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Literatur - Was lohnt es noch zu lesen?

Bücher sind populär, über Bücher wird gestritten, manchmal werden Bücher noch verboten, sogar im Fernsehen erzielen Literatursendungen ("Lesen!") nach wie vor ansehnliche Quoten. Gute Zeiten für belletristische Literatur? Oder haben es literarische Texte heute schwerer denn je, inmitten der PR-Gewitter ihr Publikum zu finden? Gibt es noch die Lust auf den unbekannten Text oder ist gängige Literatur fast nur noch leicht verdauliche Häppchenware für Party-Smalltalk?
  1. #10

    Gescheckte Menschen

    Zitat von sysop
    Bücher sind populär, über Bücher wird gestritten, manchmal werden Bücher noch verboten, sogar im Fernsehen erzielen Literatursendungen ("Lesen!") nach wie vor ansehnliche Quoten. Gute Zeiten für Literatur? Oder haben es anspruchsvolle Texte heute schwerer denn je, inmitten der PR-Gewitter ihr Publikum zu finden? Gibt es noch die Lust auf den unbekannten Text oder ist gängige Literatur fast nur noch leicht verdauliche Häppchenware für Party-Smalltalk?
    Habe das Buch "gescheckte Menschen" von Hugo Hamilton geschenkt bekommen. Es wurde bei Elke Heidenreich vorher besprochen. Vielleicht, weil in diesem Buch auch der Niederrhein (Kempen/Krefeld) eine Rolle spielt und die ganze Geschichte durch die Augen eines Kindes und in der Sprache eines Jungen erzählt wird, habe ich jede Zeile genossen. Dann erst habe ich den "Vorleser" von Bernhard Schlink gekauft und bin ziemlich erschrocken über die Tatsache, dass es doch Antworten auf viele Fragen gibt. Schuld ist doch begreifbar!Ich muß gestehen: Ich brauche schon einen "Vorkauer".

    Obwohl von mir gelesen, ist es komisch zum Party-Smalltalk über einen Carmelengo zu parlieren, der eine Antimaterie-Explosion über Rom herbeiführt, um dann mit einem Fallschirm abzuspringen. Ich würde es eher vermeiden.

    Empfehlen kann ich auch http://vorleser.net/
  2. #11

    Zitat von Aristophanes
    [...]
    Trotzdem möchte ich hier mal eine Lanze für die unbekannteren, modernen Autoren und auch die sogenannte Trivialliteratur brechen. Manchmal finden sich dort intelligenter Gedanken als in der "hohen" Literatur. Als Beispiel kann ich die Werke von Thomas Ligotti und Philip K. Dick nennen, beide werden, nicht nur in Deutschland, hoffnungslos unterschätzt.

    Mit Elke Heindereichs "Lesen!" bin ich nie warm geworden, (...)
    Dem möchte ich mich anschließen mit der Empfehlung, Neal Stephenson zu lesen, v.a. das "Cryptonomicon"
  3. #12

    Zitat von Aristophanes
    Als Beispiel kann ich die Werke von Thomas Ligotti und Philip K. Dick nennen, beide werden, nicht nur in Deutschland, hoffnungslos unterschätzt.
    Ich wuerde nicht sagen dass Dick trivial ist.

    Aber Du hast recht mit dem "voelig unterschaetzt".
  4. #13

    @ Joerg Grimm

    Stimmt, Dick ist nicht trivial, aber leider wird SF bei uns generell als trivial bezeichnet.
  5. #14

    lesen scheint mir ein grundbedürfniss zu sein..jedenfalls in gegenden wo man lesen kann :)

    deshalb wird auch immer gelesen werden...das meiste ist zwar von zweifelhafter qualität aber niemand wird gehindert auch thomas mann oder dostojewskij tu lesen, die gibts in jeder buchhandlung.

    und die diskussion zwischen trivial literatur und anspruchsvoller literatur sollten wir uns sparen...ein
    objektives maß ist hier nicht anzulegen. wenn jemand den
    "DaVinci-Code " für gute literatur hält-wie soll ich ihm das gegenteil beweisen?

    auch auf diesem weiten feld muß jeder nach seiner facon selig werden :)
  6. #15

    Lesen

    Zitat von Aristophanes
    Grundsätzlich ist ja jede Art von Literaturempfehlung subjektiv. Trotzdem möchte ich hier mal eine Lanze für die unbekannteren, modernen Autoren und auch die sogenannte Trivialliteratur brechen. Manchmal finden sich dort intelligenter Gedanken als in der "hohen" Literatur. Als Beispiel kann ich die Werke von Thomas Ligotti und Philip K. Dick nennen, beide werden, nicht nur in Deutschland, hoffnungslos unterschätzt.

    Mit Elke Heindereichs "Lesen!" bin ich nie warm geworden, das ist meiner Ansicht nach etwas für alte Jungfern.

    Auch wenn die letzte Bemerkung etwas frauenfeindlich ist - Sie haben recht! ;-))


    Ein Problem sehe ich überdies heutzutage darin, daß viele Buchhandlungen gerade zu "gleichgeschaltet" wirken: Waren es früher nur die Bahnhofsbuchhandlungen und einige Ketten, so sind es heute die Mehrzahl der Buchhandlungen, bei denen möglichst viele "Bestseller" stapelweise abgesetzt werden. (Mal ein Dan Brown ist ja o. k., aber doch bitte nicht ausschließlich.) Alternativen finden sich nur in bestimmten Gegenden, etwa in Großstädten oder in Uni-Nähe.

    Schon klar, keine Buchhandlung kann alles führen. Aber die größe Buchhandlung einer Großstadt ohne Klassiker-Regal? Wer da nicht online ist, weiß u. U. gar nicht, was es da alles gibt. Und vom Stöbern, dem In-die-Hand-nehmen, kann auch keine Rede sein. In der Innenstadt so mancher Großstadt kann man z.B. spontan kein einziges Insel-Taschenbuch mehr erwerben.

    Nicht daß ich irgendeiner Buchhandlungen den finsteren Gedanken der planmäßigen Volksverblödung unterstellen möchte, in Gegenteil: Das Massenzeugs verkauft sich eben - massenhaft!

    Die Frage ist doch: WARUM kaufen die Leute so gerne ausschließlich Schund?

    Auch wenn ich jetzt jemanden ärgere: Das liegt an 68. Wie viele Lehrer haben Goethes Faust in der Schule mit abfälligen Bemerkungen kommentiert oder überhaupt vom Curriculum gestrichen? Wo wird denn noch Bildung geschätzt? Vereinsmeister im Tennis? Super! Golf-Handicap hervorragend? Noch besser! Belesen? Seltsame Kreatur!

    Insgesamt zählen doch nur sog. Super-Stars mit einer Halbwertzeit von wenigen Wochen. Die klassische Literatur und Bildung, insbesondere die deutsche, werden verachtet.

    Wie wäre es denn, wenn das Fernsehen seinen Bildungsaufrag mal ernstnähme, und regelmäßig, sagen wir 1 mal im Monat, eine Literatursendung der "anderen Art" bringen würde: Ein klassisches Werk der Weltliteratur und ein literarische anspruchsvolles Werk der modernen Literatur werden ausführlich besprochen und erläutert, mit Hintergrund, Grafiken und allem Pipapo. Bei fremdsprachigen Werken auch noch die verschiedenen Übersetzungen. (So ähnlich wie die Sendung "Mit offenen Karten" auf arte bzgl. Geographie, nur länger und ausführlicher.)
    Das wäre besser als noch eine Talk-Runde mit eitlen Kritikern als Selbstdarstellern.

    Auf diese Weise würde doch eine breitere Menge an Zuschauern wieder Zugang zur Literatur erhalten. Häufig kann man ja heute - ohne größere Recherchemühen - gar nicht mehr wissen, was es überhaupt gibt!


    Meine Lesetips:

    Leo N. Tolstoi: "Anna Karenina"

    J. W. v. Goethe: "Die Wahlverwandtschaften"

    Alexandre Dumas: "Die Kameliendame"

    Günter de Bruyn: "Preußens Luise"

    Tom Wolf: "Königsblau"

    Jared Diamond: "Arm und Reich"

    Carlos Fuentes: "Der vergrabene Spiegel"

    Emile Zola: "Das Geld"

    Zbigniew Herbert: "Der Tulpen bitterer Duft"
  7. #16

    Das Problem mit der großen Literatur ist das gleiche wie mit den sogenannten Kunstfilmen. Die Kritiker lieben sie weil man so schön interpretieren kann (wo oft nichts ist) und der Normalbürger macht einen großen Bogen darum, weil das Zeug schlicht langweilig ist.
    Davon mal ab, gerade die Literatur der 68er hat, wie ich bei einer Literaturverleihung Mitte letzten Jahres, zu der ich zugegen war, ein gewisses Problem mit der modernen Ausdrucksweise, da wird heute geschrieben wie die Literaturstudenten in den 60er und Anfang der 70er gesprochen haben, was zwar für den unbedarften gebildet klingt (was wohl der Grund für diese Sprache ist), aber am Ende doch nur dahingestelztes Gesülze von Hobbyphilosophen. Die Substanz der meisten "Elite-Literatur" lässt dann doch eher zu wünschen übrig besonders aus Sicht eines Fachmanns des "beschriebenen" Gebietes, dass muss nicht immer Philosphie oder Religion sein. Die meisten selbsternannten Literaten diskutieren Stundenlang ob der Kanarienvogel im Käfig ein Symbol für die eigene Gefangenheit des Hauptdarstellers ist, so etwas ist müßig und am Ende ohne echten Nährwert, da der Philosoph sich hier abhebt und zwar vom Boden der Realität. Denn am Ende ist es völlig egal. Taten und nicht Symbole bringen die Handlung einer Geschichte vorwärts.
    Trivialliteratur hat, neben einem wesentlich besseren Unterhaltungswert, den Vorteil, dass sie durchaus auch Anspruchsvoll auf eigenen philosophischen Pfaden wandern oder einfach durch Vermittlung von "Wissen" die Allgemeinbildung prägen kann.
  8. #17

    Zitat von Julia B.
    Auch wenn die letzte Bemerkung etwas frauenfeindlich ist - Sie haben recht! ;-))
    Meine Bemerkung war eigentlich nicht frauenfeindlich gedacht, sondern "heidenreichfeindlich" ;-)

    Zitat von Julia B.
    Ein Problem sehe ich überdies heutzutage darin, daß viele Buchhandlungen gerade zu "gleichgeschaltet" wirken: Waren es früher nur die Bahnhofsbuchhandlungen und einige Ketten, so sind es heute die Mehrzahl der Buchhandlungen, bei denen möglichst viele "Bestseller" stapelweise abgesetzt werden. (Mal ein Dan Brown ist ja o. k., aber doch bitte nicht ausschließlich.) Alternativen finden sich nur in bestimmten Gegenden, etwa in Großstädten oder in Uni-Nähe.
    Nun ja, das deutsche Bestellsystem für den Buchhandel funktioniert meiner Erfahrung nach immer noch ausgezeichnet, so dass man sich alle Titel die über eine ISBN verfügen, problemlos bestellen kann. Die massenhafte Auflage bestimmter Titel stört mich nicht besonders, denn es zwingt mich ja keiner, das Zeug auch zu lesen.
    Alle Toleranz beiseite: Ich bin irgendwie stolz darauf, keine einzige Zeile von Dan Brown oder Rowlins gelesen zu haben ;-)

    Zitat von Julia B.

    Die Frage ist doch: WARUM kaufen die Leute so gerne ausschließlich Schund?"
    Wenn man gewissen Statistiken vertraut, kaufen viele Leute überhaupt keine Bücher ;-)
  9. #18

    Zitat von Aristophanes
    Alle Toleranz beiseite: Ich bin irgendwie stolz darauf, keine einzige Zeile von Dan Brown oder Rowlins gelesen zu haben ;-)
    Auf deutsch: Ich lästere hier über Dinge, die ich gar nicht kenne, weil es so einen Spaß macht, "dagegen" zu sein. Ziemlich arme Einstellung für einen lesenden Menschen, oder?
    Wo die Bücher doch überall rumliegen, kann es doch nicht schaden, sie mal in die Hand zu nehmen und sich ein, zwei Seiten anzutun. DANN kann man begründet und berechtigt lästern.
    Oder man erlebt eventuell eine Überraschung und stellt fest, dass der Hype zwar maßlos übertrieben, das Buch aber trotzdem wirklich gut ist. So ging es mir und vielen anderen mit Harry Potter.
  10. #19

    Zitat von Claudia K
    Auf deutsch: Ich lästere hier über Dinge, die ich gar nicht kenne, weil es so einen Spaß macht, "dagegen" zu sein. Ziemlich arme Einstellung für einen lesenden Menschen, oder?
    Wo die Bücher doch überall rumliegen, kann es doch nicht schaden, sie mal in die Hand zu nehmen und sich ein, zwei Seiten anzutun. DANN kann man begründet und berechtigt lästern.
    Oder man erlebt eventuell eine Überraschung und stellt fest, dass der Hype zwar maßlos übertrieben, das Buch aber trotzdem wirklich gut ist. So ging es mir und vielen anderen mit Harry Potter.
    Ich hab' Harry Potter am Anfang nur gelesen, weil ich drüber lästern wollte... und dann fand ich ihn gut. Und von Dan Browns Plots ist Harry Potter meilenweit entfernt. Bücher sind nun mal dazu da, Geschichten zu erzählen.

    Es gibt auch hervorragend geschriebene Bücher, die keine sehr guten Geschichten erzählen. Manche Bücher solltest du wegen der Geschichte lesen, Bobby. Sei nicht wie die Büchersnops, die das nie tun. Andere solltest du wegen der Worte lesen - der Sprache. Sei keiner von denjenigen, die immer nur auf Nummer Sicher gehen wollen und das nie tun. Aber wenn du ein Buch findest, das sowohl eine gute Geschichte, als auch gute Worte zu bieten hat, dann solltest du es wie einen Schatz betrachten.

    um einen meiner Lieblingsautoren zu zitieren.


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