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Literatur - Was lohnt es noch zu lesen?

Bücher sind populär, über Bücher wird gestritten, manchmal werden Bücher noch verboten, sogar im Fernsehen erzielen Literatursendungen ("Lesen!") nach wie vor ansehnliche Quoten. Gute Zeiten für belletristische Literatur? Oder haben es literarische Texte heute schwerer denn je, inmitten der PR-Gewitter ihr Publikum zu finden? Gibt es noch die Lust auf den unbekannten Text oder ist gängige Literatur fast nur noch leicht verdauliche Häppchenware für Party-Smalltalk?
  1. #23710

    Es schickt sich zu lesen. Allein bin ich trotzdem.

    Das Lesen scheint mir zu einem Statussymbol verkommen zu sein. Will man seinen materiellen Reichtum zur Schau stellen, lohnt sich ein BMW, will man seinen Intellekt veräußern, lohnt sich das Halten eines dieser vielen Reclam-Bücher. Zum Einen erkennt man sie schon aus der Ferne, zum Anderen weiß der Bildungsbürger, dass ein Blick hinein nicht verkehrt sein kann. Doch ist das Halten eines Buch, das weiß man doch, ein zu oberflächlicher Akt, um sich und andere vom eigenen Intellekt zu überzeugen. Der Inhalt sollte schon verinnerlicht werden. „Er macht dies, sie macht das, dann knallts. Ein einzigartiger Stil.“ Doch was sollte ich lesen? Man ließt dafür das Feuilleton, da sind Profis am Werk, die was davon verstehen. Oder man nimmt Leute aus dem Umfeld, die was drauf haben, und erhorcht einen Lesetipp. So spricht sich das dann rum und, oh Wunder, auf der nächsten Party hat man tatsächlich ein gutes Gespräch übers zuletzt gelesene Buch. Auf der einen Seite wissen wir nun voneinander, dass wir uns auf gleicher Wellenlänge befinden, auf der anderen Seite weiß nun jeder für sich, daß er/sie Teil der hochkulturellen Bewegung ist.

    Doch hat das Lesen nicht eine viel wichtigere Funktion als eine soziale? Die Funktion, die mir da vorschwebt, ist eigentlich dieselbe, die das Schreiben für den Schriftsteller hat: seiner eigenen Welt näherzukommen, sich selbst auf das, was ist, zu beziehen. Dies macht man, schreitet man bewusst durch die Welt, nicht nur beim Lesen. In jedem Atemzug, in jeder kleinen Sequenz zeigt sich eine Einzigartigkeit, die uns die Welt zu einem faszinierenden oder beängstigenden oder erheiternden oder verhasste Rätsel werden lässt. Der Blick in die Kunst lässt uns einen Blick in die Welt einer anderen Seele schauen. So finden wir vielleicht etwas, das es sonst für uns nicht gab. Und doch ist der Blick durch die Augen eines anderen immer noch mein Blick, meine Welt. Den unendlichen Reichtum dieser Welt einfach nur zu befeiern, führt bei mir zu Unbehagen. Ist sie doch, schaut man genau hin, nicht einfach Unterhaltung. Sie ist unfassbar und das macht Angst. Darum teilen wir unsere Erfahrungen, um nicht alleine mit ihnen dazustehen. Dies ist gerechtfertigt, ist doch der Mensch so sensibel. Und schon haben wir einen beachteten Literaturkanon. Und dennoch sind wir mit unser Welt allein.

    Warum sorgen wir uns um nicht auffindbare Prachtwerke? Warum fragen wir danach, was wir lesen sollten oder geben anderen diesbezügliche Ratschläge? Was haben wir Angst zu verlieren? Ist die Welt denn nicht genug?
  2. #23711

    Zitat von bananencharlie Beitrag anzeigen
    Das Lesen scheint mir zu einem Statussymbol verkommen zu sein. Will man seinen materiellen Reichtum zur Schau stellen, lohnt sich ein BMW, will man seinen Intellekt veräußern, lohnt sich das Halten eines dieser vielen Reclam-Bücher. Zum Einen erkennt man sie schon aus der Ferne, zum Anderen weiß der Bildungsbürger, dass ein Blick hinein nicht verkehrt sein kann. Doch ist das Halten eines Buch, das weiß man doch, ein zu oberflächlicher Akt, um sich und andere vom eigenen Intellekt zu überzeugen. Der Inhalt sollte schon verinnerlicht werden. „Er macht dies, sie macht das, dann knallts. Ein einzigartiger Stil.“ Doch was sollte ich lesen? Man ließt dafür das Feuilleton, da sind Profis am Werk, die was davon verstehen. Oder man nimmt Leute aus dem Umfeld, die was drauf haben, und erhorcht einen Lesetipp. So spricht sich das dann rum und, oh Wunder, auf der nächsten Party hat man tatsächlich ein gutes Gespräch übers zuletzt gelesene Buch. Auf der einen Seite wissen wir nun voneinander, dass wir uns auf gleicher Wellenlänge befinden, auf der anderen Seite weiß nun jeder für sich, daß er/sie Teil der hochkulturellen Bewegung ist.

    Doch hat das Lesen nicht eine viel wichtigere Funktion als eine soziale? Die Funktion, die mir da vorschwebt, ist eigentlich dieselbe, die das Schreiben für den Schriftsteller hat: seiner eigenen Welt näherzukommen, sich selbst auf das, was ist, zu beziehen. Dies macht man, schreitet man bewusst durch die Welt, nicht nur beim Lesen. In jedem Atemzug, in jeder kleinen Sequenz zeigt sich eine Einzigartigkeit, die uns die Welt zu einem faszinierenden oder beängstigenden oder erheiternden oder verhasste Rätsel werden lässt. Der Blick in die Kunst lässt uns einen Blick in die Welt einer anderen Seele schauen. So finden wir vielleicht etwas, das es sonst für uns nicht gab. Und doch ist der Blick durch die Augen eines anderen immer noch mein Blick, meine Welt. Den unendlichen Reichtum dieser Welt einfach nur zu befeiern, führt bei mir zu Unbehagen. Ist sie doch, schaut man genau hin, nicht einfach Unterhaltung. Sie ist unfassbar und das macht Angst. Darum teilen wir unsere Erfahrungen, um nicht alleine mit ihnen dazustehen. Dies ist gerechtfertigt, ist doch der Mensch so sensibel. Und schon haben wir einen beachteten Literaturkanon. Und dennoch sind wir mit unser Welt allein.

    Warum sorgen wir uns um nicht auffindbare Prachtwerke? Warum fragen wir danach, was wir lesen sollten oder geben anderen diesbezügliche Ratschläge? Was haben wir Angst zu verlieren? Ist die Welt denn nicht genug?

    Niemals ist man tätiger, als wenn man dem äußeren Anschein nach nichts tut, niemals ist man weniger allein, als wenn man in der Einsamkeit mit sich allein ist." Cato
  3. #23712

    Zitat von achras Beitrag anzeigen
    Ich denke, es wäre nun gewiß auch für den Rest der hier mitlesenden Netzgemeinde interessant, zu erfahren, was genau den Hinweis auf Friedrich Nietzsche als Urheber so amüsant sein läßt.
    Unbedingt, Muffin. Unbedingt.
  4. #23713

    Zitat von HaioForler Beitrag anzeigen
    Unbedingt, Muffin. Unbedingt.
    Wo isser denn, unser Achras??

    Huhu, Du wirst vermisst.

    (Dein Spott, Haio, ist überflüssig!)
  5. #23714

    als da wären

    michel de montaigne - die essaies
    restif de bretonne 1001 pariser nächte
    harry graf kessler tagebücher (alle)
    samuel pepys - tagebücher

    aber halt auch alle comics von marini, moebius, bilal, yslaire etc.

    just my 2 cents
  6. #23715

    ich vergass

    david van reybrouck - kongo

    und alles von eco, incl. der bücher über das offene kunstwerk, die semiotik etc.

    yep, lesen lohnt immer noch.
  7. #23716

    Zitat von mr.feelgood Beitrag anzeigen
    (Dein Spott, Haio, ist überflüssig!)
    Och Mannooo ... und ichi hab mir von Achras so viele Google-Links versprochen. Du goennst mir nix.
  8. #23717

    Zitat von HaioForler Beitrag anzeigen
    Och Mannooo ... und ichi hab mir von Achras so viele Google-Links versprochen. Du goennst mir nix.
    ALLES Gute gönne ich Dir!

    Was macht die Liebe -Janice?
  9. #23718

    Archibald Strohalm von Harry Mulisch

    Hier ist das Erstlingswerk von Harry Mulisch in seinen Unzulänglichkeiten, aber auch seiner Größe angemessen beschrieben.
    Die "Entdeckung des Himmels" ist flüssig und logisch beschrieben, ein wahrer Lesegenuss."Archibald Strohalm" zieht mich in eine Welt, die nicht die meine ist und dennoch zu ihr Parallelen aufweist.
  10. #23719

    James Lee Burke

    Alles von James Lee Burke.
    Am besten mit "Half of Paradise" anfangen.








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