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Warum wurde gerade die Titanic zu einem Mythos?

Der Untergang des Luxusschiffs "Titanic" entsetzte die Welt: Ein epochales technisches Großwerk, ein als unsinkbar gepriesener Ozeanriese geriet auf seiner Jungfernfahrt in Seenot und sank tatsächlich. Bis heute fasziniert das Unglück die Menschen, der Kinofilm über die Katastrophe wurde der erfolgreichste aller Zeiten. Was genau erregt bis heute die Welt an der Titanic? Warum wurde gerade sie zu einem Mythos?
  1. #1

    Mythos Titanic

    Die Titanic war schon immer eine Metapher für den Zustand der Gesellschaft. Das hatte schon Goebbels bemerkt, der mit großem Eifer seinerzeit die Verfilmung des „Untergangs der Titanic“ betrieben hatte. Man konnte die „Dekadenz“ der angloamerikanischen Gesellschaft im Sinne des Nationalsozialismus propagandistisch ausnutzen. Allerdings war die Schilderung der Katastrophe wahrscheinlich zu drastisch gelungen, um sie dem deutschen Kinopublikum in der Endphase des Krieges zuzumuten, weshalb der besagte Film in den Archiven verschwand. Erstaunlich ist auch die Tatsache, dass der (stark gekürzte) Propagandastreifen im kalten Krieg gelegentlich in der ARD zu sehen war. Immerhin ist es interessant, dass Camerons Neuverfilmung einige Elemente aus der alten Verfilmung direkt übernommen hat.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Titani..._about_Titanic

    Wollte Cameron mit seiner weichgespülten Tragödie das Kinopublikum auf zu erwartende neue Katastrophen vorbereiten? Wie man sich erinnert war die Welt im Jahr 1997 im Gegensatz zu heute ein recht friedfertiger Ort. Auch der eigentliche Besitzer der Titanic, J.P. Morgan und dessen Nichtteilnahme an der Jungfernfahrt, beschwört in letzter Zeit allerlei Theorien herauf. In Krisenzeiten scheint die Titanic-Thematik jedenfalls verstärkt gefragt zu sein.
    Mythologisch betrachtet geht es ja darum, dass die angemaßten Halbgötter in den Tartaros („Hölle“) versinken. Über fast jeden Aspekt dieses fast schon apokalyptischen Untergangs wurden ja zahlreiche Bücher geschrieben. Die eigentliche Frage dahinter lautet wohl: Haben wir unsere Zukunft selbst in der Hand oder gibt es ein unentrinnbares Schicksal? Und werden wir beim Schicksal gelegentlich etwas geholfen? .-)
  2. #2

    Wilhelm Gustloff

    Für mich, der ich zusammen mit meiner Mutter, auf der Wilhelm Gustloff schon eingeplant war,ist die Versenkung der Gustloff durch ein russisches U-Boot, die weitaus schlimmere Katastrophe! Denn immerhin waren ca. 10 000 Menschen an Bord zusammengefercht. Zu einem Drittel waren es Kinder wie ich , im Alter von damals vier Jahren. Sie ertranken qualvoll kopfüber in ihren Schwimmwesten hängend in der eiskalten Ostsee.
    Nartürlich will ich hiermit nicht das Leid der auf der Titanic umgekommenen schmählern, sondern nur die Verhälznismässigkeit aufzeigen.
  3. #3

    >|-)

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Untergang des Luxusschiffs "Titanic" entsetzte die Welt: Ein epochales technisches Großwerk, ein als unsinkbar gepriesener Ozeanriese geriet auf seiner Jungfernfahrt in Seenot und sank tatsächlich. Bis heute fasziniert das Unglück die Menschen, der Kinofilm über die Katastrophe wurde der erfolgreichste aller Zeiten. Was genau erregt bis heute die Welt an der Titanic? Warum wurde gerade sie zu einem Mythos?
    Damit die Presse nach 100 Jahren noch etwas zu "schreiben" hat? ;-|
  4. #4

    Zitat von xhoch2 Beitrag anzeigen
    Dieter58: Ihr Rechenergebnis stimmt nicht. Bei 8400 Toten auf der WiGu sind nicht 3x mehr Menschen ertrunken, sondern 5x.
    Verzeihung! Ich habe überhaupt nicht gerechnet! Oder ist die Schwere einer Katastrophe von der exakten Anzahl der Opfer abhängig?
    Zitat von xhoch2 Beitrag anzeigen
    Nicht zu vergleichen? Ertrunken sind die Leute auf beiden Schiffen. Ob Reiche oder Soldaten mit ihren 98k-Karabinern.
    Nein, nicht zu vergleichen.
    Das eine war ein tragischer Unfall, das andere eine militärische Versenkung.
    Es war Krieg!
    Und in beiden Fällen sind die wenigsten Opfer ertrunken sondern im eisigen Wasser an Unterkühlung gestorben.
    Und auf der Titanic waren die wenigsten Passagiere "reich"...
    Aber kleine Leute geben keine Schlagzeilen her.
  5. #5

    ....wahrscheinlich fehlt mir da ein Gen....aber ich kann bis auf einige normale Interessereflexe bei mir überhaupt nichts Titanic-affines feststellen. Selbst archäologiemäßig ist das ja völlig uninteressant - DAS Zeux, was da liegt, hat jeder von uns schon zigfach beim Dachboden ausmisten weggeworfen. Das ganze ist ein Medienhype von Anfang an - von der unwahren Blauen-band-Geschichte über die angeblich behauptete Unsinkbarkeit bis hin zum (Allerwelts)-unfall und den angeblich zu wenigen Rettungsbooten. Das ist nur wegen der drumrumerzeugten (meist falschen) Geschichten interessant.

    Nichtsdestotrotz gönne ich den Leuten ihre Unterhaltung. Aber man wird auch Leute finden, die hobbymässig alles dransetzen, irgend einen bestimmten Typ von Flugzeug nachzubauen, die rund um die Uhr hanoveranische Staatshandbücher durchforsten und sammeln oder die Geschichte der XXten Kavallerieregimenter bis zum Tagesbefehl von Weihnachten 1939 erforschen.

    Nicht mal DAS ist Titanic-spezifisch.
  6. #6

    Wie schon einige Mitforisten anmerkten,...

    sind die Fälle der Titanic un der Wilhelm Gustloff nicht zu vergleichen.
    Frieden und Krieg sind der erste Unterschied der Zeitumstände.
    Das eine war ein Unfall, bzw. eine Verkettung unglücklicher Umstände bis hin zur Fahrlässigkeit (keine Ferngläser für den Ausguck, unangepasste Geschwindigkeit unter Missachtung der Eiswarnungen, zu geringe Rettungskapazitäten (obwohl damals geltende Anforderungen erfüllt wurden)).
    Die Wilhelm Gustloff war zum Zeitpunkt der Torpedierung kein ziviles Schiff und auch kein Lazarettschiff (mehr), das völkerrechtlich geschütz ist.
    Das war damals und ist heute geltende Rechtslage.
    Das Schiff war als Truppenwohnschiff, bzw. -transporter genutz.
    Es trug einen grauen Anstrich, fuhr verdunkelt, transportierte Einheiten der 2. U-Lehr-Division, und war mit Flakgeschützen am Deck bewaffnet.
    Ein legitimeres Ziel kann man sich kaum denken. Dass auf diesem Schiff auch Zivilisten mitfuhren, so hart es sich insbesondere für Betroffene anhört, spielt keine Rolle und schränkt die Legitimität in keinster Weise ein.
    Denn nicht um sonst wird der Einsatz von "menschlichen Schutzschilden" immer wieder kritisiert. Hierzu z.B. die Problematik von gefangenen UN-Soldaten im Bosnien-Krieg...
    Eine solche Herangehensweise war übrigens auch während des 2. Weltkriegs illegal.
  7. #7

    Voyeurismus bedient

    Diese Thematik bedient seit Jahrzehnten die voyeuristische Perversität der menschlichen Evolution. Während sich viele unter den "Faszinierten" vermutlich immer noch ärgern, nicht persönlich dabei gewesen zu sein, natürlich ohne dabei selbst in Gefahr zu geraten, wird an anderer Stelle schon wieder darüber nachgedacht, in welchem Rahmen man die Historie der Titanic für das Publikum noch intensiver und noch interessanter gestalten könnte. Eben "höher, schneller,weiter..." oder wie war das noch?
  8. #8

    Bildfrequenz

    Mal ein technische orientierter Beitrag.

    Cameron hat recht: Die Bildfrequenz muss dringend erhöht werden. Es ist ein Witz, dass rasante Actionspektakel immer noch 24 Bilder/Sekunde gefilmt und projiziert werden. Das sieht auf Großleinwänden zuweilen aus wie Daumenkino.

    Allerdings: in Avatar - einem Zukunftsepos immerhin - ist im Display der Videokamera eines Protagonisten der Timecode zu sehen, der nach 24 immer schön zurück die 0 springt. Scheint so, dass Cameron wenig Vertrauen in seine eigenen Visionen hat.
  9. #9

    gemachte Legende

    Was genau ist den an Cameron so besonders? Ausser, dass er sich ständig in die Nachrichten spielt, ist er ein durchschnittlicher Regisseur. Alien war sicher für seine Zeit bahnbrechend, immerhin hat von da an fast jeder Science Fiction das Prefix 'Horror' bekommen, er hat damit den positiven Zukunftsglauben für immer begraben.
    Aber Terminator, Titanic.. oder Avatar.. das sind doch langweilige Hollywood Blockbuster and von denen gibt es viele. Wirklich gute Filme brauchen kein gigantisches Budget sondern ein gutes Drehbuch, gute Schauspieler und Mut etwas neues zu wagen.
    Aber Hollywood muss immer an seinen Mythos arbeiten und bedient sich daher seiner eigen Crew an Amigos. Und Titanic ist ein Teil davon, als gäbe es keine anderen Geschichten...


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