Morgen wird alles anders sein, wir werden anders leben. Aber wie? Forscher haben jetzt ein Bild von der Gesellschaft und den Menschen der Zukunft entworfen. Wie sehen Sie die Gesellschaft der Zukunft? Halten Sie die Prognosen für realistisch?
Wenn ich dieses Flickwerk aus Media-Analyse-Katalogen, tumbem Trendforscherblödsinn und Raumschiff Orion lese, wird mir kotzübel. Haben die Kulturspiegelredakteure wirklich keinen anderen Zeitvertreib als uns diesen überkommenen Trendschund abzuliefern? Was die Sinus-Grafik betrifft: das wirklich Eins zu Eins Mediadaten-Analyse, die "Konsumtypen" sind so wohlfeil in der Leserschaftsanalyse jeder Provinzpostille abrufbar, also: where´s the beef?
ich fühle mich nicht repräsentiert. wo sind hier die akademiker, die fürchten, zu kurz zu kommen? die teils konservativ sind, teils "experimentalisten".
die genervt sind von: soziologen, die mit frei erfundenem schwachsinn anscheinend geld verdienen und mediale aufmerksamkeit bekommen, während es für sie selbst schwierig werden könnte trotz solider ausbildung
Da ich zu der Generation gehöre, die dann wohl die Macht hat, sage ich mal wie ich mir das vorstelle. Ohne Anspruch auf das tatsächliche Eintreffen dieser Vorstellung. Wir werden die Zwangsprostitution generell abschaffen. Die Menschenhändler einsperren oder ausweisen, die Huren werden eingebürgert und erhalten jedmögliche Hilfe als Entschädigung das dieser Staat es überhaupt zuließ. Wir lassen keine Afrikaner mehr in der Wüste oder auf Teneriffa verrecken, nur weil sie das elementare Recht auf die Suche nach ein bischen mehr Glück nutzen wollten. Wir werden die Abhängigkeit vom Öl tatsächlich abschaffen, und Fusionsenergie für die Fortbewegung und anderes verwenden. Wir werden sämtliche Diskriminierungen, wie im Grundgesetz verankert, auch tatsächlich verbieten, und den Menschen auch zeigen warum das so wichtig ist. Wir werden die freie Meinungsäusserung wieder stärken. Wir werden Politikern verbieten aus Kalkül Angst zu verbreiten. Wir werden die Bildung wieder erschwinglich für jedermann machen, also umsonst. Und vor allem werden wir die Menschheit ethisch, moralisch und menschlich einen Schritt nach vorne bringen. Damit sie Ungerechtigkeit erkennt, und der Egoismus auf normal Maß runtergefahren wird.
Endlich stellt mal jemand die alles entscheidende Frage: Nicht "wer sind wir" sondern "wo wollen wie eigentlich hin", respektive "wir wollen wir leben?".
Interessant, wenn mir auch ohne hinreichende wirtschaftliche Grundlagen derzeit unrealistisch vorkommend, ist die Vorstellung von mehr Gemeinschaften und den Schwärmen.
Wenn man das mal runterbricht landet man neuen Stämmen, die in einem Überbau miteinander und wohl auch nebeneinander existieren. Das ganze ist allerdings im Rahmen des Kommunitarismus schon länger ein Denkmodell.
die szenarien, die entwickelt worden sind, folgen alle der vorstellung von: friede, freude, eierkuchen. es werden im wesentlichen die ergebnisse der bisherigen wertewandelforschung fortschgeschrieben, ergänzt durch ein paar extrapolierte lebensstile inklusive unternehmen, die plötzlich ihr herz für das "citizenship" entdeckt haben.
schön, daß man bei solchen "szenarien", die prognosen der nachfolgestudien des "club of rome" nicht berücksichtigt, die leider für das jahr 2020 zu relativ dramatischen aussagen hinsichtlich der ökologischen rahmenbedingungen kommen.
zudem basieren die progrnosen auf einer problemlosen verfügbarkeit der meisten Güter, die auf den "faktormärkten" angeboten werden und da sieht es zunehmend schlechter aus mit dem angebot. woher kommt da also der glaube von sinus, die automobilindustrie hätte lediglich mit leichten anpassungsproblemen zu kämpfen.
auch ist die prognose, deutschland sei auf dem weg in eine wissensgesellschaft äußerst spekulativ. richtig ist, die überlebensfähigkeit des standortes "deutschland" wird davon abhängen, ob wir durch hochtechnologie unseren internationalen wettbewerbsvorsprung erhalten können, richtig ist aber auch, daß zum jetzingen zeitpunkt nicht abschließend beurteilt werden kann, ob die zwingend notwendige enge verbindung zwischen grundlagenforschung, angewandter forschung und serienorientierter fertigung ausreichend sicher gestellt werden kann.
allein aufgrund intellektueller redlichkeit hätte man auch ein szenario formulieren müssen, in dem deutschland als verlierer der globalisierung da steht, mit verheerenden konsequenzen für den wohlstand. und wie sagte bereits b. brecht: "erst kommt das fressen und dann die moral". und unter dieser voraussetzung kommt man zu einer projektion sozialer verhältnissse, die eher an die zwanziger jahre des letzten jahrtausend erinnern als an das aktuelle Jahrhundert.
man würde abschließdend "sinus" raten, sich ein wenig mit den grundlagen der szenariokonstruktion zu beschäftigen. nicht umsonst wird dort in der regel von einem "best" und einem "worst" case szenario gesprochen. oder war das "sozialdemokratische" szenario das "worst-case"???
Also ich denke, dass ich 2020 jww (janz weit wech) bin, irgendwo, wo es Arbeit gibt.
Während die Afrikaner alle verzweifelt nach Europa zu kommen versuchen, weil sie denken, dass sie hier besser leben als wo sie herkomment (was vllt. auch richtig ist), wandert aus Europa alles aus, was Arbeit sucht.
Dadurch verschärft sich die Situation zunehmend, da zu den arbeitslosen Europäern die arbeitslosen Afrikaner kommen, die zu spät erkannt haben, dass sie ca. 60 Jahre zu spät nach Europa gekommen sind.
Der Artikel liest sich wunderbar blumig, und ist ja auch darauf ausgelegt - aber - es bleibt mir ein Widerspruch. Natürlich handelt der Artikel von Deutschland. Dennoch ist die Gesellschaft, die skizziert wird, eigentlich eine, die sich durch Weltoffenheit etc. kennzeichnet, siehe auch schon die Stichworte "Transfair", "One World".
Wenn ich dieses Bild unterstütze, und das würde ich gerne, muss ich dann nicht auch in anderen Kategorien über meinen Horizont springen, und mich damit abfinden, dass es in dieser "wettbewerbsfreien Welt" auch keinen "Exportweltmeister" geben kann, und dass dem Ziel, in Pisa Studien den 2. Platz zu ergattern ein ausgeprägtes "Wir, und Wir müssen besser sein"-Gefühl zu grunde gelegt wird? Ich möchte noch nicht mal von Nationalismus sprechen, da dieser sehr negativ belegt ist, dennoch - Im Grunde des Begriffes hat sich die prophezeite Welt des Artikels genau hiervon noch nicht gelöst.
Um diesen Zwiespalt zu spüren, muss man aber auch nicht ins Jahr 2020, da reicht es schon, hier zu bleiben. Denn - dass es bei Pisa immer ganz schlicht darum geht, "besser als die anderen" sein zu müssen, dass die Ziele ersatunlicherweise nicht heissen: "In Europa, oder noch besser natürlich, aber noch entfernter, generell, sollten Kinder die Erziehung bekommen, mit 8/9 ordentlich lesen und schreiben zu können", sondern: "Unsere Kinder dürfen auf keinen Fall hinter 'den anderen' liegen" , anders ausgedrückt, die sollen schwächer sein als wir.
Um das zu überkommen, müsste sich entweder die Vorstellung des "Wir" ändern oder lösen, wobei dies menschlich nicht möglich sein mag und sich nur neue Formierungen bilden würden, oder der Gedanke des Wettbewerbs gegeneinander in einen des zusammen Weiterkommens wandeln.
Ja, soviel dazu, freue mich auf Antworten!
Sinus spielt mit Zahlen, spielen wir mal mit:
Mehr Bürger engagieren sich in Stiftungen, sammeln Geld für Museen, um die Kommunen zu unterstützen.
"Mehr Bürger", welch eine konkrete Angabe, gestern 2, heute 3 sind schon 50% mehr...
"76 Prozent der Unternehmer glauben, dass sie eine größere gesellschaftliche Verantwortung haben als andere Gesellschaftsgruppen."
Wer glaubt das nicht? Interessanter wäre die Frage wieviele von den 76% Arbeit aus dem Traumland Deutschland verlagern und wieviele aus ihrem Glauben Taten erwachsen lassen.
"Konsumenten entscheiden sich für Waren, weil sie deren Herstellungsprozess gutheißen."
??? Wann und wo weiß/wußte der Konsument wie die Güter produziert werden? Wer hat schonmal eine Textilfabrik in Vietnam, ein CD Presswerk in Tailand oder auch nur die Schlachterei "um die Ecke" gesehen. Was für eine Augenwischerei sog. Qualitätssiegel sind dürfte nicht erst seit den letzte Skandälchen (Gammelfleisch...etc.) bekannt sein.
"Sie kaufen neuerdings so viele Bio-Produkte, dass Aldi, Plus und Lidl nur mühsam den Nachschub für die Regale beschaffen können."
Liegt dies nicht eher am Preis, als am Zeichen "Bio"? Von einem exponentiellen Wachstum von Bioläden habe ich jedenfalls nichts mitbekommen. Dafür tobt der Preiskampf im Lebensmittelsektor. Liegt wahrscheinlich daran das wir Verbraucher mehr wert auf Qualität als auf den Preis legen...
Der Absatz von international fair gehandelten Produkten wie Kaffee oder Kakao unter dem Label "Transfair" stieg 2005 um 40 Prozent.
Siehe oben, in der Form auch eine wertlose Angabe. Gestern 10 Tonnen im Jahr verkauft, heute eben 14 Tonnen. Wie groß ist der Anteil am Gesamtmarktvolumen, wie hat sich der Absatz gleicher/ähnlicher Produkte im gleichen Zeitraum entwickelt. Zieht der Markt ganz einfach an...
Gleich noch eine Gegenthese, der Verkauf des Smart als umweltfreundliches Stadtauto ist gefloppt, BMW/Porsche verkauft dafür mehr als je zuvor. Sind wir deshalb gleich auf dem Weg in die Luxus Gesellschaft?
"Traue keiner Statistik die Du nicht selbst gefälscht hast"