Der Streit um die Rückgabe von Kunstwerken, die die Nazis den rechtmäßigen Eigentümern genommen haben, dauert an. Umso mehr, als viele der Werke heute in Museen zu finden sind. Muss diese Rückgabe an die Eigentümer erheblich schneller als bisher erfolgen?
Das Verbrechertum der Nazis ist derart ekla- und exorbitant, dass auch hier ein Vergleich und damit ein Aufrechnen mit dem, was andere getan haben, unzulässig ist. Sicher gehörte es früher zum Kriegführen, dass der Sieger Erbeutetes nicht mehr herausgab (s. z. B. die Heidelberger Bibliotheca Palatina, die heute im Vatikan ist). Aber die Nazis, d. h. wir wurden besiegt und haben daher auch deswegen die Restitutionsverpflichtung unverzüglich zu erfüllen.
Von "erheblich schneller" kann ja wohl nicht die Rede sein.
Wenn 64 Jahre nach dem Ausscheiden des Führes aus der Weltgeschichte immer noch eine erhebliche Anzahl von Kunstgegenständen sich wiederrechtlich in deutschen Museen befindet, kann man ja nur noch von Verschleppung und Diebstahl reden.
Könnte es sein, daß die Dimensionen da etwas anders sind, sowohl was die Kriege als auch den Raub betrifft?
Es ist schon ein feiner Unterschied, ob staatlich organisiert und im großen Stil Kunstwerke geraubt werden in einem Krieg, den man selbst vom Zaun gebrochen hat, oder ob ein Soldat bei der Befreiung Deutschlands ein "Souvenier" mitgehen ließ. Illegal ist auch letzteres, aber erstens durchaus verständlich in einem Land, dessen "Führer", ausführende Organe und geiferndes Sprachrohr ("Wollt Ihr den totalen Krieg...") keine Gelegenheit ausgelassen hat, sich als Barbaren zu präsentieren und zweitens wurden auf diesem Wege entwendete Kunstwerke bereits vielfach zurück gegeben.
Es ist genau dieses in Deutschland weit verbreitete dummdreiste und geschichtesvergessene mit dem Finger auf andere zeigen, das einer zivilisierten Lösung im Wege steht.
Da beruft man sich in Deutschland gerne auf formaljuristische Finessen. Schließlich ist ja nicht selten ein "Kaufvertrag" geschlossen worden. Bei KUnstwerken genau so wie bei HÄusern oder Unternehmen, wenn jemand Deutschland verlassen mußte, was den Preis natürlich erheblich minderte, wems pressiert, hat keinen Spielraum für Verhandlungen. Aber das schiebt man eben darauf, daß "die Zeiten halt so waren" - und verschweigt, daß man selbst Teil dieser "Zeiten" war.
Das ist nicht Verdrängung, das ist viel schlimmer: Da ist überhaupt kein Schuldbewußtsein vorhanden, das man verdrängen müßte. Die jetzigen Besitzer fühlen sich vollkommen im Recht, und verstehen gar nicht, was man von ihnen will.
Leider bestärken deutsche Gerichte sie teilweise in dieser Ansicht, indem sie diese "Kaufverträge" für rechtens erklären, weil die Unterschrift darunter echt ist, egal unter welchen Umständen sie gegeben wurde.
Zu Friede, Freude und Eierkuchen wird all das aber nicht führen, wie die Causa Kirchner zeigt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Causa_Kirchner