher Seite der Gitter bzw. schalldichten Wände sitzt und warum? Und wer davon profitiert und warum?
    Wäre es schließlich in dem Artikel selbst nicht hilfreicher gewesen, ein paar handfeste Gründe für die Forderung Abu-Jamals und all der verblendeten Prominenten nach einem neuen Verfahren aufzuzählen - die nie verwendeten Fotos des Fotografen am Tatort, die neuen, ungehörten Zeugen, den Amnesty Report zu all den verfassungswidrigen Verfahrensfehlern?
    Und hätte man den hervorragenden Film von Marc Evans "In Prison My Whole Life" und das akribisch recherchierte Buch von Dr. Michael Schiffmann "Wettlauf gegen den Tod" nicht wenigstens erwähnen können, damit tatsächlich an den Fakten Interessierte sich selbst ein Bild verschaffen können?
    Nein. Offensichtlich nicht. Warum nicht?
    Mit Stimmungsmache statt Fakten strickt der Spiegel selbst den Mythos weiter, den er anprangert.
    Und nimmt die Folgen für den Mann im Todestrakt billigend in Kauf.
    Annette Schiffmann - think queer - netzwerkagentur für kunst und kommunikation Heidelberg
  8. #8

    Schluss: Abu-Jamal ist kein Mörder und verdient einen neuen Prozess

    Ist Abu-Jamal schuldig oder unschuldig? In einer Reihe sorgfältiger Untersuchungen kommen Autoren wie der von Meyer zitierte Ex-Verteidiger Abu-Jamals Dan Williams, Dave Lindorff, J. Patrick O'Connor, Hans Bennett, Linn Washington und ich zu dem Schluss, dass Abu-Jamal mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zuerst von Faulkner angeschossen wurde, nicht umgekehrt. Er ist somit unschuldig im Sinne der Mordanklage.

    War es Notwehr? Vielleicht, auch wenn die Umstände das eher unwahrscheinlich machen.

    Nach Ansicht obiger Autoren die bei Weitem wahrscheinlichste Variante ist, dass Faulkner von einem dritten Mann erschossen wurde, der sich bei Abu-Jamals Bruder Billy Cook im Auto befand, mit ansah, wie Abu-Jamal angeschossen wurde, den Polizisten daraufhin im Affekt mit mehreren Schüssen tötete und dann den Tatort fluchtartig verließ.

    Nicht zufällig wird diese Möglichkeit des Tathergangs von Meyer nicht einmal erwähnt, ob-wohl sie seit vielen Jahren diskutiert, von vielen Beobachtern für die plausibelste gehalten und in immer höherem Maß von neu zugänglich gewordenen Fakten gestützt wird.

    War es so? In einem funktionierenden Justizsystem müsste darüber ein Gericht entscheiden (was im übrigen auch die Weigerung Abu-Jamals und seines Anwalts, über die Vorfälle vom 9. Dezember 1981 zu reden, erklären kann), aber nach Lage der Dinge haben die US-Gerichte Abu-Jamal diesen Weg nun verbaut.

    Es sieht so aus, als könne nunmehr nur noch eine um ein Vielfaches intensivierte Fortsetzung der internationalen Kampagne für Mumia Abu-Jamal dafür sorgen, dass Abu-Jamal trotz allem noch Gerechtigkeit erfährt.


    Dr. Michael Schiffmann

    Anglistisches Seminar der Universität Heidelberg

    Autor des Buches Wettlauf gegen den Tod. Mumia Abu-Jamal: ein schwarzer Revolutionär im weißen Amerika, Promedia, Wien 2006 und zahlreicher Essays und Artikel zu Mumia Abu-Jamal und zur Todesstrafe in den USA

    Nachtrag: Mittlerweile hat sich in Philadelphia mit Michael Smerconish einer der profiliertesten Befürworter der Hinrichtung Mumia Abu-Jamals, der langjährige Anwalt Maureen Faulkners und Mitautor ihres Buchs "MUrdered by Mumia. A Life Sentence of Loss, Pain, and Injustice" zu Wort gemeldet. Anders als Abu-Jamal und seinen Unterstützern stehen ihm neben seinen dieversen rechten Talkshows auch regelmäßig die beiden größten Tages Zeitungen Philadelphias für seinen Anti-Mumia-Kreuzzug zur Verfügung.

    "A German Surrender (on Mumia)" jubiliert Smerconish in der heutigen Daily Mail, und führt weiter aus, nach Jahren ungerechtfertigter Pro-Abu-Jamal Stimmungsmache in Deutschland und Europa könne der Spiegel-Artikel "Die Feuer der Hölle" nun "the first trickle in a watershed moment" sein.

    Glückwunsch an den Spiegel, dass er nun den Standards eines Michael Smerconish für journalistische Objektivität gehorcht.
  9. #9

    Eigenständige Recherche sieht anders aus

    Sehr geehrte Damen und Herren beim Spiegel,

    Ihr Anspruch auf eigenständige Recherche ist Ihnen bei dem Artikel über Mumia Abu-Jamal leider völlig abhanden gekommen. Zwar hat Cordula Meyer es gerade noch geschafft, auf "Unstimmigkeiten" im Verfahren des seit über 27 Jahren in einer 6qm kleinen Todeszelle inhaftierten Journalisten Mumia Abu-Jamal hinzuweisen, aber zu mehr Hintergründen haben die fünf Seiten Artikel dann leider doch nicht gereicht.

    Mumia Abu-Jamal wird nicht nur deswegen von Millionen Menschen unterstützt, weil er ein kompetenter politischer Analyst und ansprechender Autor ist, sondern weil seine Verurteilung zum Tod 1982 auf absolut unbewiesenen Behauptungen basiert.

    Zeuginnen wie Veronica Jones oder die Krankenhauswache Priscilla Durham haben ihre Aussagen längst zurückgezogen. Beide haben hinlänglich erklärt, wie sie unter Druck der Polizei in Philadelphia überhaupt dazu kamen, Mumia Abu-Jamal zu belasten. Die Unstimmigkeiten hören hier aber lange nicht auf.

    Staaatsanwealt McGill nahm der Jury die Verantwortung für ein Todesurteil ab, in dem er sugerierte: "Der Angeklagte habe noch Berufung auf Berufung". Richter Sabo liess das durch gehen. In 13 anderen Verfahren haben höhere Instanzen diese von beiden oft angewendete Taktik als klaren Verfassungsbruch kassiert, nur bei Mumia Abu-Jamal nicht.

    Die Frage drängt sich auf, warum eigentlich nicht?

    In Ihrem Artikel wird mit keinem Wort die rechtsaussen Polizei Bruderschaft "Fraternal Oder of Police" (F.O.P.) erwähnt, deren Mitglied Richter Sabo bis zu seinem Lebensende war. Sie ist die treibende Kraft hinter der poitischen Kampagne, Mumia Abu-Jamal hinrichten zu lassen. Maureen Faulkner wird seit Jahrzehnten als Gallionsfigur missbraucht. Der Chefstratege und Medienmann Michael Smerconish ist das intelektuelle Sprachrohr dieser Bemühungen. Wie in seinem heutigen Artikel in den Philadelphia Daily News ( http://www.philly.com/dailynews/opin...on_Mumia_.html ) unschwer zu erkennen ist, hat er Cordula Meyer bei ihrer "Recherche" unterstützt.

    Dass der SPIEGEL versucht, Mumia Abu-Jamal als vermeintliche linke Ikone zu bagatellisieren und sich gleichzeitig zum Gehilfen einer auf Rassismus und Todesstrafenempathie basierenden Kampagne macht, ist sehr besorgniserregend.

    Zurück zu der Ausgangsfrage, ob Abu-Jamal schuldig oder unschuldig sei: eine Schuld ist ihm juristisch nie bewiesen worden.

    Mit freundlichen Grüßen,


    Anton Mestin, Berlin








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