Forum


 

Chronisch krank und trotzdem glücklich?

Mehrere Millionen Menschen in Deutschland sind chronisch krank. Einer von ihnen ist SPIEGEL-Redakteur Joachim Mohr, der seit seiner Kindheit an Herzrhythmusstörungen leidet, ständig in Behandlung ist, packungsweise Medikamente schluckt. Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht?
  1. #40

    Nö, ganz im Gegenteil, ich finde es immens wichtig, dass auch ein "Gesunder" seine Meinung äußert. Mir fällt nämlich z. B. immer wieder auf, dass es für jemanden, der kein chronisches Zipperlein hat, sehr schwierig ist mit der Erkrankung des Gegenübers umzugehen, weil man sich eben nur sehr schwer vorstellen kann, wie es ist, wenn man dauerhaft oder phasenweise beeinträchtigt ist. Da fasse ich mir auch an die eigene Nase. Bei mir ist die Krankheit vor vier Jahren ausgebrochen. Bis dahin war ich immer superfit, obersportlich und nicht kaputtzukriegen. Und ich gebe zu, dass ich bei Leuten mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in meinem Umfeld oft gedacht habe "Boah.... jetzt stellt er/sie sich aber an."
    Jetzt stehe ich auf der anderen Seite und stelle ich eben auch immer wieder fest, dass mein Umfeld ähnlich reagiert, was mich wiederum vor das Problem stellt, wie viel ich erzählen kann, ohne meinem Gegenüber auf den Wecker zu gehen.

    Eine Gespräch über chronische Erkrankung bzw. ein Leben mit der Erkrankung KANN überhaupt nur funktionieren, wenn auch "Gesunde" daran teilnehmen, weil es eben ein Dauerzustand ist.

    Allerdings habe ich im Verlauf dieses Threads nicht erkennen können, dass sich jemand dagegen wehrt, dass ein "Gesunder" daran teilnimmt.

    (Ich schreibe das "Gesunder" bewusst in "", weil ich diese Unterteilung gesund - krank nicht besonders glücklich finde. Wie IsArenas so treffend sagt "Nicht jeder, der Schmerzen hat, ist chronisch krank, und nicht jeder chronisch Kranke hat ständig Schmerzen. " So isses....)


    Und nein - Glücklich sein und Gesund sein bedingen sich nicht selber bzw. auch mit einem chronischen Zipperlein kann man glücklich sein. Auch wenn es mir gerade mal granatenschlecht geht, weiß ich doch auch genau, was auf der Haben-Seite des Lebens steht. :-) Und auf die Seite schaue ich doch viel lieber als mich über mein Zipperlein zu ärgern.

    Grüße,
    MissMolly
  2. #41

    Zitat von kalligraph Beitrag anzeigen
    Ich als kleiner dummer Idiot, sprich Christ, der sich nur von irren Betrügern (Pfarrern, Priestern) zutexten läßt und sich an übelste vertröstende benebelnde erfundene Hoffnungen klammert, was ja alles erwiesen ist und überhaupt ganz klar....
    Aber Sie entschuldigen sich jetzt nicht auch noch dafür, dass Sie existieren, oder?
    Wenn Ihr Glauben Ihnen so viel gibt, dann würd ich mich ja nie im Leben vor einem (oder auch mehreren) Atheisten dafür rechtfertigen. ;o)
  3. #42

    Zitat von maijun Beitrag anzeigen
    Es ist ja nicht so, daß nur die chronisch Kranken, eine Sicht auf die Krankheit haben, sondern auch die Gesunden. Und ich finde, auch wir haben das Recht, unsere Meinung zum Thema zu sagen.
    Der andere muß sie ja nicht annehmen.
    Gruß aus Mainz
    Wenn jemand bereit ist, sich wirklich mit meiner Situation auseinanderszusetzen, dann gerne. Tatsache ist jedoch, dass viele Menschen eine vorgefertigte Meinung haben, die sich aus Vorurteilen und Medienberichten zusammensetzt.

    Wenn ich einen Polizisten kennenlerne und ihn dann frage, wieviel Verbrecher er pro Woche erschiesst und dass es wohl geil sein muss, sich wilde Verfolgungsjagden zu liefern, wird der mich nicht ernst nehmen, weil ich offenkundig eine *ewas* falsche Vorstellung von Polizeiarbeit habe. Und sich vermutlich spätestens dann von mir distanzieren, wenn ich auf meinen Ansichten beharre.

    Ähnlich ist das mit chronischen Krankheiten. Wenn Leute da beharrlich meinen, sie wüssten alles besser -> neue Bekanntschaft suchen.
  4. #43

    Zitat von Fidelma Beitrag anzeigen
    Aber Sie entschuldigen sich jetzt nicht auch noch dafür, dass Sie existieren, oder?
    Wenn Ihr Glauben Ihnen so viel gibt, dann würd ich mich ja nie im Leben vor einem (oder auch mehreren) Atheisten dafür rechtfertigen. ;o)

    Nein, das war eigentlich ironisch gemeint.
  5. #44

    Fatalismus

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mehrere Millionen Menschen in Deutschland sind chronisch krank. Einer von ihnen ist SPIEGEL-Redakteur Joachim Mohr, der seit seiner Kindheit an Herzrhythmusstörungen leidet, ständig in Behandlung ist, packungsweise Medikamente schluckt. Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht?

    Ich kann nur Aussagen zu chronischen Erkrankungen machen, die nicht mit Schmerzen verbunden sind - wie in meinem Fall. Genetisch bedingte Fettstoffwechselstörung mit hohen Cholesterin- und extrem hohen Triglyceridwerten und der damit verbundenen Gewissheit, früher oder später Opfer von
    Alzheimer oder der Arteriosklerose zu werden. An mein Handicap denke ich nicht einmal in den 10 Sekunden am Tag, wenn ich morgens zwei und abends eine der notwendigen Tabletten “einwerfe”, die die negativen Werte eindämmen. Das ist ein gewohnheitsmäßiges procedere wie die Einnahme des Frühstücks.

    Ich genieße jeden Tag - wie ich ihn schon immer genossen habe - nach dem Motto “ dieser Tag könnte der letzte sein”. So wie der gesunde Mensch keine Garantie für ein langes Leben hat (beispielsweise ist ein Freund von mir mit 27 Jahren vom Blitz erschlagen worden), bedeutet eine chronische Erkrankung nicht notwendigerweise eine Verkürzung der Lebenserwartung. Fatalismus gehört halt zum Leben. Warum sollte da eine chronische Erkrankung - weitgehende Schmerzfreiheit vorausgestzt - eine Barriere für das Glücklichsein darstellen ?
  6. #45

    chronisch psychisch oder physisch krank?!

    jeweils hier liegt der unterschied.

    ich habe einen herzfehler und daher etwas eingeschränkt; das alleine macht mich nicht zu einem unglücklichen menschen...

    aber die psyche lässt mich unglücklich sein.
    chronische psychisches leiden, ja, das macht verdammt unglücklich... aber sterben von dem allein tut man ja nicht.
  7. #46

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mehrere Millionen Menschen in Deutschland sind chronisch krank. Einer von ihnen ist SPIEGEL-Redakteur Joachim Mohr, der seit seiner Kindheit an Herzrhythmusstörungen leidet, ständig in Behandlung ist, packungsweise Medikamente schluckt. Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht?
    Mit jeder chronischen Erkrankung muß man vor allem den Umgang erlernen. Es gibt nichts Schlimmeres, als sich nur noch mit den persönlichen, durch die Krankheit bedingten Unpäßlichkeiten zu befassen, darüber aber das weiter gehende Leben nicht mehr zu sehen. Wenn einem ein hohes Alter beschieden ist, ich weiß, wovon ich spreche, sollte man ebenso gelernt haben, mit den diversen, zunehmenden Problemen zu leben, wie denen zu helfen, die den entsprechenden Antrieb nicht haben.
    Gruß ainé
  8. #47

    Ohoh, was für ein Thema...
    Ich stör mich in meinem Fall - Typ 1 Diabetes - ziemlich an dem Begriff "Krankheit", denn krank fühl ich mich nicht und bin ich auch nicht! Ich bin eben ein wenig eingeschränkt, was das Essen und Trinken angeht und muss ein wenig besser auf meinen Körper achten, aber das wars schon - naja, die Spritzen halt, aber das sind Peanuts!
    Bis zu der Einsicht, hats aber lange gedauert, meine Diagnose kam als ich knackige 15 war und eben mitten in der Pubertät. Hat mich ziemlich umgeschmissen, war aber ganz gut, denn dadurch bin ich - mit viel Hilfe vorallem von Familie und Freunden - wieder aufgestanden und stärker geworden! Ich kann mittlerweile sogar so manch "mitleidigen" Spruch ganz gut ignorieren!
    Mein Diabetes hat mich nicht davon abgehalten ein normales Leben zu führen und sogar 3 Kinder zu bekommen!
    Als mein mittlerer Sohn 2004 die Diagnose Leukämie bekam und ich die Kinder auf der Onkologie erleben durfte - DA ist mir erst richtig bewusst geworden, wie dankbar man sein muss, dass man relativ gesund ist! In der Situation hab ich nur noch Gott vertrauen können und hoffen können, dass alles gut geht! Und es ist gut gegangen, weil wir immer daran geglaubt haben, mein Sohn gekämpft hat wie ein Bär und auch das kleine Quentchen Glück hatten - die tollen Ärzte darf man auch nciht vergessen, die alles tun, was in ihrer Macht liegt!
    Heute gehts meinem Sohn bestens - mit großer Wahrscheinlichkeit wird auch nichts mehr nachkommen - ich hab - trotz 15 Jahre Diabetes und 3 Schwangerschaften - noch keinerlei Folgeschäden und ich blicke positiv in die Zukunft! Ich weiss, dass wir ALLES irgendwie wuppen können...

    An alle denen es grade nicht so gut geht:
    "Da ist ein Licht am Ende des Tunnels...!"
    Wo auch immer es hinführt...

    LG
    Sabine








TOP



TOP