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Literatur - Was lohnt es noch zu lesen?

Bücher sind populär, über Bücher wird gestritten, manchmal werden Bücher noch verboten, sogar im Fernsehen erzielen Literatursendungen ("Lesen!") nach wie vor ansehnliche Quoten. Gute Zeiten für belletristische Literatur? Oder haben es literarische Texte heute schwerer denn je, inmitten der PR-Gewitter ihr Publikum zu finden? Gibt es noch die Lust auf den unbekannten Text oder ist gängige Literatur fast nur noch leicht verdauliche Häppchenware für Party-Smalltalk?
  1. #19770

    Zitat von stoppelfeld Beitrag anzeigen
    Phantasie ist das eigentlich Schöpferische im Menschen, der Überfluss, der die Schönheit des Lebens ausmacht.(Walter Muschg)

    Gehört viel Phantasie dazu, einen Plot zu entwickeln, in dem
    ein bißchen die Abenteuer eines japanischen Dschungelkämpfers der das Ende des II. Weltkrieges verpasst hat auf deutsche Verhältnisse überträgt, das ganze in einen
    Mixbecher gibt und als non plus ultra einen Schuss "Alle Menschen sollen Brüder werden"- Aphrodisiakum zugießt. Wirklich viel Phantasie, aber ich liebe die Phantasie, ebenso wie Walter Muschg.
    Ihr Beispiel ist doch treffend. In der Regel braucht man nicht die Phantasie, da oft die Wirklichkeit unsere Phantasien übersteigt. (Siehe der Japaner im Dschungel...)
    Wenn ich z.B. die Holocaustliteratur lese, so interessiert mich das nicht nur historisch. Was der Mensch WIRKLICH IST, das interessiert mich und übersteigt oft meine Phantasie.
    Ergo, ich benötige nicht die Phantasie in Form einer Fiktion, da die gelebte Praxis eine Fülle von Neuheiten mir bietet, die oft meine Phantasien übersteigen.
    Das kann man sogar auf die Wissenschaften erweitern. Wenn Sie die Quantenmechanik nur im Ansatz begreifen, übersteigt das Begreifen oft jede Phantasie.
  2. #19771

    Zitat von KLMO Beitrag anzeigen
    Das kann man sogar auf die Wissenschaften erweitern. Wenn Sie die Quantenmechanik nur im Ansatz begreifen, übersteigt das Begreifen oft jede Phantasie.
    Heisenberg hat, philosophisch gesehen, die Möglichkeit einer freien Willensentscheidung eingeräumt, aber auch das ist nur eine Arbeitshypothese, also vorläufig. Daß ein Experiment das Experiment beeinflußt, sobald man sich nur tief genug ins Kleine begibt, ist doch eigentlich nicht mehr als eine Binse. Ich glaube, zukünftige Wissenschaftler werden ein deterministisches Weltbild zimmern, darauf sollten wir uns gefaßt machen, und dann wär's auch mit unserer ach so freien Willensentscheidung perdu. Die Jurisprudenz bliebe davon freilich unberührt, denn solange es sich für uns so anfühlt, als hätten wir einen freien Willen, dann ist das für uns subjektiv auch so. Die Gesetze könnten also ihre Gültigkeit behalten.
  3. #19772

    Zitat von KLMO Beitrag anzeigen
    Ihr Beispiel ist doch treffend. In der Regel braucht man nicht die Phantasie, da oft die Wirklichkeit unsere Phantasien übersteigt. (Siehe der Japaner im Dschungel...)
    Wenn ich z.B. die Holocaustliteratur lese, so interessiert mich das nicht nur historisch. Was der Mensch WIRKLICH IST, das interessiert mich und übersteigt oft meine Phantasie.
    Ergo, ich benötige nicht die Phantasie in Form einer Fiktion, da die gelebte Praxis eine Fülle von Neuheiten mir bietet, die oft meine Phantasien übersteigen.
    Das kann man sogar auf die Wissenschaften erweitern. Wenn Sie die Quantenmechanik nur im Ansatz begreifen, übersteigt das Begreifen oft jede Phantasie.
    Sehr gut getroffen. Ihnen gilt mein tiefer Respekt.
  4. #19773

    William Lovell

    Novalis war es,der in seinem Tagebuch das Folgende notiert hatte: "Höhere Jugend, höhere Freuden->Himmlische Luft, Freyheit, Freyheit- die Welt hienieden ist ein Gefägnis<".
    In der Tat gleicht die Welt von William Lovell einem Gefängnis und Labyrinth. Hier zeigt die Fantasie L. Tiecks die Verstrickungen des Menschenhasses und des taedium vitae
    so deutlich auf, wie sie in der Realität oftmals gegeben sind.
  5. #19774

    Zitat von Kryoniker Beitrag anzeigen
    Heisenberg hat, philosophisch gesehen, die Möglichkeit einer freien Willensentscheidung eingeräumt, aber auch das ist nur eine Arbeitshypothese, also vorläufig. Daß ein Experiment das Experiment beeinflußt, sobald man sich nur tief genug ins Kleine begibt, ist doch eigentlich nicht mehr als eine Binse. Ich glaube, zukünftige Wissenschaftler werden ein deterministisches Weltbild zimmern, darauf sollten wir uns gefaßt machen, und dann wär's auch mit unserer ach so freien Willensentscheidung perdu. Die Jurisprudenz bliebe davon freilich unberührt, denn solange es sich für uns so anfühlt, als hätten wir einen freien Willen, dann ist das für uns subjektiv auch so. Die Gesetze könnten also ihre Gültigkeit behalten.
    Dann hätte Nietzsche recht:

    Zur Beruhigung des Skeptikers - "Ich weiß durchaus nicht, was ich tue! Ich weiß durchaus nicht, was ich tun soll!" Du hast recht, aber zweifle nicht daran: du wirst getan! In jedem Augenblicke!
    Die Menschheit hat zu allen Zeiten das Aktivum und das Passivum verwechselt, es ist ihr ewiger grammatikalischer Schnitzer.
  6. #19775

    Quantenmechanik und Freiheit

    Zitat von Kryoniker Beitrag anzeigen
    Heisenberg hat, philosophisch gesehen, die Möglichkeit einer freien Willensentscheidung eingeräumt, aber auch das ist nur eine Arbeitshypothese, also vorläufig. Daß ein Experiment das Experiment beeinflußt, sobald man sich nur tief genug ins Kleine begibt, ist doch eigentlich nicht mehr als eine Binse. Ich glaube, zukünftige Wissenschaftler werden ein deterministisches Weltbild zimmern, darauf sollten wir uns gefaßt machen, und dann wär's auch mit unserer ach so freien Willensentscheidung perdu. Die Jurisprudenz bliebe davon freilich unberührt, denn solange es sich für uns so anfühlt, als hätten wir einen freien Willen, dann ist das für uns subjektiv auch so. Die Gesetze könnten also ihre Gültigkeit behalten.
    Die Schlussfolgerung aus der Quantenmechanik kann nur lauten:wären wir nicht frei, so könnten wir keine Erkenntnisse gewinnen. Um Fragen beantworten zu können, müssen wir denken. Denken setzt Freiheit voraus. Wenn wir determiniert wären, so wären wir nur Spielball höherer Mächte, aber ich will kein Schilfrohr im Wind sein.

    All meine Hoffnungen wären zunichte, wäre ich nicht frei. John Stuart Mill empfand den Determinismus als Albtraum.
    Wahre Freiheit bsteht aus dem Vermögen Schlussfolgerungen ziehen zu können und Entscheidungen zu treffen.

    Es gibt Bestandteile unseres Geistes, welche jedoch determiniert sind, deshalb wird die Wahrheit irgenwo in der Mitte liegen, denn wir sind nur zum TEil frei. Der andere Teil ist determiniert.
  7. #19776

    Zitat von stoppelfeld Beitrag anzeigen
    Die Schlussfolgerung aus der Quantenmechanik kann nur lauten:wären wir nicht frei, so könnten wir keine Erkenntnisse gewinnen. Um Fragen beantworten zu können, müssen wir denken. Denken setzt Freiheit voraus. Wenn wir determiniert wären, so wären wir nur Spielball höherer Mächte, aber ich will kein Schilfrohr im Wind sein.

    All meine Hoffnungen wären zunichte, wäre ich nicht frei. John Stuart Mill empfand den Determinismus als Albtraum.
    Wahre Freiheit bsteht aus dem Vermögen Schlussfolgerungen ziehen zu können und Entscheidungen zu treffen.

    Es gibt Bestandteile unseres Geistes, welche jedoch determiniert sind, deshalb wird die Wahrheit irgenwo in der Mitte liegen, denn wir sind nur zum TEil frei. Der andere Teil ist determiniert.
    Die Frage gilt der Quantität dieser diversen Teile.
  8. #19777

    Schrödinger Gleichung

    Die Schrödinger Gleichung ist ein weiterer Beweis dafür, wie sich die Logik und der Verstand zu höheren Sphären aufschwíngen können, wenn der Mensch in Freiheit forschen darf.
  9. #19778

    Zitat von stoppelfeld Beitrag anzeigen
    Die Schrödinger Gleichung ist ein weiterer Beweis dafür, wie sich die Logik und der Verstand zu höheren Sphären aufschwíngen können, wenn der Mensch in Freiheit forschen darf.
    Ich denke mal, es ist ein Beweis der besseren Methode des ergebnisoffenen Denkens. Ein Sieg über die eigene Borniertheit - sozusagen. Der Sieg über das: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf!
    -
    Die unmögliche Tatsache

    Palmström, etwas schon an Jahren,
    wird an einer Straßenbeuge
    und von einem Kraftfahrzeuge
    überfahren.


    "Wie war" (spricht er, sich erhebend
    und entschlossen weiterlebend)
    "möglich, wie dies Unglück, ja - :
    dass es überhaupt geschah?


    Ist die Staatskunst anzuklagen
    in bezug auf Kraftfahrwagen?
    Gab die Polizeivorschrift
    hier dem Fahrer freie Trift?


    Oder war vielmehr verboten,
    hier Lebendige zu Toten
    umzuwandeln, - kurz und schlicht:
    Durfte hier der Kutscher nicht -?"

    Eingehüllt in feuchte Tücher,
    prüft er die Gesetzesbücher
    und ist alsobald im Klaren:
    Wagen durften dort nicht fahren!

    Und er kommt zu dem Ergebnis:
    Nur ein Traum war das Erlebnis.
    Weil, so schließt er messerscharf,
    nicht sein kann, was nicht sein darf.

    Christian Morgenstern (Galgenlieder)
  10. #19779

    Freiheit, Vernunft und Wahnsinn

    Zitat von stoppelfeld Beitrag anzeigen
    Die Schlussfolgerung aus der Quantenmechanik kann nur lauten:wären wir nicht frei, so könnten wir keine Erkenntnisse gewinnen. Um Fragen beantworten zu können, müssen wir denken. Denken setzt Freiheit voraus. Wenn wir determiniert wären, so wären wir nur Spielball höherer Mächte, aber ich will kein Schilfrohr im Wind sein...
    Und wohin führt die Freiheit, Erkenntnisse gewinnen zu können, wenn nicht schließlich in einen Bereich, in dem sich die Wahl nur noch auf die Alternative vorsätzlichen Wahnsinns oder erwählter Vernunft bezieht?

    Alle unter den jeweilig anzuwendenden Kriterien, Falsch/Richtig als Irrtümer identifizierten und ausgeschlossenen Möglichkeiten hinterlassen am Ende nur einen Weg, den nicht zu gehen, Wahnsinn wäre. Es scheint so als wäre der denkende Mensch zur Entwicklung der Vernunft determiniert. Einige Philosophen deuteten dies so aus. Insofern könnte man auch sagen, die Freiheit unterliege einem Drall, der sie in eine Richtung lenkt, die wiederum einer Determination unterliegt, die die Anwendung der Freiheit verwirklicht, so lange sie nicht gegenteilig und widersinnig Chaos und Wahnsinn wollte.

    Nun gibt es aber noch eine ganz andere und sehr aktuelle Auslegung von Freiheit: Die Freiheit, alle Wünsche verwirklichen zu dürfen, ohne dafür bezahlen zu müssen. Das ist ein Traum, ein amerikanischer und ein kapitalistischer Traum, der aber einmal angeboten, die ganze Welt zu ergreifen vermag. Der bald in die Kinos kommende Film 'Surrogates' zu vermitteln, der auf einer fünfteiligen Graphic Novel von Robert Venditti und Brett Weldele basiert. Robert Venditti wurde durch das Schicksal Internetsüchtige zu den Comics inspiriert.

    Jene Interpretation von Freiheit und ihre eventuelle Machbarkeit durch technische Innovation steht wohl zwischen Vernunft und Wahnsinn - wahnsinnig gewordene Vernunft?








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