Ich fürchte, Sie haben Recht. In zahlreichen Untersuchungen wurden z.B. bei Gewalttätern Abweichungen von der Norm im Serotoninhaushalt festgestellt, ganz analog zu denen, die bei depressiven Patienten auftreten.
Und dann gibt es da noch jene finnische Untersuchung, bei der man herausfand, dass mehr als die Hälfte der jugendlichen Gewalttäter Mütter hatte, die an Bipolaren Störungen (früher sagte man "Manische Depressionen") litten. Es gelang sogar den Rezeptor zu bestimmen, wo jene ungünstigen Allele auftreten, die nur geschlechtskreuzend vererbt werden und in Zusammenhang mit den Geschlechtshormonen offenbar unterschiedliche Folgen für das Verhalten der Person begünstigen.
Aber wir sollten uns davor hüten, jegliche Gewalt in einen Topf zu schmeißen. Ich hatte in meinem Ausgangsbeitrag schon jene Gewalt in Kriegen oder bei Völkermorden genannt, sozusagen "Gewalt auf Gesetz oder Vorschrift". Auch jene Gewalt wie sie bei Sexualtätern oder Serienmördern zu Tage tritt, ist eine andere Kategorie.
Wo Ihre Aussage aber voll zutrifft, dass ist jene Langeweile- und Kick-gewalt. Aber statt Morphium würde ich da eher an etwas denken wie: Die Langeweile durch POSITIVE Kicks vertreiben. Die körpereigenen Morphine werden ja durchaus auch bei ihnen hergestellt, nur im Ruhezustand eben in zu geringen Mengen.
Das Problem ist, dass die aus der Physiologie der betroffenen Menschen entstehende chronische Langeweile von der Umwelt als Desinteresse, und damit als Widerstand, interpretiert wird. Und jeder Ausbruchsversuch aus der Langeweile - egal welcher Art - dann sofort Sanktionen nach sich zieht (oder zumindest die lauthalsen Forderungen danach), anstatt frühzeitig zu unterscheiden, ob die Kick-Suche-Versuche in eine Richtung gehen, die gesellschaftlich tragbar ist oder eben nicht, wie eben Gewaltanwendung auf andere Menschen.



