Umweltschonend, sportlich, praktisch: In den großen Städten greifen immer mehr Verkehrsteilnehmer zum Fahrrand. Unter Jüngeren ist sogar ein erheblicher Imageverlust der benzingetriebenen Fortbrwegungsmittel zu beobachten - das Auto ist häufig nicht mehr das Statussymbol per se. Gehört die Zukunft des individuellen Stadtverkehrs dem Fahrrad?
Im Frühjahr wird über die wunderbare Fahradwelt berichtet - auch beim Spiegel. Und wie umweltfreundlich das Rad doch ist und was für wunderbare neue Fahrräder es gibt, die keine 18kg wiegen und was für wunderbare 45-Minuten-Touren man damit machen kann.
Im Sommer dann wird über die Extremradfahrer (die auch mal länger als 45 Minuten fahren) berichtet und was für sagenhafte Touren die teilweise machen. Wenn ich mich recht erinnere dieses Jahr über's Timmelsjoch? Oder war's das Stilfserjoch? Hier bei SPON.
Und regelmäßig im Frühherbst verlangt die werbungzahlende Autolobby dann, dass ab jetzt die Straße gefälligst wieder den Autofahrern vorbehalten bleiben muss - wäre ja auch noch schlimmer, wenn die frisch aus dem Urlaub (und der Deutsche soll gefälligst nur im Urlaub Rad fahren!) zurückgekehrten zuhause auch Rad würden! Schließlich wurden bei allen Aztekenvölkern zusammen pro Jahr keine 600 Menschen (wohl nicht einmal 10) geopfert. Da muss man doch was dafür tun, dass bei uns mindestens über 4000 unseren Göttern geopfert werden.
Wer nach den Sommerferien noch auf Deutschen Straßen mit dem Rad unterwegs ist, begeht Gotteslästerung und somit wird jedes Jahr im Frühherbst der Kampfradler aus der Klamottenkiste ausgebuddelt.
Einfache Frage: Wie viele Tote (Autofahrer/Fußgänger/Radfahrer) haben allein in diesem Jahr Radfahrer gleich welcher Couleur verursacht? Und wie viele Tote (Radfahrer/Fußgänger/Autofahrer) die Autofahrer?
Es ist seit Jahrzehnten die stetige Wiederkehr des immer Gleichen:
- Im Frühjahr: juhu, endlich wieder Radfahren
- Im Sommer: oh la la: Radfahren, das gibt es ja wirklich
- Im Herbst: Achtung Kampfradler! Mindestens Null Tote durch
gewaltbereite Kampfradler!
Liebe SPON-Redaktion: Als ich diesen Sommer den Bericht auf SPON über die Tour über's Dingensjoch gesehen hab', war schon klar, dass es nur noch kurze Zeit sein wird, bis mal wieder der Kampfradler aufgelegt wird - wie erbärmlich langweilig! Na, was haben sie euch diesmal dafür gezahlt?
Fahren Sie ab und zu Fahrrad? Auch zwischen den Kreuzungen lauern Gefahren, z.B. Autofahrer, die aus Grundstücken kommend (Tankstelle) bis zur Bordsteinkante vorfahren. In Dresden sind Radwege auch beliebte Abstellfläche für Mülltonnen, Baustellenbeschilderungen und Lichtmasten. Besonders beliebt sind Radwege und Radstreifen als Kurzzeitparkplatz.
Ist die Sogwirkung von LKW und Bussen eigentlich geringer, nur weil der Radweg 20 cm gegenüber der Fahrbahn erhöht ist? Der seitliche Abstand zu den Fahrzeugen ist häufig unter 1,5 Meter.
Gruß Frank
Das sehe ich genau so, in diesem Zusammenhang könnte man direkt von einer Diskriminierung der Anderen Verkehrsteilnehmer, also Fussgänger und Radfahrer, sprechen. Die Regeln wurden von "Autofahrern für Autofahrer" gemacht ebenso die Ampelschaltungen. Ein Fussgänger oder Radfahrer kann alle seine Sinne Einsetzten um sich im Strassenverkehr zu bewegen. Der Autofahrer mit zB. Fenster geschlossen, hat von der "Aussenwelt doch nur eine eingeschränkte Wahrnehmung, vom Autoradio mal ganz abgesehen. Gleiches Recht für ungleiche, Verkehrsteilnehmer - Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer. Da sollten alle Fußgänger und Radfahrer eine "Walkmanpflicht" bekommen um dieses Ungleichgewicht etwas zu kompensieren.
An der Ampel links die nächsten 2Km kein Verkehr, links die nächsten 5 Lichtjahre auch nichts in sicht, da kann diese Ampelmaschiene doch nur Empfehlungen geben, die Eigenverantworliche Entscheidung liegt da ganz bei mir als Fußgänger oder Radfahrer, der Autofahrer kriegt meist eh nicht mit was um ihn herum geschieht, da brauch er halt Ampeln. Treffen mehrere Verkehrsteilnehmer zB. an einer Kreuzung mit Ampel aufeinander macht so eine Maschiene durchaus Sinn, aber nur dann !
Nur wer will das schon. Ich habe zum Beispiel im letzten Winter nur wenige Fahrradfahrer gesehen. Fahrradfahren ist und wird sicherlich auch in Zukunft ein Sommervergnügen, am liebsten bei 20° Grad und Sonnenschein genossen. Weicht das Wetter auch nur minimal von diesem Ideal ab oder treten andere Hindernisse wie schwere Einkäufe oder der Transport von älteren oder behinderten Menschen hinzu singt die Anzahl der Fahrradfahrer rapide.
Als Franzose, der in Berlin lebt, begrüße ich ausdrücklich die Möglichkeit des Fahrradfahrens in der Hauptstadt. Aber wenn ich sehe, wie sehr viele Radfahrer (zu denen ich auch gehöre) sich benehmen, schäme ich mich für sie: Rasen in Fußgängerzonen, systematische Benutzung der Gehwege (wo die Passanten zum Ausweichen gezwungen bzw. angeschrieen werden), Nichtbeachtung der Ampeln, Geisterfahrerei usw.
In einem Land, wo man scheel angeschaut wird, wenn man als Fußgänger bei Rot über die Straße geht, selbst wenn es gar keine Autos gibt, ist es überaus erstaunlich: Die Radfahrer können sich wohl jede Dreistigkeit erlauben und werden von den Behörden überhaupt nicht belangt. Wir hier nicht mit zweierlei Maß gemessen? Sollten die Radfahrer nicht erzogen werden, wie das seit langem mit den Autofahrern passiert ist?
Da kann ich teilweise mit leben.
Zusätzlich zu den immerhin schon einmal erkannten Gefahren im Kreuzungsbereich gibt es aber natürlich noch zig weitere Gefahren auf Radwegen, die vielleicht einzeln betrachtet gegenüber dem immer wieder gerne skizzierten Horrorszenario "Rücksichtsloser Autofahrer bügelt Fahrradfahrer einfach von hinten über den Haufen" als vernachlässigbar erscheinen, aber in der Summe dafür sorgen, dass es auf Radwegen auch zwischen den Kreuzungspunkten kaum meßbar sicherer ist als auf Fahrbahnen.
Und da wir hier die ganze Zeit von innerörtlichen Radwegen reden, ist da der Bereich zwischen zwei "Kreuzungen" i.d.R sehr kurz - denn für den Radfahrer auf dem Radweg ist es völlig egal, ob der querende Verkehr jetzt aus einer Straßenkreuzung oder einer der vielen Hofeinfahrten kommt, die ca. alle 15m den Radweg kreuzen.
Kann ich nur zustimmen. Im tiefsten Winter waren zwar Radfahrer unterwegs, aber weil die Radwege zugeschneit waren, dann halt auf dem eisigen Gehweg, statt auf der durchgesalzenen Straße. Wenn man dann als Fussgänger "weggeklingelt" wird, kann es schwierig werden: wo soll man denn hin? Auf's pure Glatteis damit der letzte Hipster schön Rad fahren kann oder was? Der letzte Winter hat mich hier einiges gelehrt: Radfahrern ist alles scheißegal, Hauptsache sie kommen durch. Ist ja nicht so, dass man als Fussgänger ohnehin schon die Arschkarte hätte, manche Straßenüberquerung wird im Winter beinahe unmöglich, nix gestreut oder gesalzt und man sieht aus der Ferne ein Auto kommen, dass auf Eis genauso wenig bremsen kann, wie ein Fussgänger. Da reden sich dann die verantwortlichen Firmen raus und alle Beteiligten können sehen, wie sie überleben.
So ist das! Das Gericht hat kein neues Recht geschaffen, das war schon lange so. Es ist unheimlich schwer, das Autofahrern klar zu machen. Die extremen Aggressionen, die man da von manchen erlebt, sind ein Armutszeugnis. Die Verkehrsplaner haben den "flüssigen Verkehr" als oberstes Ziel im Kopf. Ihr Bild ist immer noch das des Autoverkehrs, vermutlich sind sie mehrheitlich welche(?). Sie sind froh, wenn es keine kilometerlangen Rückstaus gibt. Da ist es nicht leicht, bis zu 80 km/h+ schnelle Kraftfahrzeuge und vielleicht nur 10 km/h schnelle Fahrräder im selben Verkehrsraum unterzubringen. Es beginnt bereits bei den Räumzeiten für Kreuzungen, standardmäßig gehen die Planer davon aus, dass sie mit mindestens 30 km/h geräumt werden, nachdem die Ampel umgeschaltet hat. Die eingeplanten Fahrzeiten zwischen zwei Punkten stimmen nicht mehr, wenn die Fahrzeuge zwischendurch abbremsen und einen langsameren Fahrzeugführer überholen müssen. Dies sind aber eigentlich nur Begründungen für wenige Hauptstrecken! (Witzig in dem Zusammenhang, dass häufig Geschwindigkeiten zugrunde gelegt werden, die über den zulässigen liegen).
Aus der Sicht des Fahrradfahrers, der das Fahrzeug als normales Fortbewegungsmittel über Strecken nutzen will, sind jedoch Radwege in der Regel eine schlimme Sache. Der Bodenbelag ist uneben (Fahrräder haben keine Federungssysteme wie Autos, der Leistungsverlust wäre zu groß), die Kurvenradien sind zu eng, die Fußgänger akzeptieren nicht, dass es sich um eine Fahrspur handelt. Ganz problematisch ist jedoch die Unfallträchtigkeit von Einmündungen, die Verletzungen sind dort häufig erheblich.
Die Problematik mit linken Radwegen ist natürlich noch, dass ein Wechsel von ganz rechts nach ganz links und später wieder nach ganz rechts unnötige Unfallgefahren schafft. Und grundsätzlich widerspricht das Anordnen eines linken Radwegs dem Rechtsfahrgebot.
Die Statistik spricht für die Trennung von Fußgängern und Radverkehr und einen Radverkehr auf der Fahrbahn. An welchen Stellen das nicht möglich ist, finde ich eine heikle Frage, verkehrsplanerisch geht man da immer mit Menschenleben um. Besteht an einer Straße mit zwei oder drei Spuren pro Richtung, auf der - bei zugelassenen 50 km/h - regelmäßig 80 gefahren werden und in der Hauptverkehrszeit alle Spuren dicht befahren sind, eine Gefährdung des Radfahrers, die erheblich über das verkehrsübliche hinausgeht? Ist die Priorität, dem 30 km entfernt lebenden Autofahrer einen schnellen Arbeits- oder Einkaufsweg zu ermöglichen, oder ist sie, ortsnahe Verkehre sicher abzuwickeln? Welche Lenkungswirkung soll ausgeübt werden - eine im kommunalpolitischen Bereich immer "beliebte" Hass-Übung zwischen den Parteien; die einen ziehen Hüh, die anderen ziehen Hott.
Ich begrüße, dass ab 2012 endlich strengere Lärm-Grenzwerte für PKW, Krafträder und endlich auch LKW gelten. Unvermeidbar sind auch die Verschärfungen der Abgasvorschriften (neu vor allem im Bereich des Kaltstarts). Man steht mitten in den Lebensbereichen der Menschen vor Abgasschwaden und ohrenbetäubendem Lärm, vor lebensbedrohlichen Gefahren.
Fassen wir doch mal zusammen:
Radfahrer zahlen keine Steuern.
Es ist ein Fortbewegungsmittel für die Leute, die sich offensichtlich kein Auto leisten können.