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Zeitgeist - Was bleibt von der Gegenwart?

Moderne, Postmoderne, Massenmedien, Trash- und Hochkultur: Der vielzitierte "Zeitgeist" speist sich aus vielen, nicht immer neuen Quellen. Welche Strömungen prägen das Denken und Fühlen der Gegenwart, was wird davon bleiben, was verschwinden? Gibt es den einen/reinen Zeitgeist? Oder konzentriert sich im Spiel der Medien und Meinungen eigentlich gar nichts sondern plätschert nur vieles nebeneinander her?
  1. #1

    Ich hät jetzt gern mal inbesondere von Katholiken gewusst, was dieser verteufelnswerte Zeitgeist nun eigentlich ist, der immer bemüht wird, wenn jemand auch nur vorsichtig das Wort Reform in den Mund nimmt.
  2. #2

    Seit wann ist "Zeitgeist" eine katholische Erfindung?
  3. #3

    Zitat von Pallas
    Seit wann ist "Zeitgeist" eine katholische Erfindung?
    ist er nicht. da aber viele christen (incl des oberkatholiken) diesen begriff strapazieren, um den verfall der welt anzuprangern, erscheint die frage doch berechtigt.
  4. #4

    Maßstab für "richtiges" Handeln

    Interessant an der gegenwärtigen Debatte finde ich vor allem die Tatsache, dass es scheinbar der identische Punkt ist, der (z.T. sogar bei den selben Menschen) sowohl für die größte Kritik als auch für die größte Unterstützung der vatikanischen Position geführt hat. Nehmen wir als Beispiel das Thema Euthanasie und Abtreibung.
    Das liegt vermutlich an der Tatsache, dass man sich in Rom nicht mit politischen, sondern mit prinzipiellen Fragen beschäftigt. Geschützt wird nicht "Leben", sondern das "Prinzip Leben" - Leben soll ohne Abwägung und Ausnahme geschützt werden - Leben soll nicht Entscheidungsgegenstand von Menschen sein. Auf menschliches Verhalten wird hierbei keine Rücksicht genommen.
    Das stellt natürlich einen Eingriff in die persönliche Entscheidungfreiheit dar (aber wiederum nur bei denen, die sich dem aussetzen). Zum anderen gibt es aber auch einen insofern verlässlichen Maßstab, als diese Normen nicht täglich neu diskutiert werden und damit richtig bleiben (es gab eine Zeit, in der war es "richtig", auf Menschen zu schießen, die über eine Mauer geklettert sind). Auch Gewissen ist Ergebnis von Erziehung - insofern scheint jede Wahrheit nur relativ (also hier und jetzt) wahr zu sein. Das trifft auch auf dogmatische Aussagen zu (Inquisition, Kreuzzüge); die scheinbar längere "Halbwertszeit" ihrer Aussagen verglichen mit den täglich neu verhandelbaren Wahrheiten unserer aufgeklärten Gesellschaft wird zwar sicher nicht jedem gerecht, schafft aber ganz offensichtlich Vertrauen.

    Im Übrigen handelt es sich hierbei um einen Erklärungs- und nicht um einen Rechtfertigungsversuch. Reformen sind dringend erforderlich, insofern hat mich die Wahl Ratzingers auch eher enttäuscht. Diese können aber nur von innen kommen - deshalb habe ich z.B.auch besonderen Respekt vor der Haltung Kardinal Lehmanns, der das offensichtlich erkannt hat, auch wenn er dafür die eine oder andere Kröte schlucken musste.
    Andererseits ist Ratzinger jetzt nicht mehr Wachhund für die Verteidigung des Glaubens, sondern Papst. Vielleicht sollte man ihm die Chance geben und hoffen, dass er etwas von seiner liberalen Seite wiederentdeckt.
    Wer weiß...

    Schönen Gruß
  5. #5

    Zitat von freqnasty
    da aber viele christen (incl des oberkatholiken) diesen begriff strapazieren,
    Komisch - mein Eindruck ist (inklusive dieses Forums) genau umgekehrt: Alle möglichen "Nichtchristen" reden vom Zeitgeist, dem die römische Kirche nicht, zu wenig oder zu viel folgen würde.

    Da sieht man wieder, wie subjektiv das sein kann...
  6. #6

    Zitat von Pallas
    Komisch - mein Eindruck ist (inklusive dieses Forums) genau umgekehrt: Alle möglichen "Nichtchristen" reden vom Zeitgeist, dem die römische Kirche nicht, zu wenig oder zu viel folgen würde.

    Da sieht man wieder, wie subjektiv das sein kann...
    kann ich so nicht wahrnehmen. Anit-Christen und gemäßigte ( ;-) ) reden immer von Reformen, die nowendig sind und die Fundamentalisten kontern damit, dass die Kirche nicht dazu gedacht sei, dem Zeitgeist hinterherzuspringen
  7. #7

    Ins Schwarze

    Zitat von Pallas
    Komisch - mein Eindruck ist (inklusive dieses Forums) genau umgekehrt: Alle möglichen "Nichtchristen" reden vom Zeitgeist, dem die römische Kirche nicht, zu wenig oder zu viel folgen würde.

    Da hast Du aber mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen:-)
  8. #8

    Wie gesagt, mein Eindruck ist genau umgekehrt: Nichtchristen und Gemäßigte meinen, der Zeitgeist würden eine Veränderung fordern. Und die Konservativen sind in der Verteidigerrolle.
  9. #9

    Zitat von M. Metternich
    Da hast Du aber mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen:-)
    (Cross... ;-))


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