Forum: Kultur
Wie hat Hermann Hesse Ihr Leben verändert?
Hermann Hesse (1877-1962), Literatur-Nobelpreisträger und weltweit geschätzter Autor von Prosa und Lyrik, beflügelte seine Leser mit Spiritualität und der Verbindung von Philosophie und emotional berührender Erzählkunst. "Siddharta", "Demian" oder "Der Steppenwolf" inspirierten auch die Hippies der Haight-Ashbury-Generation, und sein Großwerk "Das Glasperlenspiel" (1943) bildet die Weltsicht Hesses opulent ab. Marcel Reich-Ranicki allerdings schätzte am meisten die schmale Novelle "Unterm Rad". Wie hat Hermann Hesse Ihr eigenes Leben verändert?
- #1 04.08.2012 10:58 von
Hermann Hesse hat sich den Nobelpreis redlich verdient. "Narziß und Goldmund", "Siddharta", "Der Steppenwolf", diese Bücher haben meine Sicht auf die Welt verändert.
Später wurde Hesse für seine bisweilen "zuckrig-klebrige" Prosa kritisiert. Mag sein. Man liest den Hesse auch besser mit 16 und nicht erst mit 46.
Hab mal durch Zufall ein Märchen im Internet gefunden, das Hesse mit 13 geschrieben hat. Man kann es sich kaum vorstellen, daß da ein 13jähriger schreibt. Das Märchen hat alles: Anfang, Spannungsbogen, Ende. Man nannte ihn völlig zu Recht ein Wunderkind.
Von allen deutschen Literaturnobelpreisträgern gönne ich Hesse den Preis am meisten. Wer zum Teufel waren noch Grass und Böll? (Wobei ich den letzteren sehr schätze, den ersten eher nicht.) - #2 05.08.2012 06:40 von
Der Glasperlenspieler
H. Hesse wollte seine an der Zeit leidenden Psyche durch die Internalisierung von Lebensweisheiten heilen.
Er war stets bestrebt, Geist und Leben ins Gleichgewicht zu setzen, aber ein unausgeglichenes Wesen stand ihm im Wege.
Seine Schaffenskraft führte ihn aber nicht zu einem vollkommenen Werk, sondern zur teils ernüchternden und teils humorvollen Selbsterkenntnis, dass es für die Liebe zum Leben mehr, als nur der Verzauberung durch Wörter bedarf.
Ich bin ein großer Hesse Fan, und er hat meiner labilen Seele wieder zum neuen Glanz verholfen. Shine on brightly. - #3 05.08.2012 07:56 von
Titel
Na ja, ich frage mich doch, was die Hand soll.
Der spöttisch provokante Blick hätte es auch getan. - #4 05.08.2012 08:54 von
Danke für das wundervolle TITELBILD...
...wobei es des Stinkefingers NICHT bedurft hätte- ER hat solches Viel Eleganter und beiläufiger Auszudrücken gewusst!
"MEIN" Hesse wird auch in Hundert Jahren noch von Dannzumal Jungen Menschen gelesen werden- weil es JEDEM Empfindsamen Jungen Menschen so geht wie U.Lindenberg es vor der Kamera ausdrückte..."Ich dachte mir: Hey- WOHER kennt DER MICH -und weeis von MEINEM Leben und empfinden- wo er doch schon lange Tot ist"- NEIN -ist er NICHT- SEINE Menschlickeit- sein Mitfühlen und mitempfinden leben weiter ! Es wird einmal wohl auch die todesstunde- uns NEUEN Räumen JUNG entgegensenden... Des Lebens RUF an Uns wird NIEMALS Enden-
Wohlan denn Herz- nimm Abschied- und Gesunde"
(P.S. -solches "SÜSSLICH" zu ermpfinden kann auch nur den
"Abwrack-Pseudo-Poeten" der sog. "Postmoderne-) einfallen !
aber DIER sind längst zu Staub zerfallen-
während Hesse immer weiter LEBT ! - #5 05.08.2012 10:12 von
Als ich Hermann Hesse entdeckte, war im wohl um die Zwanzig. Es war Liebe auf den ersten Blick, die immer noch anhält. Für einen Sinnsucher ist er immer noch eine gute Adresse. Ich kann mit Recht behaupten, dass er mir auf dem Weg zu echter Spiritualität verhalf bzw. mich diese in ihrem Wesen schneller erkennen lies. Die existentiellen Kämpfe, die Hesse durchlebte, waren auch meine eigenen. Ich hatte mich damals auch von ihm anregen lassen mich mit einer kleinen Geschichte zu versuchen, die mein Erleben wiedergab. Sie ist zwar nicht literarisch wertvoll, aber .E. immer noch dem Inhalt nach. Von der Literatur habe ich mich schließlich abgewandt um mich ganz der Verwirklichung des wahren Lebens zu widmen. - #6 05.08.2012 10:38 von
Titelbild unpassend!
Zunächst einmal empfinde ich den Stinkefinger der Montage völlig deplaziert. Es wird der Eindruck erweckt, als würde sein Hauptwerk in plumper Provokation liegen. Es assoziiert eine selektive Sicht auf die komplexe Persönlichkeit Hesses. Als wäre er der Prototyp der Punks gewesen...
Seine Schriften zeugen wohl von Rebellentum und Gesellschaftkritik. Im gleichen Atmemzug verwirft er nicht's vom Alten Wahren, schüttet das Kind nicht mit dem Bade aus; ist sich unserer europäischen, deutschen und auch kirchlichen Tradtionen bewusst und beschreibt auch die Schönheit, die darin liegt. Er ist ein offener Geist; ein Sowohl-als-auch- Denker. Kein plumper zweiwertiger Schwarz-weiß- Denker und Moralist wie die vom 68er Geist Getriebenen, welche sich ihn nun nachträglich so zurechtstutzen dass er in ihre zweidimensionale Welt passt...
Über allem Konflikt, Leid, Schmerz und Ungerechtigkeit schebt in Hesses Büchern immer der namenlose nicht fassbare Geist des Schönen, Guten und Wahren. Er deutet mit seinen Worten auf die namenlose Schönheit der kleinen Dinge, vor allem der Natur. Er meidet die Massen, erlauscht die leisten Töne; sieht die Farbnuancen, lässt einem Anteil haben, an seine Liebe zu dieser Welt; zwischen den Zeilen spricht sein Herz direkt zum Herz des Lesers. Dass ist für mich Hesse. So spricht er mir in seinen Schriften zu mir..... - #7 05.08.2012 10:57 von
Reise
Der Hesse konnte vor allem verdammt gut erzählen. Womöglich gab es größere und bedeutendere deutsche Literaten als ihn, aber Hesse war ohne Zweifel ein grundsympathischer Geselle. Sicher, mit menschlichen Schwächen, aber politisch und damit menschlich stand er im Gegensatz zu vielen andern bereits sehr früh auf der richtigen Seite des Zauns. Hesses Bücher waren in meiner Jugend treue Begleiter und hervorragender Lesestoff, und Siddharta war meine erste Bekanntschaft mit der ostasiatischen Religionswelt. Ein verdienter Nobelpreisträger und herzensguter Kerl, der Hesse. Möge seine Reise spannend weitergehen.
- #8 05.08.2012 14:00 von
In meiner Jugend...
...habe ich Alles von Hesse gelesen, bis auf 'Die Märchen'.
Würde mir gerne das Titelbild in Postergröße ausdrucken.
Ist das möglich?
DieterH - #9 05.08.2012 16:19 von
Hermann Hesse war ein Literat, der vor allem von Jugendlichen immer wieder gerne gelesen wird, weil sich seine Texte für deren Gefühlswelt sehr gut eignen. Ich bin als Teenie sogar einmal zusammen mit einem Freund den weiten Weg nach Calw getrampt, den Geburtsort Hesses. Eine lohnende Reise.
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