Forum: Kultur
Literatur - Was lohnt es noch zu lesen?
Bücher sind populär, über Bücher wird gestritten, manchmal werden Bücher noch verboten, sogar im Fernsehen erzielen Literatursendungen ("Lesen!") nach wie vor ansehnliche Quoten. Gute Zeiten für belletristische Literatur? Oder haben es literarische Texte heute schwerer denn je, inmitten der PR-Gewitter ihr Publikum zu finden? Gibt es noch die Lust auf den unbekannten Text oder ist gängige Literatur fast nur noch leicht verdauliche Häppchenware für Party-Smalltalk?
- #23680 09.05.2012 17:25 von
- #23681 09.05.2012 18:31 von
- #23682 10.05.2012 10:04 von
- #23683 10.05.2012 16:34 von
- #23684 10.05.2012 17:22 von
Versuch einer Selbstkritik
In der kurzen Vorbetrachtung zum Werk "Die Geburt der Tragödie", schreibt Friedrich Nietzsche das Folgende:
"Nein! Ihr solltet vorerst die Kunst des diesseitigen Trostes lernen,- ihr solltet lachen lernen, meine jungen Freunde, wenn anders ihr durchaus Pessimisten bleiben wollt;vielleicht dass ihr darauf hin, als Lachende, irgendwann einmal alle metaphysische Trösterei zum Teufel schickt - und die Metaphysik voran! ... Diese Krone des Lachenden..."
Als Motto für seine 1887er Ausgabe von "Die fröhliche Wissenschaft"
verwendete Nietzsche das Nachstehende:
" Ich wohne in meinem eigenen Haus,
Hab Niemanden nie nichts nachgemacht
Und - lachte noch jeden meister aus,
Der nicht sich selber ausgelacht." - #23685 31.05.2012 10:28 von
- #23686 02.06.2012 17:41 von
Der Wille zur Macht
Nietzsche wurde oftmals falsch verstanden,weil seine "liebe" Schwester, welche stock konservativ und nationalistisch war,seine Texte bearbeitet
hatte. So stammt der Gedanke "Wille zur Macht" nicht von Nietzsche selbst, sondern angeblich von der Schwester.
Man kann Nietzsche Kulturpessimismus vorwerfen,aber nicht, dass er humorlos war. Auch das mit der Peitsche wird ihm völlig humorlos angelastet, obwohl dies in einem ganz anderen Sinne zu verstehen ist.
"Wer Nietzsche "eigentlich" nimmt, wörtlich nimmt, wer ihm glaubt,ist verloren." (Thomas Mann)
"Ein Fälscher ist, wer Nietzsche interpretiert,indem er Zitate aus ihm benutzt. Im dieses Denkens ist jedes Metall zu finden, Nietzsche hat alles gesagt und das Gegenteil von allem." (G.Colli) - #23687 03.06.2012 12:36 von
- #23688 03.06.2012 13:49 von
Nietzsche ist nicht in erster Linie Philosoph sondern ein dichtender Denker. Einmalig ist seine Aufteilung des Lebens in ein dionysisches und ein apollinisches Prinzip. In seiner "Geburt der Tragödie" versteht er es, das Leben des Dionysos über das des Gekreuzigten zu stellen, obwohl beide ja eine ähnliche Historie haben.
Nietzsche ist einer der bedeutendsten Denker nach Schopenhauer. Bei ihm findet man Orientierung und die Kunst, die Dinge von der humorvollen Seite zu sehen.Das verunglückte Zitat von G.Colli hat folgenden Wortlaut:
"Ein Fälscher ist, wer Nietzsche interpretiert, indem er Zitate aus ihm benutzt. Im Bergwerk dieses Denkers ist jedes Metall zu finden..."
Man muss Nietzsche lieben, um seine tiefen Gedankengänge zu verstehen. Unserer Zeit mangelt es an dieser Liebe. - #23689 03.06.2012 14:01 von
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