Forum: Kultur
Ist der Dalai Lama glaubwürdiger als der Papst?
Derzeit befindet sich der Papst erneut auf Reisen und stößt wie gewohnt nicht nur auf Jubel und freudiges Willkommen. Die letzten Skandale in der Katholischen Kirche kratzten zudem an seinem Image. Gerne wird dem Papst der Dalai Lama als spirituelle Leitfigur entgegengehalten - ist das Oberhaupt der Buddhisten glaubwürdiger als der Papst?
- #1 20.08.2011 10:02 von
Weltanschauung und Soziokultur
Der christliche Glauben hat für mich hauptsächlich mit Abgabe von meiner Verantwortung für meine Taten und Handlungen an ein "Höheres Wesen/Kraft/Gott/Institution zu tun, wohingegen der Buddhismus von mir aktive Handlungen verlangt. Pures Glauben ist hier nicht genug, ich muss viel tun, um den Regeln von einem Leben mit Buddhismus gerecht zu werden. Ich bin der ansicht, dass beide Prinzipien nicht miteinander verglichen werden können. Es liegt in der Natur eines jeden Selbst, für sich die richtige spirituelle Form zu Leben zu finden. Gut und richtig finde ich beim Buddhismus die aufforderung zum aktiven Tun, zum Gestalten meines Lebens im Sinne Buddhas, welches von mir Eigenverantwortlichkeit, aber auch wenig Dogmatismus verlangt. Buddhismus bedeutet sehr viel Liberalismus und Toleranz, was ich im christl. Glauben zwar geschrieben, im Leben aber seltener vorfinde. Buddhismus ist direkter, konkreter, unmittelbarer, ich habe hier kein Höheres Wesen, welches für mich die verantwortung übernimmt, mich in Gnade aufnimmt etc.. Schlussendlich gibt es Ähnlichkeiten, ich kann aber lediglich Mittelwege aus allen Glaubensrichtungen der Welt für "mein ganz persönliches" Glaubenskonstrukt wählen, weil ich in einer christl. geprägten Kultur geboren und aufgewachsen bin.
- #2 20.08.2011 12:18 von
- #3 20.08.2011 18:54 von oasis
Das Oberhaupt der Buddhisten - soso ...
a) Der DL ist das Oberhaupt der tibetischen Buddhisten
b) Siddharta Gautama selbst unterschied klar zwischen Lehre und Politik. Eine Anregung dazu, irgendwo staatliche Hoheitsgewalt zu übernehmen, wird man im (Ur)Dhamma nicht finden.
Je nun, was einem Papst recht ist, dürfte für einen Dalai Lama ja gerade mal gut genug sein, nicht wahr? - #4 20.08.2011 19:11 von oasis
Erst kieken, dann quieken
Gibt es wohl, und zwar die Bodhisattvas. Allen voran Avalokiteshvara. Der DL ist ja angeblich eine Emanation eben dessen welchen.
Falls Sie ihn mal anrufen wollen, Sie erreichen ihn unter dem Mantra:
Om Manipadme Hum. - #5 21.08.2011 12:53 von
Danke!
Vielen Dank für den Erleuchtungsversuch- er ist jedoch als Replique zu meinen vorherigen Ausführungen wenig geeignet, da ein Bodhisattva ja lediglich ein Vorausgehender ist auf dem Wege zur Buddhaschaft, den ich durch das Mantra bitte, mich mitzunehmen, zu begleiten:
http://de.wikipedia.org/wiki/Om_mani_padme_hum
Auch bezweifle ich, dass der Begriff der Emanation hier richtig zugeordnet wird, da es sich bei einer Emanation um ein Abbild handelt, quasi eine passive Reproduktion.
Im Buddhismus aber muss sich der auf dem Weg zur Erleuchtung befindliche die nächst höhere Erkenntnisstufe durch entsprechendes aktives Tun und Verhalten erarbeiten, ansonsten findet die Reinkarnation in einer niederen oder der gleichen Lebensstufe statt. Das steht somit im Ggs. zur christlichen Tradition, in der ich mich und mein Handeln in die Gnade Gottes begebe, abhängig mache, über mich ergehen lasse, was Gott/die Vorsehung für mich vorgesehen haben. Im buddhismus bin ich allein dafür verantwortlich. Eine sehr reife, tolerante Form von Autonomie. - #6 23.08.2011 15:42 von lis
falsche ausgangsposition
Ich gebe zu, meine Kenntnis des Buddhismus ist rudimentär, dazu kann ich also wenig sagen. Aber die Aussage zum christlichen Glauben kann ich schon beurteilen (auch wenn ich "kirchenfern" und ungläubig bin) und sie ist schlicht falsch. Wenn ein gläubiger Christ - flapsig gesagt - in den Himmel kommen will, muss er dafür durchaus etwas tun: Er muss gottgefällig leben - also z.B. die 10 Gebote befolgen (womit er u.a. weder stehlen, noch morden, noch ehebrechen darf und seine Eltern gut behandeln muss), er muss zudem Benachteiligten helfen, darf andere nicht verdammen und er sollte - Krone des Ganzen - pazifistisch sein (wenn Dir einer auf die eine Wange schlägt...). Christen können also die Verantwortung für ihr Leben und ihre Handlungen nicht einfach abgeben und sagen: "Ich bin eine Nervensäge/ein Schmarotzer/Gewalttäter - aber Gott hat es so gewollt". Weder im Alten noch im Neuen Testament wird er so einfach aus der Verantwortung für sich selbst entlassen. Sonst hätten sich die Bibelverfasser auch die Erfindung der Hölle als Strafe schenken können.
- #7 23.08.2011 16:17 von
- #8 24.08.2011 09:53 von
- #9 24.08.2011 13:32 von
^1^
Dann sind Sie offensichtlich ein dieser "im Westen" - da die Aussage "es gibt" - wie auch "es gibt nicht" ein Gebendes voraussetzt - das "es" in "es gibt" also.
Von Heidegger mit dem Sein identifiziert.
Daher ist die Frage, ob es Gott gibt ein Scheinproblem, da es nicht Gott sein kann, wenn er erst gegeben sein müßte.
Vielmehr meinen wir mit Gott eben dieses Gebende jeglichen seienden, jeglicher Existenz, also all dessen was "es gibt".
So auch die Auffassung des Bodhisattvas. Keineswegs bedeutet "nichts" dass der Boddisatva keine Entität sei.
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