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Macht uns die moderne Welt krank?

Beruflicher Stress, unendlicher Informationsfluss, intensive Kommunikation als soziales Muss: Die moderne Welt hat uns mit ihren Pflichten fest im Griff. Wer sich selbst nicht fest im Griff hat, läuft Gefahr, auszubrennen. Macht uns das moderne Leben auf Dauer krank?
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Beruflicher Stress, unendlicher Informationsfluss, intensive Kommunikation als soziales Muss: Die moderne Welt hat uns mit ihren Pflichten fest im Griff. Wer sich selbst nicht fest im Griff hat, läuft Gefahr, auszubrennen. Macht uns das moderne Leben auf Dauer krank?
    Ja. Die Welt hat sich in den vergangenen 150 Jahren massiv verändert, von einer fast vorindustriellen Gesellschaft in der persönliche und familiäre Kontakte eine viel engere Verflechtung hatten zu einer teilweisen entfremdten, anonymen Informationsgesellschaft. Auch wenn sich viele anpassen können und damit leben, bleiben viele auf der Strecke. Vielleicht kann man dies als eine Art Evolution ansehen, während früher Individuen überlebten die bestimmte körperliche Merkmale und Stärke aufwiesen, "überleben" heute die die bestimmte psychische Merkmale aufweisen!?
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Beruflicher Stress, unendlicher Informationsfluss, intensive Kommunikation als soziales Muss: Die moderne Welt hat uns mit ihren Pflichten fest im Griff. Wer sich selbst nicht fest im Griff hat, läuft Gefahr, auszubrennen. Macht uns das moderne Leben auf Dauer krank?
    Erich Fromm sagt das auch.

    http://www.youtube.com/watch?v=AAbKIvpALmg

    http://www.youtube.com/watch?v=Dt09h...eature=related
  3. #3

    Produkt

    Die Frage möchte ich mit "Ja!" beantworten.
    Wie schon erwähnt jedoch, wer sich sehr gut in Griff hat und ich sag mal so, keine zusätzliche Belastung aus dem privatem Leben, läuft nicht so die Gefahr.

    Ich spüre das an meinen eigenen Leib, Werbung, Konsum, mich als Kunde werben, Handys, Menschenmassen die nach mehr lechzen kombiniert mit einer gesunden Portion Beziehungsstress mit Unistress und Geldnöten lassen mein Hirn langsam kollabieren und ich hab das GEfühl das nicht zu packen und bin einfach nurnoch müde, träge und motivationslos.

    vs.

    Ein Arbeitskollege bei meinem Studentenjob, quasi ein Chef, verdient lächerliche 38€/Stunde netto. Hat Frau, Kinder, Haus, Auto.. Durch Gespräche weiß ich, dass er das Studium nie arbeiten musste. !!!Der Kerl sieht glücklich und entspannt aus!!!

    Ich komm für mich zu dem Schluss: Das moderne Leben macht einen krank, wenn man zusätzlich privat in der eigenen kleinen Welt auch nicht ganz zurecht kommt.
  4. #4

    der moderne Mensch: ungluecklich gesund

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Beruflicher Stress, unendlicher Informationsfluss, intensive Kommunikation als soziales Muss: Die moderne Welt hat uns mit ihren Pflichten fest im Griff. Wer sich selbst nicht fest im Griff hat, läuft Gefahr, auszubrennen. Macht uns das moderne Leben auf Dauer krank?
    Die Antwort hierauf muss ambivalent ausfallen.

    Natuerlich macht uns der Fortschritt in Medizin und Pharmazie zunaechst gesunder. Die Lebenserwartung der Menschen weltweit ist seit Beginn der Moderne kontinuierlich angestiegen und wird auch in Zukunft weiter steigen. Die Menschen in den fruehindustralisierten Laendern die heute geboren werden, haben bereits eine [projizierte, d.h. zukuenftigen Fortschritt einbeziehende] mittlere Lebenserwartung von 100 Jahren;

    Wenn man den Begriff "krank machen" jedoch weiter fasst, muss man konstatieren, dass die Moderne den Menschen auch ungluecklicher gemacht hat: Die Entfremdung von empirischem Wissen und Weltverstaendnis, die Schwaechung tradierter Hierarchien und festgefuegter Familien- und Gesellschaftstrukturen, der Verlust der sinnstiftenden Heilskraft von Religion durch eine allzu radikale Saekularisierung, der Niedergang jeglicher symolischer Ordnung durch die zersetzenden Kraefte moderner Philosophie und Psychologie...
    All das hat auch neue Zivilisationskrankheiten entstehen lassen: Depression, Burnout, Borderline, Anorexie, Bulimie und nicht zuletzt die immer frueher einsetzenden Suchterkrankungen sind in ihrer signifikanten Zunahme in den letzten Jahrzehnten zumindest ein Indiz dafuer, dass uns die moderne Welt fuer den medizinisch-pharmazeutisch-technologischen Fortschritt, den sie permanent generiert, an anderer Stelle einen entsprechenden Lebens-Mehrwert wieder wegnimmt.

    tzscheche
  5. #5

    Perspektive

    "Uns": wer ist gemeint? Das Subjekt? Oder die Menschheit? Das Objekt "Moderne Welt" ist zu komplex in der Analogie. Jeder weiß zwar, was gemeint ist, und greift auch intuitiv das für ihn passendste Modell heraus- aber so lässt sich die Frage nicht zureichend objektiv beantworten.
    http://socio.ch/sim/on_simmel/t_girschik.htm
    Es läuft darauf hinaus, ob die Menschheit im Zuge der evolutionären Adaptation fähig ist, sich den von ihr selbst eingeleiteten Veränderungen anzupassen und den darauf basierenden crossover Wirkmechanismen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vo...ichenden_Grund
    Das Individuum kann schon biochronologisch nicht adäquat re-agieren. Als Beispiel sei hier die Zunahme von psycho- und somatischen Erkrankungen angeführt, und als Beweis die krasse Zunahme von Suiziden nach dem Mauerfall bei denjenigen, die von Ost nach West migrierten.
  6. #6

    Handy-Gesellschaft

    Znächst einmal möchte man es allen Recht machen - im Beruf und Privat. Dann muß heute alles effizienter und besser sein als zuvor.

    Zudem sind die heutigen Kommunikationen wie Handy, E-Mail usw. schuld, das alles in kürzester Zeit erledigt sein muß.

    Nur die Maschine "Mensch" spielt nicht immer so mit wie man will. Der "biologische Schalter" steht bereits auf "AUS" während man noch mit 130-Prozent läuft.

    Dann gibt es nur wenige Möglichkeiten:
    Erstens, die Erkenntnis, das es durchaus auch ohne einen in der Firma geht.
    Zweitens, das man nur solange angesehen ist, wie man "funktioniert".
    Drittens, das es auch ein Leben außerhalb der Firma gibt.

    Zugegeben, schwer zu begreifen, oft braucht es dazu einen Zusammenbruch, ich wünsche jedoch jedem diese Erkenntnis auch ohne einen Biologie-Crash.
  7. #7

    Ich persönlich bin ja mehr ein Fan von Bore-Out. Man langweilt sich, aber man stirbt nicht an Stress-Krankheiten. Und man kann kreativ werden.
  8. #8

    Ausser Kontrolle

    Dem Menschen ist seine eigene Entwicklung längst über den Kopf gewachsen.Er verliert immer deutlicher die Kontrolle über sein eigenes Handeln.
    Unübersehbarer durch eigenen Antrieb verursachte Übervorderung.
    Der Wandel vom treibenden zum getriebenen ist längst vollzogen.
    Das sind Begleiterscheinungen einer ausgereitzten,übervorderten zum Sterben verurteilten Epoche.
  9. #9

    brennt doch

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Beruflicher Stress, unendlicher Informationsfluss, intensive Kommunikation als soziales Muss: Die moderne Welt hat uns mit ihren Pflichten fest im Griff. Wer sich selbst nicht fest im Griff hat, läuft Gefahr, auszubrennen. Macht uns das moderne Leben auf Dauer krank?
    Es gibt die Gestressten, die Mainstream-Kranken, die aus der Zwangsjacke gesellschaftlich korrekter Arbeithaltung niemals raus kommen. Die sich mit Pillen putschen und mit der Hoffnung auf die nächste Sprosse der Karriereleiter. Die gibt es zuhauf, allerdings haben die sich in der Regel sehr gut im Griff, was das Befolgen der Spielregeln angeht.
    Und es gibt diejenigen, die für krank gehalten und auch erklärt werden. Häufig von denen, die eigentlich wirklich krank, aber bestens integriert sind in ein krank machendes System. Wobei die dann nicht sagen: "Du bist krank.", sondern: "Du bist arbeitslos" oder bestenfalls fragen: "Warum bist Du nicht wir wir?"
    Und dann gibt es natürlich auch noch die, die eigentlich den Eindruck erweckt haben, dass sie so sind wie alle und von allen, die nach außen ohne Probleme funktionieren, in der Rolle auch bestätigt werden so wie Robert Enke. Und wenn so einer dann scheitert und keinen anderen Ausweg mehr sieht, als sich zu für immer von dieser Lebenslüge zu verabschieden dann sind alle, die so sind wie "Wir" einen Moment lang ganz erschüttert und traurig und können das nur erklären und verarbeiten, indem sie sich gegenseitig immer wieder bestätigen, dass derjenige ja krank gewesen ist. Das man vielleicht besser hätte aufpassen müssen auf ihn.
    Aber auf die Idee, dass derjenige vielleicht nur deswegen gescheitert ist, weil er nicht ganz darauf verzichten wollte, etwas zu sein, was man nicht in Leistung und Status ausdrücken und erkennen kann, auf so eine perfide Idee kommt natürlich keiner. Warum auch? Das würde ja bedeuten, dass man die Empfindsamkeit, die man so erfolgreich zu unterdrücken gelernt hat, wieder zulassen müsste. Nur damit man danach den ganzen Rest des Mainstreams gegen sich hat? Wie die anderen Weicheier auch? Dann doch lieber weiter so tun, als ob es keine Alternative gäbe. Augen zu, Fernsehen an und durch...








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