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Ist der Stierkampf mehr als nur Tierquälerei?

Mit "Tod am Nachmittag" schuf Ernest Hemingway für das Phänomen Stierkampf ein literarisches Denkmal, doch die Diskussion über das archaische Tötungsritual dauert schon Jahrzehnte an. Ist die Corrida eine gänzlich überholte, voyeuristischen Veranstaltung zur Gewaltverherrlichung oder das Sinnbild für das Verhältnis des Menschen zur Schöpfung? Ist der Stierkampf mehr als nur Tierquälerei?
  1. #10

    Stierkampf ist Heimat!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mit "Tod am Nachmittag" schuf Ernest Hemingway für das Phänomen Stierkampf ein literarisches Denkmal, doch die Diskussion über das archaische Tötungsritual dauert schon Jahrzehnte an. Ist die Corrida eine gänzlich überholte, voyeuristischen Veranstaltung zur Gewaltverherrlichung oder das Sinnbild für das Verhältnis des Menschen zur Schöpfung? Ist der Stierkampf mehr als nur Tierquälerei?
    Stierkampf ist schon mal eine schlechte Übersetzung des eigentlichen Treibens. Er ist die Weiterführung eines über tausendjährigen Kultes um den Stier, der Stier ist nicht das Opfer der Corrida sondern ihr Grund und Zweck. Nicht umsonst hat er Literaten, Maler, Bildhauer, Musik, Tanz und Fußballer (!) inspiriert. Das Ritual umschließt den Tod, etwas womit viele Probleme haben, das ist aber nichts Neues. Wer Millionen von Tieren täglich tötet, die nie eine Leben hatten, kritisiert dann den Stierkampf. Der Stier hat ein Leben in Freiheit und lebt als das wilde Tier, das er ist, bis zum Tag der Corrida, wo er eine Chance erhält, seinen Gegner aufzuspießen, wenn dieser einen Fehler macht. Ihm diese Möglichkeit zu geben, ist Ausdruck für Respekt und nicht Missachtung. Wie kann man einen Stierkämpfer als Mörder beschimpfen, sind Metzger auch Mörder? Die Heuchelei ist immens. Wie wäre es die Tradition einmal wirklich so darzustellen wie sie ist? Das gelingt nicht einmal mehr dem Spiegel, dessen Reporter sogenannten Tierschützern auf den Leim gegangen sind, die Lügen über Aufzucht und Behandlung der Tiere verbreiten. Der Stierkampf war schon immer kontroversiell, doch ist seine Verwurzelung in der mediterranen Kultur allgegenwärtig, und in Spanien hat man ihn zu einer Kunstart entwickelt. Während des Kampfes ist der Stier von seinem eigenen Adrenalin betäubt und geschieht sein Tod nicht rasch, kostet es den Torero die Ehre. Der Toro wird nicht in stinkenden Schlachthöfen am Fließband hinterrücks getötet, sondern findet den Tod von der Hand eines Toreros, der sein Leben dem Stier gewidmet hat.. Viva la fiesta brava!
  2. #11

    Zitat von spitzbube Beitrag anzeigen
    Stimmt.



    Wir sind allerdings auch nicht besser: unsere Massentierfabrikation ist nichts anderes als übelste Tierquälerei. Und ob es in deutschen Schlachthöfen unbedingt "humaner" zugeht als in einer spanischen Stierkampfarena, wage ich zu bezweifeln.
    Es kommt sicherlich vor, hoffentlich selten, daß Leute, die in einem Schlachtbetrieb arbeiten, Spaß am Töten von Tieren haben.

    Was aber hier, in D, nicht vorkommt, und auch hoffentlich niemals vorkommen wird, ist, daß diese Schlachterei vorher mit stundenlanger Tierquälerei verbunden und öffentlich in Arenen oder im TV als Volksbelustigung durchgeführt wird, und die Schlachter, die das Rind am meisten quälen, als Volksheld bejubelt werden.
  3. #12

    Danke

    Zitat von alop Beitrag anzeigen
    Stierkampf ist schon mal eine schlechte Übersetzung des eigentlichen Treibens. Er ist die Weiterführung eines über tausendjährigen Kultes um den Stier, der Stier ist nicht das Opfer der Corrida sondern ihr Grund und Zweck. Nicht umsonst hat er Literaten, Maler, Bildhauer, Musik, Tanz und Fußballer (!) inspiriert. Das Ritual umschließt den Tod, etwas womit viele Probleme haben, das ist aber nichts Neues. Wer Millionen von Tieren täglich tötet, die nie eine Leben hatten, kritisiert dann den Stierkampf. Der Stier hat ein Leben in Freiheit und lebt als das wilde Tier, das er ist, bis zum Tag der Corrida, wo er eine Chance erhält, seinen Gegner aufzuspießen, wenn dieser einen Fehler macht. Ihm diese Möglichkeit zu geben, ist Ausdruck für Respekt und nicht Missachtung. Wie kann man einen Stierkämpfer als Mörder beschimpfen, sind Metzger auch Mörder? Die Heuchelei ist immens. Wie wäre es die Tradition einmal wirklich so darzustellen wie sie ist? Das gelingt nicht einmal mehr dem Spiegel, dessen Reporter sogenannten Tierschützern auf den Leim gegangen sind, die Lügen über Aufzucht und Behandlung der Tiere verbreiten. Der Stierkampf war schon immer kontroversiell, doch ist seine Verwurzelung in der mediterranen Kultur allgegenwärtig, und in Spanien hat man ihn zu einer Kunstart entwickelt. Während des Kampfes ist der Stier von seinem eigenen Adrenalin betäubt und geschieht sein Tod nicht rasch, kostet es den Torero die Ehre. Der Toro wird nicht in stinkenden Schlachthöfen am Fließband hinterrücks getötet, sondern findet den Tod von der Hand eines Toreros, der sein Leben dem Stier gewidmet hat.. Viva la fiesta brava!
    für den Beitrag.
    Nicht nur, dass Kampfstiere ein unvergleichlich artgerechteres Leben führen dürfen als unsere Schlacht - Nutztiere.
    So chancenlos sind sie auch nicht.nicht.

    Stierkampf Unfälle bilder - Google-Suche

    Die Katalonen haben den Stierkampf übrigens nicht wegen ang.Tierquälerei abgeschafft, sondern weil er zu spanisch ist.
    Seltsam, dass ausgerechnet wir, mit Hühner - Schweine - und Rinderhaltung nicht gerade vorbildlich, uns mittlerweile überall, wo das deutsche Wesen nicht zu entdecken ist, glauben uns einmischen zu müssen.
    Dass die Reiterei mit Tierquälerei ( Barren etc. ) und Doping bei den deutschen Töchtern trotzdem mit Tierliebe verwechselt wird, ist eher
    einem Informations / Bildungsmangel zu danken.
    Hat sich darüber schon eine andere Nation aufgeregt ?
    Ich freue mich auf die kommende Corrida - Saison und auf das qualitätsmässig unerreichbare Stierfleisch.
  4. #13

    Zitat von KPunkt Beitrag anzeigen
    Was aber hier, in D, nicht vorkommt, und auch hoffentlich niemals vorkommen wird, ist, daß diese Schlachterei vorher mit stundenlanger Tierquälerei verbunden und öffentlich in Arenen oder im TV als Volksbelustigung durchgeführt wird...
    Aha. Daß das Leben der Viecher eine einzige Quälerei ist und Viehtransporte als Viecherei zu bezeichnen geradezu verniedlichend ist, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt. Hauptsache es wird "human" getötet.

    Ganz ehrlich: da ziehe ich einen Braten von einem Tier vor, daß auf der Wiese weiden und gut leben durfte, auch wenn es dann geschächtet wurde.
  5. #14

    Mit den Augen Europas blickt ihr

    Zitat von chirin Beitrag anzeigen
    Nein, er ist Matchogehabe und nackte Tierquälerei und ich verrate nichts besodneres, deshalb würde ich nie in Spanien Urlaub machen.
    nach Iberien, um ein wichtiges Thema wiederholt zu diskutieren, nur
    Frau Chirin, ausgerechnet von Ihnen sind wir Foristen jahrelang
    mit niveauvolleren Kommentaren verwoehnt worden, hier machen
    Sie es sich eindeutig zu einfach, ich sage es mal so, die Steglitzer
    Perspektive auf eine Sie fremde Welt: Es geht um Spanien und die
    toros, d.h. um den Stierkampf als Teil der spanischen Kultur und - von
    jeher umstrittenen - Ausdruck einer kulturellen Identiaet.

    "In Spanien selbst ist der Streit um die Toros ganz und gar nicht neu.
    Er ist so alt wie der Stierkampf selbst."

    Schoen waere es, wenn einmal die Chance ausfuehrlich genutzt
    wuerde, diesem Wesen wirklich auf den Grund zu gehen, ich fuerchte nur Spon wird erst wieder bei der Fiesta von Pamplona Genaueres be-
    richten, wenn es dort jeden Morgen rund geht, alte Vorurteile muehsam bedient und abgearbeitet werden.
    Lorenz Holzhaeuser hat sich sich bereits vor ueber 20 Jahren auf den
    Weg nach Spanien gemacht (TOROS, TORREROS Zitat s.o.), um sich
    vorbehaltlos an dieses Thema zu wagen.
    Es selbst stellt sich derselben Frage: Er stellt den Stierkampf als ein
    soziales Ereignis dar, zutiefst verwurzelt in der Geschichte Spaniens,
    eine fremde Welt der Stiere mit ihren Mythen, strengen Gesetzen und
    und wilden Festen.

    "Niemand glaubt, dass er ein Recht hat zu toeten, nicht einmal ein
    Torero. Es ist eine andere Denkweise". (s.o. aus einem Interview mit
    Antonio Lozano, Matador de toros.)
  6. #15

    Zitat von spitzbube Beitrag anzeigen
    Aha. Daß das Leben der Viecher eine einzige Quälerei ist und Viehtransporte als Viecherei zu bezeichnen geradezu verniedlichend ist, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt. Hauptsache es wird "human" getötet.

    Ganz ehrlich: da ziehe ich einen Braten von einem Tier vor, daß auf der Wiese weiden und gut leben durfte, auch wenn es dann geschächtet wurde.
    Bravo, sie edler Tierfreund.
    Aber wie wäre es denn mit einem Tier, das ein gutes Leben auf der Weide hatte, und dann human, kurz und schmerzlos getötet wurde?
    Kein Interesse?
  7. #16

    Seltsam, dass ausgerechnet wir, mit Hühner - Schweine - und Rinderhaltung nicht gerade vorbildlich, uns mittlerweile überall, wo das deutsche Wesen nicht zu entdecken ist, glauben uns einmischen zu müssen.
    Dass die Reiterei mit Tierquälerei ( Barren etc. ) und Doping bei den deutschen Töchtern trotzdem mit Tierliebe verwechselt wird, ist eher
    einem Informations / Bildungsmangel zu danken.
    Hat sich darüber schon eine andere Nation aufgeregt ?
    Ich freue mich auf die kommende Corrida - Saison und auf das qualitätsmässig unerreichbare Stierfleisch.[/QUOTE]

    Klar.
    Niemals einmischen.
    Machen wir ruhig weiter mit Transport von lebenden Tieren, quer durch Europa.
    Essen wir ruhig weiter Gänsestopleber, oder, besser noch, Blutenten, die einen schönen, langsamen Ertsickungstod sterben, damit das Blut im Körper bleibt und eine schöne Sauce gibt.
    Auch das ist jahrhunderte alte Tradition.
    Und schmeckt gut.
    Aber muss man das gut heißen?

    Und dann dieser dumme Einwand: Reiterei, Viehaltung etc.
    Ist dumme, brutale , ekelhafte Tierquälerei tatsächlich statthaft, wenn andere Missstände vorherrschen?
    Ist dumme, brutale , ekelhafte Tierquälerei tatsächlich statthaft,
    nur weil es Tradition ist?
    In dem Falle: Ab sofort freie Fahrt für alle Walfänger.
    Weg mit den Fangquoten.
  8. #17

    Zitat von alop Beitrag anzeigen
    .......Der Toro wird nicht in stinkenden Schlachthöfen am Fließband hinterrücks getötet, sondern findet den Tod von der Hand eines Toreros, der sein Leben dem Stier gewidmet hat.. Viva la fiesta brava!
    Sollte aber der Stier diesen ehrlichen Kampf scheinbar gewinnen, dann kommen tapfere Hilfsschlächter und bringen diesen eigentlichen Sieger um........ damit wird der große Plan, sein Leben dem Stier zu opfern torpediert...... Scheiße aber auch;o).

    MfG. Rainer
  9. #18

    Die Ethik des Kapitalismus

    Zitat von mmcme1 Beitrag anzeigen
    Der Stierkampf ist ein perverses Treiben. Man kann es nicht anders bezeichnen, wenn Menschennmassen einem derart sadistischen Treiben zujubeln. Wir wissen alle, dass der Stier im Kampf Mann gegen Stier dem Matadore weit überlegen wäre, jedoch scheint der Reiz der zu sein, dass der Stier einfach wehrlos und ausgeliefert ist. Wie gern ich dem Stier verständlich machen würde, dass er doch bitte mal dieses bescheuerte rote Tuch ausser Acht lässt und sich dem Stierkämpfer, dem Sadisten, seinem Peiniger annimt und dem ganzen Blödsinn ein Ende macht! [...]
    Die moralische Verurteilung des Stierkampfes vermischt zweierlei, wie obiges Beispiel gut verdeutlicht. "Offiziell" wird er als Tierquälerei angeprangert, wobei allerdings zu recht eingewendet wird, dass er damit weder nach Qualität noch nach Quantität eine herausragende Rolle in der Welt einnimmt, sondern in globaler Sicht nur ein unbedeutendes archaisches Relikt darstellt.

    Die wahre Empörung liegt aber viel tiefer. Sie besteht in dem moralischen Entsetzen, dass Menschen sich am Töten (und das nicht nur von Tieren) offensichtlich ergötzen und das auch noch in einer öffentlichen Form. Doch auch dieses Argument wäre zu schwach, denn diese Leidenschaft wird ebenso durch zahllose "Kulturerzeugnisse" befriedigt, mit dem Unterschied, dass in Filmen derartiges "nur" dargestellt und gegebenenfalls mit vorgeschobener Moral verbrämt wird. Doch ohne das "prickelnde" Vergnügen am Kampf um Leben und Tod wäre selbst ein "sportlicher" Boxkampf eine öde Angelegenheit. Denn auch ein K.O. ist ein symbolischer Tod des Gegners.

    Im Unterschied dazu macht der Stierkampf Ernst mit tödlichem Spiel. Wer sich darüber echauffiert, muss sich fragen lassen, ob sich seine Kritik nicht gegen die menschliche Natur und ihre Motive richtet. Und ob die zur Schau gebrachte menschliche Überlegenheit dem verborgenen Treiben in den Schlachthöfen moralisch unterlegen ist.

    Die Frage der Tierquälerei ist jedoch vorgeschoben, denn Motive spielen für das Ausmaß der Qual keine Rolle. Ist eine Quälerei denn dadurch gerechtfertigter, dass sie aus Profitstreben (und nicht aus Lust) erfolgt? Fast scheint es so, als bestünde genau darin die Ethik des Kapitalismus: das Primat der Lust am Profit.
    ;)
  10. #19

    Jagd eben ...

    Der Stierkampf ist nichts anderes als die weltweit übliche Jagd. Ob als Treibjagd, als Jagd im Tarnzelt, oder die Jagd per Falke usw.

    Jegliche Jagd ohne das Ziel der notwendigen (!) Nahrungsbeschaffung befriedigt gewisse soziale Gelüste des Jägers, wenn auch auf andere Weise und mit unterschiedlicher Beurteilung durch Nichtjäger.

    In sofern würde ich den Stierkampf nur an die Spitze der abzulehnenden Jagdmethoden setzen, obwohl eine "gute" Fuchsjagd mit Sicherheit ähnlich abstoßend ist, wenn man sich in den gehetzten Fuchs hineinversetzt.

    Allerdings müssen Jäger auch damit leben, entsprechend angefeindet zu werden. Ich für meinen Teil klatsche jedes Mal dem Stier Beifall, der mal wieder einen Torrero aufgepießt hat, oder mit einem beherzten Sprung über die Absperrung auf die Tribüne springt, und unter den Zuschauern durch die Reihen wütet.
    Gleiches Recht für alle sozusagen.


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