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Wie finden Sie "The Dark Knight"?

Nach dem großen Erfolg in den USA läuft der neue Batman-Film "The Dark Knight" nun auch in Deutschland. Wie gefällt Ihnen der Film? Und wie der verstorbene Heath Ledger in seiner letzten Rolle?
  1. #60

    Hierzu muss man anmerken, dass es "den" Batman nicht gibt, sondern diese Figur - wie jede Serienfigur, die so lange existiert - extrem viele Wandlungen durchgemacht hat. Von der Horrorfigur über die Actionfigur zum Beinahe-Clown zum realistischen Detektiv zur düsteren Nachtgestalt zur Gothic-Ikone.

    Millers DKR ist dabei nur einer der Marksteine auf diesem Weg, und er markiert tendentiell eher eine nie wieder betretene Abschweifung als einen der "typischen" "Batmen" seit 1939. Miller selbst hat diesen Batman bis zur Lächerlichkeit parodiert in "The Dark Knight Strikes again".

    Nolans Batman finden wir dagegen in den Werken von Neal Adams, in Alan Moores bißchen Werk über Batman und eben auch bei Frank Miller, hier vor allem in "Year One". Also vor allem in den Comics aus den siebziger und achtziger Jahren ("Year one" stammt allerdings bereits aus den Neunzigern) - die Zeit, als Nolan jung war. Zufall?

    Zusammengefasst: Man kann auf keinem Fall von "dem" Batman sprechen, er ist immer eine Projektionsfläche des Zeitgeistes gewesen.

    Praktisch alle Batman-Fans, die ich kenne, sind übrigens von dem Film begeistert. Und da kommen dank Internet einige zusammen.
  2. #61

    Sicher, auch ich als alter (seit 1975) Batman-Leser würde mir eine 1:1 Comic/Film-Adaption wünschen. Aber mir ist natürlich klar,dass so etwas (zumindest außerhalb d. USA) niemals genug "normale" Zuschauer in die Kinos ziehen würde, um auch nur die Produktionskosten zu decken, geschweige denn, um ein sog. Megaseller zu werden.
    In Anbetracht dessen, bin ich doch recht zufrieden mit TDK.
    Dieser, und auch sein Vorgänger, kommen dem Batman
    der Comics so nahe, wie es der Mainstram halt erlaubt.
  3. #62

    Zitat von kurhesse Beitrag anzeigen
    Sicher, auch ich als alter (seit 1975) Batman-Leser würde mir eine 1:1 Comic/Film-Adaption wünschen. Aber mir ist natürlich klar,dass so etwas (zumindest außerhalb d. USA) niemals genug "normale" Zuschauer in die Kinos ziehen würde, um auch nur die Produktionskosten zu decken, geschweige denn, um ein sog. Megaseller zu werden.
    In Anbetracht dessen, bin ich doch recht zufrieden mit TDK.
    Dieser, und auch sein Vorgänger, kommen dem Batman
    der Comics so nahe, wie es der Mainstram halt erlaubt.
    Und genau hier ist das Problem. Der Batman Film ist Mainstream, verkörpert aber nicht den Batman, wie man ihn aus den Comics kennt. Die Figur des Batman basiert auf einigen Charakteristika, die Batman in seiner gesamten Comic-Geschichte immer beschrieben hat. Er geht wenn nötig auch mit äußerster Gewalt gegen das Verbrechen vor, selbst wenn er selber gegen Gesetze verstoßen muss. Damit wird er zu einem Feind des Gesetzes. Eine Zusammenarbeit wie in Dark Knight ist dadurch lächerlich. Batman verfolgt seine Ziele fanatisch, fast wie ein Psychopath. Schon immer war Batman ein ambivalenter Charakter, ein grimmiger und verbitterter Kerl, der ernst und asketisch seiner Aufgabe nachgeht. Dieser Batman wurde nur im allerersten Film richtig getroffen, in Dark Knight dagegen nicht.
    Auch das der beste Schurke aller Zeiten, der Joker, im Filmfinale durch Two Face ersetzt wurde hat einen sehr faden Beigeschmack für mich.
  4. #63

    Zitat von dominion78 Beitrag anzeigen
    Batman verfolgt seine Ziele fanatisch, fast wie ein Psychopath. Schon immer war Batman ein ambivalenter Charakter, ein grimmiger und verbitterter Kerl, der ernst und asketisch seiner Aufgabe nachgeht.
    Absolut richtig. Und so wurde Batman in Dark Knight eben leider nicht dargestellt, er erinnerte mehr an Bruce Willis aus Stirb Langsam, eben ein "normaler" Action Held.
  5. #64

    Bitte nicht böse sein, aber:

    Zitat von dominion78 Beitrag anzeigen
    Er geht wenn nötig auch mit äußerster Gewalt gegen das Verbrechen vor, (...) Schon immer war Batman ein ambivalenter Charakter, ein grimmiger und verbitterter Kerl, der ernst und asketisch seiner Aufgabe nachgeht.
    Rein comichistorisch sind beide Aussagen falsch.

    Nur ganz kurz angerissen - denn das Thema ist wirklich abendfüllend - hier:

    "Batman's primary character traits can be summarized as "wealth; physical prowess; deductive abilities and obsession." The details and tone of Batman's characterization have varied over the years due to different interpretations. Dennis O'Neil noted that character consistency wasn't a major concern during earlier editorial regimes; he said, "Julie Schwartz did a Batman in Batman and Detective and Murray Boltinoff did a Batman in the Brave and the Bold and apart from the costume they bore very little resemblance to each other. Julie and Murray did not coordinate their efforts, did not pretend to, did not want to, were not asked to. Continuity was not important in those days.""

    (http://en.wikipedia.org/wiki/Batman)

    Wie oben gesagt: der Batman, den wir heute kennen, ist nicht der Batman aller Zeiten. Und Nolans Batman läßt sich auf eindeutige Comicvorbilder (bis hin zu konkreten Bildzitaten) zurückführen, ist also nicht minder "echt".
  6. #65

    Zitat von Stefan Pannor Beitrag anzeigen
    Bitte nicht böse sein, aber:
    Rein comichistorisch sind beide Aussagen falsch.
    Nur ganz kurz angerissen - denn das Thema ist wirklich abendfüllend - hier:

    "Batman's primary character traits can be summarized as "wealth; physical prowess; deductive abilities and obsession." The details and tone of Batman's characterization have varied over the years due to different interpretations. Dennis O'Neil noted that character consistency wasn't a major concern during earlier editorial regimes; he said, "Julie Schwartz did a Batman in Batman and Detective and Murray Boltinoff did a Batman in the Brave and the Bold and apart from the costume they bore very little resemblance to each other. Julie and Murray did not coordinate their efforts, did not pretend to, did not want to, were not asked to. Continuity was not important in those days.""

    (http://en.wikipedia.org/wiki/Batman)

    Wie oben gesagt: der Batman, den wir heute kennen, ist nicht der Batman aller Zeiten. Und Nolans Batman läßt sich auf eindeutige Comicvorbilder (bis hin zu konkreten Bildzitaten) zurückführen, ist also nicht minder "echt".

    Vollkommen richtig. Auch bei einer 1:1 Verfilmung wäre die
    Darstellung von Batman/Bruce Wayne immer davon
    abhängig, aus welcher "Aera" die betreffende Story stammt.
    Beispielsweise würde der Batman einer " Knightfall"-Adaption ein anderer sein, wie der aus "No Mans Land".
  7. #66

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Nach dem großen Erfolg in den USA läuft der neue Batman-Film "The Dark Knight" nun auch in Deutschland. Wie gefällt Ihnen der Film? Und wie der verstorbene Heath Ledger in seiner letzten Rolle?
    Neben den sehr surreal artifizellen Verfilmungen von Tim Burton bisher die beste Kinoverfilmung. Kein typisches Hollywoodkino. Eine perfekte Synthese aus Kinounterhaltung und aktueller Gesellschaftskritik.

    Ledger brilliert mit einem verstörend authenischen Joker. Leider nicht ganz glaubwürdig die Besetzung des heroischen Staatsanwalts.
  8. #67

    toll !

    ja, humor, ironie usw haben gefehlt. der film heißt aber auch "the dark knight" und nicht "american pie - the batmeister" - basta. zumindest ICH habe mir keine komödie von dem film erhofft. also lieber spiegel, warum denn so ernst ?

    der film ist bleischwer ? ja was denn nun bitte ? einmal ist ein streifen zu oberflächlich, langweilig, dann ist ein anderer bleischwer. MIR ist er nicht so vorgekommen.

    ein ernster film, zum glück OHNE happy end, ohne hochzeit des helden mit seiner traumfrau, ohne ausschließliche helden und bösewichte, gerne mit grauzonen.

    zuerst empfand ich eine art von schmerz, angesichts der leistung von ledger, die, wie es mir schien, den früheren jack nicholson in den schatten stellte, was ich bis dato nicht für möglich hielt. als kompromiss mit meinem gewissen erkläre ich mir einfach, daß es einfach zwei unterschiedliche interpretationen sind, die einfach nicht miteinander konkurrieren ;-)
  9. #68

    Im Prinzip ist es dennoch Mainstream-Kino, was die Masse erfreut, welches zuvor gehyped wurde - und die Fans sind etwas angesäuert, aber dennoch glücklich einen "realistischeren" Batman zu bekommen - ein guter Kompromiss zwischen Geld und Mythos, oder ?
  10. #69

    Zitat von acitapple Beitrag anzeigen
    der film ist bleischwer ? ja was denn nun bitte ?
    Mit Blei wird nicht gespart, weit über 50 Tote, insofern korrekt. Aber schwer? Nein.

    Eine Episode: Hongkong, überragend abgefilmt. Ich kenne das Hongkong von vor mehr als 20 Jahren, sehr lange her, im Film kam es mir so vor, als wäre ich gestern erst dort gewesen, allein dafür lohnte sich für mich die Investition eines ganzen, langen Abends.

    Nur eines ist mir unverständlich: Warum muss Batman von Christian Bale gespielt werden? Der Mann kommt mir wie ein Klon vor. Hängt der eigentlich Scientology an? Genormt, bieder und leblos, mit einem Wort: entsetzlich.
    Nun weis ich nicht genau, inwieweit mein Urteil von dem natürlich sehr bedauerlichen Tod Heath Ledgers beeinflusst ist, so dass ich einfach sagen möchte, Joker ist auf leichtfertige Weise so böse verkörpert, wie es erforderlich zu spielen ist, will man darstellen, wie irrsinnig Menschen handeln können und es auch tun.
    Sein lila Anzug, seine Körpersprache, überwältigend - schön und lässig.
    Dem Kostümbildner oder wie immer die Ausstatter heißen, gebührt ein Oscar, allein für das Joker-Kostüm. Auch die Krankenschwesterkluft des Jokers, Irrsinn pur.

    Ein Oscar für Heath Ledger wäre meiner Ansicht nach eher ein geschmackloses Abfeiern des Toten, nichts für mich. Aber Hollywood wird das nicht lassen können, nehme ich an.


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