Die Titanic war schon immer eine Metapher für den Zustand der Gesellschaft. Das hatte schon Goebbels bemerkt, der mit großem Eifer seinerzeit die Verfilmung des „Untergangs der Titanic“ betrieben hatte. Man konnte die „Dekadenz“ der angloamerikanischen Gesellschaft im Sinne des Nationalsozialismus propagandistisch ausnutzen. Allerdings war die Schilderung der Katastrophe wahrscheinlich zu drastisch gelungen, um sie dem deutschen Kinopublikum in der Endphase des Krieges zuzumuten, weshalb der besagte Film in den Archiven verschwand. Erstaunlich ist auch die Tatsache, dass der (stark gekürzte) Propagandastreifen im kalten Krieg gelegentlich in der ARD zu sehen war. Immerhin ist es interessant, dass Camerons Neuverfilmung einige Elemente aus der alten Verfilmung direkt übernommen hat.
https://en.wikipedia.org/wiki/Titani..._about_Titanic
Wollte Cameron mit seiner weichgespülten Tragödie das Kinopublikum auf zu erwartende neue Katastrophen vorbereiten? Wie man sich erinnert war die Welt im Jahr 1997 im Gegensatz zu heute ein recht friedfertiger Ort. Auch der eigentliche Besitzer der Titanic, J.P. Morgan und dessen Nichtteilnahme an der Jungfernfahrt, beschwört in letzter Zeit allerlei Theorien herauf. In Krisenzeiten scheint die Titanic-Thematik jedenfalls verstärkt gefragt zu sein.
Mythologisch betrachtet geht es ja darum, dass die angemaßten Halbgötter in den Tartaros („Hölle“) versinken. Über fast jeden Aspekt dieses fast schon apokalyptischen Untergangs wurden ja zahlreiche Bücher geschrieben. Die eigentliche Frage dahinter lautet wohl: Haben wir unsere Zukunft selbst in der Hand oder gibt es ein unentrinnbares Schicksal? Und werden wir beim Schicksal gelegentlich etwas geholfen? .-)
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