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"Langsam reisen" - Tourismus der Zukunft?

Nur nicht hetzen: Anhänger der in Italien gegründeten "Slow City"-Bewegung fordern Autoverbote in Innenstädten und die Verbannung von Big Macs und Supermärkten. Ein wichtiger Schritt in die richtige Tourismus-Zukunft? Welche Art zu reisen bevorzugen Sie?
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Nur nicht hetzen: Anhänger der in Italien gegründeten "Slow City"-Bewegung fordern Autoverbote in Innenstädten und die Verbannung von Big Macs und Supermärkten. Ein wichtiger Schritt in die richtige Tourismus-Zukunft? Welche Art zu reisen bevorzugen Sie?
    Die individuelle.
  2. #2

    Wieso Tourismus und Reisen? So wie im Artikel beschrieben geht es doch wohl eher darum, in solchen Städten zu leben.
  3. #3

    Zitat von Carsten31 Beitrag anzeigen
    Die individuelle.

    ...ist doch die Schönste!
  4. #4

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Nur nicht hetzen: Anhänger der in Italien gegründeten "Slow City"-Bewegung fordern Autoverbote in Innenstädten und die Verbannung von Big Macs und Supermärkten.
    Der Spiegel-Artikel bezieht sich wahrscheinlich auf cittaslow - und man sollte sich diese Posse aus dem Munde eines Ex-Bürgermeisters des malerischen Orvieto einmal auf der Zunge zergehen lassen:
    Zitat von Stefano Chimicchi
    "Die Dörfer Montefalco und Bevagna kommen der perfekten Stadt schon ziemlich nahe"
    Wenn in seinem Weltbild die Langsamkeit dörflich=abgeschiedenen Lebens einer "perfekten Stadt" nahekommt, dann sollte man ihn besser nicht allzusehr ernstnehmen...
    Zitat von Sysop
    Ein wichtiger Schritt in die richtige Tourismus-Zukunft? Welche Art zu reisen bevorzugen Sie?
    Dieser Aktionismus des demonstrativen einander-im-Weg-Stehens ist ein Schritt in die falsche Richtung - mag sein, daß auf der relativ kleinen Fläche Orvietos so etwas noch funktionieren kann, nachahmenswert ist es keinesfalls. Im Zweifelsfalle werde ich Orvieto (trotz der wundervollen Fresken Luca Signorellis im dortigen Dom!) von der Liste meiner Reiseziele streichen.
  5. #5

    Zitat von Muffin Man Beitrag anzeigen
    Dieser Aktionismus des demonstrativen einander-im-Weg-Stehens ist ein Schritt in die falsche Richtung - mag sein, daß auf der relativ kleinen Fläche Orvietos so etwas noch funktionieren kann, nachahmenswert ist es keinesfalls. Im Zweifelsfalle werde ich Orvieto (trotz der wundervollen Fresken Luca Signorellis im dortigen Dom!) von der Liste meiner Reiseziele streichen.
    Ich bin mir sicher, die Bewohner werden diese Entscheidung begrüßen.
  6. #6

    Zitat von Strichnid Beitrag anzeigen
    Ich bin mir sicher, die Bewohner werden diese Entscheidung begrüßen.
    Einige. Andere hingegen wahrscheinlich nicht...
  7. #7

    Hallo,
    einmal im Jahr kommt man auch in Brüssel in den Genuß der autofreien (=langsamen) Stadt. Der dritte Sonntag im September ist "le dimanche sans voiture".
    Was soll ich sagen? Es ist PARADIESISCH.

    Unsere Nachbarstraße stellt Tische auf die Straße und sperrt mit Luftballons ab. Dann wird den ganzen Tag gefeiert - aber nicht mit Lautsprechern und Elektromusik, sondern mit Ziehharmonika und gegen Abend eigenem Gesang; ich hab's kaum glauben wollen und kam mir vor wie 1950 :-)
    Die Polizei patrouilliert auf dem Fahrrad (die einzigen Belgier mit Fahrradhelm. ansonsten erkennt man an diesem Accessoire Zugezogene aus Deutschland...).
    Ab acht Uhr morgens sind Familien und Kinder-, Alten- und sonstige Gruppen mit dem Fahrrad unterwegs; man trifft auf Vierjährige, die endlich, endlich einmal ohne Sorge MITTEN auf der Straße fahren können und das aus vollem Herzen genießen, auf Einmal-im-Jahr-Fahrer, die bei der kleinsten Unebenheit im Straßenbelag gleich ins Schwanken geraten und auf Uralte, denen es vielleicht sonst eine Nummer zu rasant zugeht im Straßenverkehr.
    Man sieht Dreiräder, Kettcars, Skateboards und alles, was Räder, aber keinen Motor hat, munter durcheinanderfahren.
    Keiner hupt, keiner knattert, keiner läßt den letzten Superhit mit 120 dB aus dem offenen Autofenster schallen.
    Es herrscht Festtagsstimmung.
    Der Verlust an Schnelligkeit wird durch einen Zugewinn an Muße, Frieden, Ruhe und Gelassenheit ausgeglichen.

    Es ist der schönste Sonntag im Jahr.

    Ich kann nur jedem Gegner der autofreien Stadt empfehlen, am dritten Sonntag im September nach Brüssel zu kommen (mit dem Zug!).

    In Istanbul hat man Ähnliches auf den Prinzeninseln - 365 Tage im Jahr. Der Effekt ist ähnlich.

    Allerbeste Grüße,

    Eva
  8. #8

    Stadt der Zukunft -- So sieht sie aus

    Also ich arbeite als Projektleiter für einen großen Automobilzulieferer, baue seit ca. 10 Jahren Standorte weltweit auf, optimiere Prozesse und organisiere Produktionsverlagerungen.
    Letztlich geht es bei meinem Job nur noch um "schneller", "günstiger" und "mehr". Darum geht es ja weltweit nur noch.
    Ein Rennen, das die Allermeisten nur noch verlieren können und werden. Ende des Runs ist heut' schon definiert. Nur noch wenige Produzenten für einen weltweiten Markt, ziemlich die gleichen oder sogar die selben Einheitsprodukte, alle sprechen englisch, alle denken gleich, alles Mainstream. Wer nicht mitmacht, nicht schritthält, verliert. Im Kleinen wie im Großen. Jeder Arbeitnehmer wie jeders Unternehmen, jede Kommune wie jedes Land.

    Ist das das Ziel des Lebens?

    Genau, was ich in diesem Artikel gelesen habe, ist bereits ein Gedanke, der seit Jahren in mir reift. So sehe ich auch ein erstrebbares Ziel. Regionalität (bspw. Arbeitsmarkt, Produkte, Vertrieb) Regionale Verantwortung für "seine Bevölkerungsschichten" (möglichst Zuwanderungsfrei) Das heißt nicht, daß es nicht auch überregional agierende Unternehmungen und Organisationen geben muß. Aber hier muß genau der Gesetzgeber Sinn von Unsinn unterscheiden. Was regional herstellbar, vertreibbar und organisierbar ist, muß auch so organisisert werden, was darüber hinaus geht, dann in der nächst größeren Einheit.

    Der Zusammenhalt in der Gesellschaft wächst massiv.
    Annonymität in der Gesellschaft wird natürlich schwierger, aber jeder ist dafür auch mehr ein Teil einer gewachsenen Gesellschaft, fällt nicht mehr so leicht raus, wird nicht mehr zum Pychopathen oder Ammokläufer.

    Lokale Sprachen bleiben am Leben. Ich als Ostfriese, sehe, wie das Plattdeusch gerade stirbt und spätestens in zwei Generationen bereits Ggeschichte ist.

    Lokale Werte werden von weltweiten übersteuert. Nebenbei werden ja auch die weltweiten Werte vorallem übers Fernsehen massiv beeinflußt! Dabei sind gerade hier in Deutschland die lokalen, aber gerade "uncoolen" Werte deutlich wertvoller als die übers Fernsehen suggerierten.

    Genauso dieses dämliche "Denglisch". Es wird halt suggeriert, daß das aber "Cool" ist. Nüchtern betrachet völlig idiotisch!

    Naja, dieses Forum wird diesen "RUN" wohl nicht mehr aufhalten. Ich "renne" halt mit, bring' meinem Sohn aber noch "plattdeutsch" bei, und versuche ihn dann von der Notwendigkeit und dem Schwachsinn dieses Stebens zu überzeugen. ;-)
  9. #9

    Zitat von Constantinopolitana Beitrag anzeigen
    Der dritte Sonntag im September ist "le dimanche sans voiture".
    Was soll ich sagen? Es ist PARADIESISCH.
    Es klingt sehr schwärmerisch, was Sie hier schreiben; und was für einen Tag im Jahr den Anwohnern reizvoll erscheinen mag, würde auf Dauer die Lebensqualität durchaus trüben. Denn die mit Vergnügen mitten auf der Straßen radelnden Vierjährigen würden Ihre Nachbarschaft kaum mit Lebensmitteln, Getränken, Leuchtmitteln, Musikinstrumenten etc. versorgen - die Reservierung der VERKEHRSWEGE für LIEFERANTEN und KONSUMENTEN hat sich durchaus bewährt...

    Gewiß: Auch in der Schweiz gibt es einzelne vollkommen autofreie Ortschaften, gerade dort, wo ein kleines Dorf zwischen Berghang und Seeufer eingeklemmt ist, so daß aus topographischen Gründen sowieso keine Straße hinführt.

    Die per Dekret autofreie und verlangsamte Stadt hingegen bedeutet zumeist eine Verödung des Innenstadtbereiches (Siegen mag als mustergültiges Beispiel dienen, aber auch kleinere Ortschaften sind dank Umleitung des Durchgangsverkehrs auf eine Umgehungsstraße nebst Unterbrechung der bisherigen Verkehrsachse zur Sackgasse mit Fußgängerzone auf dem besten Wege, touristisch unattraktiver zu werden - Sulingen etwa) - was jenen doch auch flächenverbrauchenden Shopping-Malls auf der grünen Wiese um so mehr Kundschaft sichert...

    Selbst Lübeck hat es schmerzlich einsehen müssen, daß die Verbannung des Autoverkehrs dem Ortszentrum KEINEN Gefallen erweist.


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