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Chronisch krank und trotzdem glücklich?

Mehrere Millionen Menschen in Deutschland sind chronisch krank. Einer von ihnen ist SPIEGEL-Redakteur Joachim Mohr, der seit seiner Kindheit an Herzrhythmusstörungen leidet, ständig in Behandlung ist, packungsweise Medikamente schluckt. Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht?
  1. #1

    Ich habe zwar -zum Glück- keine ähnlichen Erfahrungen gemacht.

    Aber bei der Fragestellung muss ich denken
    "Was wäre die Alternative? Nicht Leben?"

    Das Leben ist ein Abenteuer und bietet so unglaublich viel. Ich würde versuchen mich einfach immer nur auf das POSITIVE zu konzentrieren.
  2. #2

    Ich bin 26 und hab vor einem Jahr auch eine Diagnose bekommen, von der ich nicht weiß was ich halten soll.

    Meine Hauptvene, die das verbrauchte Blut zurück zum Herzen führt ist nicht vorhanden. Das ganze läuft also über umwege "irgendwie".
    Der Arzt sagte damals zu mir, er wolle ehrlich sein: Er kenne keinen Fall, bei dem der Patient älter als 10 Jahre geworden ist.

    Nunja, wie geh ich damit um. Ganz einfach: ich sage mir, wenn die Natur bis jetzt fähig war, einen Ausweg aus der Misere zu finden, wird sie es auch weiterhin auf die ein oder andere Weise. Auch wenn mir keine Arzt wirklich sagen kann (will) "wie lange" ich noch zu leben hab. Ich denke, es war mein Glück, dass das nicht früher entdeckt wurde. Denn so ist kein Arzt bei Zeiten auf die Idee gekommen, mich tot zu operieren.

    Was mich nur ankotzt, ist die Tatsache, dass damit keine Versicherung mehr bereit ist, mir ne Lebensversicherung oder BUV zu geben. Hät mich wohl früher drum kümmern müssen ;-)
  3. #3

    "immer nur auf das POSITIVE zu konzentrieren"?

    ich schreibe hier das erste Mal im Forum, weil mich dieses Thema sehr berührt hat.
    Ich kann mich in diese existenzielle Bedrohung von Herrn Mohr nicht hineinfühlen, es wäre vermessen von mir , das auch nur zu versuchen.
    Vor drei Jahren habe ich die Diagnose Krebs bekommen und bin
    zum ersten Mal in meinem Leben mit meinen eigenen existenziellen Ängsten konfrontiert worden und es hat mich so dermaßen umgehauen, wie tiefgreifend und massiv mich Todesangst getroffen hat, das hätte ich mir nie im Leben so vorstellen können.
    Natürlich habe ich mich im Laufe der Zeit an die Angst ein Stück weit gewöhnt, im Augenblick ist alles soweit gut und ich lebe nun vielleicht ein bißchen mehr im hier und jetzt.
    Was mich bewogen hat, hier was zu schreiben, ist dieser Satz von *Wesker*, der , wie so viele Menschen meint , man solle sich in diesem Falle am besten immer nur auf das "Positive" zu konzentrieren.
    (Sorry, WESKER, Du hat diesen Satz sicher anders gemeint, aber für mich ist dieses "Positiv" halt ein Reizwort geworden)
    Dieser Satz verfolgt mich , seitdem ich erkrankt bin, und ehrlich, er nervt mich.
    Kein Mensch, ob chronisch krank, akut krank, gesund oder wie auch immer, kann sich immer nur auf das Positive konzentrieren( ausser vielleicht in amerikanischen Hollywoodfilmen;-)
    Ich hab keinen Bock mehr, immer nur positiv zu sein( geht auch garnicht).
    Und das heisst nicht, das ich jetzt " negativ " bin, nein , nur ein ganz normaler Mensch.
    Wir sind nämlich alle verletzlich, empfindlich, sterblich. Nichts ist wirklich selbstverständlich.
    Ich werde, wie viele andere auch, vielleicht nur ein bißchen öfter danmit konfrontiert .
    Das wollte ich nur mal loswerden....
    Liebe Grüße an Herrn Mohr und alles Gute
  4. #4

    Hallo Herr Mohr,

    bitte guukeln Sie mal nach Strophanthin, sehr interessantes Mittel. Es gibt auch eine Website strophanthin.de sowie ein sehr lesenwertes Buch darüber, der Autor heißt Petry.
    Viel Glück
  5. #5

    Auch ich bin betroffen

    Hatte denn gleichen Herzfehler wie im Artikel beschrieben wurde
    Erst als ich 5 war hat man das festgestellt danach ein jahr später folgte die OP die bis vor kurzem also Januar dieses jahres erfolgreich war seit dem habe ich Herzrythmusstörung im form von Vorhofflimmern.

    Ich spüre sie aber nicht so heftig wie beschrieben wurde, bei mir wurde das zufälig bei eine Untersuchung wegen eine bevorstehende Schulter OP befundet ich war wie von socken
  6. #6

    Ein Teil

    Ich kann mich in gewisser Weise in Mohr hineinfühlen. Ich habe seit einigen Jahren vegetativ bedingte Herzrythmus-Störungen und außerdem eine durch den Infarkt meines Vaters bedingte Herz-Phobie (Angst vor Herz-Tod). Ich war bereits in Behandlung (sowohl psychologischer als auch medizinischer) und nehme auch Medikamente, aber die Angst, wenn Probleme unangekündigt und plötzlich auftreten kenne ich auch.

    @Webster

    Ihre Haltung ist leider typisch für viele, die es nicht schaffen sich in so etwas hineinzudenken, und besser dann einfach mal nichts sagen sollten. Es handelt sich hier nicht um mentale Dispositionen, sondern die Leute sind _krank_ und leiden darunter. Das ist wie wenn Sie vom Rad fallen, sich das Bein brechen und sich vor Schmerzen krümmen und ich stelle mich daneben und sage: Hey, take it easy. Life is beautiful. Think positive, dude. Nur eben in der Zeit ausgedehnt statt punktuell. Und glauben Sie mir, ein optimistischer Schöngeist ist das letzte was man in so einer Lage um sich haben will.
  7. #7

    Mein Lebenspartner heißt Angst

    1. Für alle Vorautoren gilt aus meiner Sicht: Die Sorgen sind immer so groß, wie sie gerade sind.

    2. Von einem betroffenen:
    Das Herz ist, obwohl wie von Mohr richtig beschrieben DAS zentrale Organ. Das macht uns, die Herzprobleme haben so sensibel auf das Thema. Vorteil ist, dass das Herz genau wie ein 4-Takt-Motor funktioniert und auch eigentlich dementsprechend "reparabel" ist. Trotzdem sind Herzkranke immer auch "Psychos", und Vorhofflimmern ist ganz besonders unangenehm. Für alle nicht betroffenen: Es fühlt sich an, als spielten mehrere Mäuse Fußball im Brustkorb. Und gerade dann, wenn man zur Ruhe kommt, wird es am deutlichsten spürbar. Medikamente wie z.B. Tambocor oder Beta-Blocker können mehr Rythmus bringen. Dass man dann die Freude an einer aktiven Sexualität verlieren kann, ist ein hoher Preis den man zahlt.

    3. MAZE - Abstellen des Flimmerns:
    Im Rahmen meiner "Runderneuerung" des Herzens nach Insuffizienz (erst mäßiggradig, dann 3.4)der Aorten-Klappe und paralle zunehmend vergrößerter Aorta wurde gegen das Vorhofflimmern die sog. MAZE-OP gleich mitgemacht. Hier wird die Herzkammer aufgeschnitten und es wird eine Art Umlenkung eingebaut, damit die Ströme wieder ihren richtigen Weg gehen.

    Soweit hierzu weiterer Infobedarf besteht bitte ich um Mitteilung über dieses Forum
  8. #8

    Hey.
    Auch mich hat der Artikel angesprochen, nicht nur weil
    er mich "berührt hat", sondern auch weil ich
    seit meinem 18. Lebensjahr an Herzrythmusstörungen "leide".
    Erkannt wurden die Extrasystolen bei der Musterung und danach folgten Monate der permanenten Untersuchung ohne jegliche Diagnose.
    In der Computertomografie wurden Aufnahmen von meinem Herzen gemacht um zurückgelegene oder akute Myokarditis auszuschließen, was allerdings wegen der heftigen Extrasystolen nur bedingt geschah.

    Zu guter Letzt hat man jedoch auf den verwackelten Aufnahmen erkennen können, dass die Extrasystolen in der rechten Herzkammer ausgelöst werden. Dabei ist der Auslöser wohl eine Zelle, die zuviele Calciumionen ausschüttet und so einen Impuls an das Herz sendet.
    Von nun an nehme ich einen Calciumionenantagonisten und die Schläge haben sich verringert.

    Mein Elektrophysiologe versicherte mir bis jetzt, dass die Extrasystolen keine Gefahr darstellen, dass also zu aller wahrscheinlichkeit kein Kammerflimmern eintreten wird und dass ich uneingeschränkt weiter leben kann.
    Trotzdem lag ich drei mal wegen Verdacht auf Herzinfarkt, Herzmuskelentzündung im Krankenhaus und einmal sogar auf der Intensivstation.
    Außerdem verunsichert mich die Tatsache, dass auch ich groß , schmal bin und mir versichert wurde die Störungen werden im Alter verschwinden.
    Wird ein Kammerflimmern auch bei mir auftreten?

    Um auf das Thema zurück zu kommen.
    Ob soetwas passiert kann man wahrscheinlich nicht sagen und deshalb sollte man sich nicht verrückt machen.
    Ich werde jetzt noch mit einem andren Arzt sprechen, denn einem einzigen Menschen das volle Vertrauen und damit auch sein Leben in die Hand zu legen wäre zu eigenverantwortungslos.

    Wenn ich zurückdenke war für mich die Ungewissheit,was mit mir geschieht am schlimmsten.
    Der Schmerz in der Brust sagte mir nur, dass etwas nicht stimmt - was und wie stark das ist, das wusste ich nicht und machte mich anfangs verrückt.
    Inzwischen habe ich eine gute Balance aus Vorsicht und Gelassenheit entwickelt.
    Diese Balance ist sicher bei mir einfacher zu halten als bei dem Autor.
  9. #9

    Yep

    Yep,

    das Leben ist eine Jauchegrube und kein Gott der Welt, scheint es, will und kann einen helfen.

    Seit meiner Jugend leide ich an Herzrhythmusstörungen, sprich die beschriebenen Luftpressaktionen sind mir wohl bekannt (sind gut gegen Vorhofflattern). Und just vor 15 Monaten dann der Knall: Vorhofflattern und das mit vollem Programm Puls bis über 180 usw. und so fort. Naja, zum Glück sind es nur 10 Minuten bis ins Herzzentrum, aber 10 Minuten auf der Schippe von Meister Sensenmann sind verdammt lang. Kurzum, die Diagnose war eindeutig: Vorhofflattern, 36 Stunden später Kathederablation und ich war noch nicht völlig vom Valium regeneriert, da war mir klar, die Geschichte ist noch nicht vorüber. Statement der Ärzte: Alles ist gut, meine Bedenken unbegründet ich kann nach Hause. Anschliesend 3 Monate aufm Psycho Angstzustände inbegriffen und erst als ich einen heilenden Anschiss vom Chefarzt bekommen habe, habe ich mir gesagt: Bub, das Leben ist kurz als dass man sich jeden Tag mit dem Leiden auseinandersetzt. Es ging berauf. Dennoch, immer wieder wachte ich nachts auf, im Gefühl, das wars gewesen. Das Problem dabei: Die Rückkopplung von Köper und Geist und ich hätte nie gedacht, so fest wie ich im Leben stehe, dass mir so etwas passieren kann, Pustekuchen. Aber man schlägt sich durch. Dann vor drei Monaten innerhalb von einer Woche zwei Vollgasattacken, heisst von 60 auf über 180 in ca. 1.5 Sekunden, welcher Porsche kann da schon mithalten? Neue Diagnose: Vorhofflattern ham wir ablatiert, das ist es nicht, aber sie haben jetzt Vorhoffflimmer. Naja, wenn ich ehrlich bin hatte ich das Flimmern wohl schon immer. Zur Theraphie: Meine Pumpe ist wohl sonst recht gesund, d.h. eine so genannte pulmonale Lungenvenenablation wird vorläufig nicht durchgeführt. Betablocker brächten mich bei Attacken recht gut wieder in den Sinus Rhythmus, wobei ich prophylaktisch jeden Tag vier mir verschriebene Kalium/Magensium Tabletten zu mir nehme. Mein Problem nebst der angeborenen Anfälligkeit für die Rythmusstörungen: Ein recht niedriger Kalium Serum Wert. Fazit: Seit drei Monaten nehme ich die Kaliumpräparte zu mir und habe abgesehen von einigen Stolperern Ruhe.

    So, ich könnte jetzt die Geschichte um Ablation bei Vorhofflattern und Filmmern detailliert ausschmücken, denn man hat eine gewisse Grundausbildung, und bzgl. der Geschichten, die man nicht weiss, kann und hat man sich schliesslich kundig gemacht. Aber, und ich denke, dass ich hier für viele Spreche, es bringt nichts, ausser der Gewissheit, dass es ca. 500 Millionen Krankheiten gibt, die man alle haben könnte. Und sind wir ehrlich das Leben ist wirklich viel zu kurz, als dass man sich den ganz lieben Tag mit all dem Elend beschäftig.

    Fazit: Ja, ich bin Herzkrank. Ich weiss, dass dieses Leiden chronisch ist. Es ist mir bewusst, dass es mich die Geschichte im Worst Case das Leben kosten kann. Aber all die Gewissheit bringt mir und all den Leidensgenossen nichts. Das Leben macht keine Pausen und verdammt noch mal, dann trotze ich ihm die guten Stunden zur Not mit meinem Willen ab. Als Geschäftführer fahre ich immer noch meine 65 Stunden Woche, aber ich bin wirklich cooler geworden, gegenüber vielem. Und wenn ich wieder Lust dazu verspüre, dann werde ich so wie vor 3 Wochen ganz einfach für eine Woche abtauchen. Und das Geschrei unserer Kundschaft ... interessiert micht nicht mehr, denn wie heisst es so schon … befreie deinen Geist ...








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