Forum


 

Landflucht - muss die Politik mehr zur Förderung der Regionen tun?

Die jungen, karriereorientierten Deutschen drängen in die Metropolen. Dort wird Wohnraum knapp, entsprechend steigen die Mieten, soziale Schieflagen sind programmiert. Muss die Politik als Antwort mehr für die Förderung der Regionen tun?
  1. #1

    Ja

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die jungen, karriereorientierten Deutschen drängen in die Metropolen. Dort wird Wohnraum knapp, entsprechend steigen die Mieten, soziale Schieflagen sind programmiert. Muss die Politik als Antwort mehr für die Förderung der Regionen tun?
    Die Landbevölkerung wird in Zukunft die den Städten zuarbeitenden sein. Die Frage ist als "Nichtverdienende unter der ökonomischen Knute der Städte" oder als Gleichberechtigte in gleicher Augenhöhe.
  2. #2

    Tod auf Raten

    Ländliche Räume funktionieren nicht nach den globalen Marktprinzipien. Vielmehr ist ein Marktversagen festzustellen, wenn man Kosten im Verdichtungsraum mit weiträumiger Fläche und deren Infrastrukturkosten vergleicht.
    Das Thema der lokalen Ökonomie, das auf die speziellen Wettbewerbsbedingungen eingeht, wird sowohl von der politischen Elite und von ihr zu verantworteten Regelwerken als auch von der Wissenschaft und den Medien ignoriert und vernachlässigt. In der EU wird Daseinsvorsorge durch Wettbewerb ersetzt. Wie sollen renditeorientierte, börsennotierte Unternehmen bei gerin-gen Gewinnmargen bereit sein, ländliche Räumen zu unterstützen in ihrem Bemühen, ihre Le-bensqualität in der teils weiträumigen Fläche zu erhalten? Für eine emotionslose, betriebswirt-schaftliche Denkweise ist die "kalte Sanierung" schrumpfender Dörfer eine logische Folge, ob-wohl die gleichwertige Lebensqualität Verfassungsrang hat.
    Vielmehr wird allenthalben das Prinzip des "Regionalkolonialismus" praktiziert und akzeptiert: die ländlichen Räume sind Zulieferer für die Ballungsräume. Sie liefern "Humankapital" mit den täglichen Pendlerströmen und gut ausgebildeten Schulabgängern mit Hochschulreife zur Stei-gerung des BIP. Sie liefern unbezahlte oder in der Regel unterbezahlte Gemeingüter wie sau-beres Trinkwasser, naturnah erzeugte Lebensmittel und preiswerte Naherholungsräume. Sie liefen Klimaschutz und unentgeltlich Sauerstoff und funktionieren zugleich als CO2-Senke ohne Wertausgleich, während in der Industrie Emissionshandel mit Wertschöpfungskomponenten blüht. Schließlich sollen die ländlichen Räume zukünftig vermehrt als Standort dienen für die Erzeugung regenerativer Energien. Die Beteiligung an der Wertschöpfung wird ihnen juristisch entweder erschwert oder unmöglich gemacht. Im Sinne des Wettbewerbsrechts sind Ihnen auch in diesem Falle Subventionen und Beihilfen verboten.
    Breitbandinvestitionen für schnelles Internet, das für Dienstleistungsbranchen unverzichtbar ist, unterbleiben durch die börsennotierte Telekommunikationsunternehmen und müssen stattdessen kommunal finanziert werden, um Arbeitsplätze zu sichern und Arbeit wieder zu den Menschen zu bringen. Arbeiten wo andere Urlaub machen, wird es ermöglichen, dass Menschen gegen den morgendlichen und abendlichen Verkehrsstau fahren um Familienqualität und Sozialgefüge wieder gewinnen und klimaschädliche Abgase vermeiden helfen.
    Wirtschaftsdenker und Wirtschaftslenker wissen sehr wohl, dass Kapital immer der höchsten Rendite zu folgen hat, riskieren aber zugleich, durch ihre Standortwahl viele Innenstädte an Ab-gasen und Feinstaub ersticken zu lassen. Ist es verwunderlich, dass die Politik gewillt ist, mit Innenstadtmaut zu reagieren und Umweltzonen mit Fahrverboten zu belegen.
    Schadstoffbelastete Nahrungsmittel erhöhen die Nachfrage nach naturnah erzeugten Produkten aus dem ländlichen Raum, wo zugleich niedrige Lebenshaltungskosten und bezahlbare Immo-bilienpreise als Gegenrechnung aufgestellt werden können, wenn die Berechnung der Arbeits-platzkosten kritisch und nachhaltig vorgenommen werden würde.
    Regionalfonds nach dem Muster des ehemaligen Marshallplans mit Niedrigzinsen und langen Laufzeiten unter lokaler Zuständigkeit eines Regionalmanagements anstelle bürokratischer Gängelei und verlorener Zuschüsse durch diskriminierende Fördertröpfe und Kapitalinfusionen könnten Chancen öffnen, wenn es politisch und strukturell gewollt wäre.
  3. #3

    Tod auf Raten

    Meine Lebenserfahrung sagt mir: Bäume wachsen nicht in den Himmel. Die urbane Arroganz wird die Akteure in den Metropolregionen wieder auf den Boden holen. Die ländlichen Räume werden ihre Kraft nutzen und gegen die Strukturen der Kolonialherren aufbegehren. "Empört euch!" heißt es aktuell und wird auch in diesem Bereich das Motto der ausgebeuteten Wut-Bürger in den ländlichen Räumen sein. Ideen und intellektuelle Fähigkeit sind vor Ort ausrei-chend vorhanden. Nirgendwo trägt das ehrenamtliche Engagement vergleichsweise stärker als hier zur Lebensqualität bei. Man muss nur lassen wollen. Können und machen ginge schon jetzt.
  4. #4

    Auf keinen Fall

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die jungen, karriereorientierten Deutschen drängen in die Metropolen. Dort wird Wohnraum knapp, entsprechend steigen die Mieten, soziale Schieflagen sind programmiert. Muss die Politik als Antwort mehr für die Förderung der Regionen tun?
    Am besten die Politik hält sich aus dieser Entwicklung raus. Wenn sie überhaupt etwas tun will, dann regelt sie den geordneten Rückzug aus der Fläche und hört auf von gleichen lebensbedingungen überall im Lande zu faseln.
  5. #5

    Tod auf Raten

    Dem Vorschlag, die ländlichen Räume durch politische Enthaltsamkeit kalt zu sanieren, sollte mit dem Hinweis begegnet werden, dass urbane Arroganz sich umkehren wird, wenn Städte im Lärm, Abgase und Feinstaub ersticken und Naherholung nicht zur Verfügung steht.
    Hochmut kommt vor dem Fall.
    Die Ressourcen der ländlichen Räume in einer fairen Partnerschaft statt in einer rücksichtslosen Ausbeutung zu nutzen, sollte Ziel der Politik sein. Nicht Heraushalten, sondern gestalten ist das Thema.
  6. #6

    ya

    Wenn sie nicht mehr zur
    Förderung der Regionen tun,könnte die Gesellschaft nicht wirklich gerecht!
  7. #7

    Hin und Her

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die jungen, karriereorientierten Deutschen drängen in die Metropolen. Dort wird Wohnraum knapp, entsprechend steigen die Mieten, soziale Schieflagen sind programmiert. Muss die Politik als Antwort mehr für die Förderung der Regionen tun?
    Vor einigen Jahren hieß das Thema: Städteflucht-entvölkern unsere Innenstädte?
    Also ist auch dieses Zeitzeichen vergänglich, weil der Mensch schon immer zu neuen Jagdgründen aufgebrochen ist. Die, die jetzt wieder in die Städte drängen, profitieren letztendlich von der ehemaligen Massenflucht. Auch hat es sich herauskristallisiert, dass in der Stadt die Wege kürzer sind, Internet schneller und auch schon mal die LM-Preise günstiger sind. Also insgesamt sind die lebenshaltungs-/führungskosten geringer, und durch die städtebaulichen Innovationen auch attraktiver im verhältnis zu den vorzügen des Landlebens, welches immer mehr zum Art deco es sich leisten könnender Beau vivens wird. Ergo eher Geschmacks- als Abwägungssache.
  8. #8

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die jungen, karriereorientierten Deutschen drängen in die Metropolen. Dort wird Wohnraum knapp, entsprechend steigen die Mieten, soziale Schieflagen sind programmiert. Muss die Politik als Antwort mehr für die Förderung der Regionen tun?
    Als vor geraumer Zeit die Stadtflucht ansetzte, sprach auch niemand von Förderung der Städte.

    Warum soll jetzt der Weg zurück den Regionen Geld bringen?

    Warum muss man eigentlich alles und vieles in D fördern? Wohin das führt, zeigen u.a ja die Energiepreise (Kohlepfenning!!!)

    Der Markt regelt sich, wie das Beispiel Stadt-/Landflucht ja zeigt.
  9. #9

    Geschenke! Geschenke!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die jungen, karriereorientierten Deutschen drängen in die Metropolen. Dort wird Wohnraum knapp, entsprechend steigen die Mieten, soziale Schieflagen sind programmiert. Muss die Politik als Antwort mehr für die Förderung der Regionen tun?
    Kaum hat der Montgomery mehr politischen Einfluss und mehr Geld für die Ärzteschaft gefordert bei Amtsantritt, schiebt ihm die FDP auch schon die Blumen rüber: Lockgelder für Landärzte, und die KVen können zur Steuerung der Praxendichte Altpraxen aufkaufen. Na, das ist die stattlich verordnete Altersvorsorge, nach der sich Opel Fließbandarbeiter und Andere immer gesehnt haben, aber außer rentenkürzung durch die Hintertür nichts draus wurde. Hier bekommt Klientelpolitik den Ritterschlag! Aaber: man könnte ja auch sagen, dass es sich um einen politischen schachzug erster Güte handelt, ergibt sich eine win-win-Situation: Montys Bauch gepinselt, und sich als bürgerfreundlich dargestellt- Danke an die Strategen!








TOP



TOP