Leben wir im Kulturzeitalter der Retromanie?

Remakes im Kino, Sixties-Pop in den Charts, Vintage in den Läden: Die Popkultur scheint nur noch rückwärts zu schauen. Wir die zeitgenössische Kultur von Retromanie beherrscht?
  1. #1

    .

    Nein, sie baut auf dem auf, was vorher schon da war. Verwurschelt manches erneut (Retro) oder macht was ganz eigenes daraus.

    Machen die Menschen schon seit pi*Daumen 5000 Jahren so.

    Oder hat sich uns Adolf etwa nicht an den Prachtstraßen und Kollosalbauten Griechenlands und des Römischen Reiches orientiert?
  2. #2

    Kulturzeitgemäß scheint nicht viel Neues mehr zu kommen, außer technische Entwicklung.
    In den 60ern gab es vielleicht noch eine gewisse Hoffnung, die Welt bzw. deren drive ändern zu können.
    Dieser Glaube, die Aufbruchstimmung wird gelähmt, mehr und mehr schleicht sich eine Depression und Resignation ein.
    Deshalb schauen viele lieber zurück in glücklichere Jahre!
  3. #3

    Popkultur bedient im allgemeinen latent vorhandene Bedürfnisse; in ihrer Frühzeit war die Nachfrage nach Neuem ausgeprägt, weil die Tradierung historischer Anleihen (in Sitte, Bekleidung, Baukunst, Malerei usw.) überhandgenommen hatte... Popkultur begann als "Gegenkultur" - ob man auf die Frühzeit des Rundfunks zurückblickt oder die Anfänge von Rock'n'Roll oder Pop-Art. Nachdem die geburtenstarken Jahrgänge so langsam ins Vorruhestandsalter gekommen sind, jedoch ihren Idolen von einst noch immer zujubeln wollen, kann nicht verwundern, daß auch Popkultur "die Machart früherer Erfolge" zu perpetuieren gezwungen ist.
  4. #4

    Zitat von GinaBe Beitrag anzeigen
    Kulturzeitgemäß scheint nicht viel Neues mehr zu kommen, außer technische Entwicklung.
    Das ist nicht das Problem - kulturell gibt's durchaus weiterhin "Neuland zu entdecken", nur ist der Markt enger geworden; Musik- und Filmindustrie klagen über die vermeintlichen Verluste durch Raubkopierer, während jene eigentlich das virale Marketing für deren Produkte im gange halten, das durch den Rundfunk längst nicht mehr erreicht wird, weil Rundfunkprogramme nur noch als Hintergrundgeräusch konsumiert werden...

    Eines der (wirtschaftlich relevanten) Probleme ist, daß eben eine Vielzahl von Musikern, Studiotechnikern, Eventmanagern, Schauspielern, Filmhochschulabsolventen usw. "neue Werke" zu produzieren existenziell genötigt sind, während es gleichzeitig ein Überangebot an bereits verfügbaren und konservierten Werken gibt, die schon Kultstatus besitzen, aber durchaus einer jüngeren Generation von Zuschauern oder Hörern wegen veränderter Rezeptionsgewohnheiten kaum noch "vermittelbar" sind - insofern schafft ein Remake, wenn es denn gelungen ist, wenigstens die Neugier zu wecken, erstens die Story selbst zu goutieren und andererseits womöglich gar die Urfassung (von der ein Trailer auf der DVD der Neuverfilmung gewiß als "Extra" beigefügt ist) vielleicht schließlich auch entdecken zu wollen...
  5. #5

    Stray Cats

    Zitat von GinaBe Beitrag anzeigen
    Kulturzeitgemäß scheint nicht viel Neues mehr zu kommen, außer technische Entwicklung.
    In den 60ern gab es vielleicht noch eine gewisse Hoffnung, die Welt bzw. deren drive ändern zu können.
    Dieser Glaube, die Aufbruchstimmung wird gelähmt, mehr und mehr schleicht sich eine Depression und Resignation ein.
    Deshalb schauen viele lieber zurück in glücklichere Jahre!
    ... in VERMEINTLICH glücklichere Jahre ...
    Wie auch immer. Das letzte 50s Revival, an das ich mich erinnern kann, war so Anfang der 80er. Damals war ich begeister. Irgendwie lies es dann doch nach. Und dann war es endgültig vergessen. Einschließlich meiner Stray Cats Alben. Jahrzehntelang. Und jetzt kommt es wieder zurück? Die Dinge wiederholen sich also ungefähr nach ein bis zwei Generationen. Das nächste 50er Revival wäre dann also um 2040.
  6. #6

    kein remake

    hierbei handelt es sich doch überhaupt nicht um ein remake frau jenny zyka. bitte besser nachfaorschen. die rockabilly-szene gibt es seit jeher. diese hat sich jedoch im laufe der zeit auch weiterentwickelt. insbesondere hat sich seit den 80er durch einfluss der punk bzw. hardcore szene daraus punkabilly, psychobilly, etc. entwickelt.
    und genau diese szenen wrden von der popkultur entsprechend kopiert, insbesondere der modischen stil.

    peinlich, wenn man dann so rum läuft aber 0 szene-credibility hat und eigentlich jemanden verkörpert, der man nicht ist.
  7. #7

    Es geht doch nur um "Dekor" ...

    Zitat von GinaBe Beitrag anzeigen
    Kulturzeitgemäß scheint nicht viel Neues mehr zu kommen, außer technische Entwicklung.
    In den 60ern gab es vielleicht noch eine gewisse Hoffnung, die Welt bzw. deren drive ändern zu können.
    Dieser Glaube, die Aufbruchstimmung wird gelähmt, mehr und mehr schleicht sich eine Depression und Resignation ein.
    Deshalb schauen viele lieber zurück in glücklichere Jahre!
    Zitat von SINAN_75 Beitrag anzeigen
    ... in VERMEINTLICH glücklichere Jahre ...
    Wie auch immer. Das letzte 50s Revival, an das ich mich erinnern kann, war so Anfang der 80er. Damals war ich begeister. Irgendwie lies es dann doch nach. Und dann war es endgültig vergessen. Einschließlich meiner Stray Cats Alben. Jahrzehntelang. Und jetzt kommt es wieder zurück? Die Dinge wiederholen sich also ungefähr nach ein bis zwei Generationen. Das nächste 50er Revival wäre dann also um 2040.
    Ja, da ist was dran - ein erfolgreiches Revival braucht eigentlich eine neue Generation, die das alles noch nicht kennt und so neugierig darauf reagieren kann.

    Was mich sehr beruhigt: Wenn jetzt wieder Rockabilly-Musik in Mode kommt, dann sicher nicht auf Schellack oder Eight-Tracks, sondern nach wie vor auf dem iPod. Diese Retro-Wellen gehen nämlich fast nie soweit, daß sie den erreichten Fortschritt zurückdrehen. Klar, da gibt es Leute, denen Vinyl-LPs klanglich besser gefallen als alles Digitale. Aber die Retro-Musik wird trotzdem digital vermarktet (oder raubkopiert.)

    Auch sehe ich noch keinen Trend, zum Beispiel die weitverbreiteten Handies wieder durch vermehrte Aufstellung von öffentlichen Münzfernsprechern zu ersetzen.

    Die Rückbesinnung ist also eher oberflächlich und beschränkt sich auf Fragen des Stylings und des Musikgeschmacks. Und da erinnere ich mich an eine Phase, wo man einen neuen Stil etablieren wollte, und heraus kam Sichtbeton. Da ist es verständlich, daß man nicht alles enthusiastisch begrüßt, was als "NEU" angekündigt wird.
  8. #8

    Zitat von dorpf Beitrag anzeigen
    hierbei handelt es sich doch überhaupt nicht um ein remake frau jenny zyka. bitte besser nachfaorschen. die rockabilly-szene gibt es seit jeher. diese hat sich jedoch im laufe der zeit auch .....
    Die Rockabillys werden es überleben, die Punks, Metaller, Gothics, Harcorer und HipHops mussten es auch überleben im "Trend" zu sein und die "Echten" gibt es da ja auch noch wenn auch mit beachtlichem "Imageschaden"
  9. #9

    Retro - die neue Spiessigkeit.

    Letztlich handelt es sich bei diesem Phänomen eigentlich nur um eine neue vorm der Spiessigkeit. Hier wird ein Lebensgefühl, und somit auch einem gewissen Teil die Werte der 50ger, wieder aufgewärmt - da weiss man was man hat und muss sich nicht auf die anstrengende und verunsichernde Suche nach einer eigenständigen Identität machen. Mit Tätowierungen wird der Ruch des Outsiders aufrecht erhalten - auch wenn es mittlerweile schwieriger ist jemanden ohne Tätowierung zu finden.
    So machen die Jünger der Retro-Welle sich es gemütlich im bereits gemachten Nest, wo keinerlei Kreativität und Reflexion nötig ist, um an zu kommen. Baukastenmässig müssen nur die Versatzstücke des jeweiligen Retro-Stils mit einander kombiniert werden, um aus zu sehen wie alle anderen auch in der Szene. Das bekommt schliesslich jeder hin, der bereits mit IKEA-Möbeln seine Wohnung eingerichtet hat.

    Glücklicherweise besteht ja die Hoffnung das sich aus jeder Szene/Jugendgruppierung später mal was Eigenes entwickelt.