Beruflicher Stress, unendlicher Informationsfluss, intensive Kommunikation als soziales Muss: Die moderne Welt hat uns mit ihren Pflichten fest im Griff. Wer sich selbst nicht fest im Griff hat, läuft Gefahr, auszubrennen. Macht uns das moderne Leben auf Dauer krank?
...ist erst einmal, daß wir immer weniger verankert sind in einem nicht überempfindlichen, aber klaren und überschaubaren und ernstzunehmenden Wertesystem. Das Denken wird uns systematisch abgewöhnt.
Zu unterscheiden: was ist uns wirklich wichtig? Die jederzeitige Verfügbarkeit für den Arbeitgeber? Oder das persönliche Leben? Die Karriere? Oder Familie, Freunde? Der saubere Schein (mit Sagrotan-Spray bewaffnet kann ich auch den Kindern erlauben, mit Straßenschuhen auf dem Sofa Trampolin zu spielen)? Oder schlicht: Sauberkeit? Rumtönen - oder erstmal Information? (viel Antibiotikum gegen ein paar Schnupfenviren ... ein MUSS für jeden Halbgebildeten!) ...
Und DANN, wenn wir etwas sorgfältiger zu denken vermögen, DANN wird uns auffallen, daß wir die erste menschliche Gesellschaft sind, in der es möglich ist, von Krankheit zu profitieren. Über die Jahrtausende hinweg war Krankheit ihrer Mitglieder IMMER ein Verlust für die Gesellschaft (nur meist nicht für die Ärzte und Krankenpfleger). Aber heute kann man damit Geld machen! Rhön-, Helioskliniken machen es vor. Zecken am Wegesrande.
Die Politik macht es mit, weil sie damit hofft, Kosten zu sparen und Problemlösungen "outzusourcen". Eine Degenerationserscheinung unserer Gesellschaft. Die nur unter hohen Kosten reparabel wäre.
Nicht die Zecken sind das Problem. Sondern daß wir, eine demokratische Gesellschaft, sie auf eigener Kosten UND zu eigenen Lasten züchten und füttern. Das sind nicht nur Denk-Defizite - das sind gravierendste Urteilsschwächen!
Statt die Verantwortung dafür auf uns zu nehmen, in gesellschaftlichem Konsens Ausgaben für bestimmte Gesundheits-Maßnahmen zu beschränken. Denn die Forschung wächst ins Ungemessene und so explodieren die Kosten. Aber was ist noch sinnvoll zu tun, was überfordert eine Gesellschaft, die doch noch weitere Bereiche bedenken muß.
Was ist wirklich vernünftig.
... um mit Loriot zu sprechen.
SIE haben schlechte Erfahrungen mit dem Medizinbetrieb gemacht?
Da möchte ich Sie doch mal fragen - wer in den letzten 3 Jahren hat das NICHT?
Ja, ich weiß.
Die mit den guten Haus- und Fachärzten, die noch aus vergangenen Zeiten bis in unsere Gegenwart ragen.
Die, die auf "seid dennoch unverzagt"-arbeitende, jenseits der Erschöpfungsgrenze unbeirrt tapfer wirkende Krankenschwestern stießen.
Und die, die den Medizinbetrieb nicht benötigten, da gesund.
Das Gesundheitswesen in Deutschland war einmal Weltspitze.
Vielleicht gehörten Sie zu den 80 bis 90 %, für die gar keine medizinische Behandlung notwendig waren. Vielleicht hätten es ein paar kalte Umschläge und ein Butterpflaster auch getan. :-)
Aber im Ernst: auch Sie wurden nicht von einem "Medizinbetrieb" behandelt, sondern von Ärzten und Schwestern. Und sollten Sie diese zu Ihren "schlechten Erfahrungen" rechnen, dann rechtfertigt das noch lange nicht, dem gesamten Gesundheitssystem misstrauen zu müssen.
Wenn ich manches hier so lese muss ich mich wundern.
Zunächst mal muss man doch für sich selbst entscheiden wo man hin will. Will ich auf Teufel komm raus Kariere machen und irgendwann "Chef" sein, dann muss ich natürlich schon ackern. Da sind dann eben Laborstunden bis um zehn für den Doktortitel und viele Überstunden im Büro notwendig.
Gebe ich mich aber mit einem Dasein als normaler Angestellter zufrieden, kann ich doch ganz gut mit einem 40h-Job leben und gleichzeitig dennoch einer Tätigkeit nachgehen, die nicht total stupide oder langweilig ist und mir bleibt Zeit für Familie und Freunde.
Nennt sich Work-Life-Balance und ist nun wirklich nichts neues.
Jeder, wie er mag.
Leid tun mir allerdings die Menschen, die im sogenannten Niedriglohnsektor arbeiten müssen. Die schaffen sich den Buckel krumm und kommen dennoch kaum über die Runden.
Wobei: Wenn ich da meinen Nachbarn seh. Arbeitet für einen Paketdienst. Kann nicht sagen, dass der sich totschafft. Parkt auch gerne mittags mal seinen Laster zu Hause und verbringt die Mittagspause dort.
Ihr Nachbar wird es aber gar nicht lustig finden, dass Sie ihn hier so in die Pfanne hauen. - Zum Thema: zu jedem Beruf gehört neben Fähigkeiten und Fertigkeiten auch eine gewisse physische Eignung. Und die muss oft auch nachgewiesen werde, z.B. in der Lebensmittelindustrie. Aber inwieweit jemand psychisch im Laufe der Zeit mit seinem wechselnden Berufsleben zurecht kommt, kann vorher nicht getestet werden. Jeder muss eine Balance finden, wo und wie er seine Kräfte einsetzt und verbraucht.
Es geht hier nicht um uns beide. Mindestens auch gleich um Eltern, Frau, Kinder, Kindeskinder, Freunde, Verwandte, Bekannte - für uns und alle anderen ist es eine permanente Aufgabe, die Balance zu suchen, zu finden und zu bewahren - bis zur nächsten Störung, z.B. Krankheiten. Es gibt da kein immer währendes Gefundenhaben.