Forum: Panorama
Gentests - ist es ethisch verwerflich, jeden Fötus auf Erbkrankheiten zu untersuchen?
Immer sicherer, schneller, effizienter: Mit Gentests können heute pränatale Tests an Embryos leichter vollzogen werden. Natürlich will jedes Elternpaar möglichst ein gesundes Kind großziehen. Aber ist es ethisch generell korrekt, jeden Fötus auf Erbkrankheiten zu untersuchen?
- #1 09.06.2012 10:30 von
Hanse-Merkur-Preis für Berliner Verein DermaKids
Eine genetisch begründete Krankheit ist Epidermolysis bullosa.
Der Berliner Verein DermaKids e. V. wurde für sein Engagement zu Gunsten der "Schmetterlingskinder" mit dem Hanse-Merkur-Preis ausgezeichnet.
Lest hier:
Wer wir sind* - *DermaKIDS*
oder hier:
Round Table SchmetterlingsKIDS, Willkommen - Wir sehen uns in Weiden! -
oder fragt:
Die "Waisen der Medizin" - wie man sie auch nennt - zu diesem Thema! - #2 18.06.2012 18:13 von
- #3 19.06.2012 00:48 von
Betreuung würde auch schon helfen
Natürlich haben Eltern Angst vor kranken Kindern - es ist ja oft schon schwer genug, mit gesunden Kindern klar zu kommen.
Kita-Plätze für wirklich massiver behinderte Kinder sind kaum zu finden, viele Integrationsplätze eher von ADHS-Kindern besetzt, oder bei Schwerhörigkeit und verzögerter Sprachentwicklung.
Und man weiß ja auch, dass auch behinderte Kinder älter werden - und ihre Eltern ebenso. Wo die Mutterliebe vielleicht noch reicht, sein gesamtes Leben für das Kind zu opfern, die Berufstätigkeit, die Hobbies, die Freunde - was passiert, wenn die Eltern sich nicht mehr kümmern können? Sollen sich dann Geschwister aufopfern? Oder kommen die Kinder dann in ein Altenheim, spezialisierte Pflegeheime für jüngere Patienten gibt es ja kaum?
Dabei ist alle Vorsorge hinfällig, wenn ein genetisch vollkommen gesundes Kind von einem Auto angefahren wird - und infolge dessen schwerstbehindert wird. - #4 21.06.2012 09:14 von
Konsequenzen
Nicht die Untersuchung ist verwerflich- sondern die Überlegungen als Konsequenz des Resultates! Angenommen, die Untersuchung findet statt, und es wird eine schwerst-mehrfache Behinderung festgestellt. Wie gehen Ärzte und die Eltern damit um, welche Konsequenzen können/dürfen sie ziehen? Ab hier muss der ethisch-moralische Disput ansetzen. Stichwörter: lebenswertes Leben, Euthanasie, Eugenik, Leben mit Behinderung, Integration, um nur Einige zu nennen. - #5 21.06.2012 09:59 von
- #6 21.06.2012 12:30 von
Nur Eugenik
Eugenik ist richtig!
Alles andere (Euthanasie) geht jedoch am Thema vorbei, denn das lautet nicht: "Wie verfahren wir zukünftig mit erbgeschädigten, behinderten Menschen?"
Der immer wieder geäußerte Verdacht, eine Früherkennung von Erbkrankheiten im Embryonalstadium in Verbindung mit einer Abtreibungspraxis hätte Auswirkung auf die soziale Akzeptanz Behinderter (Etwa: "So etwas wie Dich hätten wir abgetrieben!") konnte bisher noch nie bestätigt werden.
Diese Argumentation macht auch wenig Sinn.
Niemand würde sich wissentlich an einer Kerze verbrennen, um dadurch Brandopfer nicht zu diffamieren. Dass jeder Mensch nach Gesundheit strebt, bedeutet nicht, dass er Kranke verachtet.
Selbst wenn man der Ansicht ist, dass auch einem Embryo ein unmittelbarer Lebensschutz zukommt, so kann dieser im Falle einer Erbkrankheit nicht höher ausfallen, als bei einer straffreien Abtreibung aus sozialen Gründen. Beide Gründe sind häufig mit einander verwoben, denn ein krankes Kind stellt seine Eltern auch vor soziale Probleme.
Man stelle sich nur diesen Unsinn vor: die Mutter von 2 Kindern "darf" heutzutage ein 3. Ungeborenes bis zum 3. Monat abtreiben. Nachdem sie einen Gentest hat durchführen lassen, jedoch nicht mehr.
Auch sollte man nicht übersehen, vor welchem Hintergrund diese ethische Debatte geführt wird. Vor den jährlich über 100.000 vorgenommenen straffreien Abtreibungen nach "sozialer Indikation" macht sich die geringe Zahl möglicher genetischer Indikationen (<1%) kaum bemerkbar. Man könnte die ethische Debatte über genetische Indikationen mit gutem Recht als eine "Ausweich- oder Ersatzdebatte" bezeichnen. - #7 22.06.2012 16:40 von
Am Thema vorbei philosophiert
Am Thema vorbei geht eher das Gerede von Krankheit und Gesundheit.
Es geht doch eher um die Einschätzung, ob das Leben mit einer bestimmten Krankheit lebenswert ist, oder nicht.
Wenn dieses Leben lebenswert ist, warum sollten wir es dann vorenthalten?
Aber wie gesagt, es ist halt immer eine "Einschätzung" nach menschlichem Ermessen. - #8 24.06.2012 19:32 von
Vor(ent)haltungen
Ein "Gerede" ist mein Beitrag nicht.
Nein, es geht nicht um die Einschätzung über lebenswertes Leben. Diese Einschätzung kann nur jeder selbst über das eigene Leben vornehmen.
Es geht darum, ob man zukünftigen Eltern eine genetische Untersuchung ihres werdenden Nachwuchses verbieten sollte. Wäre jede Abtreibung zugleich eine Entscheidung über lebenswertes Leben, dann würde man bereits jetzt in Deutschland jährlich 100.000 Kindern ein "lebensunwertes" Leben vorenthalten.
Es geht auch nicht darum, jemandem, der als Person noch gar nicht ist, etwas vorzuenthalten. Nachwuchs betrifft eben auch die Eltern, die jetzt schon entscheiden können, ob sie den Anforderungen, vor die ihr zukünftiger Nachwuchs sie stellt, auch gewachsen sind. Ein Gentest präzisiert dabei die Einschätzung ihrer zukünftigen Anforderungen. Ihnen durch ein Verbot diese Entscheidung abzunehmen, ist eine Vorenthaltung eines selbstbestimmten Lebens. - #9 24.06.2012 21:08 von
Zweierlei Maß?
Entschuldigen Sie meine unüberlegte Äußerung, denn das hängt oft vom aktuellen Gemütszustand ab.
Manchmal bin ich ein Idiot.
Dann müsste man aber auch jedem die Chance geben.
Wie gesagt, ich verstehe das mit der Überforderung der Eltern.
Aber es gibt auch Fälle von überforderten Eltern, die gesunde Kinder hatten die dann verhungert sind.
Bei gesunden Kindern soll der Staat eingreifen, bei Behinderten ist es Schicksal?
Man sollte Betroffene daraufhin ansprechen, inwiefern sie ihr Leben als positiv empfinden, oder nicht.
Da braucht's keinen hohen IQ um die Lebensfreude zu sehen.
Daraufhin könnte man eine Liste "abtreibenswerter" Krankheiten erstellen.
Andererseits denke ich mir, dass ein Fötus ohne Lebenswille und Biographie, eigentlich vollkommen entbehrlich bzw. austauschbar ist.
Den ungeborenen "Makel"-Menschen würde keiner vermissen, und ihm selber wär's wohl auch egal.
Das ist natürlich eine bequeme Argumentation sich dem Problem zu entledigen.
Aber prinzipell würde ich gewisse Krankheiten nicht schlechter stellen, als gesunde Menschen. Sofern es den "gesunden" Menschen überhaupt gibt. Das ist ja ein fließender Übergang.
Es hängt meiner Meinung nach von der Lebensqualität ab.
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