Es tut sich viel auf deutschen Bühnen - das aktuelle SPIEGEL-Interview mit Angela Winkler unbd Harald Schmidt thematisiert es aus Schauspielersicht. Gehen Sie gern ins Theater? Was gefällt Ihnen, was nervt? Was wünschen Sie sich vom Theater?
Sehr geehrter Herr thawonda,
Ihr Beitrag stimmt mich ja schon fast wieder um! An den Kassen muss man echt 'ne Menge Kies abdrücken, sehe ich durchaus ähnlich wie Sie. Ob es bei einer staatlichen Förderung eines derartig gestaltenen Geschehens nicht auch wieder zu Klagen käme, wenn einige hilfreiche Pharmazeutika, in der Regel "via GRAnkenkasse" ja durchaus unterstützt, von den Bürgern selber finanziert werden müssen?
Mit freundlichem Gruß
Hallo, sganarelle,
habe diese Idee auch so interpretiert, wo bei z.B. Brechts Absichten mit dem V(erfremdungs]Effekt schon einige Jahre auf dem Buckel haben dürfte.
Um 1970 hat man dann als kleiner Steppke mal derartige Inszenierungen der Rose Bernd oder der Dreigroschenoper gesehen; außer, dass man neben einem ansprechenden Bühnenbild zusätzlich noch auf die Theaterstücke selber verzichtet, haben die Ewiggestrigen des Theaters nicht viel Neues geschaffen, vermutlich sind diese mit der Zerstörung von Altem ja auch genügend beschäftigt.
Moderne Inszenierung ist ja ein interessanter Begriff, die Moderne (des Geistes, der Aufklärung) ist eigentlich schon ziemlich alt, ich unterscheide aus diesen Gründen immer zwischen dem modernen Geist, sagen wir eines Voltaire und "modärnen" Konsumprodukten, die zur Unterhaltung offeriert werden.
Mit netten Grüßen
Eben! :-(((((
Theater:
Man bezahlt, geht rein, sitzt rum, fragt sich: hast du eigentlich nichts besseres zu tun, zum beispiel könntest du jetzt die bühne stürmen, wenn du eh schon mal da bist, schiebt sich in der pause ein lachsbrötchen vom käfer rein, spült mit prosecco nach, kuckt sich die anderen dasitzer an, fragt sich: ham die eigentlich nix besseres zu tun, dann sitzt man wieder da, hustet mal, kuckt sich eigene und fremde schuhe an: müssten mal wieder geputzt werden [man hat nie schuhputzzeug dabei im theater, obwohl das der ideale ort zum schuheputzen wäre], dann klatschen alle in die hände und man geht dann halt, und dann sagt sie: boah, das mussich ersmal sacken lassen, lust auf´n absacker gegenüber? kultur macht durstig. ochnö, sag ich, soviel leben, wie sie mir da in der furzbude geklaut haben, kann ich mit dir garnich mehr aufholen, bis dann, man sieht sich.
Gut; zu unterscheiden gilt dennoch zwischen dem Erlebnis authentischer Schauspielkunst, der beizuwohnen ein Gewinn sein kann, und der Besichtigung hochoffiziöser, aufgeblasener Theaterspektakel. Für ersteres benötigen Sie gerade mal eine kleine Wirtshausbühne, zwei-drei Requisiten vielleicht, ein Stück und vor allem gute Schauspieler. Für zweiteres benötigen Sie eine hochsubventionierte, hochtechnisierte Theaterinfrastruktur, die mittels Multimediabombast, vordergründigen SpecialEFX und bühnenbildnerischem Overkill die Schauästhetik von Kino, Jahrmarkt, Revue oder Peepshow nachzuahmen bemüht ist.
Stimmt. Wenn ich da an das schwäbische Kultstück "Hannes ond dr Bürgermeischder" denke, das passt in das von Ihnen vorgegebene Profil:
gute Schauspieler, eine kleine Bühne und wenige aber gut eingesetzte Requisiten.
Das nenne ich Unterhaltung; an Theater denke ich hier weniger. Das, was Sie als hochmoderne Entwicklung beschreiben, ist das, das mich abschräckt.
Ein Besuch in einer kleinen Scheuer, um bspw. o. g. Stück zu betrachten, für das es nebenbeigesagt nur an einem Tag im Jahr Karten zu kaufen gibt, ist für mich dann schon wieder ein Kulturerlebnis. Hier wird Mundart praktiziert und der gemeine Bürger kann sein und bleiben wie er ist. Extra fein-fein, das ist hier nicht gegeben; wohlfühlen vorprogrammiert.