Aussteiger - Helden oder Verlierer?

Einmal ganz neu anfangen: Am Ende des Jahres ist bei manchem die Sehnsucht nach einem Umbruch im Leben groß. Der Aussteiger setzt den Traum um - oft gilt er als der mutigere, der mündigere, der aufgeklärte Mensch. Stimmt das wirklich? Oder sind Aussteiger eher die Verlierer, die die Flucht ergreifen?

Der Artikel zum Thema:
http://www.spiegel.de/reise/aktuell/...522476,00.html
  1. #90

    Alles nur schwarz und weiss?

    Irgendwie ist im dem Artikel UND in der jetzt stattfindenden Diskussion scheinbar die Differenzierung so ein bisschen auf der Strecke geblieben. Der Artikel überzeichnet (m.E. etwas zu drastisch), denn es gibt, nach meiner Erfahrung, in allen Lebensmodellen die Helden und die Deppen. Die Selbstgerechtigkeit manches 'Aussteigers' finde ich auch bei manchem 'Nicht-Aussteiger', der keinen anderen Lebensentwurf gelten läßt als den seinen. Und die angebliche 'Unanhängigkeit' des Aussteigers kann ich mir bei den vielen Pro- und Kontra Entscheidungen über meinen persönlichen Luxus, Lebensstil und Obrigkeitsgehorsam auch in meinem Vorstadt-Reihenhaus bewahren.

    Wenn hier aber von HELDEN gesprochen wird, dann denke ich persönlich eher an die 'stillen Helden' des Alltages, die ihre behinderten Kinder oder ihre schwerkranken Angehörigen pflegen, Sterbende auf dem letzten Weg begleiten oder sich freiwillig (also UNABHÄNGIG) für andere soziale oder karitative Aufgaben entscheiden. Und die bewundere ich schon ein bisschen mehr als die Leute, die mit ihrem 'Aussteigen' primär das Ziel ihrer Selbstverwirklichung verfolgen. Denn gerade solche Menschen, die 'stillen Helden', haben eher ziemlich konservative Lebenspläne, in denen ein solcher Ausstieg nicht stattfindet.

    Und so, wie ich den Artikel verstanden habe, war die überzeichnete Darstellung auch eher auf diesen Typ 'selbstfindungsorientierter Aussteiger' bezogen (und nicht auf die vielen, durchaus oft erfolgreichen 'Auswanderer', die in einer ganz anderen Klasse boxen). Bei den 'Aussteigern' glaube ich allerdings auch nicht, dass diese Spezies Helden sind, ohne sie deshalb als Verlierer bezeichnen zu wollen. Aber HELDEN sind m. E. (s.o.) schon aus etwas anderem Holz geschnitzt.
  2. #91

    Kein Plan

    Zitat von CPingel Beitrag anzeigen
    Das trifft ziemlich gut meine Eindrücke beim Lesen dieses Artikels. Was für ein Schmarrn. Und wie überflüssig. Ist das Thema »Aussteigen« gerade besonders en vogue?

    Der einzige echte Aussteiger, den ich je gut kannte, hat seinen Job in Paris an den Nagel gehängt, um in Südfrankreich....
    Ich schliesse mich den Kommentaren o.g. Leser an.
    Selten habe ich einen Artikel mit einer so platten Aneinanderreihung von Abwertungen gelesen. Freiheit ist letztendlich auch die Fähigkeit, Entscheidungen treffen zu können. Arrogant bezeichne ich die, die keinen Respekt vor Entscheidungen anderer haben.
  3. #92

    Köstlich, ich habe selten so gelacht! Und schöne Grüße aus Kalifornien!
  4. #93

    Zitat von malte71 Beitrag anzeigen

    Ich glaube auch hier gilt, dass "der Deutsche" auch das Auswandern ganz besonders gründlich macht. Und wenn er gegangen ist, dann kann auch ohne ihn nicht Gutes mehr zurückgeblieben sein.... Man geht, weil in Deutschland ja alles so negativ ist, und dann schimpft und schimpft und schimpft man weiter... auf Deutschland natürlich, was anderes bleibt ja nicht....

    Ich habe mich selbst immer wieder länger im Ausland aufgehalten und muss sagen, es gab für mich persönlich nichts unangenehmeres als die Begegnungen mit denjenigen Deutschen, die so so sehr keine Deutschen mehr sein wollten, dass sie - mit deutschester Gründlichkeit - auf ihrem Heimatland herumhackten... was selbst für die Leute aus der Gastnation oft schwer nachzuvollziehen ist.
    Ja Malte71 ,
    wir haben auch mehrere solcher "umgewandelte Deutsche"
    hier in Suedafrika kennengelernt.

    Meisst die,welche kaum eine "Muede Mark" in der Tasche hatten,waren die Schlimmsten !

    Hecheln aber jedem Deutschen User in den betreffenden Foren hinterher und laden diesen zu sich nach Hause ein,um sich zu rechtfertigen,warum man z.B.aus Suedafrika nicht mehr weg will.

    Der geistreichste Klops wurde mir erzaehlt ,wo man wieder mal in Deutschland auf Besuch war und am Flughafen-wie unverschaemt aber auch-kein "Neger" zur Stelle hatte, welcher einem den Koffercaddy fuhr und man selber persoenlich selbigen mit 1 Euro fuettern musste.

    Es ist schon irre auf der Welt.Die Einen erklaeren dich in Deutschland fuer bescheuert,wenn du Deutschland den Ruecken drehst und die Anderen ebenso ,wenn du Suedafrika den Ruecken drehst.

    Nun hoffe ich aber auch inbruenstig-wenn ich wieder in Deutschland bin-Einige mich ebenso fuer bescheuert ,halten
    das ich 3,5 Jahre in Suedafrika lebte !!!
    Sonst wuerde ja auch mein Deutschlandbild kippen-und wer will das schon.*lol ,lol, lol*
  5. #94

    Hier noch was fuer ins "Feuerzeug sch......"

    Ich jedenfalls kenne keine Deutsche Partei die im Ausland einen Ortsverein hat.

    "Der SPD "Ortsverein" Johannesburg/Pretoria hat 20 Mitglieder,welche sich 4 x im Jahr treffen....."

    Sind das denn nun Helden oder Verlierer ?


    www.spd.de/menue/1729492
  6. #95

    Ich glaube der schreiber dieses artikels braucht unbedingt eine auszeit, um sich von der winterdepression zu erhohlen (egal wo bleib in DE und geh ins solarium...). Ich bin 24 jahre alter gelehrnter koch und lebe schon seit drei jahren in china....

    WARUM?
    1. Ich lebe in einer mir fremden kulur (sehr intresant)
    2. wohne ich hier auf 2000 m.ue.min und habe nie kalt es ist immer fruehling und hat frische luft.
    3. Habe ich hier seit langem eine huebsche freundin.
    4. kann ich fuer hier 10 euro die h english unterrichten das ist in china sehr viel geld im monat 800 euro kann aber nur 300 ausgeben ( all inclusive).

    Alles in allem bin ich hier viel gluecklicher,es hat aber auch nachteile. Ich stehe einfach nicht gerne um 7;30 auf und gehe dan fuer den ganzen tag auf die arbeit, und kann mir doch nichts leisten.

    Der artikel gehoert nicht ihn den spiegel, passt eher zu bild.. sorry
  7. #96

    Ich glaube, dass schon die Definition des Begriffs "Aussteiger" zum Problem werden kann. Einerseits kann man unter "Aussteigern" Menschen verstehen, die sich von der übrigen Gesellschaft mit ihren Wertvorstellungen, Traditionen und Riten distanzieren möchten. Andererseits scheint der Begriff aber zunehmend im Kontext des Auswanderns gebraucht zu werden.

    Meiner Meinung nach ist das Auswandern in ein Land mit ähnlicher Kultur kein wirklicher Ausstieg. Wer von Deutschland z.B. in die USA, die Niederlande oder nach Australien zieht, kehrt einigen nationalen und regionalen Besonderheiten den Rücken, aber deshalb ändert sich nicht notwendigerweise das kulturelle Umfeld auf eine radikale Art und Weise. Durch die Globalisierung gibt es sicherlich sogar Dinge, vor denen man an keinen Ort der Erde mehr fliehen kann.
    Wer tatsächlich vor hat, der Gesellschaft den Rücken zu kehren, steht zusätzlich noch vor einem weiteren Problem: Die bereits geschehene Prägung durch die Gesellschaft wird sich kaum mehr rückgängig machen lassen. Den Gebrauch eines Fernsehers oder Kühlschranks mag man sich ja noch mühsam abgewöhnen können, aber was ist mit all den erlernten Verhaltensweisen, Normen und Wertvorstellungen? Kann man so etwas tatsächlich willentlich hinter sich lassen, oder machen sich die entsprechenden Personen nur vor, sie seien "ausgestiegen"?
    Meiner Meinung nach mag hinter Aussteigervorstellungen tatsächlich ein wenig Hochmut stecken. Ist es denn nicht so, dass nur solche Menschen aussteigen zu versuchen können, die eigentlich in die Gesellschaft integriert sind und die Wahl haben?

    Wer wirklich außerhalb der Gesellschaft steht, hat sich vermutlich niemals bewusst dafür entschieden und sieht dieses auch nicht als besonderes Privileg an (höchstens aus Verzweiflung). Wenn man an all jene Menschen denkt, die unter ihrer Armut leiden und zwangsweise nicht an der Gesellschaft teilhaben können, dann fragt man sich, ob "Aussteigerei" nicht manchmal so etwas wie Luxus jener Menschen ist, die schon von allem zu viel hatten und nach nach neuer Exklusivität suchen.
  8. #97

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Einmal ganz neu anfangen: Am Ende des Jahres ist bei manchem die Sehnsucht nach einem Umbruch im Leben groß. Der Aussteiger setzt den Traum um - oft gilt er als der mutigere, der mündigere, der aufgeklärte Mensch. Stimmt das wirklich? Oder sind Aussteiger eher die Verlierer, die die Flucht ergreifen?

    Der Artikel zum Thema:
    http://www.spiegel.de/reise/aktuell/...522476,00.html

    http://youtube.com/watch?v=u0frhEHCw8M
  9. #98

    Der Text bringt es auf den Punkt: Aussteiger nach gängiger Definition sind genauso zwanghaft wie die Gesellschaft, die sie verlassen zu haben glauben - nur in die andere Richtung. Sie sind nicht frei, sondern auf der Flucht. Vor Verhältnissen, an denen sie gescheitert sind, in einem metaphysischen Sinne.

    Ich bin hier, und hier bin ich der, der ich sein will, und hier tue ich, was ich will. Ich muss nicht an einen anderen Punkt auf diesem Planeten reisen (obwohl ich das vorübergehend gerne tue), um diesen Zustand zu erreichen. Das geht hier auch ganz gut, in meiner Mietwohnung, in dieser Kleinstadt, mitten im deutschen Winter. Leute, die ihre Freiheit von solchen Äußerlichkeiten abhängig machen, erscheinen mir ehrlich gesagt ein bisschen simpel gestrickt. Die Verhältnisse? Manchmal passen sie mir nicht, dann nehme ich den Kampf auf, um sie zu ändern. Aussteiger hauen einfach ab. Das, Herrschaften, ist nicht mutig, das ist, wie es im Text ganz richtig heißt, feige.
  10. #99

    Aussteiger eben, selten so einen amüsanten text gelesen. herzliche grüsse aus der schweiz.