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Comedy - war früher alles besser?

Loriot und Evelyn Hamann haben den deutschen TV-Humor entscheidend geprägt und Qualitätsmaßstäbe gesetzt. Wie sieht es heute mit Humor und Comedy in den Medien aus? War früher alles besser?
  1. #180

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Loriot und Evelyn Hamann haben den deutschen TV-Humor entscheidend geprägt und Qualitätsmaßstäbe gesetzt. Wie sieht es heute mit Humor und Comedy in den Medien aus? War früher alles besser?
    Ich würde nicht sagen früher, sondern eher dass es zu viel albernen Comedy-Klamauk gibt.

    Ich gehöre zwar der Generation 80er/90er an, aber ich tue mich äußerst schwer damit über die Mario Barths, Mittermeiers und Konsorten zu lachen. Ich finds einfach nicht lustig und kann überhaupt nicht verstehen, wie die es schaffen Stadien und riesiege Hallen zu füllen.

    Ich erhebe gar nicht den Anspruch auf politische Kabaret, im Gegenteil. Nur ein bisschen mehr Niveau. Z.B. Konrad Beikircher - für mich ganz großes Kabarett und sehr unpolitisch.

    Also meine Damen und Herren von der RTL/SAT1-Comedy-Front:
    ein bisschen mehr Arbeit in die Vorbereitung investieren, vielleicht wirds ja dann mal lustig...
  2. #181

    Ich zwar kein Fan eines Mario Barth, aber in wie weit ein Loriot bessere Comedy gezeigt haben soll entzieht sich mir vollkommen.
  3. #182

    Kabarett & Comedy

    Ich glaube hier wird ständig was vermischt...

    Das Kabarett ist keine Comedy in dem Sinne.
    Kabarett ist eine gesellschaftkritische und satyrische Theaterform mit komischen Elementen.

    Es ist, kann man sagen, ein spezifisch deutsches Ding. In anderen Ländern Europas gibt es das Kabarett in solcher Form kaum, viellicht noch in Frankreich hat es eine ähnliche Tradition, weiß ich nicht. Das heutige deutsche Kabarett ist in Nachkriegsjahren entstanden als quasi der linke Blick auf die deutsche Politik und die Gesellschaft und dieses Kabarett ist bis heute links geblieben. Und das ist die Einseitigkeit die vielen stört...
    Dieses Kabarett hat sich in der Richtung seit den 60-ern überhaupt nicht weiterentwickelt. Es ist im Grunde immer das gleiche. Man weiß wer sind in Augen der Kabarettisten die Bösweichte; CDU/CSU, die Kirche, besonders die Katholische, FDP...u.s.w.... Sie kriegen immer auf die Mütze... Mit der anderen, eigenen Seite; SDP, Grünen...etc. gehen die Kabarettisten liebevoll um, da sind die Scherze viel harmloser und netter...
    Fast alle diese Kabarettisten sind SDP- oder Grünenanhänger, oder gar der Linkspartei. Daraus machen manche auch keinen Hehl...

    Das Kabarett ist doch für ein kleineres Publikum gedacht, das sich politisch gut auskennt und bei den politischen Erreignissen immer aktuell und "update" ist. Dieses Publikum das da sitzt ist meistens auch links und so bleibt man ja unter sich...


    Denoch,... eins haben manche Kabarett-Sendungen doch geändert. Es ist sichtbar, daß sie immer mehr Klamauk eingebaut haben, um einer breiteren Masse doch zugänglicher zu sein. Früher waren die Kabarettsendungen oder Vorstellungen meistens langweilige Lehrstücke über die Politik, jetzt ist da doch einiges an Klamauk und Spaß drin....
    Ob Scheibenwischer oder Anstalt oder Mitternachtspitzen, oder wie sie alle heißen.... da nutzt man überall zum Beispiel die Parodisten, die die Politiker gut nachmachen können und das verspricht schon viel Lacher im Publikum...
    Jürgen Becker von Mitternachtspitzen bringt diesen Klamauk, den rheinischen Frohsinn und Karnevalstimmung von Haus aus mit..n Und sorgt immer in jeder Sendung für gute Laune. Sein Partner, Schmickler passt sich da auch gut an.. Nur am Ende der Sendung holt der Schmickler mit dieser finster-zörnigen Miene, den gnadenlosen Kritiker raus... Der klipp und klar sagt was Sache ist.
    Was in der Sendung vor dem Schmicklers Solo geschieht ist ein gemütlicher Polit-Spaß. Da werden die Politiker nachgemacht und veralbert,.. Wie die Nummer mit Loki und Smoki (Das rauchende Paar Schmidt)- da habe ich auch gelacht, oder der Beckers Spaßsong "Ich bin froh daß ich kein Evangelist bin"... Dazwischen treten auch welche jüngere Comedians auf, die nicht unbedingt politisch sind. Das ist alles schön volkstümlich, froh und lustig.. Das Schmiklers Wut-Solo am Ende ist dann so was wie ein Zugeständnis an die alten Kabarett-Seelen, es ist eigentlich eine quasi gesprochene Zeitungskolumne was der Schmickler macht. Er macht das gut, alles auf den Punkt gebracht, aber das ist eher ernsthafte Kritik als Satyre oder Humor...
  4. #183

    Kabrett & Comedy II

    ...Das Neueste aus Anstalt- Da ist der Priol der schon witzig aussieht für den Klamauk zuständig, und der Schramm ist für die älteren Kabarett-Fans mit mehr politischer Bildung. Also ich würde sagen schön ausgewogen. Priol macht was für die breiteren Massen, bzw. bringt die politischen Sachen einem breiterem Publikum näher und Schramm bedient das alte, typische Kabarett-Publikum und past auf daß der Klamuak nicht überwiegt... Priol kriegt Lacher, Schramm den Beifall für die Kritik.

    Scheibenwischer ist ähnlich... Jonas ist der listige, doppeldeutige, lockere Moderator wie es Hildebrand früher war. Der alte Rogler ist da schon der etwas brachiale volkstümliche Typ und da ist noch natürlich Matthias Richling, der für mehr Klamuak zuständig ist - der eigentliche Star der Sendung. Richling ist ein begnadeter Parodist und auch guter Schauspieler.. Der hat sie alle drauf; ob Stoiber, Merkel, U. Schmidt, Müntefering...und andere.
    Richling ist daher vielleicht der einzige Kabarettist der auch außerhalb der Kabarettszene, einem breiterem Publikum bekannt ist. Im Unterschied zu den alten Langweilern und Oberlehrern wie Schramm, oder Matthias Deutschmann sind, schafft Richling das politishe Kabarett einem breitem Publikum interessant zu machen
    Dafür hat ihn seinerzeit Rudi Carell auch in "Sieben Tage, sieben Köpfe" geholt wo Richling öfter als Gast-Comedian aufgetreten hat, als einziger Kabarettist in dieser Sendung.

    So Typen wie Deutschmann und Pispers sind die Verfechter der alten Schule. Da ist viel Belehrung und da kommen nur die Zuschauer mit, die täglich Phoenix kucken und und drei-vier Tageszeitungen lesen.. Also ein kleinerer Kreis...

    Ab Anfang der 90-er entwickelte sich eine neue Comedy-Szene in Deutschland die als Vorbild die amerikanische Stand-Up-Comedy hatte. Durch die Sendungen "RTL Samstag Nacht" und "Quatsch Comedy Club". Die neuen jungen Comedians brachten mit der Tradition des alten politischen Kabarets ab und widmeten sich eher unpolitischen Themen, bzw. sie mischen manchmal auch politische Themen mit, während das alte Kabaret sich auschließlich mit der Politik befasst.
    So ist Stand Up in den USA seit Jahrzehnten. Wo Comedians alle mögliche Themen behandeln, auch die Politik, aber nicht nur Politik. Ich persönlich finde Stand Up-Szene in Deutschland besser und vielfälltiger als das alte Kabarett.
  5. #184

    Zitat von Rockker Beitrag anzeigen
    ...So Typen wie Deutschmann und Pispers sind die Verfechter der alten Schule. Da ist viel Belehrung und da kommen nur die Zuschauer mit, die täglich Phoenix kucken und und drei-vier Tageszeitungen lesen.. Also ein kleinerer Kreis...
    Ich empfinde das weniger als Belehrung, viel mehr als Anregung über bestimmte Dinge nachzudenken.

    Und ich bin auch froh, wenn man "Späße - Aussagen - Behauptungen" aufgetischt bekommt, die nicht sofort ein "Brüller" sind, sondern 3-4-5 Sekunden brauchen - um verstanden zu werden.

    Brieli


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